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Heft 242, April 2010  

 


Aktuelle Meldungen 453
Fritz Hoffmann: Städtisches im Themenregister 455
Wolfgang Dittmann: Der wundersame Aufstieg einer Gattung. Zur partiellen Logik des Kodex 456
Hans Peter Rehm: Jetzt korrekt! 459
Herbert Ahues: Zum Thema Vorgänger 464
Entscheid im Informalturnier 2008, Abteilung Hilfsmatts 465
Urdrucke 473
Lösungen der Urdrucke aus Heft 239, Oktober 2009 482
Bemerkungen und Berichtigungen 499
Endgültiger Entscheid im Gedenkturnier zu Ehren von K.-P. Zuncke 500
Turnierberichte 501

Jetzt korrekt!

von Hans-Peter Rehm, Pfinztal

Datenbanken fürs Problemschach sind nützlich. Ich verwende am liebsten die Echecs.DB in WinChloe, die inzwischen über 300000 Aufgaben enthält. Verschiedene Suchprozesse erlauben es ziemlich effektiv, Vorgänger aufzufinden. Auch kann man sich nach Belieben bestimmte Problemsorten ansehen und studieren, wie z.B. Reflexmatts mit mehr als 4 Zügen. Man erhält 466 Stück, darunter kaum logische. Damit werden Aufsätze und Bücher obsolet, die ohne viel Kommentar einfach Aufgaben eines bestimmten Typs (wie z.B. h#-Viersteiner) zusammenstellen. Gern studiere ich auch die enthaltenen Aufgaben eines bestimmten Verfassers, z.B. Dieter Kutzborski, der nicht zum FIDE-Album einsendet und dessen beste Aufgaben nicht in Buchform publiziert sind (160 Aufgaben). Als ich die Datenbank bekam, sah ich (was wohl viele tun) erst mal nach, was von mir schon dort erscheint. Es waren über 1000 Stück! Leider auch die Ramschhilfsmatts, die ich als Schüler publiziert habe (nur wenige h# aus den Jahren 1955-65 genügen noch den heutigen computergestützt erreichbaren Standards). Das ist heute Schicksal: keine jemals im Internet registrierte Jugendsünde kann daraus wieder entfernt werden! Damals war man meist schon froh, wenn man eine h#-Idee korrekt bekam. Ich habe dafür gesorgt, dass auch fehlende Stücke von mir in die Datenbank kamen, so dass die von mir bis 2005 publizierten Schachprobleme dort nun fast vollzählig zu finden sind.

Und natürlich kann man sich auch die inkorrekten Aufgaben von HPR zeigen lassen (mehr als 100). Dabei sind jedoch viele, die ich in der Zwischenzeit korrigiert hatte, wobei die Korrekturen aber oft nicht in der Datenbank zu finden waren. Das habe ich inzwischen abgestellt und man findet die Korrektur unter neuer Nummer in der Datenbank. Es gab auch mancherlei Überraschungen. Vieles wird bei der Aufnahme geprüft. Daher sah ich eine Reihe von Inkorrektheiten bei Aufgaben, die noch ohne Fehlerangabe in meinen Unterlagen standen. Ich habe in den vergangenen Monaten verbessert, was mir der Mühe wert schien, also nicht die schwachen Hilfsmatts aus meiner Pennälerzeit. Auch diese Korrekturen sind jetzt als zusätzliche Diagramme in der Datenbank mit neuer laufender Nummer. Ich weiß nicht, ob das als Publikation zu werten ist. Christian Poisson hat auch Quervermerke auf die Korrektur eingefügt. Die interessantesten Fälle stelle ich kommentiert in diesem Aufsatz als Korrektur-Urdruck vor (das ist sicher wörtlich richtig, denn gedruckt sind sie durch die Datenbank nirgends).

