Heft 283, Februar 2017 voriges Heft

Todesfälle

Rudolf Glenk aus Forchheim war seit einiger Zeit gesundheitlich angeschlagen. Trotzdem kommt die Meldung von seinem Tod am 3.1.2017 im Alter von 79 Jahren (geb. am 12.12.1937) unerwartet, schien es doch, dass es ihm wieder besser ging; erst Ende letzten Jahres hatte er die zweite Auf lage seiner Schrift Kachelofenprobleme vorgelegt, in der er die auf seinem individuell gestalteten Ofen dargestellten Schachprobleme vorstellte. Der Verstorbene war ein großer Schachbuchsammler mit besonderem Interesse am Problemschach. Viele werden ihn noch als Organisator des Schwalbe-Treffens 2007 in Forchheim in Erinnerung haben. Im privaten Rahmenprogramm dieses Treffens konnten mehrere Teilnehmer damals auch einen Einblick in seine eindrucksvolle Sammlung nehmen.

Kalenderblatt

Sándor Hun

Magyar Sakkvilág 1936

1. Preis

wKd8, wTh6, wLe1, wBb4d4f2h5, sKh4, sDg7, sTc5g5, sBc4c6e4f3f4g4

h#3 (7+10)
b) → a1

Der ungarische Komponist Sándor Hertmann veröffentlichte seine ungefähr 350 Probleme unter dem Pseudonym Sándor Hun (29.9.1906-1942). Zusammen mit Gyula Neukomm und Sándor Boros gehörte er zu den Hauptvertretern der ungarischen Vorkriegs-Problemschule; der Statistik nach war er im Zeitraum 1921-1937 Zweiter in der Rangfolge der erfolgreichsten ungarischen Autoren. Im Hilfsmatt gehörte er zu den ersten, die die sich durch Zwillingsbildung bietenden Möglichkeiten nutzten:
a) 1.D:d4+ Td6 2.D:f2 Td2 3.Dg3 Th2#,
b) 1.D:d4+ Lc3 2.Dg7 Lf6 3.Dg6 h:g6#.

Auf den französischen Komponisten Anatole Mouterde (1874-1942) gehen ungefähr 100 Studien, die er zwischen 1912 und 1924 verfasste, und zahlreiche Probleme unterschiedlicher Art zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der französischen Problemistenunion UPF.

Vor 100 Jahren wurde der Studienspezialist Hugh Francis Blandford (24.1.1917-20.9.1981) geboren. Er betreute von 1951 bis 1972 die Studienabteilung im British Chess Magazine und gehört mit Richard Kenneth Guy und John Roycroft zu den Begründern des GBR-Systems zur Klassifizierung von Studien.

Siegfried Brehmer

Schach 1951/I

1. Preis

wKc7, wDh3, wTf8, wLe7, wSb4g3, wBh6, sKg6, sTf2, sLd1, sSd8, sBc4e6f6g5h7

#4 (7+9)

Der bevorstehende 100. Geburtstag Siegfried Brehmers (12.1.1917-30.5.1996) war Anlass genug, wieder einmal in seinem großartigen Buch 100 & Ein Schachproblem von Siegfried Brehmer zu lesen, das unter Mitarbeit von Wieland Bruch entstand und 1996 in der Edition feenschach-phénix erschien. Neben dem Aufgabenteil wird darin auch Brehmers Lebensweg nachgezeichnet. "Mit 17 Jahren begann, was bald zur Sucht auswachsen sollte: In der Schule malte ich ständig Diagramme und versuchte, sie zu bearbeiten"; sein erstes Problem erschien 1935. Das angestrebte Studium der Mathematik musste, bedingt durch die Verwerfungen des 2. Weltkriegs, noch 16 Jahre warten. 1952 wird seine Kompositionstätigkeit für 30 Jahre unterbrochen. Während dieser Zeitspanne entstehen nur drei Probleme - aber was für welche! (Bitte selbst nachlesen!) Hier wage ich es, einen vielfach nachgedruckten Vierzüger zu zeigen: 1.Kd7! droht 2.Tg8+ Kf7 3.Tg7#, aber der wK setzt sich zwei Schachgeboten aus: 1.- Td2+ 2.Sd3 T:d3+ 3.Kc8 [4.T:f6#] 3.- Tf3 4.Dh5# oder 3.- Sf7 4.Tg8#; 1.- La4+ 2.Sc6 L:c6+ 3.Kc7 [4.Dh5#] Lf3 4.T:f6#. Brehmer erläutert das Geschehen kurz und knapp: "Doppelsetzung einer vollständigen Perilenkung, in einen L/T-Grimshaw mündend. Dies ist wohl meine beste Aufgabe... Ich habe festgetellt, dass auch Schachfreunde, die nur wenig Interesse am Problemschach haben, von dieser Aufgabe beeindruckt sind, und dass zum Verständnis der Idee keinerlei theoretische Erläuterungen notwendig waren." - ein Zeichen höchster Qualität und Klarheit in der Darstellung.

