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Heft 232, August 2008 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Der in Südafrika geborene und vor nunmehr 25 Jahren verstorbene Gerald Frank Anderson (23.2.1898-23.8.1983) publizierte 14jährig sein erstes Problem und entwickelte sich zu einem sehr vielseitigen Komponisten, was schon deutlich wird, wenn man sich nur seine bevorzugten Gattungen ansieht. Darunter fallen der strategische Dreizüger, Selbstmatts, Reflexmatts und Kriegsspiel. Mit letzterem hat er sich besonders intensiv befasst und Grundlagen für die Komposition in diesem exotischen Gebiet gelegt mit seinem 1958 erschienenen einschlägigen Buch Are There Any?; Bobby Fischer hielt es für das beste Problembuch, das ihm je untergekommen war. Krieg war für GFA nicht nur Spiel, denn er war im 1. Weltkrieg Kampfflieger in der Royal Air Force und vertrat sein Land seit Beginn des 2. Weltkriegs im diplomatischen Dienst in vielen Teilen der Welt.

I Miroslav Havel
Zlata Praha 18.XII.1903
II Miroslav Havel
Zlata Praha 16.VI.1911
1. Preis
III Miroslav Havel
Casopis Cesk. Sachistu 1920
1. Preis
#4(3+2)#3(5+5)#3(6+6)

Dr. Miroslav Kostal, besser bekannt unter seinem Pseudonym Miroslav Havel (7.11.1881-8.7.1958) ist wohl bis heute der bekannteste Vertreter der böhmischen Problemschule. 1923 widmete A. C. White ihm in seiner Christmas-Serie den Band Bohemian Garnets. Unter dem Titel Ceske granaty erschienen 1936 und 1943 weitere Aufgabensammlungen dieses böhmischen Klassikers. Der frühe Fünfsteiner I ist typisch für die böhmische Materialbeherrschung und zaubert bei sprödem Material einen sechsfachen L-Abfang mit anschließenden Modellmatts aufs Brett. 1.Td2! Lg7 2.Td1+ Kh2 3.T:g7, 1.- Lh6 2.Th5+ Kg1 3.T:h6, 1.- Le7 2.Tb5 Lb4/Lc5 3.T:L und 1.- Lb4 2.Td7 Le7/Ld6 3.T:L. In II sind drei Modellmatts mit Beteiligung von wDTLS zu bewundern: 1.Lc5! [2.T:f6+ Ke4 3.Sf2# MM], 1.- Ke4 2.Sf2+ Kd5 3.Tc7# MM und 1.- Kf4 2.S:f6 e4 3.Sd7# MM. III zeigt, wie Breuer schreibt, drei wunderbar einheitliche Matts, in denen die wD drei verschiedene Felder (d1, f3, d3) beherrscht und dadurch den Sg2 zu immer neuen Abzügen zwingt: 1.De8! [2.Da4 K:e2 3.Se1# MM], 1.- Lc7 2.Dc6 K:e2 3.Sf4# MM und 1.- Sd7 2.Dg6 K:e2 3.Sh4# MM.

IV Albert Volkmann
Schach 1951
3. Preis
V Norbert Ringeltaube
Die Schwalbe 1962
VI Sergej Kaminer
Schachmaty 1925
2. Preis
#5(7+7)#5(7+15)Gewinn(4+3)

Vor einem Jahrhundert wurde Albert Volkmann (15.7.1908-22.2.1985) in Düsseldorf geboren. Mit 18 Jahren begann er, Schachprobleme zu komponieren und spezialisierte sich schon bald auf Zweizüger und logische Mehrzüger; eine vielleicht überraschend anmutende Kombination, die Volkmann aber, wie er 1960 schrieb, nicht als abwegig ansah, weil der moderne Zweizüger viele neudeutsche Kompositionselemente enthalte. Da der Autor heute vielleicht mehr als Zweizüger-Komponist in der Erinnerung ist, sei hier mit IV ein streng logisch gegliederter Fünfzüger gezeigt: Der direkte Versuch, mit dem Tb4 zum Matt zu kommen, scheitert nach 1.Tf4? Tf1! bzw. 1.Tb6? Ta6!, daher 1.Tb5!. 1-La4! verstellt die a-Linie, daher geht jetzt 2.Tb6! und nach 2.- Lc6 3.Tb4 [4.Lg4#] wird der sL schädlich nach f3 gelenkt, 3.- Lf3 4.Tf4 Le4 5.Lg4#.

Nur wenige Tage jünger war Norbert Ringeltaube (geb. 23.7.1908), der beruflich als Pfarrer in Berlin tätig war und einen, wie Werner Speckmann zu seinem 60. Geburtstag schrieb, sehr eigenen Mehrzügerstil pflegte. In V scheitert der Hauptplan 1.Ld5, 2.Le4# an 1.- g1~! Die sofortige Verstellung der großen Diagonale durch 1.Lg8? [2.L:h7#] Sf3 2.Ld5 führt noch nicht zum Ziel, weil Schwarz noch die dresdnerische Ersatzverteidigung 2.- S:d2 hat. Um sie auszuschalten, benutzt Weiß einen weiteren Dresdner, aber nicht 1.La2?, da S dann nicht das erwünschte S:d2 antwortet, sondern 1.- Sc3! Daher zuvor noch 1.Lc4! Sb2 (schaltet Sc3 aus, aber L:d2 als Verteidigung gegen ein Matt von b1 ein) 2.La2 L:d2 und erst jetzt 3.Lg8 Sf3 4.Ld5 nebst 5.Le4#.