(1) Hans Peter Rehm

Gazeta Czestochowska 1962

C-

3. Preis

wKc6, wTd8, wLa4, wSf3g2, sKd3, sTg6g7, sLb4e4, sSd5d6, sBc3f5

h#2 2.1;1.1(5+9)


(2) Hans Peter Rehm

Gazeta Czestochowska 1962

Korrektur von S.Dowd

3. Preis

wKf6, wTg5, wLd8, wSb2c3, sKc5, sTf2, sLd4d7, sSe5f5, sBc6e3f7

h#2 2.1;1.1 (5+9)

Als erstes Beispiel mag ein frühes Hilfsmatt dienen (Diagr. 1). Die Datenbank zeigte mir unter Nr. 37445 die Nebenlösung 1.Lc5 K:c5 2.Se3 Sf4#. Dieses Stück fand ich ganz nett, auch wenn mir heute missfällt, wie grob die Königszüge differenziert werden. Ich korrigierte, indem ich den sLb4 durch 3 sBauern auf b4, b5, b6 ersetzte. Das kann man in Echecs.DB unter Nr. 281540 besichtigen. Christian Poisson nimmt Korrekturen auf, wenn sie ihm als kleine WinChloe-Datenbank geschickt werden. Die Datenbank Echecs.DB hat auch eine größere Zahl von Mitarbeitern, die Aufgaben eingeben, und wird monatlich aktualisiert (meist mehr als 2000 neue Stücke). Leider reicht die Arbeitskraft der Mitarbeiter nicht, die komplette moderne Produktion zu erfassen. So wären sicher Freiwillige gern gesehen, die Aufgaben aus deutschen Quellen (auch älteren Büchern) eingeben! (Eine vollständige Liste der Quellen kann man übrigens unter http://winchloe.free.fr/ einsehen). Wünschenswert wären wohl Konversionsprogramme, die z.B. das Format, das etwa Die Schwalbe für den Druck von Aufgaben benutzt, nach WinChloe übersetzt, so dass man jede neue Schwalbe auf Knopfdruck in die Datenbank übernehmen könnte, vielleicht nach einer gewissen Frist, damit sich die Schwalbe verkaufen lässt und Fehler beseitigt werden können. Vor kurzem erreichte mich ein Brief von Stephen Dowd, der die Aufgabe auch korrigiert hat (Diagr. 2). Diese Korrektur ist deutlich sparsamer und besser, da der hässliche statische sT entfiel. Daraus kann man lernen, dass man zu schnelle Korrekturen besser unterlassen sollte. Jedenfalls darf man nicht zufrieden sein, sobald der Computer nach Einfügen von Cookstoppern Korrektheit signalisiert. Bei den übrigen Stücken habe ich mir mehr Mühe gegeben.

(3) Hans Peter Rehm

The Problemist 1978(v)

C?

1. Preis

wKb7, wTc4, wLd8, wSa6e3, wBd3e4g6, sKb5, sDh6, sLe5, sSa2h2, sBa3a7b2b3d6e7g5h7

#14 (8+13)

Ein besonderer Fall ist 3 mit der Lösung 1.d4? Df8!, 1.Sc7+! Ka5 2.Scd5+ Kb5 3.d4 [4.Tb4+ S:b4 5.Sc3+] b1=S 4.Sc7+ Ka5 5.Se6+ Kb5 6.d:e5 [7.Td5+] Sf3 7.Sc7+ Ka5 8.Sa6+ Kb5 9.e:d6 b2 10.d:e7 D:g6 11.e8=D,L+ (Dual) D:e8 12.Sc7+ Ka5 13.S:e8+ Kb5 14.Sd6#. Wegen dem Dual ist die Aufgabe in Echecs.DB als C- (inkorrekt) vermerkt. Korrektur: Ich behaupte einfach: das Stück ist korrekt. Umwandlungsduale (in D,L bzw. D,T) werden nämlich zurecht im 2# auch in Hauptvarianten nicht als Inkorrektheit gewertet. Dasselbe muss auch bei längeren Aufgaben gelten, vorausgesetzt, dass nach den beiden Umwandlungen dasselbe droht und passiert, insbesondere wenn die neue Figur sofort wieder geschlagen wird.

(4) Hans Peter Rehm

Thèmes 64 1985

Korrektur-Urdruck

wKa5, wLa1d5, wSe3e6, wBd2, sKb3, sTa8c8, sLc4, sSb5g8, sBa2a3a6a7e7f6h6

#9 (6+13)

In 4 sind dem Original sSg8 und sBh6 zugefügt, um den für Menschen schwer zu findenden Dual 2.L:a8 dr.~3.Lb7! auszuschalten. Das war nicht auf Anhieb zu korrigieren, nun aber geht nur noch das Pendel mit parakritischer Zielsetzung 1.Lf3! Ld3 2.Ld1+ Lc2 3.Lh5 Ld3 4.Lf7 Lc4 5.d3 Tc6 6.d:c4 T:e6 7.c:b5 Tc8,Td8 8.L:e6+.

