Heft 291, Juni 2018 voriges Heft

Todesfall

Helmut Wolf, Bonn, geboren am 11.5.1930, ist am 29.4.2018 verstorben. Er war 49 Jahre Schwalbe-Mitglied.

Kalenderblatt

An den vor 50 Jahren verstorbenen Josef Halumbirek (7.3.1891-22.6.1968) wird in einem separaten Artikel in diesem Heft erinnert.

Adelchi Ricciardi

Die Schwalbe 1935

wKa7, wTg5, wLa2f4, wSc7e5, wBb2c6e3, sKe4, sDc2, sLc8, sSb6, sBa4b5d7g3

#5 (9+8)

Der italienische Komponist Adelchi Ricciardi (17.3.1884-11.5.1968) lebte lange in Deutschland, wo er sich der neudeutschen Schule anschloss. In den 1930er Jahren war er mehrfach Preisträger in Schwalbe-Turnieren. Aus dieser Zeit stammt auch sein Fünfzüger: Nach 1.Lf7? D:c6 2.S:b5 kann Schwarz die Mattdrohungen durch den weißen Springer parieren. Daher muss die schwarze Dame abgelenkt werden: 1.Lg8! [2.Lh7#] Dh2 2.Lf7 [3.Lg6#] Dh6 3.La2 [4.Lb1#] Dh1, und jetzt geht 4.S:b5 nebst 5.Sc3 oder Sd6#.

Harry Viggo Tuxen

Tijdschrift van de KNSB
1929

2. Preis

wKa1, wDf3, wTa5c7, wLa7, wSb7f8, wBe3e6, sKe5, sTh6, sLa2c5, sSa4d5, sBb4g7h4

#2 (9+9)

Harry Viggo Tuxen (31.3.1898-10.5.1968) war Däne, hatte aber einen sehr internationalen Lebenslauf: geboren in England, arbeitete er nach einem Studium in Kopenhagen als junger Ingenieur 10 Jahre lang für eine holländische Firma auf einer Zuckerrohrplantage in Java, bevor er nach Dänemark zurückging und dort eine chemische Fabrik eröffnete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Österreich, vor einem halben Jahrhundert ist er in Graz gestorben. Tuxen gehörte zu den bekanntesten dänischen Komponisten. Er schuf etwa 500 Aufgaben, vorwiegend Zweizüger. Von 1932 bis 1948 war er Vorsitzender der dänischen Problemistenvereinigung, von 1955 bis 1963 leitete er den dänischen Schachverband. Während seines Aufenthalts in Fernost entwickelte er das zu den weißen Linienkombinationen gehörende Java-Thema. Eine Auswahl der Tuxenschen Probleme gab Leif C. Schmidt 1984 in W.\ Jörgensens Buchreihe heraus. Sein hier ausgewähltes Problem zeigt Halbfesselungs-Thematik in sechs Varianten: 1.Lb8 [2.T:c5#] 1.- L:e3/S:e3 2.Tc4/Td7#, 1.- L:f8 2.Te7#, 1.- Ld4+ 2.Tc3#, 1.- L~{} 2.Df4#; 1.- S:c7 2.L:c7#, 1.- Sf4 2.Tf7# und 1.- T:e6 2.Sd7#.

