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Heft 257, Oktober 2012  

 


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Eine norwegische Geschichte

von Nils Adrian Bakke, Stjørdal (Norwegen)

1) Norwegen ist ein kleines Land. Die sehr interessante Geschichte über die Anfänge und die Entwicklung der Neudeutschen Schule wurde nicht in die norwegische Sprache übersetzt 2). Deswegen sind die Norweger der Entwicklung nicht voll gefolgt. Es wurden daher nur sehr wenige einschlägige Probleme von norwegischen Komponisten geschaffen.

In dieser Geschichte will ich ein paar neudeutsche Probleme aus meinem kleinen Land vorstellen. Bevor ich mit der Geschichte beginne, will ich über ein äußerst gutes Buch berichten, das ich aus dem Nachlass des norwegischen Komponisten Alfred Karlstr\o m erhielt. Der Titel des Buchs war "Das Indische Problem" von J. Kohtz und C. Kockelkorn. Ein wunderbares Buch. Wahrscheinlich hat dieses Buch (aus dem Jahr 1903) die Schule in Gang gesetzt 3).

Das erste Problem, das ich vorstelle, ist vermutlich das erste Beispiel des "Römers" 4) , vorgelegt als frühe Art, auf neue Weise zu komponieren. Weitere Themaprobleme folgten, und so wurde die neue Schule in Gang gesetzt. In einigen wenigen norwegischen Problemen wurden diese Ideen aufgegriffen, ohne neue Möglichkeiten für die Neudeutsche Schule aufzuzeigen. Hier sind sie.

Carl Kockelkorn
Johannes Kohtz

Dt. Wochenschach 1905

A. Guglielmetti in Rom
gewidmet

wKa4, wDf2, wLb5, wSb7, wBd4e3, sKc3, sLe7

#4 (6+2)

Kohtz und Kockelkorn publizierten 1911 ihr berühmtes "Schwalbe"-Problem. Da fliegt eine Dame wie eine Schwalbe in der ganzen Lösung. Im Jahr 1926 komponierte unser berühmter Komponist ein weiteres Problem in Schwalbeform, jetzt mit einem weißen Läufer 5) .

1.De2? [2.Ld3] Lg5!, 1.Sd6! L:d6 2.De2 Lf4 3.e:f4 K:d4 4.De5# Der Ur-Römer. -

A
Kristian Nielsen

Chemnitzer Tageblatt 1926

wKg7, wTe7, wLh1h6, wSf2, wBb3g6h2, sKf5, sTb1b4, sLe5, sSb8, sBb5d6f4f6

#4 (8+9)

Man sehe A, aufgenommen ins FIDE-ALBUM 6) . Nielsen wohnte in der Stadt Hamar.

1.Ld5? La1!, 1.Lb7 Tc1 2.Lg2 Tc3 3.Ld5 Ld4 4.Le4# -

B
Odd Erik Backe

Rautanen-75-JT 1966/67

1. Preis

wKf1, wDa8, wTa3, wSf6, wBb3c2c3f2g5h5, sKf3, sTb7c6, sBa6d6d7e6f4f5

#3 (10+9)

Ein anderer Komponist aus Hamar gewann mit B einen Preis. Preisrichter waren Halumbirek und Wenda. Sie charakterisierten den Inhalt so: " ein logisches Problem wie aus einer anderen Sphäre". Auch diese Aufgabe kam ins FIDE-ALBUM (1965-67, Nr. 271).

1.b4? Tc4!, 1.c4? Tb4!; 1.h6 [2.De8 3.Dh5#] Tb8 2.b4 T:b4 3.c:b4#, 1.- Tc8 2.c4 T:c4 3.b:c4#.

C
Espen Bakke

Die Schwalbe 1980

wKe6, wTg7, wSd5e5, wBc3, sKe4, sTg1g2, sLc2h2, sSf1, sBb3d3e3e7f3f4f5g3

#3 (5+14)

Odd Erik Backes Sohn Espen publizierte 1980 ein Problem in der Schwalbe. Dreimal Seeberger in logischer Form ist nicht schlecht, siehe C 7) .

