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Heft 205, Februar 2004 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

1903 löste Arthur Gehlert mit der von Kohtz und Kockelkom angeregten Veröffentlichung seiner Broschüre Über das Wesen des Schachproblems fast so etwas wie eine Revolution aus. Noch vor dem berühmten Werk Das indische Problem der großen K&K erschienen, kann man in ihr die erste Kampfansage an die damals von Johann Berger repräsentierte und streng reglementierte altdeutsche Problemschule sehen. Gehlert, ein Selfmademan, der sich vom Handarbeiter zum Fabrikanten hocharbeitete und Mitglied des deutschen Reichstags wurde, war damals bereits 70 Jahre alt (*5.4.1833) und sollte den Erfolg der kommenden neudeutschen Schule nicht mehr erleben; er starb am 13. Januar 1904, also vor 100 Jahren.

Der vor 125 Jahren geborene František Matoušek (17.1.1879 - 21.2.1956) war einer der bedeutendsten Vertreter der böhmischen Problemschule. Im hier reproduzierten Meredith gibt es vier Modellmatts zu sehen, davon drei Fesselungsmatts: 1:Lc5! droht 2.Dh1+Kf2 3.Sd1#MM, 1.– g2 2.Dh4+ K:d2 3.Db4# MM, 1.– Tf8 2.De4 Te8 3.Td1# MM und 1.– K:d2 2.Dh6+ Te3 3.Lb4# MM.
Jean Dufresne ist im deutschen Sprachraum sicher einer der bekanntesten Schach-Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Sein bei Reclam erschienenes populäres Kleines Lehrbuch des Schachspiels (später von Mieses des ersten Titel-Worts beraubt) äußerst erfolgreiches Werk ist im Laufe der Zeit in mindestens 28 Auflagen erschienen (und war auch eines der ersten meiner Schachbücher). Dufresne gab daneben zwischen 1881 und 1887 auch drei Bände einer Sammlung leichterer Schachaufgaben heraus, die später von Gottschall und Mieses bis auf sechs Bände erweitert wurde und deren Tradition Rudolf Teschner 1981 mit 350 ausgewählten Schachaufgaben (immer noch im gleichen Verlag!) fortsetzte. Dufresne, dessen Geburtstag jetzt 175 Jahre zurückliegt (14.2.1829 - 13.4.1893) studierte Jura und wurde Journalist. 1874 musste er, völlig taub geworden, seinen Beruf aufgeben und widmete sich der Schriftstellerei, konnte aber trotz der Popularität seiner Schachbücher nicht recht davon leben und starb in kümmerlichen Verhältnissen.

František Matoušek
Jas, 1935
1. Preis


#3 (5+7)



Anton Nowotny
Leipziger Illustrierte Zeitung
Januar 1854
G. Georgopoulos
E. Papakonstantianou
Die Schwalbe 1990
1. Preis

Marcel Tribowski
(nach D. Kutzborski)
Die Schwalbe 1992


#3 (8+5)

#4 (9+12)

#4 (12+14)
Ebenfalls vor 175 Jahren wurde Anton Nowotny geboren (1829 - 9.3.1871) – das genaue Geburtsdatum ließ sich nicht ermitteln, desgleichen sind nur dürftige Angaben zur Person zugänglich. In der DSZ 1871 findet sich eine kurze Notiz über den Tod des nur 42 Jahre alt gewordenen Dr. jur. und Adjunkt der k.k. Finanz-Prokuratur in Brünn. Um so berühmter und bis heute frisch und immer wieder neu inszeniert, hat die nach ihm benannte Schnittpunkt-Kombination überlebt – die im übrigen selbst gerade 150 Jahre alt geworden ist und deshalb etwas ausführlicher als in dieser Rubrik üblich präsentiert sei. Zunächst die Urfassung (Dia). Der sLg7 verhindert ein T-Matt auf e5; nach 1.Tf5! droht 2.Tf4#, wogegen Schwarz sich thematisch mit 1 .– Tf8 verteidigt. Jetzt folgt 2.Lf6! mit Verstellung beider Verteidigungslinien, so dass Schwarz nur noch eine Differenzierung der Doppeldrohung bleibt: 2.– T:f6 3.Te5#, 2.– L:f6 3.Tf4# (2.– L:f5 3.S#; 1.– L:f5 2.Sf7). – Mit einer Vierfachsetzung des Themas hat das griechische Autorengespann 1990 einen schönen Erfolg errungen (Dia): 1.D:f6! Gegen die Drohung 2.Sg5+ T:g5 3.Dh6+ verteidigt sich Schwarz durch Schlag der wD und löst danach die Themavarianten aus: 1.– S:f6 2.Tb1 (droht Lf1) La6 3.Tb5! (Nowotny Nr.1) T:b5 /L:b5 4.Lf1/S:g5#, 2.– L:c6 3.Sd5! (der zweite) T:d5/L:d5 4.Lf1/S:g5#, hinzu kommen noch zwei weitere nach 1.– L:f6 2.Te1 La6 3.Sc4! T:c4/L:c4 4.Lf1/Sf4# bzw. 2.– L:c6 3.Te4! T:e4/L:e4 4.Lf1/Sf4#. Marcel Tribowski hat in seiner 1992 erschienenen Aufgabe eine Idee von Dieter Kutzborski weiter ausgebaut und zeigt im #4 Nowotnys, die wieder zurückgenommen werden: 1.Ld2! droht 2.D:e5#, wonach die thematischen Fortsetzungen nach den Deckungszügen des sSh8 folgen. 1.– Sf7 2.Se3! Nowotny mit den Drohungen 3.Sc5# und c:d3#. Im Unterschied zum klassischen Nowotny werden diese nicht differenziert, sondern durch das Fluchtfeld-schaffende g:f6 pariert. Jetzt folgt die Rückkehr des wS nach d5 mit der Drohung, auf f6 mattzusetzen, also 3.Sd5, wonach Schwarz, im Bemühen, sich das Fluchtfeld f4 zugänglich zu machen, gerade auf dem wieder freigewordenen Schnittpunkt e3 eine völlig "freiwillige" Verstellung (also Grimshaws) folgen lässt: 3.– Le3/Te3 4.c:d3/Sc5#, ferner c:d5 4.Lf5#, 3.– T:f4 4.c:d3#. Nach 1.– Sg6 folgt noch eine zweite ganz analoge Phase, die durch 2.Le3! c:d5 mit Blick des sK nach e3 eingeleitet wird: 3.Ld2 Le3/Te3 4.c:d3/Sc5#.


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