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Heft 245, Oktober 2010  

 


Aktuelle Meldungen 633
Entscheid im Informalturnier 2008, Abteilung Selbstmatts 635
Entscheid im Informalturnier 2007/2008, Abteilung Dreizüger 637
Fritz Hoffmann: Schachfreunde getrennt-vereint 641
Bernd Schwarzkopf: Erster Zug, Typ C 642
Entscheid im Informalturnier 2005, Abteilung Retros 643
Stephan Eisert: Eile mit Weile 647
Entscheid im Informalturnier 2009, Abteilung Retros 648
Entscheid im Informalturnier 2008-2009, Abteilung Mehrzüger 655
Urdrucke 659
Lösungen der Urdrucke aus Heft 242, April 2010 668
Bemerkungen und Berichtigungen 682
Turnierberichte 683
Buchbesprechungen 687

Entscheid im Informalturnier 2008 der Schwalbe

Abteilung Selbstmatts, Preisrichter: Klaus Wenda (Wien)

Gruppe A: Zwei- und Dreizüger

Den intensiven Bemühungen des Sachbearbeiters Hartmut Laue ist es gelungen, eine kleine aber feine Kollektion von insgesamt 17 kürzer zügigen Selbstmatts zu publizieren. Diese Probleme weisen auch nach den strengeren Kriterien einer renommierten Fachzeitschrift genügend Qualität auf, um in einer eigenen Gruppe aus dem Schatten der dominanten Mehrzüger heraus zu treten. Es sind dies die Zweizüger 13720 (nebst Versionen B und C), 13785 und 13847, sowie die Dreizüger 13604, 13605v (i. d. F. Heft 240/2009,S.349), 13606, 13661, 13721, 13722, 13786, 13787, 13848, 13911,13912 und 13913.

1. Preis: 13912
Andreij Seliwanow

wKf1, wDa8, wTf6g4, wLe7h3, wSc5e6, wBc4g2h6, sKe5, sDb5, sTb1, sLd1, sBb2b6d3d7e4g3

s#3(11+10)

In vier kraftvollen Varianten wird das Bild von 2 hintereinander geschalteten w Turmkreuzen mittels einer T/D und T/L-Batterie auf das Brett gezaubert. Dass diese beiden T-Kreuze nicht völlig synchron sind, empfinde ich hierbei sogar als belebend. Das höchst anspruchsvolle Konzept in glasklarer ökonomischer Darstellung ohne verwässernde Nebenspiele sichert den Spitzenplatz. - 1.Dh8! [2.Tf5+ K:f5 3.Tg8+ Lg4#] d:e6/b:c5/D:c5(!) 2.T:e6+/Tf7+/Tfg6+ Kf5/K:e6/Kf5 3.Th4+/Tgf4+/T:g3+ Lg4#.

2. Preis: 13911
Peter Gvozdják

H. Laue gewidmet

wKa3, wDe1, wTa7e8, wLa8c7, wSb6d4, wBa2b2e3, sKc5, sTh2, sLf8h5, sBd2d3g6g7

s#3(11+8)

Angelpunkt des inhaltsreichen Problems sind die beiden ungedeckten Nachbarfelder des weißen Königs a4/b3. Deren alternative Besetzung durch einen der beiden Springer mit Blockwirkung führt zu einem schönen le Grand in einer Hauptvariante. 1.Te4? (dr.Sb3+A) d1T/S x 2.Sa4+B bzw. 1.Tb8! (dr.Sa4+B) d1T/S x 2.Sb3+A. Doch das ist nur der Auftakt eines fein verwobenen Variantengefüges. Nach 1.- d1D/L bzw. 1.- .Ld1 mit Deckung beider Felder bedarf es des S-Blocks nicht und Weiß kann wieder in Verführung und Lösung reziprok vertauscht mit ...2.Sd7+/2.Se6+ bzw. ...2.Se6+/Sd7+ fortsetzen, wobei er aus der Öffnung bzw. der unterbliebenen Öffnung der D-Diagonale e1-b4 Nutzen zieht. Dabei ist zu beachten, dass bei offener D-Linie die T-Linie e4-b4 bzw. b8-b4 geschlossen bleiben muss und vice versa. Dies zeigt im Ergebnis eine scharfsinnig erdachte Motivinversion. Elemente einer zentrischen Symmetrie entlang der Achse a7-g1 sind beim vorgegebenen Schema wohl unvermeidlich. - 1.Te4? [2.Sb3+ Kb5+ 3.Tb4+ L:b4#] d1T,S 2.Sa4+ Kc4+ 3.Db4+ L:b4#, 1.- d1D,L 2.Sd7+ Kc4+ 3.Db4+ L:b4#, 1.- Ld1 2.Se6+ Kb5+ 3.Tb4+ L:b4#, aber 1.- Th4!, 1.Tb8! [2.Sa4+ Kc4+ 3.Tb4+ L:b4#] d1T,S 2.Sb3+ Kb5+ 4.Db4+ L:b4#, 1.- d1D,L 2.Se6+ Kb5+ 3.Db4+ L:b4#, 1.- Ld1 2.Sd7+ Kc4+ 3.Tb4+ L:b4#.

