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Heft 243, Juni 2010 voriges Heft nächstes Heft

Todesfälle

Herbert Engel aus Hof, den viele noch von seinen Teilnahmen an den Schwalbe-Treffen kennen, zu denen er bis vor einigen Jahren regelmäßig mit seiner Frau anreiste, ist plötzlich und völlig unerwartet im Alter von 82 Jahren (geb. 26.12.1927) verstorben. Gerade erst hatte Rudolf Glenk ihm einige Exemplare der noch ganz druckfrischen Zweitauflage von Herberts Lieblinge I zugeschickt, einer Zusammenstellung von 32 Kompositionen Engels, über die der noch voller Pläne steckende fränkische Problemist sich riesig gefreut hat. Nur eine Woche später, am 26. April, fand sein Leben ein plötzliches Ende. - Wie wir gerade noch vor Redaktionsschluss erfuhren, ist auch unser österreichisches Mitglied Franz Felber am 15. Mai verstorben. Er wurde 84 Jahre alt.

Kalenderblatt

Meine problemschachlichen Anfänge in den 60er Jahren wurden durch Werner Speckmanns Problemecke in der Deutschen Schachzeitung gelenkt. Ein Fixpunkt dieser Spalte war über viele Jahre ein vom damals schon hochbetagten Ernst Schaaf (23.1.1880-13.5.1985) komponiertes Problem, das dieser jeweils aus Anlass seines Geburtstages komponiert hatte. Viel später, Schaaf näherte sich seinem 100. Geburtstag, gab es dann nur noch Glückwünsche für den vermutlichen Altersrekordler unter den Problemisten, der vor nunmehr 25 Jahren im Alter von 105 Jahren verstarb. Der vor einem halben Jahrhundert verstorbene Friedrich Blaschke (23.2.1891-8.5.1960) wurde als 12-Jähriger, also im problemgeschichtlich so bedeutsamen Jahr 1903, von seinem Vater, der gerne Probleme löste und auch komponierte, ins Schachspielen und Problemlösen eingeführt. Blaschkes erste Aufgaben erschienen 1910 in der Österreichischen Volkszeitung, in den folgenden Jahren hat ihm das Problemschach manchen Nachtschlaf gekostet, dann als Soldat im 1. Weltkrieg über manches Schwere hinweggeholfen. Nach einer längeren Pause brach die Kompositions-Leidenschaft im 2. Weltkrieg wieder aus. Gegen Kriegsende erging es ihm wie auch vielen anderen Komponisten: er verlor die Sammlung seiner Probleme, konnte später nach Aussiedlung aus Tschechien ins hessische Lützellinden nur mühsam einiges rekonstruieren.

Charles Planck

Matlock Register 1883

wKb1, wDh5, wTe7, wLc6, wSe2, wBe5f3g5, sKf5, sLe3h3, sSc5d3, sBg7h6

#2 (8+7)

Charles Planck (1.11.1856-18.6.1935) war Ende des 19. Jahrhunderts eine der herausragenden Persönlichkeiten des englischen Problemlebens. Während seines Mathematik-Studiums wandte er sich ab 1879 dem Problemschach zu und erzielte schnell beachtliche Erfolge als Komponist und auch als Löser. 1886 tat er sich mit Frankenstein, Laws und Andrews zusammen, um in diesem Team das Buch The Chess Problem herauszugeben, das als bedeutender Beitrag zur "Englischen Problemschule" gilt und dessen einleitenden Essay Planck schrieb. 1888 gab er alle problemschachlichen Aktivitäten auf und konzentrierte sich auf ein Medizinstudium, nach dessen Abschluss er sechs Jahre später zu seiner alten Leidenschaft zurückkehrte und noch viele Erfolge erzielte. Hier sei ein bemerkenswertes Stück aus seiner frühen Phase gezeigt (Diagr.). Nach 1.f4 verteidigen sechs verschiedene Selbstblocks die Drohung 2.g6#, wonach sechs verschiedene Matts folgen: 1.- g6/Lg4/L:f4/Se4/S:f4/Se6 2.D:h3/Df7/Sd4/Ld7/Sg3/Tf7#. 18 Jahre später gelang es Frederick Gamage, den Task siebenfach darzustellen.

