Heft 193, Februar 2002 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Vor 100 Jahren wurde in Rotterdam Meindert Niemeijer geboren (18.2.1902 - 5.10.1987), einer der bedeutendsten Schachliteratur-Sammler. Seine umfangreiche Schachbibliothek (7000 Titel) musste er 1944 kriegsbedingt - die deutschen Besatzer hatten sein Haus beschlagnahmt - in Sicherheit bringen, und so landete sie in der Königlichen Bibliothek, in deren Besitz sie vier Jahre später überging, wobei sie mit der bereits seit 1876 dort befindlichen Bibliothek von Antonius van der Linde vereinigt und damit eine der weltweit bedeutendsten Schachbibliotheken wurde. (Nebenbei ist es interessant, zu sehen, wie sich die Schachliteratur entwickelte: van der Lindes Bibliothek umfasste 750 zuvor nicht in der königlichen Bibliothek vorhandene Titel, 70 Jahre später hatte Niemeijer 7000 Titel zusammengetragen.) Niemeijer brachte auch selbst eine Vielzahl von Publikationen heraus: In Bonus Socius, einer zu seinem 75. Geburtstag erschienenen Jubiläumsschrift, sind 33 Bücher und Broschüren sowie über 40 Artikel für Zeitschriften und Bücher aufgeführt. Dabei befasste es sich überwiegend mit Problemschach, gab unter anderem das Pauly-Buch Zo sprak Wolfgang Pauly und zwischen 1941 und den späten 70er Jahren die meisten Bände der Reihe Probleemcomponisten (die erst kürzlich wieder auflebte) heraus.
Im Rotterdamer Gymnasium Erasmianum war Niemeijer in der gleichen Klasse, ja, saß auf der gleichen Schulbank wie der um genau eine Woche ältere Jan Hartong (11.2.1902 - 29.1.1987), der mit Visserman, Goldschmeding und Haring zu den prominentesten niederländischen Komponisten des letzten Jahrhunderts gehört. Niemeijer widmete 1946 den vierten Band der Probleemcomponisten seinem Schulfreund und präsentierte darin 140 Aufgaben des vielseitigen Komponisten, und es war wiederum Niemeijer, der 1959 in Twee zielen - Twee gedachten je 100 Kompositionen von Loschinski und Hartong veröffentlichte. - In der Gemeinschaftsaufgabe droht nach 1.a6! 2.Db3+ Kc6/Ke4 3.Db7/ Df3#, was Schwarz durch vier S-Umwandlungen parieren kann, dabei aber jeweils andere Verteidigungsmöglichkeiten einbüßt: 1.- a1S/c1S/e1S/g1S 2.Ld6/S:g2/L:g7/K:g7. - Der Preisträger aus problem zeigt einen Münchner. Die Probespiele 1.g:f5+/g5+/g:h5+? scheitern nach 1.- D:b4/L:b4/Lc4! an drei Selbstblocks (2.S:f5/Lg5/T:h5#??). Nach dem feinen Schlüssel 1.Kb1! [2.Lf4] (1.Kb2? scheitert an Lf6!) kommt es nach 1.- Dc5/Dd5 zu zwei für S schädliche Holzhausen-Verstellungen, während 1.- De5 die Verteidigungsmöglichkeit D:b4 direkt ausschaltet. Daher schlagen die drei Batterieabzüge: 2.g5+/g:h5+/g:f5+ jetzt durch.
Meindert Niemeijer
Jan Hartong
Šahovski Vjesnik 1950

Jan Hartong
589 problem 1954
1. Preis 1954/55

Willy Popp
Mittelfränkischer
Schachverband 1940
2. Preis
#3 (7+6) h#7 (2+15) #2 (11+7)
Am 28. Februar wäre Willy Popp einhundert Jahre alt geworden. Nachdem er schon 1932/33 den Problemteil der Fränkischen Arbeiter-Schachzeitung redaktionell betreute, mehrere Würzburger Problemisten-Gruppen gründete und 1943-45 in der Mainfränkischen Zeitung eine Schachzeitung für Verwundete herausgab, sollte sein bedeutendster Beitrag für die Verbreitung des Problemschachs schon bald nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs beginnen: 1946 gab er die Schachecke der Würzburger Main-Post heraus (so formulierte er es selbst 1948; H.-D. Leiß schrieb 1978 im Popp-Nachruf in Heft 52 der Schwalbe, dass er diese Spalte 1954 übernahm - passt das zusammen?), die nach Einführung von Informalturnieren in den 60er und 70er Jahren zu internationaler Anerkennung gelangte und die er über 30 Jahre leitete. Als Willy Popp am 19. April 1978 starb, fand leider auch eine der ruhmreichsten Schachspalten in einer Tageszeitung ihr Ende. 1.b4! [2.Sh5] 1.- Tc4/Sdc7/Sec4 2.D:d2/Df8/ Tf5# (1.- T:g3/Sg6 2.h:g3/S:c3#).
Ernst Schütte
Korrektur (Urdruck)
3379 Die Schwalbe 1934
Vor 125 Jahren wurde Ernst Schütte geboren (1877-26.1.1948). Über ihn hieß es im Nachruf im Mai 1948 in der Schwalbe, daß er eine ausführliche Würdigung verdiene (die aber wohl nie erschien). Er war zunächst erfolgreicher Partiespieler und wandte sich dann dem neudeutschen Problem zu. Die reproduzierte Aufgabe zeigt das White-Thema, mit dem Schütte sich in einem langen Aufsatz im Heft 100 (Neue Folge, April 1936) ausführlich auseinandersetzte und das wie folgt lautet: ein sLangschrittler wird nach einem kritischen Zug teilweise, nach einem weiteren kritischen Zug vollständig eingesperrt. 1.Tb6! Lf8 2.Db5 [3.De8+] Te7 3.Lc1 Lh6 (Le7??) 4.Dd3 Tg7 5.Dd6!(L~??). Der wBe2 wurde jetzt hinzugefügt, um den (bisher noch nicht entdeckten!?) Dual 2.De2 (Te7 3.D:e7 L:e7 4.Lg7) auszuschalten.
#6 (6+8)

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