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Heft 246, Dezember 2010  

 


Werner Keym: Ein Vier-Rochaden-Retro-Drilling 689
Entscheid im Informalturnier 2008, Abteilung Märchenschach 690
Peter Hoffmann: Babson à la carte 696
Ralf Krätschmer: Hans-Dieter Leiß in Memoriam 699
Aktuelle Meldungen 700
Mirko Degenkolbe, Stephen B. Dowd: Neuer Zuglängen-Rekord für Rochade-Matt im orthodoxen H# 702
Odette Vollenweider: Die eindrückliche Meisterschaft von Andrej Lobussow 703
Martin Minski: Berliner Schwarzweiße mit Schuss 710
bernd ellinghoven: Gordischer Knoten zerschlagen, roter Ariadnefaden in Sicht! 715
Volker Gülke: Gelöst auf Kreta 717
Urdrucke 718
Lösungen der Urdrucke aus Heft 243, Juni 2010 726
Bemerkungen und Berichtigungen 742
Turnierberichte 746
Ausschreibung FIDE-Album 2007-2009 747

Babson à la carte

von Peter Hoffmann, Braunschweig

Als weiteres Ergebnis meiner Bemühungen, mit der 1986 entwickelten Babson-Matrix möglichst viele der 24 denkbaren Typen darzustellen, möchte ich mit der Nr. 6 die Abfolge DD-TS-SL-LT präsentieren. Folglich haben sich alle in Heft 239, Okt. 2009, S. 260 aufgeführten fraglichen Kombinationen als realisierbar erwiesen, sodass sich die Gesamtzahl auf nunmehr 8(!) erhöht und das Maximum erreicht sein dürfte. Übrigens zeigt die Nr. 6 erstmalig die Verbindung SL. Ein zweiter Urdruck (Nr. 8) betrifft den Babson DL-LT-TD-SS (vgl. Heft 243, Juni 2010, S. 514), der jetzt ohne Umwandlungsfigur dargestellt ist. Somit ließ sich das Thema bei allen Aufgaben mit dem normalen Figurensatz erfüllen.

Ein Blick auf die Historie gemischtfarbiger Umwandlungen ohne durchgehendes Echospiel bringt Erstaunliches zu Tage, denn bereits 1912 verwirklichte S. Herland - mit zwei weissen Umwandlungsbauern - die Abspiele DS-SD-TL (The Theory of Pawn Promotion, S. 238). Ein Jahr später kam es zur Premiere von DD-LL-ST (W. Pauly, Magyar Sakkujsac), eine frühe Annäherung an den Typ der Nr. 4, und 1968 demonstrierte M. Stosić in Probleemblad die schwarz-weisse AUW mit den Komponenten DT-LS. Schließlich sei noch an zwei Umsetzungen der Kombination DS-SD-LT erinnert (J. Mayer, Thèmes 64 1968 und F. Fargette, Deutsche Schachblätter 1969). Wie es scheint, wurde sonstiges Neuland nicht in Angriff genommen. Respekt vor der Herausforderung oder gedankliche Fixierung auf die Idee des klassischen Babson?

In den Jahren 2002/2003 experimentierte ich mit zyklischen Umwandlungen, erreichte mit anderen Schemata unter Verzicht auf die Einsperrung des schwarzen Läufers vier 3/4 Umsetzungen (vgl. Heft 199, Feb. 2003, S. 16 sowie Heft 201, Juni 2003, S. 129/130) und beschloss danach, den '86er Babson in Richtung kompletter Zyklus zu bearbeiten. Die über Jahre nicht beachtete Matrix, ein "schlafender Riese", begann immer neue Früchte zu tragen, die dem Riesen jedoch zäh und in zahlreichen Anläufen abgerungen werden mussten.

Joseph Ney Babson initiierte den Task vor fast 100 Jahren (1913) und veröffentlichte wenig später die erste Darstellung im Selbstmatt (1914). An der Weiterentwicklung seiner Idee im orthodoxen Mehrzüger hätte er gewiss Freude gehabt, auch wenn vor allem den zyklischen Stücken die Schwierigkeit ihrer Realisierung anzumerken ist (diverse Mehrfachfortsetzungen). Ich habe mich entschlossen, die Anordnung der 8 bewältigten Typen nicht nach konstruktionstechnischen, sondern "alphabetischen" Kriterien vorzunehmen und zwar in der Reihenfolge volles Echo (Nr. 1-2), reziproke Anteile (Nr. 3-5), zyklische Anteile (Nr. 6-8) und voller Zyklus (Nr. 9).