3. Preis: 13786
Daniel Papack
Peter Sickinger

wKh3, wDb8, wTa1, wTc1, wLh4, sKg1, sTh1, sLe8, sSe5, sSf1, sBc6f3h5h2

s#3(5+9)

Gefällt mir insgesamt besser als die thematisch verwandte Nr.13604. Das Problem ist vielleicht nicht so spektakulär wie die beiden voran gereihten, besticht aber durch subtile Eleganz. Die Batterietransformation nebst Vertauschung der weißen Züge im Schema AB/BA beweist erlesenen künstlerischen Geschmack. - 1.D:e5? Ld7+!; 1.Ta4! [2.D:e5 Ld7+ 3.Tg4+] 1.- Ld7+ 2.Tg4+ S:g4 3.D:h2+ S/T:h2#, 1.- Sg4 2.D:h2+ S:h2 3.Tg4+ S/h:g4#, 1.Tc4? Lg6! (2.D:e5 Lb1!).

4. Preis: 13720
Daniel Papack
Arno Tüngler

wKd5, wDh1, wTd2g7, wLb1c1, wSc6g4, sKf5, sDb4, sTa4b5, sLc5, sSc8d4, sBb6b7c3e4f4f6

s#2(8+13)

Der beste Zweizüger des Turniers. Die Verknüpfung der Motive von fortgesetztem Angriff und fortgesetzter Verteidigung mit den intellektuellen Gewürzen Hannelius-Thema und Motivinversion ist von hoher Originalität und zeigt die Richtung auf, in welcher der zeitgemäße Selbstmatt-Zweizüger nach wie vor Entwicklungspotenzial besitzt. Es lohnt sich, die vorbildhaft ausführliche Lösungsbesprechung in H. 234/2008, S. 659ff. nochmals zu studieren. - 1.Td...? [2.S:d4+] Sd...!, 1.Tc2(!)? Sd... 2.D:e4+ D:e4#, aber 1.- Sf3!, 1.Tg2(!)? Sd... 2.L:e4+ D:e4#, aber 1.- Sc2!; 1.Tf2! Sd.../Sc2(!)/Sf3(!) 2.Se3+/D:e4+/L:e4+ L:e3/D:e4/D:e4#.

1. Ehr. Erw.: 13605v
Mike Prcic

wKd1, wDh6, wTf6h4, wLa4, wSd5e4, wBb3b4e3f3, sKd3, sDg5, sTa1, sLb1, sSa5, sBa2c7d7e5

s#3(11+9)

In 2 Varianten werden einmal die sD, dann der sS zum Schlag eines wB gelenkt. Diese Beseitigung der weißen Masse wird anschließend nach Ablenkung von D bzw. S als Öffnung weißer Linien genutzt. Die mit Zugzwang endende Variante nach Annahme des T-Opfers (1.Td6! c:d6) ist eine hübsche Zugabe. Leider bleiben bei ansonsten guter Ökonomie wLa4/wDh5 jeweils in der 2.Variante untätig. - 1.Td6! [2.Sf4+ K:e3 3.Td3+ L:d3#] S:b3/D:e3 2.Sc5+/Sf2+ S:c5/D:f2 3.Lc2+/D:d2+ L:c2/D:d2#. (1.- c:d6 2.Lb5+ Sc4 3.D:g5 Lc2#.)

2. Ehr. Erw.: 13606
Živko Janevski

wKd5, wDe1, wTg4, wTg6, wSf8, wSh7, wBc6, wBd6, wBe3, sKf5, sDh4, sTg3, sLh2, sLh3, sBb5, sBb6, sBc4, sBc5, sBf6, sBf3, sBg2, sBh5

s#3(9+13)

Schlagdifferenzierung auf g4 mit Anklängen einer fortgesetzten Verteidigung. Die gedrängte Stellung und der nahe liegende Schlüssel durch die abseits stehende Dame stehen einer höheren Platzierung entgegen. - 1.- T:g4 2.Db1+ Te4 3.D:e4+ D:e4#, 1.Dc3! [2.Tf4+ D:f4 3.e4+ D:e4#] h(L):g4 2.T:f6+ D:f6 3.De5+ D:e5#, 1.- T:g4(!) 2.Dc2+ Te4 3.D:e4+ D:e4#, 1.- D:g4(!) 2.e4+ Kf4 3.Se6+ D:e6#. 1.Da1? D:g4!

