Heft 276, Dezember 2015 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Giuseppe La Duca

L'Italia Scacchistica 1932

3. Preis

wKd5, wLa5, wSc6d6, wBc2e3, sKd7

#6 (6+1)

Der vor einem halben Jahrhundert verstorbene sizilianische Musiker Giuseppe La Duca (19.2.1881-2.12.1965) aus Catania legte in der Problemkomposition Wert auf große Schwierigkeit. Die meisten seiner etwa 160 Probleme sind Drei- und Mehrzüger. Die hier gezeigte Miniatur mit Platzwechsel der beiden Könige gehört zu den bekannteren Stücken des Autors: 1.Ke5 K:c6 2.Ke6 Kc5 3.Kd7 Kd5 4.Lb6 Ke5 5.Ld4+ Kd5 6.c4#.

Milivoj Nešić

Problem-Forum 2001

TT, 1. Preis

wKd3, wDa5, wTb6e3, wLb3h6, sKg8, sDa3, sTd5h8, sLd4, sSc4f7, sBc5d2d6d7e5e7f5h7

h#2 (6+15)

An den vor fast schon 10 Jahren verstorbenen serbischen Komponisten Milivoj S. Nešić (12.12.1940-30.6.2006), der jetzt 75 Jahre alt geworden wäre, sei mit einem seiner Hilfsmatts erinnert, das neben dem Preisrichter auch die Richter des FIDE-Albums begeisterte und zyklische Dualvermeidung, einen zyklischen Zilahi und zyklischen Funktionswechsel zeigt: 1.S:b6 D:c5 (T:e5?) 2.T:c5 Tg3#; 1.S:a5 T:e5 (T:d6?) 2.T:e5 Tb8#; 1.S:e3 T:d6 (D:c5?) 2.T:d6 Dd8#.

Johann Sehwers

Schachmatnoje Obosrennije
1902

wKd3, wTa4, wLh6, wBc4e4h4, sKd6, sDb7, sBa6d7

Gewinn (6+4)

Der baltendeutsche Johann Sehwers (28.6.1868-7.11.1940) war Lehrer und Linguist und befasste sich als solcher insbesondere mit dem Einfluss der deutschen Sprache auf das Lettische. Ende des 19. Jahrhunderts begann er, angeregt von einer Studie von Bething, Endspielstudien zu komponieren. Eine 87 Aufgaben umfassende Sammlung seiner etwa 100 Studien gab er 1922 bei de Gruyter heraus. Einen klassischen Fall von Domination der sD zeigt seine hier wiedergegebene Komposition: 1.Tb4! Dc8 (oder 1.- Da7 2.Le3 Da8 3.Tb8 D:b8 4.Lf4+; natürlich nicht 1.- D:b4 2.Lf8+) 2.Tb8 Dc6 3.Tb6 D:b6 4.c5+ D:c5/K:c5 5.Lf8+/Le3+ mit Gewinn der sD. Weitere Sehwers-Studien präsentierte John Beasley vor einigen Jahren in einem Sonderheft der British Endgame Study News; siehe http://www.jsbeasley.co.uk/besn/s49.pdf.

Der Amerikaner George H. Walcott (4.5.1870-29.12.1940) war schachpublizistisch vielfältig tätig. Mit knapp 22 Jahren gab er in Boston den American Chess Monthly heraus, der anderthalb Jahre lang erschien. 1902-1906 war er Herausgeber des Corsair - A chess periodical, zwischenzeitlich hatte er auch die Schachspalte in der Boston Daily Post übernommen, worüber die in Neuseeland (!) erschienene Zeitung Otago Witness am 19.9.1900 berichtet - vielleicht, weil Walcott sich auf originelle Weise einführte, denn er wurde wie folgt zitiert: "Es gibt viele Arten von Problemen - Hilfsmatts, Rückzüger, Einzüger, Teilzüger, Nullzüger usw., auch Bedingungsaufgaben, wo seltsame und verrückte Dinge geschehen [...]. Auch die Weihnachts-Hyäne verdient erwähnt zu werden. Wir werden jedoch versuchen, in unserer Spalte ohne solche Monstrositäten auszukommen." Das Hilfsmatt war damals noch eine Monstrosität - da hielt sich der Komponist Walcott lieber an etablierte Formen wie das Selbstmatt, mit dem der Autor in der PDB mit einer Handvoll Aufgaben vertreten ist.

Fritz Günther Braune
Wilhelm Maßmann

Kieler Nachrichten 1951

2. Preis Spiegelmatt-TT

wKc6, wLd3g5, wSb7c2, sKe5, sBe3

#3 (5+2)

Am 15. November vor 100 Jahren wurde Fritz Günther Braune geboren, dessen Todestag mir unbekannt ist. Wie viele Zeitgenossen kam er in Kriegsgefangenschaft in Berührung mit dem Problemschach. Wie er Ende der 1940er Jahre selbst in derSchwalbe-Komponistenkartothek schrieb, löste er Probleme, "um dem Stumpfsinn des Lagerlebens zu entgehen." 1947 lernte er die Schwalbe kennen und entwickelte eine Vorliebe für Miniaturen, von denen er eine Sammlung anlegte, die etwa 12500 Miniaturen umfasste. Ob diese in die Massmann-Sammlung eingingen, ist mir zwar nicht bekannt, aber einiges spricht dafür, da es Gemeinschaftsaufgaben von Braune und Massmann gibt (s. Diagr.: 1.Se1 Ke6 2.Sd8+ Ke5 3.Sf3# oder 1.- e2 2.Sf3+ Ke6 3.Sd8#) und weil viele seiner Miniaturen in den Kieler Nachrichten erschienen.