Eine Anmerkung zur Bezeichnung der Typen: Der Tradition entsprechend beginne ich mit der schwarzen Damen-UW und lasse danach die Zugehörigkeit zu den oben genannten Gruppen sichtbar werden, wodurch die übliche Reihenfolge der Varianten (D/T/L/S) bei der Nr. 4 und Nr. 6-9 nicht mehr gegeben ist. Auch in den Lösungen erscheinen die thematischen Züge lediglich als Buchstaben - die schwarzen Umwandlungen erfolgen still, die weißen mit Schlag (Ausnahme Nr. 2).

Bis heute gibt es keinen Babson Task mit den Verbindungen DS, LD, LS und 16 Kombinationen warten auf ihre Erstdarstellung. Oder ist 8 die magische Zahl, die den Endpunkt des orthodoxen Babson markiert?

1 Peter Hoffmann

Die Schwalbe 1986

Version DS 2009, 1. Lob

wKb4, wDb6, wTf4, wLb2c2, wSd1f1, wBa3a5c5d3d7e4f6h5, sKh7, sLf8, sBa4c6d2e2f2g7h6

#4(15+9)
DD-TT-LL-SS

Nr. 1: 1.f:g7! DD 2.- D:e4+ 3.d4 TT 2.- T:e4+ 3.d4 LL 2.- Kg8 3.D:c6 SS 2.- Kg8 3.K:a4 dualfreie Hauptvarianten

2 Karlheinz Bachmann
Martin Hoffmann
Peter Hoffmann

Die Schwalbe 1988

3. Preis

wKa4, wDb2, wTc1d8, wLb3, wSe1f7, wBc3c5d4d6f5g4h6, sKf6, sSg7, sBc2c6d2e2

#4(14+6)
DD-TT-LL-SS

Nr. 2: 1.h:g7! DD 2.- D:d4+ 3.c4 TT 2.- T:d4+ 3.c4 ZZ LL 2.- Kg7 3.c4 SS 2.- Kg7 3.f6+ Mattdual nach 3.- Kh7 durch 4.D/L:c2#

3 Peter Hoffmann

Die Schwalbe 2008

1. Ehrende Erwähnung

wKb4, wDa3, wTd1f1, wLb2c2, wSe4h8, wBa7d3f6f7g4h2, sKh7, sTf8, sBb5b6d2e2f2g5g7

#4(14+9)
DD-TL-LT-SS

Nr. 3: 1.f:g7! DD 2.- D:e4+ 3.d4 Mattdual nach 3.- Dd3 durch 4.D/L:d3# TL 2.- T:e4+ 3.d4 LT 2.- Kh6 3.Dc3 SS 2.- Kh6 3.K:b5

4 Peter Hoffmann

Die Schwalbe 2009

wKa4, wDb3, wTe1g8, wLa1a6, wSc1, wBa2a5b5c3d4e6g4, sKf6, sTe8, sBa3c2d2e2f7

#4(14+7)
DD-TS-ST-LL

Nr. 4: 1.e:f7! DD 2.- D:d4+ 3.c4 Mattdual nach 3.- D:a1, Db2 durch 4.Df3/Tg6# und Trial nach 3.- Dc3 TS 2.- Ke7 3.T:e2+ ST 2.- Sb2+/S:c3: 3.L:b2/D:c3 LL 2.- Ke7 3.Dd5, Df7+ (Dual)

5 Peter Hoffmann

Die Schwalbe 2010

wKa4, wDa2, wTe8g5, wLa1, wSc1e1, wBa5b3c3e6f7g3h3h6, sKf6, sTg8, sLh5, sBa6c2d2e2h7

#4(15+8)
DT-TD-LL-SS

Nr. 5: 1.T:h5! DT 2.- Dd4+/Dd7+ 3.c4/ed ZZ TD 2.- Td4+ 3.b4 LL 2.- Kg6 3.Lf7+ SS 2.- Kg6 3.D:c2+ dualfreie Hauptvarianten

