Heft 255, Juni 2012 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Im letzten Heft wurde das Kalenderblatt Opfer unaufschiebbarer privater Beanspruchungen. Statt einem mit umfangreichen Literaturrecherchen verbundenem Nachtrag sollen hier ausnahmsweise einmal die "Rohdaten" für den April-Beitrag nachgeliefert werden, so dass neben einigen zu kurz kommenden (da textlos) bekannten Namen auch solche Problemisten genannt sind, über die sich bei dem hier üblichen Rechercheaufwand vermutlich nichts Berichtenswertes ergeben hätte.
25 Jahre: Dieter Linden (8.7.1937-30.3.1987) GER
50 Jahre: Vincent Eaton (31.8.1915-16.3.1962) USA, Wladislaw Winogradow (11.9.1899-13.4.1962) URS, Leo Zobel (28.1.1895-24.4.1962) CSR, Heinrich Bernleitner (30.4.1937-?) AUT, Harald Dieffenbach (23.3.1937-4.2.1982) GDR, Wladimir A. Erochin (27.4.1937-15.4.2000) URS
75 Jahre: Jaroslav Hejzlar (21.9.1872-4.3.1937) CSR, Adolf May (?-20.4.1937) GER, Johan August Ros (18.8.1864-14.3.1937) SWE, Boris N. Sidorow (1937-6.8.2008) URS, Frank Visbeen (2.3.1937-12.8.1996) NLD, John Miller Zook (12.1.1844-19.3.1937) USA
100 Jahre: Europe Cacciare (15.4.1912-9.5.1964) ITA, Richard Helmut Dees (15.4.1912-?) GER, Hans Jentjens (25.3.1912-22.4.1965) GER, Dr. Albert Kauders (21.1.1854-27.4.1912) AUT, Geza Marot (3.3.1912-?) HUN, Geza Gombik (3.3.1912-?) HUN, Ludwig Scheinhütte (29.3.1912-26.12.1983) GER, Boris Rodionow (5.3.1912-?) URS, Ferenc Varaljay (30.4.1912-?) HUN, Theophilus Harding Willcocks (19.4.1912-?) GBR
125 Jahre: Ödön Bedö (20.4.1887-27.2.1953) HUN, Eduard Douwes Dekker (2.3.1820-19.2.1887) NLD, Richard Grewe (10.3.1887-10.5.1976) GER, Prof. Dr. Otto Haupt (5.3.1887-1989) GER, Jose Juncosa y Molina (20.3.1887-1972) ESP, Arthur Klinke (1.3.1887-23.7.1942) GER, Kurt Laue (7.3.1887-11.7.1953) GER, Johan Gustaf Ling (22.4.1887-20.6.1952) SWE
150 Jahre: Joseph H. Bolton (9.4.1862-1922) GBR, Jakob Robert Emden (4.3.1862-8.10.1940) SUI, Dr. Geza Kalniczky (7.4.1862-21.11.1938) HUN, Dr. Hermann Neustadtl (2.4.1862-9.9.1909) CSR, Ephrem St. Maurice (9.4.1862-?) CAN, Dr. Siegbert Tarrasch (5.3.1862-17.2.1934) GER
175 Jahre: George Nelson Cheney (2.4.1837-21.7.1861) USA, Ignatz Kolisch (6.4.1837-29.4.1889) AUT, Olof W. R. Sahlberg (29.3.1837-6.7.1922) SWE, R. C. Sloos (10.4.1837-11.12.1895) NLD, John Odin Howard Taylor (2.3.1837-15.5.1890) GBR.

Doch nun zum aktuellen Kalenderblatt:

Vor 25 Jahren haben uns einige prominente Komponisten verlassen: Die beiden russischen Studienspezialisten Rafael Kofman (26.3.1909-1.5.1987) und Wladimir Korolkow (7.11.1907-1.5.1987) starben am gleichen Tag. Der Moskauer Kofman leitete mehrere Jahre lang die renommierte Problemspalte von Schachmaty w SSSR und gab einige Studienbücher heraus, die auch in andere Sprachen übersetzt wurden (u.a. ins Holländische). Zusammen mit J. Wladimirow und J. Umnow gab Kofman auch das 1980 erschienene Loschinski-Buch Grossmeister schachmatnoi komposizi heraus. Zum Leningrader Großmeister Korolkow, der über 400 Studien komponierte und eine "Schachehe" führte (seine Frau errang zweimal die UdSSS-Meisterschaft im Damenschach), erschien bereits im Heft 228 eine Notiz anlässlich seines 100. Geburtstags. Der finnische Zweizüger-Spezialist Matti Myllyniemi (15.6.1930-6.5.1987) wurde nur 57 Jahre alt. 1976 erhielt er den Titel eines Internationalen Meisters für Schachkomposition, als er starb, lag sein Album-Punktekonto bei 69,83, also hauchdünn vor der GM-Schwelle von 70. Im vorletzten Jahr, 23 Jahre nach seinem Tod, gelang es ihm doch noch, sich den GM-Titel zu sichern, da eine inkorrekte Gemeinschaftsaufgabe von seinen damaligen Co-Autoren korrigiert und von den jetztigen Preisrichtern fürs Album ausgewählt wurde. Eduardo Kelly (20.4.1904 - 27.6.1987) gehörte zur zwar geographisch abgelegenen, aber trotzdem schon seit langem sehr aktiven argentischen Problemistengruppe und komponierte hauptsächlich Hilfsmatts. Daß er sich auch auf anderen Gebieten betätigte, zeigt u.a. seine Erfindung des "Tibetschachs".

