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Heft 302, April 2020

 


Artikel Seite
Aktuelle Meldungen 481
Christian Posthoff, Bernd Steinbach: Läufer auf einem rechteckigen Schachbrett 482
Manfred Rittisch: HuGo 60 488
Thomas Brand: Problemschach-Lexika 490
Jochen Schröder: Allumwandlung in allen vier Ecken 493
Hartmut Laue: Dies# fiel mir auf (22) 498
Bernd Gräfrath: Weitere Beweispartien mit selektiver Information 500
Entscheid im Informalturnier 2014/2015, Abteilung Selbstmatts in 2 oder 3 Zügen 502
Urdrucke 504
Lösungen der Urdrucke aus Heft 299, Oktober 2019 514
Bemerkungen und Berichtigungen 539

 

Allumwandlung in allen vier Ecken

von Jochen Schröder, Karlsruhe

Darstellungen von Allumwandlungen in die vier Figuren Dame, Turm, Läufer und Springer gibt es im Problemschach wie Sand am Meer. Die Problemdatenbank 1) liefert alleine über 10.000 Probleme. Da das Schachbrett genau vier Ecken besitzt, scheint es naheliegend zu sein, eine gemischtfarbige Allumwandlung in allen vier Ecken darzustellen, um das Thema interessanter zu gestalten. Da offensichtlich zwei der Umwandlungen von Weiß (a8, h8) und zwei der Umwandlungen von Schwarz (a1, h1) durchgeführt werden, können wir sechs verschiedene Typen unterscheiden:
Typ 1: DT-ls 2), Typ 2: DL-ts, Typ 3: DS-tl, Typ 4: TL-ds, Typ 5: TS-dl und Typ 6: LS-dt.
Unter Beachtung der Umwandlungsreihenfolge könnte man hier genauso gut auch 24 Typen aufzählen (DT-ls, TD-ls, DT-sl, TD-ls wären dann vier verschiedene Typen), was in Anbetracht der wenigen Aufgaben, die das Thema bisher realisiert haben, aber wenig sinnvoll erscheint.

Zunächst habe ich mich selbst intensiv mit der Thematik befasst und habe versucht, eigene Aufgaben zu bauen. Dabei bin ich auf einige Hürden gestoßen: Es ist relativ schwierig, die drei Unterverwandlungen zu motivieren, zumal das Umwandlungsspiel weit entfernt voneinander stattfindet. Insbesondere die Umwandlung in den langsamen Springer hat mir oft Probleme bereitet. Nachfolgend sehen wir einige Möglichkeiten, diese Unterverwandlungen zu motivieren. Gleichzeitig muss die Reihenfolge der Umwandlungen eindeutig gestaltet werden, um Zugumstellungen zu vermeiden. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die vielen möglichen Umwandlungen erhöhen die Nebenlösungsgefahr deutlich. Dies könnte auch erklären, wieso in der PDB kein orthodoxes Hilfsmatt zu finden ist, das alle Umwandlungen in einer Phase zeigt, denn in Anbetracht zweier potentieller weißer Damen entstehen schnell Nebenlösungen.

Nachdem ich selbst ein paar Aufgaben 3) bauen konnte, die ich hier gerne zeigen möchte, habe ich die PDB durchsucht, um zu schauen, wie die Experten mit diesen Problemen umgehen. Ich war überrascht, dass die Datenbank nur elf Treffer liefert, die das Thema zeigen 4). Unter diesen Aufgaben finden sich vier aus dem Retro-Bereich (unter anderem die faszinierende P0006059 von Wladimir Lewschinski und Nikita M. Plaksin sowie das Hilfsmatt P0008219, in dem sich das Umwandlungsspiel auf die Lösung und die Entstehungsgeschichte der Stellung aufteilt) und zwei orthodoxe Hilfsmatts, die das Thema in zwei Phasen zeigen. Neben dem hübschen Zweispänner P0508478 findet man die Korrekturfassung der witzigen P0508489, bei der das Thema durch Drehung des Brettes realisiert wird. Dazu kommt der Drilling P1281243, der das Thema in b) und c) zeigt und zeitgleich mit der verwandten Aufgabe aus Diagramm 11 veröffentlicht wurde. In diesem Artikel möchte ich mich auf Aufgaben mit Vorwärtsspiel beschränken, die alle vier Umwandlungen in einer einzigen Phase zeigen. Die PDB liefert also nur vier solcher Bearbeitungen, die alle in diesem Artikel gezeigt werden. Da alle Aufgaben unterschiedliche Schemata zeigen, hoffe ich, dass meine neuen Beispiele eigenständig genug sind.