(5) Hans Peter Rehm

Schweizer Schach-Magazin

1987 1. Preis

C-

wKc7, wTa8c5, wLh8, wSh6, wBf2, sKe6, sTe2, sLg2, sSh2, sBc6e5e7g5h5

#7 (6+9)


(6) Hans Peter Rehm

Schweizer Schach-Magazin

1987 1. Preis

Korrektur-Urdruck

wKc7, wTb8c5, wLh8, wSh6, wBf2, sKe6, sTe2, sLg2, sSh2, sBc6e5e7f4g5h5

#7 (6+10)

Wieder ein anderer Fall ist Diagr. 5. Diese Aufgabe fand sich nicht in Echecs.DB, vermutlich wegen der etwas abgelegenen Quelle. Ich finde sie heute noch sehenwert. Um die Verteidigung Sg4 im Probespiel 1.Tg8? Sg4! auszuschalten, versucht man die Perilenkung 1.f3?! L:f3?, aber Schwarz spielt besser 1.- S:f3!. So glaubte ich. Ein kleines Vorpendel schafft die Drohung T:c6, so dass S:f3 nicht mehr gut ist. 1.Tf8! [2.Sf5] Lh3 2.Td8 [3.T:c6#] Lg2 3.f3 [4.T:c6#] L:f3 4.Tf8 [5.Sf5] Lg4 5.Tg8 [6.Tg6#] Lf5 6.Td8 [7.T:c6#] Le4 7.T:e5#. 3.- L:f3 ist römisch und 4.- Lg4 dresdnerisch, die Ersatzverteidigung 5.- Lf5 (statt Sg4) ist selbst wieder römisch. Diese Logik dürfte auch heute noch selten realisiert sein. Vor der Sendung an Christian machte ich aber vorsichtshalber noch einen Testlauf mit Gustav (dem sehr schnellen Löse-Programm unseres Kassenwarts Olaf Jenkner). Oje! 1.f3! löst wegen der Drohung 2.T:c6+ 3.Td8# doch, und sogar schon in 5 Zügen. Korrigiert man das, so macht der Zugumstellungsdual in der Lösung 1.Tf8 Lh3 2.f3! S:f3 3.T:f3 Ärger. Zum Glück hat Gustav in der Stellung 6 keine Einwände mehr.

(7) Hans Peter Rehm

Feenschach 1957(v)

Korrektur-Urdruck

1. Preis für Längstzüger

wKa8, wDh3, wTc8, wBf7g6, sKh8, sTh7, sSd8, sBd4f3g2g5h2

s#3 Längstzüger (5+8)

Einige Märchenschachaufgaben werden hier in zeitlicher Reihenfolge vorgestellt. Ein besonderer Fall ist 7 (1.Dh6!). In Echecs.DB ist nur der dualistische Urdruck mit C- enthalten. Meine damalige Korrektur, die dann den 1. Preis für Längstzüger erhielt, schaffte es nicht in die Datenbank und gefällt mir nicht mehr, weil nach einer B-Umwandlung in sT weiterhin ein kleiner Dual entsteht. Nun sind nur noch Kurzvarianten (nach 1.- g1D,T und 1.- h1D,T) dualistisch. Merkwürdig, welche Kleinigkeiten damals einen 1. Preis erhalten konnten und gar als drittbeste Aufgabe des Feenschach-Jahrgangs 1957 ausgezeichnet wurden. Preisrichter waren die Löser! Da war ich damals mächtig stolz. Heute gefallen mir die dahinter platzierten 2. und 3. Preise für Hilfsmatts (von Abduhramanović und Páros) deutlich besser als dieser Längstzüger.