1.Sf7? d2, 1.T:e7? e2, 1.Sd7? f2; 1.Th7 [2.Th4 3.T:f4#] Td2/Te2/Tf2 2.Sf7/T:e7/Sd7 -

D
Nils Adrian Bakke

Die Schwalbe 1981

3.Preis

wKe1, wLc1, wBa4a7b6c7e7f4f7g6, sKc6, sLh5, sSa1, sBb4c2e2d7f5h4

r#6 (10+9)

Im Heft "Die Allumwandlung im Problemschach", 1972, das ich von Peter Kniest geschenkt bekam, war eine Aufgabe Fadil Abdurahmanovićs (FEENSCHACH 1961, 1. Preis) nachgedruckt, die - wie mein Problem D - weiße und schwarze Allumwandlung zeigte, jedoch nicht in Neudeutscher Form, da der Vorplan nicht zweckrein war. D bekam die höchste Punktzahl 12 im FIDE-ALBUM.

1.Le3? L:g6!, 1.a8=D+? K:b6 2.Le3+ K:c7 3.e8=S# (nicht 3.Lf2); 1.a8=L+! Kd6 2.c8=S+ Ke6 3.e8=T+ Kf6 4.f8=D+ K:g6 5.Le3! [6.Lf2 c1=D#] c1=D/T/L/S 6.Kf2/Kd2/Lf2/Ld2 Df1/Td1/Sc2/Sd3# -

E
Odd Erik Backe

Norsk Sjakkblad 1986/87

wKh4, wDb2, wTf1g1, wLb3e1, wSc4, wBe4g4h2, sKe2, sTa1, sSa2, sBd2d3e3g3h3

#3 (10+8)

Odd Erik Bakke zeigt mit E auch das Seeberger-Thema, aber in origineller Form. Solide Arbeit mit einer Drohung in vo"ller Länge.

1.Dd4 e1=S, 1.Df6? d:e1=S; 1.h:g3 [2.D:d2+ e:d2 3.Tf2#] Td1/T:e1 2.Dd4/Df6.

F
Nils G. G. van Dijk

3. WCCT 1984/88

8. Platz

wKd6, wTd3, wLe8, wSe2e5, wBc2c4g4h2, sKe4, sTa7b5, sLg8, sSg5h1, sBb6b7c3c5c6f7g3

#5 (9+13)

Nils G. G. van Dijk war der beste norwegische Problemverfasser. Er konnte in allen Stilen und Arten komponieren. In F findet man Blockpunkte auf d7 und h7 in logischer Form. Besonders gut ist die Drohung in voller Länge.

1.Ld7? Lh7!, 1.Sd7? Sh7!; 1.h3 [2.S:c3+ Kf4 3.Sg6+ f:g6 4.Se2+ Ke4 5.L:g6#] 1.- Ta3 2.Ld7 Lh7 3.L:c6+ b:c6 4.Sd7 5.Sf6#, 1.- Tb3 2.Sd7 Sh7 3.S:c5+ b:c5 4.Ld7 5.Lf5# -

G
Nils Adrian Bakke

Springaren 1993

wKa1, wDh8, wTa7, wLe2h2, wSf5, wBd7g7h4, sKf6, sTa6, sLa5, sSe7h6, sBa2b6c3c6d5e3f4

r#3 (9+12)

In G sehen Sie weiße AUW als Reflexmattverführungen (Probespiele). Das findet man nur in 3 Problemen; das erste wurde von dem führenden deutschen Komponisten H. P. Rehm verfasst.

1.g8=D+? K:f5! 2.Ld3#, 1.g8=T+? Kf7! 2.d8=S#, 1.g8=L+? Kg6! 2.S:e7#, 1.g8=S+? Ke6! 2.Df6#; 1.Lg3! [2.Le1 3.L:c3 L:c3#] 1.- f:g3/b5/Lb4/T:a7 2.g8=D/T/L/S+ K~\ 3.D:c3 L:c3# -

H
Nils Adrian Bakke

feenschach 2002

2. Ehrende Erwähnung

wKh3, wDb7, wSe6g6, wTa2, wLd3, wBc7d6e4f4, sKf7, sDb4, sTa7b2, sLa8h2, sSb1g7, sBa6b3b6d2f5h5

r#3 (10+14)

H zeigt eine andere Art, weiße und schwarze AUW zu kombinieren. H. P. Rehm spricht als Preisrichter von weißer AUW mit schwarzem K-Stern im Verführungspiel und in der Lösung schwarze AUW mit weißem K-Stern. Auch ein Echo 8) .