Alle Aufgaben - sowohl die aus der PDB als auch meine eigenen Umsetzungen - zeigen Hilfsspiel. Das Thema in einer Aufgabe zu verwirklichen, in der Weiß und Schwarz gegeneinander arbeiten, scheint schwierig; einen orthodoxen Mehrzüger mit diesem Thema zu bauen, halte ich schlicht für unmöglich. Vielleicht ist ein Ansatz über schwarze Pattverteidigungen denkbar?

1) Dirk Borst
Harald Haverkorn

Die Schwalbe 1990

wKb2, wBa3, sKg2, sBa4b3, nBa2a7h2h7

h#3 0.1;1.1;1.1 (2+3+4)
Typ 6

In Anbetracht der hohen Nebenlösungsgefahr im Hilfsmatt hat es mich nicht gewundert, dass unter den einphasigen Thema-Darstellungen nur eine einzige Hilfsmatt-Aufgabe in der PDB zu finden ist (siehe 1), die ein großartiges Zusammenspiel von neutralen Umwandlungen zeigt. Die Lösung enthält nur einen nicht-thematischen Zug: 1.- h8nS 2.a1nD+ nDe1 3.h1nT a8nL#. Die weiße Umwandlung in einen Springer ist ein reiner Wartezug: 1.- h8nL verbietet sich wegen Selbstschachs und 1.- h8nT scheitert an 4.nT:a8. Auch die Unterverwandlung in den Läufer ist herrlich motiviert: Eine neutrale Dame könnte Schwarz einfach von der Diagonale wegziehen. Diese Motivation ist selbstverständlich ausschließlich wegen der Umwandlung in eine neutrale Figur denkbar. Diese Aufgabe zeigt den Typ 6, weiße Umwandlung in Läufer und Springer. Sie ist die einzige mir bekannte Aufgabe, die mit neutralem Figurenmaterial arbeitet.

Die erste Darstellung, die mir gelungen ist, arbeitet mit der Forderung Hilfszwingmatt (siehe 2), das heißt, Weiß und Schwarz arbeiten zusammen, um eine Stellung zu bauen, in der Schwarz einzügig matt setzen muss. Da dies deutlich schwieriger ist, als direkt matt oder patt zu setzen, sinkt die Nebenlösungsgefahr deutlich. In der PDB findet sich nur eine einzige weitere Aufgabe, die ebenfalls mit dieser Forderung arbeitet (siehe 3). Beide Aufgaben benötigen eine zusätzliche Märchenbedingung 5).

2) Jochen Schröder

Die Schwalbe 2019

wKg2, wDb3, wLc3g1, wBa7h7h3b4, sKc1, sLb8, sBa2h2

hs#5 0.1;1.1;... (8+4)
take&make
Typ 3

In 2 nutze ich die Bedingung take&make, um die Unterverwandlung in Springer und Turm durch Batterieaufbau zu motivieren: 1.- a1T 2.a8S T:a8-c7 3.h8D h1L+ 4.Kh2 Ld5! 5 Dh6+ T:c3-d2#. Der schwarze Läufer auf d5 verhindert die Abwehr des Doppelschachs durch 6.D:d2-d6. Da h1L+ erst möglich ist, nachdem der weiße König das Feld h2 betreten kann, ist die Umwandlungsreihenfolge eindeutig.