(8) Hans Peter Rehm

Feenschach 1959
Korrektur-Urdruck

wKb8, wDa5, wLb7, wBd5, sKg1, sDa2, sBa4c6d7f7g6

s#4 Längstzüger(4+8)

In meinen Schülerjahren liebte ich Längstzüger und dabei besonders Rundläufe, die dort so leicht zu gestalten sind, dass man mehrere oder Duelle weißer und schwarzer erzielen kann, was in anderen Märchenarten ohne Dauerschach selten gelingt. Einfach ist 8 mit Duell der Damen: 1.Dd2! D:d5 2.Dg5+ Dg2 3.Da5 Da2 4.Da7 Dh2#. Im Original war der sBa4 auf a7 und auf b7 ein wB (nebenlösig mit 1.Dc5+ Df2 2.De7 Da2 3.Kc7 Dh2+ 4.Kd8 Db8#).

(9) Hans Peter

Rehm Paul Quindt

Feenschach 1959
Korrektur-Urdruck

wKg5, wDb4, wBc7e3g3h4, sKh1, sSe7g4, sSUa8f1, sSLe1, sBb6h5

s#6(6+8)
Längstzüger
= Nachtreiter
= Kamelreiter

Duelle wD gegen Märchenreiter habe ich damals ziemlich systematisch erforscht (9). Heute mache ich solche Serien nicht mehr. Das Original hatte eine versteckte Nebenlösung und wird hier nicht zitiert (Echecs.DB Nr. 27922). 1.Dd4! KRg7 2.Df4 KRa5 3.Dd6 KR:g3 4.Dd4 KRa1 5.Dd2 KR:c7 6.Db4 KRe1#.

(10) Hans Peter Rehm

Feenschach 1960
Korrektur-Urdruck

wKd4, wDc5, wTb3h7, wLh2e8, wSb7d6, wBa7c2c6, sKc7, sLa4h8, sSg7

semi-r#3 (11+4)

In 10 werden 4 Fluchtfelder zyklisch durch Deckung von je zweien und Block der anderen zwei genommen: 1.Te3! (Zz.) 1.- L:c2 2.Sc4+ Kc8 3.Dd5 Se6#, 1.- Lb3 2.Se4+ Kc8 3.Td3 Sf5#, 1.- L:c6 2.Dc4 Kb6 3.Td3 Sf5#, 1.- Lb5 2.Se4+ Kc8 3.Dd5 Se6#. Im Original stand statt wLe8 ein wBe6 (Dual 1.- Lc2 2.Da5+).

(11) Hans Peter Rehm

Feenschach 1965(v)
C-

1.Preis

wKa4, wSb6, wBb3, sKa2, sLd1,
sDUb7c7, sBa5b2e3f3g2h2

s#8 Längstzüger(3+10)


(12) Hans Peter Rehm

Feenschach 1965
Korrektur-Urdruck

1. Preis

wKa4, wSb3b6, sKa2, sLc2, sDUb7c7, sBa5b2c3d3

s#8 Längstzüger(3+8)

In 11 sieht man wieder Rundlaufduelle. Nebenlösung: 1.Sc4! Gc3 2.Kb5 Gb4 3.Se5 Gf6 4.S:f3 Ga1 5.Ka4 Ge1 6.Se5 Lh5 7.Sf3 Le8#.
Das ist ein Fall, bei dem die Korrektur 12 eine klare Verbesserung mit sich brachte. Nicht nur 2 Steine weniger, sondern die Stellung ist wesentlich hübscher geworden. In der Lösung 1.Sd5! Ge4 2.Sf4 Gg3 3.Sg6 Gh7 4.Sh4 Gh3 5.Sf5 Ge6 6.Sd6 Gc7 7.Sc4 G:b3 8.Sb6 Gb7# zwei Grashüpfer- gegen einen S-Rundlauf.

(13) Hans Peter Rehm

Europe Echecs 1971(v)
Korrektur-Urdruck

1. Preis

wKd4, wTd3, wSd5, wBb3f7g7, sKc1, sTe6, sSe4, sBb4b6c6e7f3f5g6

s#4 Längstzüger(6+10)

13 enthält ein schwarzes Springerrad und dabei 6 weiße Springerrundläufe, bei denen der wS den sS beseitigt (1.Sf6!). Für die zwei aus der Rolle fallenden S-Züge 1.- Sd2/S:f6 musste etwas anderes gefunden werden (Rückkehr und Unterverwandlung). Gerade das aber wirkt dem Eindruck des Schematischen entgegen. Dem Original wurde wegen dem Dual 1.- Sc3 2.g8D 3.Dc4! der wBf7 zugefügt.

