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Heft 247, Februar 2011  

 


Bernd Gräfrath: Homebase-Beweispartien im Schlagschach 1
Eckart Kummmer: Barbes Hilfsmatts umgenormt 2
Bernd Schwarzkopf: En-passant-Schlüsselzug in der Märchen-Miniatur 3
Odette Vollenweider: Die eindrückliche Meisterschaft von Andrej Lobussow (II) 5
Aktuelle Meldungen 14
Eckart Kummer: Franz Pachl - 60 16
Entscheid im Informalturnier 2002, Abteilung Dreizüger 17
Urdrucke 21
Lösungen der Urdrucke aus Heft 244, August 2010 31
Bemerkungen und Berichtigungen 49
Turnierberichte 52
Buchbesprechungen 58

 

Franz Pachl - 60

von Eckart Kummer, Berlin

Franz Pachl konnte anfang des Jahres seinen 60. Geburtstag feiern und wir Schwalben möchten nicht versäumen, herzlich zu gratulieren und alles erdenklich Gute zu wünschen.

Als ich 1983 in der Schachecke der Dresdener Sächsischen Zeitung meine ersten Gehversuche als Löser machte, wurde ich sozusagen von Anfang an mit dem Namen Pachl bekannt, dessen dort erscheinende Zweizüger mich sofort beeindruckten. Wenig später waren es dann vor allem Pachlsche Hilfsmattzweizüger, die mich begeisterten. Wenn der erfolgreiche Jubilar - 2005 wurde ihm der Großmeister-Titel verliehen - wohl hauptsächlich mit direkten Zweizügern und eben seinen Hilfsmatts "berühmt" geworden ist, muss er sicher als vielseitiger Autor angesehen werden. In letzter Zeit erhalten auch andere Genres, besonders das Märchenschach, vermehrt Aufmerksamkeit von ihm. FP war und ist bei verschiedenen Zeitschriften als Sachbearbeiter tätig und natürlich immer wieder gefragter Preisrichter. Überhaupt, der Einsatz des Jubilars für das Problemschach ist riesig und es gäbe noch jede Menge Verdienste zu würdigen, trotzdem erlaube ich mir nun, den Fokus auf das Bleibende zu richten, das unser Jubilar im Hilfsmatt geschaffen hat. Lassen wir ihn zuerst selbst zu Wort kommen, ich zitiere aus einem von ihm verfassten h#2-Preisbericht (Anfang 2010 in feenschach erschienen):

"Trotzdem war es schwierig für mich, mit diesen Aufgaben [gemeint sind sogenannte ANI-Hilfsmatts von P. A. Petkow - EKu] umzugehen, weil sie so gar nicht in mein Bild von einem schönen Hilfsmatt mit analogen und harmonischen Lösungen passen, mit denen ich sozusagen groß geworden bin. Ich begann mich Mitte der 70er Jahre für Problemschach zu interessieren und begeisterte mich an Hilfsmatts von Feather, Korponai, Páros, Persson und auch Petkow, die es meisterhaft verstanden, originelle Ideen in wunderbarer Harmonie und Analogie aufs Brett zu bringen. Dieser Kompositionsstil entspricht meinem Ideal, und das wird sich auch nicht ändern."

Im beschriebenen Stil, in dem es mit der Zeit immer schwieriger wurde, Neues zu zeigen und für den Strukturen unter Verwendung von Funktionswechseln und der sogenannten orthogonal-diagonalen Transformation charakteristisch sind, hat FP zahlreiche Probleme geschaffen, die sich oft durch große Eleganz und Ausgewogenheit auszeichnen. Vor allem seine exzellenten Hilfsmattzweizüger gehören zum Feinsten und Subtilsten dieser Art.

A Franz Pachl

Die Schwalbe 1992

1. Preis

wKa2, wTf6g4, wLd1g1, wBd3e5h3, sKf3, sDf7, sTc1e2, sLf5, sSb2d7, sBc2e6e3

h#2
b) c8 (8+10)

Zur Illustration habe ich Beispiele mit ungewöhnlicher Zwillingsbildung ausgesucht. Die weite Versetzung des wK in A ermöglicht plausible "Verführungen" und damit eine Intensivierung der Fessel-Entfessel-Thematik.
a) 1.S:d3 L:c2 2.Sb2 Le4# (1.S:e5? T:e6 2.Sc4 T:e3??)
b) 1.S:e5 T:e6 2.Sd7 T:e3# (1.S:d3? L:c2 2.Sc5 Le4??)

B Franz Pachl

Schach-Aktiv 2000

2. Preis

H. Weißauer zum 80. Geb.

wKf7, wTa5, wLb7f6, wSc3g4, sKd2, sTc6, sLb5, sSd7h3, sBa3c2f5

h#2
b) d2 ↔ f7 (6+8)

In B benutzt der Autor geschickt den immer "heiklen" Platzwechsel der beiden Könige - strategische, formale und taktische Elemente (Kreuzschach!) verbinden sich in diesem Stück zu einer wunderbaren Einheit.
a) 1.Kd3 La6 2.Lc4+ Td5#
b) 1.Ke6 Ta6 2.Td6+ Ld5#

C Franz Pachl

HOTF-Turnier 2003
(The Problemist)

1. Preis

wKh1, wTe8d5, wLe5f7, wSb1, wBd4, sKd3, sTd7h8, sLg4h6, sSc6f3, sBb4c2f6

b) d4!(7+10)

Ebenso im spektakulären Beispiel C, bei dessen frecher Zwillingsbildung mir glatt die Spucke wegbleibt...
a) 1.T:d5 Lf4 2.T:d4 Te3# & 1.f:e5 Tc5 2.e:d4 Lc4#
b) 1.Ke3 Lg6 2.Df4 Ld4# & 1.Kc4 Tb8 2.Dc5 Td4#

 


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