Der 1897 geborene russische Komponist Michail Michailowitsch Barulin gilt als einer der Väter des modernen Zweizügers, den er in vielen Artikeln, die über die ganze Welt verbreitet erschienen, propagierte. Schon 1927 begann er mit systematischen Untersuchungen von weißen thematischen Verführungen. Zusammen mit Guljajew und Issajew publizierte er 1933 das Buch 300 Schachmatny Sadatsch. Als Problemredakteur der "offiziellen" Zeitschriften 64 (von 1935 bis 1941) und Schachmaty w SSSR (1938 bis 1941) hatte er als Publizist einflussreiche Positionen inne, was ihm zum Verhängnis wurde, nachdem er im sowjetischen Streit um die Rolle des Problemschachs eindeutig Position zugunsten der eigenständigen künstlerischen und gegen die sozialistische, klassenkämpferische Bedeutung des Problemschaffens bezog. Hierzu ein kleiner Exkurs: Schon um 1930 sahen sich die russischen Problemisten dem Vorwurf ausgesetzt, dass ihre Kompositionen nicht die ideologisch erforderliche Nähe zum Partieschach aufwiesen, also nicht geeignet seien, das praktische Spiel zu fördern. "Bürgerliche" Themen sollten zugunsten von "revolutionären" vermieden werden; konkret bedeutete dies, dass Zwei- und Dreizüger nicht geschätzt wurden, weil sie zu phantasievoll und partiefern waren, während Studien, die umfangreiche Analysen erforderten und dadurch Partienähe demonstrierten, der politischen Norm entsprachen. Absonderliche Formen der Komposition, wozu insbesondere Hilfsmatts, Selbstmatts und Märchenschach zählten, wurden offiziell verdammt (eine Haltung, die sich bis in PCCC-Zeiten auswirkte, als noch über die Beschränkung dieser Genres im FIDE-Album diskutiert wurde). Der Streit flammte 1936 erneut auf, als ein von Botwinnik und Spokoini in Schachmaty w SSSR publizierter Artikel erneut forderte, dass die Komposition dem Partiespiel unterzuordnen sei. Barulins tapferer Widerstand gegen dieses Verlangen stützte sich auf seine These, dass es sich bei Partie- und Problemschach um zwei gänzlich unterschiedliche Gebiete handele und dass die Schachkomposition eine eigenständige, weit zurückreichende Entwicklungsgeschichte und eigene ästhetische Standards habe. Statt einer Diskussion folgte als offizielle Antwort auf Barulins Artikel eine Anfang 1937 vom sowjetischen Schachverband verabschiedete Resolution, in der die Unterordnung der Komposition unter die Erfordernisse des praktischen Spiels verordnet wurde. Barulin persönlich wurde zunächst noch in Ruhe gelassen, aber die Mitglieder des Problemistenkreises, der sich privat in seiner Wohnung traf, wurden einzeln nach und nach verhaftet, bis er selbst allein zurückblieb und im November 1941 auch dieses Schicksal teilte. Er starb vor 75 Jahren im Gefängnis, nach Auskunft der russischen Schachmaty Enziklopeditscheski Slowar am 23. Mai 1943 (andere Quellen geben ungenau 1943 oder auch 1942 an). - Eine ausführliche Darstellung zur Geschichte des Schachs in der frühen Sowjetunion bietet die 2013 erschienene Dissertation von Michael A. Hudson Storming Fortresses: A Political History Of Chess In The Soviet Union, 1917-1948, die im Internet unter https://escholarship.org/uc/item/0s71f0cw verfügbar ist.

Vittorio de Barbieri

Revista de Romana 1940

wKe8, wBd4h6, sKc6, sLd5, sBa2

Remis (3+3)

Vittorio de Barbieri (12.3.1860-4.5.1943) war ein italienischer Problemist, der in Odessa geboren wurde. Er lebte lange als Getreidehändler in Bessarabien, verließ Russland aber nach Ausbruch der russischen Revolution 1917 und ließ sich in Genua nieder. Viele seiner Probleme erschienen in russischen Rubriken in Moskau, Sankt Petersburg und Odessa. Nach seinem Wechsel nach Italien leitete er viele Jahre den Studienteil in L'Italia Scacchistica, und er komponierte in dieser Zeit hauptsächlich Studien, wobei er insbesondere Pattstudien mit dem weißen König in der Brettmitte bevorzugte. Auch im hier gezeigten Beispiel dominiert die Pattgefahr: 1.h7 a1D 2.h8D Da8+ 3.Ke7 Da7+ (3.- D:h8 patt!) 4.Kf6 D:d4+ 5.Ke7 De3+ (wieder darf die Dame wegen Patt nicht geschlagen werden) 6.Kf6 Df4+ 7.Kg7 Dg5+ 8.Kf8 Dd8+ 9.Kg7 De7+ 10.Kh6 und remis, da Schwarz nicht weiterkommt.