3) Erich Bartel

Problemkiste 2006

wKc1, wBa7d2g7, sKe1, sBa2c2d3g3h2

hs#4 (4+6)
Typ 2

In 3 benötigt Erich Bartel die Bedingung Circe, um das Thema darzustellen, wobei Schwarz in der Lösung in Zugzwang gebracht werden muss: 1.a8D h1T 2.Dg2 Th8 3.g:h8L a1S 4.Lb2 Sb3#. Ohne Circe ginge genauso 1.- h1D 2.- Dh8. Dieser Dual entfällt in der Aufgabe, denn die Dame würde durch die Circe-Bedingung auf d8 wiedergeboren. Da die Märchenbedingung ansonsten keine Anwendung findet, ist das ein recht hoher Preis, der die Schwierigkeit zeigt, die Turm-Umwandlung zu begründen. Schön motiviert sind die anderen Unterverwandlungen: Der weiße Läufer dient als Blockade-Figur, die b3 nicht decken darf, der schwarze Springer gibt matt.

4) Jochen Schröder

Die Schwalbe, 04/2020

wKf1, wBa7d2e2, sKe4, sBa2h2

h=4 0.1;1.1;... (4+3)
Typ 1

Nachdem meine Versuche, das Thema als Hilfsmatt darzustellen, an mehr als genug Nebenlösungen, Kurzlösungen und Dualen gescheitert waren, habe ich mich an Hilfspatts versucht. Unter erneuter Ausnutzung von take&make konnte das Thema in Miniaturform dargestellt werden. Neben den vier thematischen Bauern wird nur ein weiterer benötigt (siehe 4). Durch den simplen Trick, dass der schwarze Läufer als Lift für den weißen Bauern d2 benötigt wird, ist die Umwandlungsreihenfolge eindeutig. Die Unterverwandlungen in Läufer und Turm werden schachvermeidend motiviert (dies ist wohl die nächstliegende und einfachste Begründung), der schwarze Springer dient schließlich nur als Schlagopfer für die Dame. Die (recht langweilige) Lösung lautet: 1.- a8T 2.a1L Ta5 3.Lc3 d:c3-h8D 4.h1S D:h1-f2=.

5) Jochen Schröder

Die Schwalbe, 04/2020

wKa5, wSc8e7, wBa7f4, sKb7, sBa2g4h2

h=3 (5+4)
take&make
Typ 1

Etwas interessanter ist die Lösung der 5, die nahezu zeitgleich mit der vorherigen Aufgabe entstanden ist. Das Schema ist sehr ähnlich, die Motivation für die Unterverwandlung in den Turm ist aber eine andere: Hier geht es ausschließlich um die Blockade von a8. Die Springer-Umwandlung auf h1 erfolgt weitab vom Geschehen, um die weiße Dame nach g3 zu bekommen: 1.a1L a8T 2.Le5 f:e5-h8D 3.h1S D:h1-g3=. Nicht ausreichend ist die Umwandlung 1.- a8S? wegen 4.K:c8-a7.

6) Manfred Rittirsch

Jugendschach 1986

wKg8, wBa7b3g6, sKa5, sBa2b7h2h6

h=5 (4+5)
Typ 5

Der Versuch, das Thema ohne eine Märchenbedingung darzustellen, hat mich zunächst einige Zeit und Nerven gekostet. Umso überraschter war ich, wie einfach Manfred Rittirsch (siehe 6) die Unterverwandlungen motiviert und wie er das Manöver a1L, Lh8 nebst g7, g:h8X umsetzt, an dem ich mich bereits vergeblich versucht hatte: 1.a1L a8S 2.Lh8 g7 3.h1D g:h8T 4.Dc6 T:h6 5.Db6 T:b6=. Auch dass der Weg der schwarzen Dame auf offenem Feld eindeutig ist (4.Dg1+?), ist sehr gefällig. Der untätige weiße König steht genau richtig, um den Lösungsablauf eindeutig zu gestalten.

