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Heft 231, Juni 2008 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Vom kürzesten zum längsten Tag reichte die Lebensspanne des vor einem Vierteljahrhundert verstorbenen Herbert Grasemann, kam er doch am 21.12., also zur Wintersonnenwende, des Kriegsjahres 1917 zur Welt, die er am 21.6.1983 wieder verließ. Dazwischen lag ein Leben, das ganz wesentlich vom Problemschach geprägt war, insbesondere von der neudeutschen Problemschule, deren unermüdlicher Propagandist er war, seit er kurz nach Ende des 2. Weltkriegs Stefan Schneiders Bekanntschaft machte und dessen bedeutende theoretische Artikel im damals schon von ihm betreuten Schach-Express, dem Vorläufer der Zeitschrift Schach, publizierte. W. Dittmann, A. Geister und D. Kutzborski, alle aus der Berliner "Grasemann-Runde" stammend, haben ihrem ehemaligen "Chef" mit der 1986 erschienenen Biographie Logische Phantasien ein schönes Denkmal geschaffen, in dem der Leser neben seinen Kompositionen auch den Menschen Grasemann kennenlernt. Um in der Beispielaufgabe ans Ziel zu gelangen, muss Weiß den wTd2 nach c7 manövrieren, ohne dass Schwarz zu b:c4 kommt, und dazu nutzt er die Bindung der sTT an die Felder d6 und e5: 1.Th2 Tg(f)5 2.Tg(f)2 Th5 3.Tg(f)8 Jetzt wird der zweite Turm geschaukelt 3.- Td7 4.Tg(f)7 Td8 5.Tc7! S:c7 Sb6#.

Der vor nunmehr 50 Jahren verstorbene Frederik Willem Nanning (4.9.1892-12.6.1958) war 25 Jahre lang Sekretär der niederländischen Problemisten, leitete seit 1931 über viele Jahre den Problemteil der Tijdschrift van den Koninklijke Nederlandse Schaakbond und gab 1948 zusammen mit Albert Koldijk das Thema-Boek heraus.

Viel zu früh verstarb Karl-Heinz Ahlheim (13.6.1933-15.10.1996), der viele feine Mehrzüger komponierte. Er hätte am 13. Juni seinen 75. Geburtstag begehen können. In seinem Sechszüger vollführt der wL einen Schwalbenflug: Nicht 1.L:c2+? Lf5 2.L:f5+ K:f5 3.K:h5 patt, sondern 1.Le8+ Kf5 2.Lc6 [3.Le4#] Kg6 3.Le4+ Lf5 4.L:f5+ K:f5 5.K:h5 S~ 6.g4#.

Mit William Anthony Shinkman (25.12.1847-25.5.1933) ist an einen der großen Klassiker zu erinnern, der vor 75 Jahren verstarb. Verwiesen sei hier auf den Artikel zu seinem 150. Geburtstag in Heft 168.

An vier 100. Geburtstage sei erinnert: Albert H. Kniest (15.5.1908-8.11.1984) war ein ungeheuer produktiver und phantasievoller Wegbereiter des Märchenschachs, der selbst mehr als 6000 Probleme produzierte. Er gründete und leitete von 1931-34 die Deutsche Märchenschachzeitung, war danach bis 1937 Leiter der Schachspalte in der Bottroper Volkszeitung. Neben vielen anderen publizistischen Aktivitäten begann er 1963 seine Loseblatt-Publikation Diagramme und Figuren, die er weitgehend selbst grafisch gestaltete und für die er auch meist Diagramme und Text eigenhändig herstellte, feenschach widmete AHK 1985/86 nach seinem Tod ein zweiteiliges Sonderheft.

Den Amerikaner Richard E. Cheney (17.5.1908-30.8.1967) sollte man nicht mit seinem Namensvetter und Sam-Loyd-Zeitgenossen George N. Cheney (2.4.1837-21.7.1861) verwechseln. Richard Cheney arbeitete unter anderem mit A. C. White bei zwei in der Overbrook-Serie erschienenen Büchern zusammen. Er lebte längere Zeit als Englischlehrer in Deutschland.

Der amerikanische Altmeister Walter Korn (22.5.1908-20.7.1997) gab 1975 ein Werk American Chess Art heraus, das übrigens 1995 eine Neuauflage erlebte, und in dem er anhand von 250 Studien im wesentlichen amerikanische Komponisten vorstellte.

Am 27. Mai vor 100 Jahren wurde Georges M. Fuchs geboren. Er kam früh zum Schach, begann mit 14 zu komponieren und begeisterte sich sowohl für Studien als auch Probleme. Schon mit 18 publizierte er Artikel in der berühmten La Stratégie, er besorgte die Übersetzungen der von Franz Palatz auf französisch erschienenen Publikationen, insbesondere der Miniatures stratégiques (1935). Nach langer berufsbedingter Pause wurde er Mitte der 70er Jahre wieder schachlich aktiv und nahm dann auch an verschiedenen Treffen teil. Seine hier reproduzierte Aufgabe zeigt das Thema Barthélémy, bei dem ein schwarzer Verteidiger (hier der sTg4) eine wBatterie (Dg8/Se6) zweimal (g8, c4) kontrolliert. Satz 1.-f:e2+2.T:e2, 1.-Td4+ 2.S:d4; 1.Sd4/Sf4+? T:g8!; 1.Sg5/Sg7+? Tc4!; 1.Kc1! [2.Lb1] Lg5+ 2.Sf4 (2.Sd4?), 1.- e4 2.Sg5 (2.Sg7?). Nach diesem Barthélémy mit Verstellungen gibt es noch einen zweiten mit sRückzügen: 1.- Tg6 2.Sg7 (2.Sg5?) und 1.- Te4 2.Sd4 (2.Sf4?).

Herbert Grasemann
ADS-Turnier 1949
2. Preis
Karl-Heinz Ahlheim
Deutsche Schachztg. 1985/86
2. Preis
Georges Fuchs
Frankreich-Spanien 1937
1. Preis
#6(6+9)#6(7+5)#2(12+8)

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