Ebenfalls vor 100 Jahren wurde der russische Studienkomponist Sergej M. Kaminer (26.8.1908-2.11.1938) geboren. Er war mit dem drei Jahre jüngeren Botwinnik befreundet und gewann gegen den damals 13-Jährigen alle drei Partien eines kleinen Wettkampfs. Später (1926) wunderte sich Kaminer, weshalb alle gegen ihn (den späteren WM) verloren. Ohne die Freundschaft der beiden wären vielleicht viele der Kaminer-Studien verstreut, denn Botwinnik berichtet im Vorwort der 1981 von R. Kofman herausgegebenen Sammlung von Kaminers und Liburkins Studien, dass Kaminer ihm 1937, ein Jahr bevor er der großen Stalinschen "Säuberungsaktion" zum Opfer fiel, ein Heft überreichte, in dem alle seine Studien, einige noch nicht bis zum Ende ausgearbeitet, enthalten waren; er fürchtete, sie würden ihm verloren gehen. Dieses Heft wurde dann in den 50er Jahren zur Basis des Kaminer-Buchs. Mit der Miniatur VI brachte der Autor den berühmten L. Kubbel, der auch ein sehr starker Löser war, zur Verzweiflung: 1.b7 Tf8 2.Sc6 Kf4, und jetzt kommt der überraschende Zug 3.g4!!, der dem sK die 5. Reihe verwehrt und sich am Schluss als fatale Lenkung für den sK erweisen wird: 3.- K:g4 4,Kg7 Te8 5.Kf7 Th8 6.Ke7! droht 7.Sd8, wogegen 6.- h5 nicht hilft, da der wB nach 7.Sd8 Th7+ 8.Sf7 nicht mehr zu halten ist. Aber auch nach 6.- Tg8 7.Sd8 Tg7+ 8.Sf7 Tg8 ist es aus für Schwarz wegen der Gabel 9.Sh6+.

Alphonse Delannoy (2.1806-19.7.1883) gehörte zu den frühesten Schach-"Journalisten". Delannoy, eigentlich Lehrer, gab eine sichere Anstellung auf und widmete sich ganz seinen schriftstellerischen und journalistischen Neigungen. Seit 1842 konnte Saint Amant ihn zur Mitarbeit an der ersten Schachzeitschrift, Le Palamede, gewinnen. Neben einer vielbeachteten Übersetzung der Psalmen König Davids und anderer literarischer Arbeiten schrieb er auch später noch schachliche Artikel für La Regence, La Strategie und weitere Schachzeitschriften.

Ende Juli jährt sich noch ein weiterer 125. Todestag, nämlich der von Josef Plachutta (13.5.1827-22.7.1883), zu dessen 175. Geburtstag in dieser Rubrik schon eine Notiz in Heft 195 erschien.

VII Philip Klett
Münchener Neueste Nachrichten 1897
#4 (9+7)
Einer der ganz großen der altdeutschen Problemschule wurde vor 175 Jahren geboren: Philipp Klett (20.7.1833-1.10.1910). Nicht das Brilliante, nicht der Problemwitz im engeren Sinne, sondern die weitgehende Positionsbeherrschung war seine persönliche Leistung - so beschrieb die Deutsche Schachzeitung 1910 im Nachruf die besondere Bedeutung Kletts. Und er selbst sagte in seiner 1878 erschienenen Sammlung Schachprobleme: "Die Generalidee des Problems liegt in der Herbeiführung eines schönen Mats unter schwierigen Verhältnissen - durch Züge, welche ihre Zweckdienlichkeit nicht vermuthen lassen"; in der locker-leichten Stellung VII aus seiner Spätphase zeigt Klett noch einmal, was er damit meint: Nach 1.Lb5! droht nichts, Schwarz ist in Zugzwang. Die Prachtvariante folgt nach 1.- b6, wo S nach dem verblüffenden Zug 2.Kh6!! wiederum in Zugzwang versetzt wird. Das wiederholt sich noch einmal nach 2.- S:d2 3.De2, bevor es mit 3.- e4 Dh5 zu einem Modellmatt kommt; nach 2.- Ke4 3.T:d6 S:d6 kommt es mit 4.Dg2 zu einem weiteren Modellmatt. In gutaltdeutscher Manier gibt es noch interessantes Beiwerk: 1.- Sb2 2.Db6 (a7) Ke4 3.D:b7+ S:b7 4.Lc6#; 1.- Sa5 2.Df1 Kc5 3.Le3+ Kd5 4.Dd3# und 1.- S:d2 2.D:d2+ Kc5 3.T:d6 K:b5 4.Dd5#.

James Pierce (1.7.1833-27.4.1892) war der ältere der Pierce-Brüder, die 1873 gemeinsam einen Band Chess Problems publizierten, dem bald ein Supplement folgte. 1876 folgte dann ihr großer Sammelband English Chess Problems, der auch heute noch eine gesuchte antiquarische Rarität darstellt.

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