Jindřich Fritz

B.C.F. 1952

1. Preis

wKe2, wLg4, wSb7h3, wBh2, sKh6, sLc1g2

Gewinn (5+3)

In Prag wurde vor 100 Jahren Jindřich Fritz geboren (15.6.1912-9.11.1984), der Anfang der 30er Jahre begann, im böhmischen Stil Probleme zu komponieren, aber bald von der Entwicklung der sowjetischen Studienkomposition angeregt wurde, sich auf diesem Gebiet zu betätigen. Es gelang ihm, diese mit den Prinzipien der böhmischen Schule zu verbinden und so wurde er zu einem der herausragenden Studienkomponisten der Mitte des letzten Jahrhunderts. Ein eindrucksvolles Beispiel seiner Kunst ist der hier reproduzierte Preisträger aus dem Jahr 1952: 1.Sd6 L:3 2.Sf5+ Kg5 3.L:h3 Lf4, und nach 4.Sd4! gibt es zwei gleichwertige elegante Varianten, nämlich 4.- L:h2 5.Sf3+ Kf4 6.Kf2! Lg3+ 7.Kg2 mit weißem Gewinn, und 4.- Kh4 5.Lf1! L:h2 6.Sf3+ Kg3 7.Ke3! und Weiß gewinnt. Seit 1951 leitete Fritz die Studienabteilung von Československý Šah und gab kurz darauf das Buch Moderni šachová studie: úvod do theorie a skladby (Prag, 1951) heraus, eine Art Handbuch für die Studienkomposition, das in der Folge großen Einfluss auf die tschechischen Studienkomponisten hatte.

Vor 100 Jahren verstarb der Münchner Problemmeister Josef Salminger (15.12.1856 - 5.6.1912). Als junger Buchbindergehilfe schuf er seine hervorragendsten Werke, aber als selbständiger Buchbindermeister blieb ihm später keine Zeit mehr zur Komposition. Die höchsten Auszeichnungen errang Salminger im Turnier der Täglichen Rundschau 1898 (1. Preis) und im I. Turnier der Münchener Neuesten Nachrichten 1889 (II. Preis), deren Problemteil von Adolf Bayersdorf geleitet wurde.

Nikolai Malachow

Italia Scacchistica 1926

1. Preis

wKa7, wDf8, wTc4, wSd7f4, wBc6d2g6, sKd6, sLa1, sSh6, sBb7c7d4e2e7f5g4

#3 (8+10)

Der russische Komponist Nikolai Malachow (8.5.1887-1947) war insbesondere dem Dreizüger zugeneigt und erzielte eine Reihe hoher Turnierauszeichnungen. 10 Jahre nach seinem Tod gab A. Guljajew (Grin) eine kommentierte Auswahl seiner Probleme heraus. Das hier gezeigte Werk wurde seinerzeit von PR A. Mari mit dem Spitzenplatz ausgezeichnet: 1.Se5! (droht still 2.D:f5) 1.- T:e5 2.De7+ K:f4 3.De3#, 1.- b5 2.Tc5 K:c5 3.De7# (MM), 1.- b:c6 2.S:c6, 1.- d3 2.Dd8+.

George B. Spencer

St. Paul Dispatch 1906

wKa6b5c1d8e3f4g2h7, wDb6c7d2e8f5g4h1, wTa5c8d3, wLa1a3a4b1c2d7f3f6g3, wSc3f1h3h6, wBe2g5g6, sKa2b3c4d6e1f7g8h5, sLf8, sSh4, sBb4c5c6d4d5

#2 auf jeder Reihe
und jeder Linie (34+15)

Vor 150 Jahren wurde George B. Spencer geboren (31.5.1862-30.3.1958), Abkömmling einer nach Connecticut ausgewanderten englischen Familie, die in der neuen Heimat 1662 mit fünf weiteren Familien auf Indianern abgekauftem Grund die Stadt East Haddam gründete. G. Spencer publizierte mit 16 in der Detroit Free Press seine ersten von insgesamt über 350 Problemen. Seit 1887 in Minnesota ansässig, beteiligte er sich am Aufbau schachlichen Lebens in Amerikas Westen, war mehrfach Präsident des regionalen Schachverbands und um 1900 maßgeblich am Aufbau der Western Chess Association beteiligt. Daneben leitete er 10 Jahre die Schachecke der Zeitung St. Pauls Dispatch. Gezeigt sei hier ein dort erschienener Task, bei dem 16 One-Liner in ein Diagramm passen: jede Reihe und jede Linie stellen jeweils einen Zweizüger dar. (Lösungen: a)1.Lc2, b)1.Dd4, c)1.D:c6, d)1.T:d4, e)1.De4, f)1.Ld5+, g)1.Dd7, h)1.De4, 1)1.Ld4, 2)1.Db4 3)1.Lgd6, 4)1.Dc8+, 5)1.Ta3, 6)1.Kb7, 7)1.De5, 8)1.Tc7.)

Der Engländer Reginald A. Brown (20.6.1812-1879) wurde vor 175 Jahren geboren und war Mitte des 19. Jahrhunderts als Spieler und Komponist tätig. Er war Mitarbeiter verschiedener Schachzeitschriften jener Zeit und gab 1844 ein auch 34 eigene Probleme umfassendes Buch heraus mit dem Titel Chess problems, a collection of original positions forming one hundred ends of games. [GüBü]


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