(14) Hans Peter Rehm

Die Schwalbe 1982(v)
Korrektur-Urdruck

wKb5, wLh6, wSc2, wBb2c6f3, sKd3, sTe2, sLd4, sBc7e3

#9 Folgeschach(6+5)

Beim Folgeschach muss Schwarz ein von Weiß verlassenes Feld betreten. Kann er das nicht, zieht er beliebig. Übrigens geht die Parade eines Schachs dem Nachfolgezwang vor. 14 enthält Rundläufe von sL, sT und den bekannten achtzackigen Springerstern: 1.S:e3! Tc2 2.Sc4 Le3 3.Sd2 Tc4 4.Se4 Ld2 5.Sc3 Te4 6.Se2 Lc3 7.Sd4 Te2 8.Sc2 Ld4 9.Sb4#. Die ursprüngliche Stellung hatte statt Bc6/Bc7 einen sT auf h5 und den wL auf g5. Anscheinend waren die Rundläufe so suggestiv, dass sowohl ich als auch die Schwalbe-Löser den offensichtlichen Dual 8.Sc6 (statt 8.Sc2) übersahen. Ich war überrascht, dass das Stück ohne Fesselung des wL korrekt ist. Ich hätte in der Zeit, als Computer so etwas noch nicht testen konnten, nicht gewagt, den sT wegzulassen. Bc7 verhindert eine Nebenlösung. Dummköpfe würden hier auch den achtfachen Umnow loben.

(15) Hans Peter Rehm

feenschach 1989
Korrektur-Urdruck
Frankreich - Deutschland
1984-89, 3. Platz

wKd2, wTf3, wLa6, wSd4e4, wBc5d6, wLLb8h1, wTLc1h6, sKd5, sSa7, sTLf5g3, sLLe3h2h7, sBb4e7

#2(11+9)
= Pao
= Vao

In 15 sieht man Schachprovokation und schachbietende Primär- und Sekundärparaden: 1.Kd3! [2.Lc4#] 1.- Pf~+,Vg8 2.Sc3#, 1.- P:c5+! 2.Sf6#, 1.- Ve~+ 2.T:f5#, 1.- Vf4+! 2.T:g3#. Der Fluchtfeldraub im Schlüssel ist wegen des Satzspiels 1.- K:d4 2.Pd1# nicht zu beanstanden. Das Original (sPh3 statt g3) hatte die Nebenlösung 1.Sc3+ K:d4 2.Pf4#.

(16) Josef Breuer

Die Schwalbe 1955
C-

2. Preis

wKb2, wDf6, wSg5g7, sKh6, sTb8h8, sLe8, sBb5d6e7e3f7g6g4

#10 (4+11)

Zum Abschluss noch zwei Korrekturen alter Schwalbe-Aufgaben anderer Autoren, die mir sehr gefallen haben. Zu meiner Überraschung fand ich bei Eingabe der Mehrzüger aus dem FIDE-Album 1945-55, dass das berühmte, oft nachdruckte Stück 16 durch 1.Sf5+! Kh5 2.S:e7 d5 3.S:g6 g3 4.Sf3 Kg4 5.Se5+ Kh3 6.Sf4+ Kh2 7.Sf3+ Kh1 8.D:h8# schon in 8 Zügen zu lösen ist. Zu Breuers Zeiten hätte die Korrektur wochenlange Analysen erfordert. Auch noch vor wenigen Jahren wäre viel Zeit gebraucht worden, weil die Analyse eines #10 tagelang den Computer blockiert hätte. Heute schafft Gustav das in weniger als 1 Minute! Die Verbesserung war damit leicht und brauchte weniger als 1 Stunde. Ein gewisses technisches Geschick ist natürlich erforderlich. Neulinge bei der Konstruktion von Schachaufgaben könnten nützlich Übungen machen, indem sie ältere Aufgaben von verstorbenen Autoren korrigieren. Z.B. sind viele der böhmischen Mehrzüger im Album 1945-55 kaputt.

