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Heft 207, Juni 2004 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Vor 100 Jahren wurde Fritz Schonert geboren (29.5.1904 – 15.3.1996), der über Jahrzehnte hinweg ein starker Löser war und, wie Mirko Degenkolbe in seinem Nachruf in Heft 159 ausführte, erst in sehr hohem Alter mit dem Komponieren begann – weil er seine in über 30 Jahren aufgebaute Sammlung orthodoxer Probleme aus Platzgründen nicht mehr weiterführen konnte! Diese jetzt bei Mirko Degenkolbe befindliche Problemsammlung ist untergliedert in Zwei-, Drei- und Mehrzüger und umfasst schätzungsweise 60-65000 Aufgaben, davon etwa 7500 Miniaturen. Wie MD mitteilt, bemühte sich Schonert insbesondere um die Erfassung von in alten Zeitungen erschienenen Problemen und recherchierte zu diesem Zweck auch in der Leipziger Zentralbibliothek (die ja gemeinsam mit der Frankfurter "Deutschen Bibliothek" als Nationalbibliothek fungiert). Schonerts Sammlung wurde so sehr beachtet, dass zu DDR-Zeiten ein Fernseh-Team in einer "Außenseiter-Spitzenreiter" betitelten Serie darüber berichten wollte (wozu es dann aber doch nicht kam). Das Schicksal dieser Sammlung ist derzeit ungewiss, da MD sie nicht weiterführen kann. Immerhin ist er mit der Systematik der Sammlung vertraut und kann gegebenenfalls Vergleichsaufgaben auffinden. Falls sich jemand findet, der bereit wäre, die Sammlung (oder Teile davon) in eine Datenbank zu integrieren, sollte er Kontakt zu Mirko Degenkolbe (e-mail: pontius-pilatus@t-online.de) aufnehmen.
Richard Schattner (3.6.1904 – 17.7.1973) gehörte sicher nicht zu den im Rampenlicht stehenden Problemisten; er hat zu Lebzeiten nur wenige Aufgaben veröffentlicht. Hermann Weißauer hat 1998 eine kleine Erinnerungsschrift Richard Schattner und seine Schachprobleme zusammengestellt und so das kompositorische Schaffen dieses liebenswürdigen, feinsinnigen, dem Ästhetischen zugewandten Menschen (Weißauer) der Nachwelt erhalten. Daraus auch die Beispielaufgabe: 1.b4! c:b4 2.Dd4+ Sd2/Kc1 3.D:d2/Da1#, 1.– c1D, L 2.Df3+ Kc2 3.Db3#, 1.– c1S 2.Dd2+ S:d2 3.Se3#, 1.– Se3 2.D:e3 c1D/c1S 2.De2/Dd2#. PR Willy Popp dignostizierte eine böhmische Zugzwangaufgabe mit feinem Schlüssel, hübschen Mattwendungen und reinen Mattbildem. Richard Schattner
Pfälzisches Problemturnier
Rheingönheim 1951
1. Preis