6 Peter Hoffmann

Urdruck

wKg4, wDh4, wTc1g7, wLa6h6, wSe1, wBb3c6e4e7f2f3f6, sKe6, sTf8, sSd7, sBb4b5c2d2e2e5

#4(14+9)
DD-TS-SL-LT

Nr. 6: 1.c:d7! DD 2.- D:d7 3.Lc8 TS 2.- Kd6 3.d8D+/T:c2 (Dual) SL 2.- Se3+/S:f2+ 3.Kg5, Kh3, Kh5(Trial)/D:f2 LT 2.- Kd6 3.Tc8 ZZ

7 Peter Hoffmann

Die Schwalbe 2008

wKa4, wDg2, wTe1g4, wLb2e6, wSc1g6, wBa2b7c3c6c7f3h4h5, sKf6, sDe8, sLd7, sBa5c2d2e2f4g7

#4(16+9)
DT-TS-SD-LL

Nr. 7: 1.c:d7! DT 2.- Dd4+/Dd7+ 3.c4/L:d7 (Nach 2.- Dd3/Dd5/Dc:1 zwei/drei/elf Fortsetzungen) TS 2.- K:e6 3.D:e2+ Nach 3.- Kd7/Kf5 drei/sechs Mattzüge SD 2.- S:b2+ 3.Kb5 Mattdual auf 3.- Sd3 durch 4.De7, Df7# LL 2.- K:e6 3.c8D+ Mattdual nach 3.- Kf6 durch 4.c4/T:f4# (vgl. die Version in Heft 233, Okt. 2008, S. 565)

8 Peter Hoffmann

Urdruck

wKa4, wDb2, wTa7e7, wLg6h8, wSc1e1, wBa5b3c3c6f4h4, sKf6, sLd7, sSe8g7, sBa6c2d2e2h5h6

#4(14+10)
DL-LT-TD-SS

Nr. 8: l.c:d7! DL 2.- Dd4+/Dd7+ 3.c4/T:d7 LT 2.- K:g6 3.Te5, Tf7, Tf8, T:g7+ (Quartal) TD 2.- Td4+ 3.b4 SS 2.- K:g6 3.D:c2+ Matt-Trial nach 3.- Sf5 durch 4.T:a6/Te6/T:g7#

9 Peter Hoffmann

Schach 2005

Spezialpreis

Tim Krabbé gewidmet

wKa4, wDc1, wTb2e1, wLc3, wSd5h8, wBb7c6c7e3e7f4f6h5, sKe6, sTf8, sBa5b6c2d2e2f5

#4(15+8)
DL-LT-TS-SD

Nr. 9: 1.S:b6! DL 2.- Dd4+/Dd7 3.ed/c8D,L (Dual minor wegen 3.- D:c8) LT 2.- Kd6 3.Dd2+ Mattdual nach 3.- K:c7 durch 4.Dd7/Tc8# sowie Quartal nach 3.- Ke6 TS 2.- Kd6 3.Le5+ SD 2.- S:b2+/S:c3+ 3.D:b2, Kb5(Dual)/K:a5

10 Jean Mayer

Thèmes 64 1962

Mémorial Segal
3. Preis

wKh5, wTa8, wLh3, wSb7g1, wBc4c6d6e2, sKb6, sBd7e3g2h2h4

#3(9+6)
DD-LL-SS

P.S. Wesentliche Bestandteile des Schemas sind Läufereinsperrung und Umwandlung des weißen Springers mit Schachgebot. Die Nr. 10 (1.c7!, hlD/L/S 2.c8D/L/S), erst kürzlich entdeckt, zeigt beides bereits 1962 und hätte als richtiger Ansatz, der jedoch nicht weiter verfolgt wurde, gut in meinen Beitrag "Irrungen und Wirrungen" gepasst (Heft 219, Juni 2006, S. 478/479). Die dortige Nr. 6 von 1983 ist damit nicht die erste Darstellung des Sofortpatts im Bereich des Babson. (Der Dual 2.Lb4/Lc5 nach 1.- a1L ließe sich durch einen sBa4 korrigieren)

 


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