7) Jochen Schröder

Die Schwalbe, 04/2020

wKc1, wBa4a7b2h7, sKg1, sSh1, sBa3b3c2d6f7h2h3

h=5 0.1;1.1;... (5+9)
Typ 2

Ich hatte zunächst an einem Schema gearbeitet, das deutlich mehr Holz benötigte - und gleichzeitig immer irgendwelche kleinen Nebenlösungen enthielt, die weiteres Material erforderten. Während Pop\-eye weiter (erfolgreich) nach Nebenlösungen suchte, baute ich ganz nebenbei die Aufgabe 7. Diese zeigt eine weitere Begründung für Unterverwandlungen: Schwarz kerkert seine eigenen Figuren ein. Da hierfür einige schwarze Blockadebauern notwendig sind, ist die Aufgabe nicht sehr ökonomisch. Der weiße Bauer a4, der die Bahn a8 nach a3 unterbricht, zeugt von der Nebenlösungsgefahr, die durch zwei mögliche weiße Damen und das mögliche Versteck h1 für den schwarzen König allgegenwärtig sind: 1.- a8L 2.a2 L:h1 3.a1S Ld5 4.h1T h8D 5.h2 Df6=. Überraschenderweise zeigte bisher keine der anderen Aufgaben diese Motivation für Unterverwandlungen, die sich nachfolgend als recht fruchtbar erwiesen hat. Hier wird sie gleich doppelt gezeigt. Dass der schwarze Springer genau in dem Moment auf a1 erscheint, nachdem sein Kollege auf h1 geschlagen wurde, ist ein netter Nebeneffekt.

Mein ursprünglich angedachtes Schema war eine (anfangs deutlich ökonomischere) Vorform von 8a, die in verschiedensten Variationen auch mit Zusatzmaterial lange Zeit inkorrekt blieb. Mit der Idee des eingebauten Springers konnte die Grundidee nach leichter Variation des Schlussspiels dann aber doch noch korrekt und einigermaßen ökonomisch dargestellt werden (siehe 8). Nur einen Tag später war der Computer dann nach gut einem Monat auch endlich mit dem eigentlich angedachten Schlussspiel zufrieden, nachdem zu guter Letzt mit dem zusätzlichen Bauern a3 die Linie a8-a2 verbaut worden war (siehe 8a). Der weiße König kann diese Rolle leider nicht übernehmen.

8) Jochen Schröder

Die Schwalbe, 04/2020

wKf1, wSh8, wBa7h7, sKe4, sSc7, sBa2f2f4g3h2

h=5 (4+7)
Typ 1

In beiden Aufgaben wird die Umwandlungsreihenfolge auf eine neue Art motiviert: Bevor Weiß auf h8 umwandeln kann, muss zunächst der weiße Springer verschwinden. Für Sf7? oder Sg6? ist keine Zeit, denn Weiß kann sich nicht mehr um den Bauern a2 kümmern. Dies motiviert die vielleicht etwas überraschende Lösung von 8: 1.a1L a8T 2.L:h8 T:h8 3.Se8 T:e8+ 4.Kf3 h8D 5.h1S Dh3=.

8a) Jochen Schröder

Die Schwalbe, 04/2020
(Version zu 8)