#3 (5+4)
Vor 150 Jahren wurde David Forsyth geboren (16.5.1854 – 30.12.1909), ein nach Neuseeland ausgewanderter Schotte. Er entwickelte das nach ihm benannte Notationssystem, das erstmals 1883 in der Zeitung Glasgow Weekly Herald veröffentlicht wurde und im englischsprachigen Raum bis heute gebräuchlich ist.
Vor 200 Jahren wurde P.A. d'Orville geboren, einer der Stamrnväter der modernen Problemkunst. Kein Geringerer als Johannes Kohtz weist im "Bilguer" (8. Aufl. 1922 S. 83) darauf hin, dass die Entwicklung vom einzigen Gewinnweg (also der Mansube) zum kürzesten Gewinnweg das Kunstschach als eigenständige Gattung neben dem Spielschach etablierte und nennt als einen der ersten Protagonisten dieser Entwicklung den Engländer Horatio Bolton (1793 – 1873). Die erste in dieser Periode erschienene Problemsammlung wurde 1842 von d'Orville veröffentlicht und enthielt gleich zu Beginn eine Überraschung für die damaligen Leser: zwanzig Zweizüger! Kohtz betont, dass das ganze vorausgegangene Jahrhundert von Stamma bis d'Orville nicht so viele überliefern konnte. d'Orville sorgte nicht nur durch die Kürze der Forderung für Aufsehen, sondern mehr noch durch die knappe, ökonomische Form der Darstellung, die Josef Breuer dazu verleitete, in d'Orville den "Miniaturenkönig des 19. Jahrhunderts" zu sehen, wie er in seinen Beispielen zur Ideengeschichte des Schachproblems zur hier wiedergegebenen Aufgabe schrieb. Mit zwei Hineinziehungsopfern wird ein feines Idealmatt aufs Brett gezaubert: 1.Sh5 h6 2.Se7 Kh7 3.Sg6! K:g6 4.Lg8 K:h5 5.Lf7#.
Lange herrschte Unklarheit über die Nationalität des in St. Petersburg geborenen d'Orville, der als Mitglied des Antwerpener Schachclubs seine Kompositionen im französischen Palamède und die Sammlung seiner Probleme in Nürnberg veröffentlichte. Doch O.Koch erbrachte 1918 in den Deutschen Schachblättern den Nachweis, dass Peter August d'Orville einer seit acht Generationen in Deutschland lebenden Kaufmanns- und Bankiersfamilie entstammte. Neben der Nationalität und der Schreibweise der Vornamen (Peter August oder Pierre Auguste) ist auch der Geburtstag "mehrdeutig": Die Literatur nennt sowohl den 3. als auch den 15. Mai 1804 – doch dies liegt am damals im Geburtsort St. Petersburg noch geltenden Julianischen Kalender, dessen 3.5. dem 15.5. nach Gregorianischern Kalender entspricht; die Lebensdaten sind somit in heutiger Schreibweise: 15.5.1804 – 11.11.1864. Peter August d'Orville
Le Palamède 1837

#5 (5+2)
Nachschlag zum Kalenderblatt aus Heft 205, S. 336:
Die Lebensdaten scheinen auch bei Anton Nowotny nicht ganz klar zu sein. Bernd Schwarzkopf wies darauf hin, dass er im Internet unter der Adresse http://www.rubriky.net/fakty/r1997/fkt-137.php als Lebensdaten 22.8.1827 – 7.3.1871 gefunden habe. Dies ist zunächst ein um zwei Tage früher liegendes Todesdaturn als das in Heft 205 genannte. Was stimmt nun? Meine Quelle war Jeremy Gaiges Chess Personalia, und der nennt zunächst den 7.3. (mit Hinweis auf DSZ 1871) und dann zweimal den 9.3. Eine Überprüfung der von Gaige erstgenannten Quelle DSZ 1871 ergab jedoch, dass dort der 9.3. als Todestag genannt war. Dies schien auf einen Übertragungsfehler bei Gaige hinzudeuten, und ich gab guten Gewissens den 9.3. an. Als ich jetzt noch weitere mir zur Verfügung stehende Quellen konsuliterte (u.a. Chiccos Dizionario Enciclopedico degli Scacchi, das Breuer-Buch, Grasemanns Problemjuwelen und Litmanowicz & Gizyckis zweibändiges polnisches Lexikon Szachy od A do Z), zeigte sich, dass alle den 7.3.nennen! Hier stellt sich die Frage: Wo liegt der Fehler, oder wer hat von wem falsch abgeschrieben? (Bei einer Durchsicht der DSZ bis 1876 konnte übrigens keine Korrektur des dort zuvor genannten Todestages gefunden werden.)
Einigkeit besteht dagegen bei allen mir bekannten Quellen in der Angabe des Geburtsjahres: überall steht lediglich die Jahreszahl 1829. Wenn die von Bernd Schwarzkopf gefundene Quelle das richtige Jahr (1827) angäbe, dann wäre Nowotny im 44. Lebensjahr gestorben (beim angegebenen Geburtsdatum noch 43-jährig). Die DSZ 1871 schreibt, dass er 42 Jahre zählte – was bei Betrachtung der nackten Jahreszahlen plausibel klingt (wenn es auch bei dem Geburtsdatum 22.8. erst 41 Jahre wären).
Angesichts der klaren Diskrepanz der Aussagen stellt sich jetzt die bange Frage, ob man den 22.8. als Geburtstag glauben darf!? – Falls jemand genauere Angaben dazu machen kann, wäre der Schriftleiter für Hinweise dankbar.

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