Als kleine Anleitung protokolliere ich hier die Schritte zur Korrektur. Zuerst sollte man sich über die Breuersche Konstruktion Klarheit schaffen, was mit Gustav in den letzten Zügen schnell geschieht:
(1) Th8 wird am Schluss als Block benötigt, im Abspiel 6.- Ld7 7.S:f7+ Kh7 8.Sh5 g:h5 9.Sg5+ Kg8 10.Df7#.
(2) Ohne Tb8 ginge in diesem Abspiel 7.S:f7+ Kh7 der zerstörende Dual 8.Sf5. Damit sind beide TT konstruktionsnotwendig.
(3) Be3 verhindert nach 3.- e5 den Dual 4.Df6! K:g3 5.Se4+ nebst 6.Df2.

(17) Josef Breuer

Die Schwalbe 1955(v)
Korrektur von HPR,
Urdruck

wKa3, wDf6, wSg5g7, sKh6, sTd8h8, sLe8, sSb7, sBa4c4d6e3e7f7g4g6

#10 (4+13)

Manche schwachen Mehrzügerverfasser benutzen solche Computerfunde, um schwierige Aufgaben zu "komponieren". Versetzt man in 17 den sBe3 nach c6, so entsteht ein schwer zu lösender korrekter #7 mit der Lösung 1.Sf5+ 2.Sg3+ Kh4 3.Df4 e5 4.Df6 [5.Se4+ Kh3 6.Df1+ Kh2 7.Dh1#] K:g3 7.Se4+ Kg2 8.Df2+ Kh1 Sg3#. Wenn Schwierigkeit aus der Tiefe und Verborgenheit einer glänzenden thematischen Idee kommt, ist sie sehr zu begrüßen. Aber einfach schwierige Züge ohne Thema-Inhalt (wie hier 4.Df6) sind eher abzulehnen; im Computerzeitalter sind sie meist billige Computerfunde. Eine geringe Daseinsberechtigung haben sie natürlich noch als Knacknüsse für die Löser.
Nun sind alle Steine erklärt. Angesichts der NL 2.S:e7 fiel mir als erstes die Deckung von e7 ein, die ein sSc8 leisten kann. Also versuchte ich sTb8 nach d8, +sSc8, sBb5 nach b6. Pustekuchen! Nach 41 sek zeigt Gustav, dass der Sc8 nichts gegen 2.S:e7 hilft! Jetzt muss die komplizierte Nebenlösung studiert werden. Es muss etwas aufgestellt werden, was die NL verhindert. Das tut z.B. ein sBe4, aber der schaltet auch die Autorlösung aus. Andere sB scheinen nichts zu helfen, also versucht man es mit einem sS. In der NL-Variante 1.Sf5+ 2.S:e7 [3.Se4] d5! 3.S:g6 (das findet nur ein Computer) g3 4.Sf3 Kg4 5.Sfe5+ Kh3 6.Df3 Kh2 7.Sf4 genügte 2.- c5 mit Deckung von e4 beinahe zur Widerlegung. Daher dachte ich, dass es vielleicht hilft, wenn e4 anders gedeckt wird, und dafür kommt nur ein sS in Frage. Nach einigen einfachen Änderungen, um den wK sicher zu stellen, kommt man zu 17. Nun erstrahlt Breuers Klassiker mit dem unvergesslichen Fahrstuhl auf-und-ab und der Krönung mit Damenopfer und wundervollem Schlussmatt in neuem Glanz. Gustav hat tatsächlich keine Einwände mehr, widerlegt 1.Sf5+ 2.S:e7? mit Sc5!, und wir können die prächtige Lösung genießen. Probespiel 1.S:f7+? Kh7!, nicht 1.- L:f7 2.Sf5+. Darum 1.Sf5+ Kh5 2.Sg3+ Kh4! (Kh6? 3.S:f7+ L:f7 4.Sf5+) 3.Df3 [4.S3e4] e5! 4.Sf5+ Kh5 5.Sg7+ Kh6! (Kh4? 6.Sf3+) 6.Df6 [dr.7.S5e6, Sf5+ und 7.S:f7+ 8.Sf5 aber nicht 8.Sh5)] Ld7! (nur danach entsteht ein Abspiel in voller Länge) 7.S:f7+ Kh7 8.Sh5 Th(d)g8 9.Dg7+ T:g7 10.Sf6#, 8.- g:h5 9.Sg5+ Kg8 10.Df7#.