wKc1, wSd1h8, wBa3a7h7, sKf3, sLh3, sSc7, sBa2f4f5h2

h=5 (6+7)
Typ 1

Die Lösung von 8a unterscheidet sich nur in der Motivation der Springerumwandlung, so dass hier wohl eher eine Version von 8 als eine eigenständige Aufgabe vorliegt. In der Version zieht der umgewandelte schwarze Springer aktiv auf g3, um dort gefesselt zu werden. Das Schlussspiel gefällt mir hier persönlich deutlich besser, ökonomisch ist 8 aber auf jeden Fall vorzuziehen. Insbesondere die traurige Rolle des Läufers h3 in 8a zeigt, wie schwierig es war, die Aufgabe korrekt zu bekommen. Der schwarze König möchte sich nur allzu gerne auf h1 patt setzen lassen und zwei mögliche weiße Schwerfiguren wollen ihm dabei helfen. Ohne den Bauern f5 führt das Manöver Le6 nebst Lg8 zum Ziel, ein schwarzer Springer auf h3 lässt sich auf g1 fesseln und auch das Manöver Sg6 nebst S:f4 hat Potential. Ob die kleine Variation in der Lösung von 8a (1.a1L a8T 2.L:h8 T:h8 3.Se8 T:e8 4.h1S h8D 5.Sg3 D:h3=) genug Eigenständigkeit bedeutet?

9) Jochen Schröder

Die Schwalbe, 04/2020

wKd5, wLc1, wBa7g7, sKb3, sBa2c2c4d6h2

h=4 0.1;1.1;... (4+6)
Typ 2

Während des Korrekturlesens des Artikels habe ich mir die 3 von Erich Bartel noch einmal angesehen und innerhalb kürzester Zeit standen zwei weitere zueinander recht ähnliche Aufgaben auf dem Brett. Die ökonomischere Variante ist in 9 zu sehen. Wieder zeigt sich der eingebaute Springer als gute Motivation für die Unterverwandlung: 1.- a8D 2.h1T Da5 3.Th8 g:h8L 4.a1S Lc3=.

10) Jochen Schröder

Die Schwalbe, 04/2020

wKe6, wDa6, wSa1b3, wBa7h7, sKf6, sTc5, sLg7, sSh8, sBa2h2

h==4 (6+6)
Madrasi, Rex incl.
Typ 4

Eine Märchenbedingung, mit der sich viele Umwandlungstasks motivieren lassen, ist Madrasi in Kombination mit Pattforderungen. Hiermit ist es ein Leichtes, das Thema der Allumwandlung in den Ecken darzustellen, allerdings werden die Lösungsabläufe schnell schematisch und langweilig, wie die 10 beweist. Hier habe ich bewusst den Typ 4 gebaut, der bisher noch nicht aufgetreten ist. Nach den Zügen 1.h1D a8T 2.D:a1 T:h8 3.Df1 Tc8 4.a1S h8L== sind alle verbleibenden zehn Steine gelähmt. Die Könige wurden übrigens nicht beliebig auf dem Feld platziert, sondern verhindern Nebenlösungen.

11) Erich Bartel

Problemkiste 2013

wDg2, wLf4, wBa7h7, sTh3, sSc4, sBa2h2

h==3 (4+4)
Madrasi, Alphabetschach
Typ 5

In der PDB findet sich nur eine Aufgabe, die mit Madrasi arbeitet (siehe 11). Die Zugreihenfolge wird hier zusätzlich durch die Bedingung Alphabetschach erkauft. Auf die Könige verzichtet Erich Bartel einfach komplett. Die Lösung lautet: 1.a1L a8S 2.Le5 Sb6 3.h1D h8T==. Wieso der Autor nicht auf das unthematische zweite Zugpaar verzichtet (Sc4 → b6, Lf4 → e5 ist C+ als h==2), ist unklar. Mit diesem Schema lässt sich fast jeder Typ als Achtsteiner im h==2 darstellen. Nur für den Typ 6 muss man etwas tiefer in die Trickkiste greifen.

Abschließend möchte ich noch einen letzten Urdruck zeigen (siehe 12), den ich Arnold Beine und Rainer Kuhn widmen möchte, die diesen Artikel vorab gelesen und wertvolle Hinweise zur Verbesserung geliefert haben.
Wenn schon mit Kanonen (Alphabetschach, Madrasi) geschossen wird, könnte man statt Spatzen (Einfachsetzung des Themas) doch vielleicht ein größeres Ziel (Doppelsetzung) anvisieren!?