1.Kg2? Ke8! 2.c8=D,T#, 1.c8=D/T/L/S+? K:g6/K:e6/Kg8/Ke8 2.Kg2 S:e6/K:d6/S:e6/Dd6 3.D:e6/Tc6/L:e6/Sd6#; 1.Sd8+! K~\ 2.Kg2 [3.Kf1 d1D/T#] d1=D/T/L/S+ 3.Kh3/Kf3/Kh1/Kf1 Gg4/T:d3/Lf3/Se3 #.

I
Nils Adrian Bakke

Johandl-Gedenkturnier 2007

1.Lob

wKg3, wDe4, wTf1, wSf8, sKh8, sTd5h4, sLc7g8, sSd3, sBe5g4g7h3

#8 (4+10)

Ich bin beinahe sicher, dass I der einzige norwegische Mehrzüger mit einem Pendel in neudeutscher Form ist. Das war, nachdem ich das feine Buch "Problempalette II, Wien 1991" von Klaus Wenda studiert hatte. Ich war nicht geübt im Komponieren von Mehrzügern und H. P. Rehm als Preisrichter hat diese ökonomischere Form vorgeschlagen.

1.Dh7+? L:h7!, 1.Sg6+ Kh7 2.Se7+ Kh8 3.Tf8 Td8 4.T:g8+ T:g8 5.Sg6+ Kh7 6.Sf8+ Kh8 7.Dh7+ T:h7 8.Sg6# -

J
Nils Adrian Bakke

Šachova Skladbà 2008

1.Preis

wKb6, wSd6, wLe8f8, wBc4g7h7, sKd8, sDe2, sTd3, sLc2d2, sBb5c3d4d5e5f5f7g3

#3 (7+13)

In J versuche ich, böhmische und neudeutsche Elemente zu verbinden. Das tschechische Magazin fand das wohl eine gute Idee.

1.g8=S? Lg5!, 1.h8=S? Dh5!, 1.c5 [2.c6 3.c7#] Te3/Tf3 2.g8=S/h8=S 3.Le7/Sh:f7# -

HPR
Hans Peter Rehm

The Problemist 1973

1.Preis

wKh5, wTd5h6, wLc3c4, wBa5b4d6e5f3, sKf5, sDa3, sTg1h2, sLg3, sSd7, sBb2e3e4e6f4g5h4

#4 (10+13)

Abschließend, als letztes Diagramm dieses Artikels, sehen wir ein Beispiel der Weiterentwicklung der Neudeutschen Schule - vom ersten "Römer" von K&K zu H. P. Rehms Konstruktion eines doppelten weißen Römers. Dieses Problem fand ich in seinem ausgezeichneten Buch "Hans+Peter+Rehm=Schach", edition feeschach-phénix 1994.

1.Td2? Da2! 2.L:a2 e:f3 3.Lb1+ T:b1!, 1.Td1? Db3! 2.L:b3 e:f3 3.Lc2+ T:c2; 1.Tg6 [2.T:g5#] Le1/Lf2 2.Td2/Td1 Da2/Db3 3.L:a2/L:b3 e:f3 4.Lb1/Lc2#. Zwei weiße Römer.

Fußnoten:
1) (Aus dem Englischen übersetzt und mit Fußnoten versehen von HPR)
2) Dasselbe gilt für die englische Sprache. Soweit ich weiß, gibt es bis dato keinen gründlichen und ausführlichen Text auf Englisch über die Geschichte und die Ästhetik der neudeutschen Schule (HPR)
3) Diese Einschätzung teilen die meisten Fachleute.
4) Es wurden frühere Beispiele entdeckt, aber sicherlich ist es die erste bewusste Darstellung als Thema.
5) Kristian Nielsen hat auch ein Schwalbe-Problem mit diagonal ziehender Dame und kritischen Grimshaws geschaffen, von dem Herbert Grasemann sagte: "... stellt das berühmte Problem von K&K glatt in den Schatten", und das will was heißen! FIDE-ALBUM 1914-44/II, Nr. 953
6) FIDE-ALBUM 1914-44/II, Nr. 1006
7) Hier verwechselt NAB was; zum Seeberger gehört die kritische Einleitung, erst dadurch wird Bewegungseinschränkung erzielt. Möglicherweise wird schon die Einsperrung eines Steins in gewissen Publikationen Seeberger genannt.
8) Die Aufgabe hätte einen höheren Platz erhalten, wenn vom Autor nicht schon schwächere Vorläufer an anderer Stelle ausgezeichnet worden wären.

 


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