Ernest Pogosjanz

Quelle ? 1984

wKa6, wTh5, wSd4, wBf6g4g5, sKg6, sDg2, sBa7c6

Remis (6+4)

Zwei Wochen vor Plancks Tod vor nunmehr 75 Jahren wurde Ernest Pogosjanz geboren (4.6.1935-16.8.1990). Er war einer der produktivsten Studienkomponisten und publizierte angeblich mehr als 6000 Studien (darunter viele Endspiele lehrhaften Charakters) und über 1100 Probleme, viele davon in sowjetischen Zeitungen und Zeitschriften, darunter auch zahlreiche effektvolle Fünfsteiner und Miniaturen. In der hier gezeigten Studie (Diagr.; Quelle?) sieht man nicht sofort, dass hier Anleihen bei der berühmten Réti-Studie gemacht wurden: Nach 1.Th6+! K:g5 (nicht 1.- Kf7 2.Th7+ und W gewinnt) 2.Se6+! K:h6 3.g5+ Kh7 4.g6+ D:g6 (einfacher geht es nach 4.- K:g6 5.Sf4+ oder 4.- Kh6 5.f7 Da2+ 6.Kb7 D:e6 7.f8D K:g6 8.K:a7) 5.Sf8+ Kh6 6.S:g6 K:g6 7.Kb7!! (nicht 7.K:a7? c5 8.Kb6 c4 usw.) a5 8.K:c6 a4 9.Kd5 a3 10.Ke6! und die beiden Bauern wandeln gleichzeitig um. Hinzu kommt noch die Variante 7.- c5 8.Kc6! c4 9.Kd5 c3 10.Ke6! usw. mit remis. 1988 wurde Pogosjanz der Großmeistertitel verliehen, nur zwei Jahre später verstarb er.

Henry Otten

New York Sunday World
5.7.1891

wKe4, wBa4g4, sKf6, sLg7

Gewinn (3+2)

Über Henry Otten berichtet Johann Berger in seinem Schachjahrbuch 1899/1900, dass er am 21.4.1855 in Thedinghausen bei Bremen geboren wurde und mit 16 Jahren nach New York kam. Viel ist nicht bekannt über sein Leben; einige Probleme und Studien wurden in den 1890er Jahren in deutschen und amerikanischen Schachzeitungen publiziert. Berühmt geworden ist Otten mit einer Studie (Diagr.), die in ihrer Klarheit durchaus mit der Réti- und der Saavedra-Studie verglichen werden kann, wenngleich sie nicht ganz deren Bekanntheitsgrad erreicht hat. Harrie Grondijs hat in seinen 2005 erschienenen Unforgotten Chess Men die Publikationsgeschichte dieser Studie aufgedeckt und konnte zeigen, dass statt der häufig zitierten Quelle Boy's Own Paper, 5.11.1892 die Erstveröffentlichung tatsächlich schon 16 Monate früher erfolgte. Lösung: Nach 1.g5+? K:g5? 2.a5 Lf8 3.Kd5 kann Schwarz den Ba5 nicht mehr aufhalten, aber nach 1.- Ke6! hält S einfach remis. Daher 1.a5 Lf8 2.Kd5, und jetzt muss der sL versuchen, den wB über die Diagonale c1-h6 aufzuhalten. Dies scheitert nach 2.- Lh6 3.g5+! L:g5 4.Ke4 Lh4 5.Kf3, wonach der Ba5 ungehindert zur Umwandlung gelangt. Am 14. Mai vor 100 Jahren starb Otten in New York.
Der amerikanische Problemist Charles Alexander Gilberg (17.6.1835-21.1.1898) ist weniger für seine etwa 300 Kompositionen als für sein publizistisches und organisatorisches Engagement in Erinnerung geblieben. Unter anderem war er neben Cook und Brown der dritte Herausgeber der gewaltigen Problemsammlung American Chess Nuts. Das Buch zum 5. amerikanischen Schachkongress, ebenfalls eine gesuchte Rarität, redigierte er nicht nur, sondern stellte auch die finanziellen Mittel zu dessen Druck bereit. Wie Gilberg wurde auch William Meredith vor 175 Jahren geboren. Sein Name ist zu einem festen problemschachlichen Begriff geworden, hinter dem für manchen heutigen Problemisten die namensgebende Person unentdeckt bleibt. Meredith, der einer einflussreichen Familie entstammte und dessen Vater amerikanischer Finanzminister war, schien eine glänzende Karriere als Jurist vor sich zu haben, die jedoch wegen einer langwierigen schweren Erkrankung schon nach wenigen Jahren ein Ende fand. Meredith gehörte neben Shinkman zu den ersten ernsthaften Zweizüger-Komponisten; beide können als wichtige amerikanische Wegbereiter für das später so populäre Genre angesehen werden. Der Engländer James White (20.6.1835-17.1.1907) war - typisch für die Zeit - vielseitig schachlich aktiv. Neben erfolgreicher Spieltätigkeit in Leeds war er ein starker Löser und gelegentlicher Komponist. Als Schach-Redakteur des Leeds Mercury Weekly Supplement seit 1879 propagierte er insbesondere das damals von vielen noch etwas schief angesehene Selbstmatt.

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