3. Ehr. Erw.: 13720 B
Daniel Papack
Arno Tüngler

wKd3, wDc7, wTa1b8, wLa6c1, wSa7g7, wBe5f2, sKb3, sDf4, sTd7g4, sLg5, sSd4d5, sBb4c2c3e2e3f3f5g3

s#2(10+15)

Ungeachtet der Bescheidenheit der Autoren, die darin nur eine Version des Preisträgers Nr. 13720 sehen wollten, verdient dieser eigenständige Zweizüger mit seinem schönen Auswahlschlüssel hervorgehoben zu werden. - 1.Sb5? S4... 2.Dc4+, 1.- Sc6!, 1.Sc6? S4... 2.Lc4+, 1.- Sb5! 1.Se6! Sc6/Sb5/S:e6 2.Lc4+/Dc4+/D:c3+ (1.S:f5? 1.- Se6!).

1. Lob: 13787
Živko Janevski

wKd6, wDd4, wTf8, wLb3, wLe7, wSd5, wSf3, wBc5, wBc6, wBd7, wBe2, wBh3, sKf5, sTa3, sTg1, sLh2f7, sSf1, sBd3, sBf4, sBg6

s#3(12+9)

Ein Problem mit löserwirksamen Zutaten (3 Varianten, Damenopfer, Batterien, ep. Schlag) im routinierten Stil des Mazedonischen Großmeisters. - 1.Sg5! [2.e4+ f:e3e.p.+ 3.De5+ L:e5#] Tg3/d:e2/Sg3 2.D:d3+/Lc2+/Se3+ T:d3/Td3/f:e3 3.e4+/D:f4+/De4+ f:e3e.p./L:f4/S:e4# (1.- Sd2,e3 2.S(:)e3+ f:e3 3.De5+ L:e5#, 1.Sd2? g5!).

2. Lob: 13913
Peter Sickinger

wKd3, wDg8, wTf4g5, wLb5e3, wSc8, wBb3c2c6f2, sKe5, sTa6, sLf1h8, sSe2, sBa7b4c3f5f6g2

s#3(11+11)

Die sympathische Aufgabe gleitet in ruhigem Fahrwasser mit hübschem Deckungs- und Blockwechsel auf den Feldern c4 und e3. - 1.Td4? [2.f4+ S:f4#] f:g5!, 1.Df7! [2.De7+ Kd5 3.Td4+ S:d4#] T:c6 2.Td4 [3.f4+ S:f4#] f:g5 3.Te4+ f:e4#, 1.- f:g5 2.Lc4 [3.Te4+ f:e4#] g:f4 3.Ld4+ S:d4#.

3. Lob: 13848
Yuriy Gordian

wKh1, wTe4e6, wLc7d1, wSe2, wBd3, sKf3, sTb7h3, sLa7a8, sSh2, sBb4f2g3g4g6h4

s#3(7+12)

Der strategische Tiefgang der Hauptvariante mit sekundärer Motivinversion verhilft der Komposition zur Aufnahme in diesen Preisbericht. Der Trial nach 1.- f1S bleibt aber insbes. im Vergleich mit der in der Lösungsbesprechung (Heft 236/2009,S.98) zitierten makellosen Vergleichsaufgabe von V. Gülke aus Schach-Aktiv 2004 ein nicht zu vernachlässigender Schwachpunkt. - 1.T6e5! [2.S:g3+ K:g3 3.T:g4+ S:g4#] T...\ 2.Te3+ L:e3 3.T:e3+ K:e3#, 1.- Tb6(!) 2.Tf5+ g:f5 3.Te3+ K:e3#, 1.- f1D+/L 2.Sg1+/Sd4+ Kf2 3.Tf4+ Sf3#.

Wien, im Mai 2010
Klaus Wenda
Die Abt. B (s#-Mehrzüger) wird in einem der kommenden Hefte publiziert.

