Heft 294, Dezember 2018 voriges Heft

Kalenderblatt

Grigorij Golin (23.1.1921-7.11.1993) wurde in Riga geboren, lebte aber lange in Berlin, wo er zur Berliner Problemrunde um Grasemann gehörte. Er verstarb vor 25 Jahren.

Allard Pieter Eerkes

Die Schwalbe 1953

1. Preis

wKa3, wDh8, wTd8h4, wLa2b4, wSb3c3, wBa5d4f2, sKc4, sDg4, sTd6e1, sSe5f4, sBb5c6c7d2d3f3f5

#3 (11+13)

Aus dem umfangreichen Schaffen des niederländischen Komponisten Allard Pieter Eerkes (27.12.1911-20.11.1993) ragen Zwei- und Dreizüger heraus, doch gelegentlich befasste er sich auch mit Märchenschach. Sein Preisträger aus der Schwalbe 1953 zeigt drei Doppel-Fesselungsmatts: Nach 1.Sc5+? K:d4 2.Se6+ S:e6! und 1.S:d2+? K:d4 2.S:f3+ D:f3! kann sich Schwarz jeweils aus der Halbbatterie heraus verteidigen. Daher 1.a6! mit der Drohung 2.Sa5+ K:d4 3.S:c6, gegen die sich Schwarz durch Aufhebung der Fesselungen von Td6 und Se5 wehrt: 1.- Sd5. Jetzt scheitert 2.Sc5+? K:d4 3.Se6+ an T:e6!, aber 2.S:d2+ K:d4 3.S:f3# nutzt die direkte Fesselung der schwarzen Dame. Analog geht nach 1.- Dg7 nicht 2.S:d2+? K:d4 3.S:f3+ S:f3!, wohl aber 2.Sc5+ K:d4 3.Se6#, da jetzt der Sf4 gefesselt ist.

Über Peter Kniest (15.12.1914-15.12.1993) und Kurt Bacmeister (23.11.1915-17.12.1993) wurden bereits in Heft 270 (Dezember 2014) bzw. Heft 276 (Dezember 2015) zu deren hundertsten Geburtstagen Kalenderblatt-Notizen gebracht. Hier sei nur kurz an die 25. Todestage der beiden erinnert.

Der erbittert ausgetragene Konflikt zwischen dem vor 75 Jahren verstorbenen Eduard Mazel (24.12.1859-27.12.1943) und Johannes Kohtz wurde schon im letzten Heft angesprochen (S. 589/590), wobei der durchaus streitbare Kohtz kein gutes Haar an Mazel ließ. Dennoch war dieser als langjähriger Leiter des Problemteils der renommierten Wiener Schachzeitung ein allgemein angesehener Problemist. Oscar Blumenthal, der den Begriff der Miniatur im Problemschach geprägt hat, lobte Mazel in beiden Bänden seiner Schachminiaturen (1902 und 1903) als "einen der feinsten und wachsamsten Kenner der Problemliteratur" und schrieb weiter: "Eine unermüdliche Mitarbeiterschaft bei der Ausgestaltung dieses Bandes hat mir wiederum Herr Dr. Eduard Mazel gewährt, der mit seiner umfassenden Kenntnis der Problemliteratur und seinem wählerischen kritischen Geschmack mir bei der Zusammenstellung meiner Blumenlese wesentliche Dienste geleistet hat. [...] Aus schwer zugänglichen alten Quellen hat er verschollene Schöpfungen hervorgeschürft und für manchen populär gewordenen Problemeinfall, der in wechselnden Formen die Wanderung durch die Schachliteratur angetreten hat, den ersten Erfinder festzustellen gewußt".

Jean de Villeneuve-
Esclapon

Rigaer Tageblatt 1909

4. Preis

wKe5, wSa7, wBb5g6, sKc7, sSe7, sBb3

Remis (4+3)