Als Zwölfjähriger hatte sich Constantin Schwede (30.10.1854-10.2.1917) die Schachregeln aus Zeitungsrubriken erschlossen, ab 1870 erwarb sich der gebürtige Dresdner im Kreis der "Augustea" eine beachtliche Spielstärke. Kurz danach besteht er mit 16,5 Jahren das Abitur, sein Philologiestudium in Leipzig führt 1875 zur Promotion des 21jährigen. 1872-1878 wirkt er, noch als Student, an der Redaktion der Deutschen Schachzeitung mit (ab 1876 als Herausgeber), 1873 ist er Mitherausgeber des Turnierbuchs zum ersten internationalen Wiener Schachkongress, 1877 Gründungsmitglied des Deutschen Schachbunds, 1880 gibt er die 5. Auflage des "Bilguer" heraus und ab 1881 redigiert er den Thüringer Hausfreund in Erfurt. All dies wird von einer umfangreichen Kompositionstätigkeit und praktischem Spiel begleitet. Weitere Angaben zu Schwede sind im Kalenderblatt zu Schwedes 150. Geburtstag im Heft 209 (Okt. 2004) zu finden.

Pierre Bansac

UPF 1945

1. Preis

wKh8, wDh1, wTc8, wLb3c3, wBa5b6d6e5, sKa1, sLb1, sSb2, sBa2a3c7e6

#4 (9+7)

Der vor 125 Jahren geborene französische General Charles Rinderknech versteckte sich als Problemist hinter dem Pseudonym Pierre Bansac (23.1.1892-13.8.1978), unter dem er bedeutende Beiträge zur Problemtheorie in französischen Zeitschriften publizierte. Im L'Echiquier de Paris betreute er zwischen 1946 und 1953 verschiedene Problemspalten. Hier sei seine Realisierung eines Pickaninny im Vierzüger gezeigt: Nach 1.L:e6? folgt auf 1.- c6/c5 2.Df1 c5/c4 3.Dc4 L~ 4.D:a2# und auf 1.- c:d6 2.Dd5 d:e5 3.L:e5 L~ 4.D:a2#, aber 1.- c:b6! verteidigt. Nach dem Schlüssel 1.Dd1 herrscht Zugzwang: 1.- c6 2.Lc4 c5 3.Db3 nebst 4.D:a2#, 1.- c5 2.De1 c4 3.Ld1 L~ 4.Lc2#, 1.- c:d6 2.D:d6 L~ 3.D:a3 nebst 4.D:b2; 1.- c:b6 2.L:b2+ a:b2 3.L:a2 [4.D:b1#] K:a2 4.Da4# oder 2.- K:a2 3.L:e6 [4.Dd4#] 3.- Lc2/Ld3 4.T:c2/Dc1#.

Ein heute weitgehend vergessener Problemkomponist war Paul Puchalla (1.2.1892-16.6.1927), dessen nur 20 Aufgaben umfassendes Werk 1928 im Heft 1 von Promadas, dem Problemmagazin des Deutschen Arbeiterschachbunds, vorgestellt wurde. Puchalla begann im ersten Weltkrieg zu komponieren und gehörte zu den ersten Problemisten in der Arbeiterschachbewegung. Seine Karriere war nur kurz, denn 1927 erlag er einer schweren Krankheit, die er sich im Krieg zugezogen hatte.