Fritz Hoffmann: Schachfreunde getrennt-vereint

Überdachtes Deutsch von Fritz Hoffmann, Weißenfels

Das Schwalbe-Treffen 1990 in Lüneburg - so lautet der volle Titel des danach gefertigten Kongressbuches von W. E. Kuhn - ging vor 20 Jahren vom 12. bis 14. Oktober bei schönstem Heide-Herbstwetter über die Bühne. Es hatte runde zehn Tage nach dem offiziellen Vereinigungstag der Deutschen einen besonderen, gleichsam schachhistorischen Charakter: Im Rahmen einer solchen Treff- und Tagungsgesellschaft begegneten sich ja erstmals Mitglieder und Freunde der Schwalbe-Vereinigung aus Ost und West in umfassender Runde, und über 120 Fotos in dem 462-Seiten-Band aus dem Fleiß-Atelier von WEK bezeugen, wie die über Jahrzehnte Getrennten das Zusammensein sachlich nutzten und freudig auskosteten.
Von "Wiedervereinigung" war damals viel die Rede. Aber für den Schwalbe-Verbund traf dieser Ausdruck eigentlich nicht so recht zu: Die Vereinigung war ja dank Schrift und Bild nie getrennt gewesen, und in der Serie vieler Schwalbe-Hefte aus den 60er, 70er, 80er Jahren ist unübersehbar das theoretische und auch praktische Zusammenwirken der Aktiven "von hüben und drüben" beschrieben und dokumentiert worden.
1990 nun krönte Winfrieds Kongressbuch den Abschluss der Zwei-Staaten-Zeit in der Schwalbe-Geschichte auf geradezu enzyklopädische Weise,- Werk eines unermüdlichen Reporters, der den imaginären Titel "Schachchronist" auf seine unnachahmliche Weise geadelt hat.
Was alles in dem Lüneburger Geschichtsbuch an Historischem zusammengetragen und an Aktuellem besprochen worden war, ist nicht in einem Zwei-Seiten-Artikel gebührend zu würdigen. Ich greife hier nur ein Detail auf, das zu einem anderen Schachtreffen, zu einer anderen Problemsammlung und damit zu einem anderen Schachforscher überleitet. Im Lüneburger Kongressbuch ist auf Seite 371 das 1989 am Schweriner See veranstaltete Mai-Treffen erwähnt worden. Die Fachdiskussionen hatten sich dort auch um problem-thematische Anforderungen gedreht, u. a. um das Gamage-Thema. Ein Nachhall zu diesem Themen-Disput erscheint in dem Meredith, den ich gezielt für die Lüneburger Urdruck-Parade eingereicht hatte. In dieser Aufgabe zeige ich das Gamage-Thema mit Typ 1 (gefesselte Dame seitlich verstellt) und mit Typ II (Hinterstellung der gefesselten Dame) in parallelen Varianten.
Friedrich Chlubna, der "Versunkene Schätze" (1998) aus der Vor-Alben-Zeit gehoben hatte, machte uns auf eine vorzeitige Gamage-Darstellung aufmerksam, die unser Interesse verdient. Und vor anderthalb Jahren stach mir eine dreizügig konzipierte Paraphrase aus der Koproduktion der Rochade-Europa-Magister in die Augen.
Die Wortkopplung "getrennt-vereint" rechtfertigt die Eingliederung meines Essays in die Serie "Überdachtes Deutsch". Aber er ist ein Memorial für zwei bedeutende Problemhistoriker, denen wir viel zu verdanken haben: Winfried E. Kuhn (1947-2004), der in den 9Oern durch seine "Jahrbücher" allerhand Schachgegenwart gesammelt hat, und Friedrich Chlubna (1946-2005), der weit in die Schachvergangenheit zurückgetaucht war. Auch sie waren getrennt-vereint in ihrem Forscher- und Sammler-Metier: getrennt in den durchmusterten Zeitläufen, vereint im Geist der Schach-Erbewürdigung.

Thomas Taverner

Liverpool Mercury 1891

1. Preis

wKa7, wDe2, wTb7, wLa8, wSe8f4, wBa6d4g3h4, sKf5, sTc5f8, sSd2, sBf7g4

#2 (10+6)

1.Db5! Zz. S... /Se4/Sc4 2.Dd3/Dd7/Db1#.

Fritz Hoffmann

Lüneburger
Schwalbe-Treffen 1990

wKa1, wDb7, wTa4f2, wSe2, sKh1, sDe4, sLa8, sBc5f5g5

#2 (5+6)

1.Db1+/Dh7+? D:b1/Dh4!; 1.Tc4? Dg2!; 1.Ta3! [2.Th3#] Df3/g4 2.Db1/Dh7#.

Franz Pachl
Hermann Weißauer

wKa7, wDh7, wTf8, wLh3, wSb4e1, wBc4d2d4e3f4g2, sKe4, sTg6h6, sLb7h8, sSg8h4, sBb6d5e2e5g3

#3 (12+12)

1.Sbc2/Sa2? d:c4/e:d4!; 1.Lg4! [2.Lf3+ S:f3 3.g:f3#] Lf6/Sf6 2.Sbc2/Sa2 d:c4/e:d4 3.D:b7/De7#.

 


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