Comte Jean de Villeneuve-Esclapon (18.1.1860-29.11.1943) war ein Nachfahre des Vizeadmirals Pierre de Villeneuve, der 1805 als Oberkommandierender der französischen Flotte die Seeschlacht bei Trafalgar gegen die britische Flotte unter Lord Nelson verlor. Er wandte sich erst im Alter von 40 Jahren dem Schachspiel zu und kam nach einer kurzen Phase des Partiespiels um 1906 zur Komposition; sein Werk umfasst ungefähr 100 Probleme, konzentrierte sich aber auf die Studienkomposition, darunter das hier wiedergegebene prägnante kleine Stück. Der schwarze Bb3 ist nur durch forciertes Spiel zu neutralisieren: 1.b6+ K:b6 2.Sc8+ S:c8 3.Ke6! b2 4.g7 b1D 5.g8D Db3+ 6.Kd7! D:g8 patt; oder 6.- Da4+ 7.Kd8! remis (Nicht 7.Ke6? Dc4+ 8.Kd7 Dc6+ und Schwarz gewinnt). Für drei Jahre (1906-1909) war Villeneuve-Esclapon Herausgeber des L'échiquier français, weiterhin organisierte er mehrere französische Partieschach-Meisterschaften.

Der in München geborene Max Weiss (11.5.1870-18.12.1943) ließ sich nach seinem Studium als Rechtsanwalt in Bamberg nieder. Anfang des letzten Jahrhunderts begann er dort, eine Reihe von Problembüchern zu publizieren, darunter unter dem Titel Caissa Bambergensis eine Sammlung mit 111 Schachaufgaben Bamberger Autoren (1902) und eine Sammlung von Shinkman-Problemen (1903). Seine 150 Schachkuriositäten erschienen 1910 unter dem Pseudonym Problematicus. Ab 1916 stand Weiss in Kontakt mit dem Karl-May-Verlag und wurde dessen Mitarbeiter.

Vor 100 Jahren wurde Alexeij Grigorijewitsch Kopnin (17.12.1918-17.6.1991) geboren, ein vielseitiger russischer Komponist, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sowohl im Zwei- und Dreizügerbereich als auch auf dem Studiensektor viele Erfolge erzielte. Seit 1959 war er Internationaler Preisrichter und 1975 wurde ihm der Titel Internationaler Meister für Schachkomposition verliehen.

Der Österreicher Carl Schlechter (2.3.1874-27.12.1918) gehörte zu den stärksten Partiespielern seiner Zeit und hatte 1910 im berühmten WM-Kampf gegen Emanuel Lasker diesen am Rand einer Niederlage. Obwohl Schlechter als Berufsspieler von seinen aus dem Partiespiel erzielten Einkünften leben musste (mehr schlecht als recht; im Ersten Weltkrieg musste er hungern, und Unterernährung hat auch zu seinem frühen Tod vor nunmehr 100 Jahren beigetragen), widmete er sich auch der Komposition. Die PDB enthält 99 Probleme von ihm, eine recht beeindruckende Zahl für einen Partiespieler. % DSZ 1918 p282, 1919 p1-3, 22-24, 53, 249-257 % https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schlechter Thomas Glavinic setzte Carl Schlechter in seinem 1998 erschienenen Roman Carl Haffners Liebe zum Unentschieden ein belletristisch-literarisches Denkmal.

Emanuel Lasker
Richard Teichmann

Womanhood 1900

wKe6, wDa4, wLb6, wSe1f3, wBd4d5d6h2, sKe4, sLf1, sBe2f6h3h5

#3 (9+6)

Erinnert sei an die 150. Geburtstage zweier großer Partiespieler: Emanuel Lasker (24.12.1868-11.1.1941) und Richard Teichmann (23. oder 24.12.1868-12.6.1925). Die Literatur ist sich nicht ganz einig, ob beide am Heiligen Abend das Licht der Welt erblickten oder ob Teichmann einen Tag früher dran war. Von beiden sind einige Schachaufgaben und Endspielstudien bekannt, und es gibt auch mindestens zwei Gemeinschaftsaufgaben von Lasker und Teichmann, darunter den nebenstehenden Scherz mit der Lösung 1.d7, 2.d6, 3.d5# - der Schwarze mag ziehen wie er will, gegen das Hochziehen der Bauern-Jalousie ist er machtlos.

Die 100. Todestage unserer Säulenheiligen Kohtz und Kockelkorn waren Anlass, in den letzten Jahren ausführlich an sie zu erinnern. Dabei ist ein wenig verdrängt worden, dass beide in diesem Jahr auch 175 Jahre alt geworden wären; Kohtz schon im Sommer (am 18. Juli) und jetzt im Herbst Carl Kockelkorn (26.11.1843-16.7.1914).

(GüBü)


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