Darso James Densmore

Pittsburgh Gazette-Times
1916

wKe1, wTb3h1, wLe4, wSe2, wBd3e5f4, sKe3, sDd7, sLe8, sBh3h4

#4 (8+5)

Der vor 150 Jahren geborene Amerikanr Darso James Densmore (24.1.1867-24.6.1917) spielte schon in jungen Jahren eine bedeutende Rolle im New Yorker "Brooklyn Chess Club" - ich war noch ein Schuljunge, aber der Clubmeister, schrieb er einmal. Nachdem Densmore in einem Turnier eine Aufgabe von Sam Loyd löste, lernte er dessen Tochter kennen, die er später heiratete. Mit Sam Loyd diskutierte er viel, fast immer kontrovers. Einig war man sich nur in einem: Sam Loyd war der größte Problemist aller Zeiten. Obwohl Densmore schon in jungen Jahren Probleme komponierte, wurde er eigentlich erst nach dem Tod Loyds (1911) duch A. C. White zum engagierten Problemisten, der in den wenigen ihm noch verbleibenden Jahren viele damals und auch heute noch bemerkenswerte Probleme schuf - darunter den hier gezeigten Vierzüger mit Doppelsetzung eines Diagonal-Plachuttas: Nach beliebigem Abzug des wLe4 droht 2.d4#, aber nur nach 1.La8! steht er sicher. Nach 1.- Lf7 folgt 2.e6 D:e6/L:e6 3.d4/T:h3+, auf 1.- Lg6 wird die Plachutta-Verstellung nach f5 verlegt: 2.f5 D:f5/L:f5 3.d4/T:h3+. Densmore starb vor fast 100 Jahren auf einer seiner zahlreichen Europareisen in Frankreich. M. Sim, G. Hume und A. C. White veröffentlichten eine Auswahl der etwa 300 meist schwierigen Probleme Densmores. Sie erschien 1920 in der Christmas-Serie unter dem Titel D. J. Densmore and the Densmore Memorial Tourney.

James Francis Magee jun. (7.1.1867-13.4.1955) lebte seit 1907 längere Zeit in Europa, insbesondere in Florenz, London, Dresden und Luzern. In Florenz beeindruckte ihn das aus dem 13. Jahrhundert stammende Manuskript des Bonus Socius, und er beschloss, einen Auszug daraus auf eigene Kosten unter dem Titel Good Companion (Bonus Socius), XIIIth Century manuscript collection of chess problems zu publizieren (1910 erschienen). Zurück in den USA, gründete er 1913 zusammen mit A. C. White in Philadelphia einen Problemklub, den er nach der mittelalterlichen Sammlung benannte; es war die Geburtsstunde des "Good Companion", einer internationalen Vereinigung, die schließlich weltweit etwa 600 Mitglieder hatte und die insbesondere den Zweizüger kultivierte. Magee war lange mit der Leitung des Klubs und als Redakteur ihrer Zeitschrift Our Folder befasst und rettete mit seinem (und A. C. Whites) mäzenatischem Einsatz deren Bestehen über den ersten Weltkrieg hinaus, aber als dann mit dem Aufkommen neuer Zeitschriften und nationaler Problemistenverbände sich die nationalen Publikationsmöglichkeiten vervielfachten, und als sich dann auch noch A. C. White aus gesundheitlichen Gründen vom Club zurückzog, wurde der Verein 1924 aufgelöst - es geschah im Gründungsjahr der Schwalbe!