Paul Löschl

Die Schwalbe 1986

1. Preis

wKe5, wDf8, wTd8, wLg8, wBc2d4d5d6g3, sKg6, sLh5, sBd7g4g7h6

s#14 (9+6)

100 Jahre alt geworden wäre Paul Löschl (21.5.1918-2003), der in vielen Genres komponierte und der viele Märchenbedingungen ausprobierte. Hier sei mit seinem 1. Preis aus Die Schwalbe 1986 an ihn erinnert: 1.Df6+? g:f6+! geht nicht, weil der weiße König das Fluchtfeld e4 hat. Mittels zweier Batterien gelingt es Weiß, seinen Td8 dorthin zu manövrieren. 1.Te8! Kg5 2.Df4+ Kg6 3.Df2 Kg5 4.Dd2+ Kg6 5.Da5 Kg5 6.Dd8+ Kg6 7.Te7 Kg5 8.Tf7+ Kg6 9.Da5 Kg5 10.Dd2+ Kg6 11.Tf4 Kg5 12.Te4+ Kg6, und jetzt steht alles bereit für den Hauptplan. 13.Df2 Kg5 14.Df6+ g:f6#.

Vor 125 Jahren wurde Suaminatha Subrahmanyam geboren (6.6.1893-21.7.1972), der über viele Jahre hinweg der wohl prominenteste indische Komponist war. Er leitete auch die Schachspalte in der Zeitung The Hindu, die auch in Europa einen guten Namen hatte.

Der englische Schachhistoriker Harold James Ruthven Murray (24.6.1868-16.5.1955) ist durch sein 1913 erschienenes Werk A History of Chess unsterblich geworden. Sein 900-Seiten-Werk war das Ergebnis 14jähriger Forschungsarbeit, zu der er von Lasa und van der Linde angeregt wurde. Es enthält auch umfangreiche Sammlungen von Mansuben und mittelalterlichen Schachproblemen.

An den 150. Geburtstag des baltischen Studienkomponisten Johann Sehwers (28.6.1868-7.11.1940), über den erst in Heft 276 (Dezember 2015) eine Kalenderblatt-Notiz erschien, ist zu erinnern.

Vermutlich vor 200 Jahren erblickte Napoleon Marache das Licht der Welt (6.1818-11.5.1875). Über ihn und seine unklaren exakten Lebensdaten erschien schon vor zwei Jahren eine Kalenderblatt-Notiz in Heft 273.

Horatio Bolton

Problems 1827 In: Lewis

wKa8, wTb4, wLe5, wSd4, wBa3b2, sKa5, sDg8, sTh8, sLb8, sBd5e6

#6 (6+6)

Der vor 225 Jahren geborene Horatio Bolton (2.6.1793-15.8.1873) stand problemschachlich an der Schwelle zur Neuzeit. Durchaus üblich waren damals Bedingungsaufgaben mit teilweise bizarren Forderungen (z. B. "Matt in 44 Zügen mit Bc2 auf c7, ohne einen schwarzen Bauern zu schlagen oder ihnen einen Zug zu gestatten" - so Bolton 1841, wie im Breuer-Buch unter Nr. 144 nachzulesen ist), und Bolton scheute sich nicht, davon eifrigen Gebrauch zu machen. Aber vereinzelt blitzten bei ihm auch neue, damals noch ganz unbekannte Motive auf. Ein Beispiel dafür ist die hier wiedergegebene Aufgabe aus dem Jahr 1827: Mit den damals üblichen Schachgeboten am Anfang erreicht Weiß zunächst einmal eine Stellungsverbesserung für seinen Sd4: 1.Sb3+ Ka6 2.Sc5+ Ka5, aber dann kommt ein für die damalige Zeit höchst ungewöhnliches Manöver, nämlich trotz der drohenden Schachgefahr ein stiller Zug: 3.Lc3!, dem nach der Antwort 3.- Le5+ mit 4.Tb8+ ein Kreuzschach folgt, bevor das auch für damalige Verhältnisse eher konventionelle Finale mit 4.- L:c3 5.b4+ L:b4 6.a:b4# zum Matt führt.

(GüBü)


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