(18) Gerhard Latzel

Die Schwalbe 1953
C-

2. Preis

wKc1, wTa3, wLd2, wSc5a8, wBb2c2e2f2h2, sKa5, sDa4, sTb4, sBb3b5d5f5g5

#8 (10+8)


(19) Gerhard Latzel

Die Schwalbe 1953, 2. Preis
Korrektur von HPR,
The Ural Problemist 2005

wKh7, wTh5, wLc3, wSc5a8, wBd2d7f2g2, sKa5, sDg1, sTb4, sLf1, sSd8, sBa3a4b3b5d3f5g5

#8 (9+12)

Aber auch mit der heutigen Technik kann eine Korrektur äußerst schwierig sein. Das erlebte ich bei Latzels sehr langer Bahnung des sT für den sK, die im Vorplan um 1 Feld verkürzt werden kann ( 18, 1.h4!, Nebenlösung 1.L:g5! Th4 2.Ld8+ Kb4 3.Sd3+ Kc4 4.Sb6+ Kd4 5.S:a4 Ke4 6.Sc5+ Kd4 7.Lf6+ Kc4 8.c:b3#, 5.- b4 6.T:b3 Ke4 7.T:b4+ d4 8.Sc3#, 5.- f4 6.Sc5 b:c2 7.Lf6+ Kc4 8.b3#, auch 2.L:h4 genügt). Fast eine Woche mit vielen vergeblichen anderen Ansätzen brauchte ich für die Idee, es mit sSd8 wBd7 zu versuchen, um d3 decken zu können. Auch dann war es nicht leicht. Der interessierte Leser kann ja versuchen, eine elegantere Korrektur ohne die dicke sDg1 zu finden! Auch wegen der Kurzdrohung bin ich nicht sicher, ob Latzel mit dieser Stellung glücklich gewesen wäre. Mir gefällt aber, dass Logik und Probespiel (1.Lf6? nur 1.- Th4! und der sK entkommt nach g4!!) weiterhin einwandfrei sind und außerdem der in Lösung kaum beschäftigte wTa3 verschwunden ist. Die Lösung 1.Th4! g:h4 2.Lf6 Tg4! 3.L:d8+ Kb4 4.Sa6+ Kc4 5.Sb6+ Kd4 6.Lf6+ Ke4 7.Sc5+ Kf4 8.Sd5# endet nun mit einem ökonomischen Matt.

Ich hoffe, dass dem einen oder anderen Leser ein Blick auf diese Aufgaben (vielleicht nostalgisches) Vergnügen macht.

Nachtrag: Beim Schwalbe-Treffen in Ravensburg erinnerte mich mein Freund Stephan Eisert, der in solchen Dingen ein viel genaueres Gedächtnis hat als ich, dass Breuer seinen #10 schon selbst korrigiert hat, und zwar durch +sBd5 (Schwalbenspätauslese Nr. 1, 1962-63, S. 24). Hut ab vor dem Löser, der damals die Nebenlösung gefunden hat! Ein weiterer Fall, wo es eine spätere Korrektur nicht in die Datenbank schaffte, weil niemand sie eingab. Das sollte der Autor tun, der da hoffentlich eine Übersicht hat. Bei Breuer ging es also einfacher, und Gustav sagt OK. Meine Korrektur hat aber einen kleinen Vorzug: Breuers dualistische Nebenvarianten (6.- Ta8 (ähnlich 6.- Tc8) 7.S5e6 Kh7 8.Sf5/Se8, und es geht auch 7.S:f7+) sind durch das T-Schach auf volle Zuglänge gestreckt. (Dieses Schach ist für die Korrektheit nötig.) Bei Gustavs Lösungsausgabe muss man sogar ziemlich suchen, bevor man die Hauptvariante im Gestrüpp der Abspiele voller Länge findet. Meine Korrektur erstrebte auch, dass nur das Hauptspiel 6.- Le7 10 Züge braucht und Duale nur in Kurzvarianten vorkommen. (Hier steht bei Gustav die Hauptvariante an der Spitze, da die Langvarianten zuerst angegeben werden.) Es ist Geschmacksfrage, ob das den zusätzlichen sS wert ist.

 


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