Arthur Mosely

Good Companions 1914

2. Preis

wKg8, wDa6, wTe1, wLa3d3, wSa5a8, wBf2f7g6, sKd5, sLb8, sSa7f8, sBb5c5d4f3f4g7

#2 (10+10)

Der im australischen Queensland geborene, später nach Brisbane gegangene Arthur James Mosely (11.2.1867-15.4.1930) beschäftigte sich erst im Alter von etwa 40 Jahren näher mit Schach und kam dann auch bald zur Problemkomposition. Als die Zeitung The Brisbane Courier 1911 ihr erstes Kompositionsturnier und auch ihr erstes Lösungsturnier ausrichtete, gewann Mosely beide. 1916 übernahm er die Problemspalte im Brisbane Courier, später auch die Schachecke in einer weiteren Zeitung. Er organisierte eine Reihe international sehr beachteter und erfolgreicher Kompositionsturniere, die seine Spalte zu einer der weltweit beachtetsten machten. Als Komponist bevorzugte er den Zweizüger; hier sei ein idealer Ruchlis gezeigt, komponiert 1914! Satz: 1.- Ld6 2.Sab6, 1.- Le5 2.Le4, 1.- Lc7 2.S:c7, 1.- b4 2.Lc4, 1.- Sa~ 2.Dc6, 1.- Sf~ 2.De6 und 1.- c4 2.Sab6. Lösung 1.Sc4 (Wartezug). 1.- Ld6 2.D:d6, 1.- Le5 2.T:e5, 1.- b4 2.Le4, 1.- b:c4 2.L:c4, 1.- Sa~ 2.Db7, 1.- Sc6 2.Sab6, 1.- Lc7 2.S:c7, 1.- Sf~ 2.De6.

John Crum

Quelle? 1913

wKe1, wBa6e2, sKe3, sBa7

Gewinn (3+2)

John Crum (1842-27.4.1922) trat 1874 dem Glasgower Schachclub bei und wurde in der Folgezeit ein erfolgreicher Partiespieler, der u. a. die erste schottische Meisterschaft (1884) gewann. Daneben war er an der Gründung des Schottischen Schachverbands beteiligt, in dem er mehrfach leitende Funktionen ausübte. Crum zeigte Interesse an Problemen und komponierte auch einige Endspiele; ein elementares Beispiel, das auch Einzug in Lehrbücher fand, sei gezeigt: 1.Kf1! Nicht 1.Kd1? Kd4 2.Kd2 Kc5 3.e4 Kd4 und Schwarz hält remis. 1.- Kd4 2.Kf2 Kc5 3.e4! Jetzt kann sich S nicht den Ba6 abholen, denn nach 3.- Kb6 4.e5 K:a6 5.e6 ist es aus für Schwarz. 3.- Kd4 4.Kf3 Ke5 5.Ke3 Ke6 6.Kd4 Kd6 7.e5+ Ke6 8.Ke4 Ke7 9.Kd5 Kd7 10.e6+ Ke7 11.Ke5 Weiß darf noch nicht auf den Ba7 losgehen, da Schwarz nach 11.Kc6 den e-Bauern ohne Zeitverlust schlagen könnte (11.- K:e6 12.Kb7 Kd7 13.K:a7 Kc7=). 11.- Ke8 12.Kd6 Kd8 13.Kc6 und Weiß gewinnt, weil der sK jetzt zwei Züge braucht, den wB zu schlagen und er nicht mehr dazu kommt, den sK einzusperren. Crum betreute 1871 die Problemecke im Chess Player's Chronicle und leitete einige Jahre lang die Schachspalte im Glasgow Weekly Herald.

Zum Schluss greifen wir weit in die Schachgeschichte zurück und erinnern an die etwa 300 Jahre zurückliegende Geburt des italienischen Grafen Carlo Francesco Cozio (1717-1780) (manche Quellen nennen leicht abweichende Daten, z. B. "etwa 1715" als Geburtsjahr). Cozio gehört zu den bedeutendsten Theoretikern seiner Zeit, er veröffentlichte 1776 sein Buch Il Giuoco degli Scacchi o sia Nuova idea di attacchi, difese e partiti del Giuoco degli Scacchi, das in zwei Bänden erschien und in vier Abschnitte unterteilt ist, von denen der letzte "Partien" betrifft, die aber im Wesentlichen Endspiele und komponierte Stellungen sind.

(GüBü)


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