Langjährigen Teilnehmern der Andernacher Märchenschach-Treffen ist das gemeinsame Auftreten der Hamburger Ehepaare Bacmeister und Klüver noch in guter Erinnerung. Während Hans Klüver immer an der vordersten Märchenschach-Front stand und durch vielerlei Aktivitäten Aufmerksamkeit erzeugte, blieb Kurt Bacmeister (23.11.1915-17.12.1993) eher ruhig im Hintergrund. Als Stadtjugendpfleger von Bad Pyrmont gründete er 1947 mit einigen Gleichgesinnten eine Jugendzeitschrift, aus der ein Jahr später die Illustrierte STERN hervorging. Bacmeister wurde dort Redakteur und gründete eine Schachspalte, der Mitte der 60er Jahre die später so berühmte, von Klüver geleitete Problemspalte folgte.

Der vor 100 Jahren verstorbene deutsche Arzt Adolph Decker (6.12.1857-20.11.1915), der 1890 nach Chicago auswanderte, beteiligte sich als Problemist neben seiner Kompositionstätigkeit auch an problem"-ästhetischen Diskussionen und unterstützte den ersten Gedanken zur Gründung einer internationalen Problemistenvereinigung (Obermann in DSZ 1887, S.168-172).

John H. Barrow

Grantham Journal 1926

1. Preis

wKh1, wDb6, wTg1, wLc3f5, wSd6h5, sKd5, sTe6, sLg7h7, sSg6

#2 (7+5)

Vor 125 Jahren wurde John Hugh Barrow (12.11.1890-14.5.1943) geboren. Er komponierte Direkt- und Hilfsmatts. Hier ein elegantes bauernloses Stück von ihm mit einem Nowotny und Stocchi-Blocks: 1.Le5! [2.Db5#]; 1.- L:e5 2.Le4#, 1.- T:e5 2.Td1#, 1.- S:e5 2.Sf4#, 1.- K:e5 2.Dc5#.

Walter Grimshaw

Ill. London News 1850

wKb4, wDc3, wLa6, wSd6, wBb5c2f4, sKd5, sTe8g8, sLg4, sSg5h3, sBe4f3

#5 (7+8)

Der englische Problemkomponist Walter Grimshaw (12.3.1832-27.12.1890) ist heute bekannt als der Namensgeber einer der beliebtesten Schnittpunktkompositionen, nämlich der wechselseitigen Verstellung zweier Langschrittler, wie im Stammproblem demonstriert: 1.Lc8!\ [2.Dc5] L:c8 2.Df6 [3.c4] Te6 3.Dd4+ K:d4 4.Sf5+ Kd5 5.c4#, 2.- Le6 3.De5#. Josef Breuer bezeichnet in seiner Ideengeschichte dieses Problem als das bedeutendste und zukunftsträchtigste Werk nach dem Inder, aber es hat lange gedauert, bis es als solches erkannt wurde. Als Kohtz und Kockelkorn 1903 ihre bahnbrechende Studie Das indische Problem veröffentlichten, behandelten sie zwar diese Kombination, sprachen aber von einem "namenlosen Durchschnittspunkt" und entdeckten erst ein halbes Jahr nach Erscheinen ihres Buchs die Erstdarstellung durch den damals erst 18jährigen Grimshaw. Dieser entwickelte sich später zu einem der bekanntesten Komponisten der englischen "Transition School", die den Übergang zwischen der altenglischen Kompositionsweise und der moderneren Schule bildete und zu der u. a. auch J. B. of Bridport und Frank Healey gehörten. In Stauntons Chess Player's Chronicle publizierte Grimshaw mehr Probleme als irgendein anderer Autor. Vor 125 Jahren nahm sich der zuletzt unter Depressionen leidende Grimshaw das Leben.

Vor 150 Jahren wurde Hermann Keidanski in Pommern geboren (4.11.1865-1938). Der greise Franz Benkö erzählte in Heft 226 (August 2007): "Ich erinnere mich auch an Dr. Keidanski, den ich zum Schluss zweimal im Irrenhaus bei Berlin besuchte. Er erklärte mir damals, dass sein Leiden auf den großen Schmerzen beruhte, die er durch eine Blasen-Krankheit erlitt. Dr.\ Keidanski war unter dem Namen Keidanz viele Jahre in Amerika, wo er im Jahre 1927 das Buch The Chess-Compositions of E. B. Cook of Hoboken mit 650 Kompositionen herausgab."

(GüBü)


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