12) Jochen Schröder

Urdruck

wKe3, wLe1, wSe4, wBa6a7h6h7, sKd4, sDc8, sLb3, sSf2h4, sBa2a3h2h3

hs==10 0.1;1.1;... (7+9)
Madrasi Rex incl.,
Alphabetschach,
Ohneschlag
Alle Typen

Zusätzlich benötigt diese Aufgabe die Märchenbedingung Ohneschlag, und auch die Forderung Hilfszwingdoppelpatt (kooperatives Spiel führt zu einer Stellung, in der Schwarz im letzten Halbzug beide Seiten gleichzeitig patt setzen muss) zeugt davon, dass es nicht ganz einfach war, das Thema doppelt gesetzt zu zeigen. Die Lösung verläuft zwar größtenteils schematisch, das Manöver des umgewandelten schwarzen Turms, um der Liniensperre durch die Springer zu entgehen, ist aber vermutlich nicht ganz einfach zu finden: 1.- a1L 2.a8L Lc3 3.a7 a2 4.Ld5 a1D 5.a8D h1T 6.h8T Tg1 7.h7 Tg7! 8.Tg8 h2 9.h8S h1S 10.Sg6 Sg3==. Beide Parteien führen eine komplette Allumwandlung in den Ecken durch. Die Umwandlungen in Dame, Läufer und Springer sind naheliegend, da die zu lähmenden Figuren bereits auf dem Schachbrett stehen (man denke an die etwas traurige Dame c8). Das sich gegenseitig lähmende Turmpaar entsteht komplett neu. Die Umwandlungen 5.- h1D? 6.h8D? scheitern dabei nicht an der Bedrohung des schwarzen Königs, da die weiße Dame durch c8 gelähmt wird, sondern an eben dieser Lähmung, denn nach 6.h8D? 7.h7 ist Weiß bereits viel zu früh patt. Bei acht thematischen Bauern ist die Stellung trotz 16 Steinen vergleichsweise ökonomisch.

Fazit/Ausblick: Das hier gezeigte Thema wurde in der Vergangenheit nur wenig dargestellt. Ob dies an der Schwierigkeit der Umsetzung liegt oder ob das Thema für die Experten nicht interessant genug ist, vermag ich nicht zu sagen. Bislang gibt es nur Aufgaben mit Hilfsspiel, zumindest sind mir keine Aufgaben bekannt, in denen Weiß und Schwarz konkurrieren. Ein orthodoxes Hilfsmatt, in dem das Thema in einer Phase realisiert wurde, ist ebenfalls nicht bekannt.
Ausführliche Beschäftigung mit der Thematik hat mir gezeigt, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, die Unterverwandlungen zu motivieren. Unter Ausnutzung zusätzlicher Märchenbedingungen lassen sich neue Möglichkeiten finden und ich denke, das Thema ist bei Weitem nicht erschöpfend behandelt.
Wenn auch sicher nicht jeder meine Freude an Tasks rund um die Ecken des Schachbretts teilen wird, hoffe ich, dass die gezeigten Aufgaben (und meine laienhaften Gedanken dazu), insbesondere vielleicht auch die neuen Urdrucke, doch dem ein oder anderen Problemfreund Freude bereitet haben.

Fußnoten:
1) PDB, https://pdb.dieschwalbe.de/
2) Weiß wandelt in Dame und Turm um, Schwarz in Läufer und Springer; Rest analog.
3) Alle in diesem Artikel gezeigten Urdrucke sind computergeprüft mit Popeye, Version 4.79.
4) Stand November 2019. Die Suche in der PDB kann mit der Eingabe
SOL='a8=' AND SOL='h8=' AND SOL='a1=' AND SOL='h1=' AND K='Allumwandlung'
durchgeführt werden. Hierbei werden auch nicht-thematische Aufgaben gefunden, die sich leicht händisch herausfiltern lassen.
5) Alle Definitionen der hier genutzten Märchenbedingungen können im Märchenlexikon der Schwalbe-Webseite nachgelesen werden.

 


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