Heft 282, Dezember 2016 voriges Heft nächstes Heft

Todesfälle

Unser langjähriges Mitglied Robert Schopf ist am 30. September 2016 verstorben. Erst im Aprilheft hatten wir ihm zum 94. Geburtstag gratuliert, und dort wurde auch über seine Schachecke im Wiesbadener Kurier berichtet, die er 1983 von G. W. Jensch übernahm und bis zum 24.8.2002 führte, als der Verlag die Spalte abrupt beendete.

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb am 21.7.2016 Friedhelm Schwieger (geb. 5.8.1947) aus Lüneburg. Er hatte sich Anfang des Jahres aus gesundheitlichen Gründen von der dortigen Problemisten-Runde abgemeldet. Schwieger war als Komponist und Löser aktiv und veröffentlichte meist in der Lüneburger Landeszeitung.

Kalenderblatt

Theodor Siers

Die Welt 1947

2. ehr. Erw. im Schwalbe
-Ringturnier

wKb5, wLb7e5, wSc6, wBc5f2g3, sKd5, sTf6, sBb6d4e6f4f7

#3 (7+7)

Am großen Lüneburger Schwalbe-Treffen 1990 nahm auch Theodor Siers (2.4.1910-6.11.1991) teil, dessen Todestag jetzt schon 25 Jahre zurückliegt. Wer in Lüneburg dabei war, wird sich an einen sichtlich kranken, freundlichen alten Herren erinnern, der den Schwierigkeiten, die ihm seine späten Jahre bereiteten, aber dennoch mit einem gewissen Humor beikam; so erzählte er mir schmunzelnd, dass er auf dem Weg zum Bahnhof einen kleinen Sturz mit seinem Fahrrad erlitt, der ihn zwang, einen späteren als den beabsichtigten Zug zu nehmen - und Godehard Murkisch in Aufregung versetzte, als er ihn nicht vom verabredeten Zug abholen konnte. Siers hatte seine große Zeit als Komponist in dem Jahrzehnt zwischen 1945 und 1955, in dem der größte und wichtigste Teil seiner etwa 300 Aufgaben erschienen. 1948 erschien als Band 3 der Schwalben-Bücherei die 48seitige Schrift Rösselsprünge, in der er das Ergebnis seiner umfangreichen Untersuchungen über bestimmte Anwendungen des Springers in Schachaufgaben niederlegte. Insbesondere das später so genannte "Siers-Rössel" erwies sich als ein außerordentlich fruchtbarer Mechanismus. Es zeichnet sich durch eine Batterie aus, deren Vorderstein ein Springer ist, wobei der schwarze König noch ein Fluchtfeld hat, auf dem er dann aber von diesem Springer mattgesetzt wird. Der hier gezeigte Dreizüger ist ein Beispiel. Nach 1.g4 drohen vier S-Abzüge, aber jeder schwarze Zug lässt nur eine Drohung zur Ausführung kommen (also Fleck-Thema): 1.- d3 2.Sd4+ K:e5 3.Sf3#, 1.- f3 2.Sb4+ K:e5 3.Sd3#, 1.- b:c5 2.Sa5+ K:e5 3.Sc4# und 1.- T~ 2.Sb8+ K:e5 3.Sd7#.

Theodor Siers

Die Schwalbe 1954

2. ehr. Erw.

wKa3, wTa1, wLb5, wSd6, sKa5, sSa4, sBb6

#4 (4+3)

Die 4#-Miniatur ist ein kleines Juwel: Nach Deckung des wLb5 drohen S-Matts auf b7 oder c4. Aber nach 1.Tb1? Sb2 fehlt dem Weißen ein Wartezug (2.Tb0!?). Daher 1.Ta2 Sc5 2.Tb2 Sb3 3.Tb1 mit Zugzwang und 4.S#. Dies nannte Siers einen "Raumgewinn-Römer". Hinzu kommt noch eine feine Nebenvariante mit T-Opfer: 1.- Sc3 3.Kb3+ S:a2 3.Kc4! nebst 4.Sb7#.

Ebenfalls vor einem Vierteljahrhundert verstarb der niederländische Studienspezialist Jan Hendrik Marwitz (8.10.1915-6.12.1991), der 1948 (gemeinsam mit C. J. de Feijter) und 1991 (allein) zwei Studienbücher herausgab und als erfolgreichster niederländischer Studienkomponist gilt.

Henri Delaire wurde am 16.8.1860 in der Picardie geboren und starb vor 75 Jahren in Paris, am 27.9.1941 (hier irrte sich Jeremy Gaige, der in seinem wichtigen Referenzbuch Chess Personalia Paris als Geburtsort angibt und das Sterbedatum um zwei Monate nach hinten verschiebt - daher erscheint diese Notiz auch erst jetzt). Delaire spielte ab 1889 für mehr als ein halbes Jahrhundert als Spieler, Problemist, Autor und Organisator eine wichtige Rolle im französischen Schachleben. Es begann mit der Gründung eines großen Pariser Schachklubs, der sich nach einem Umzug ab 1895 "Cercle Philidor" nannte. Auch bei der Gründung des französischen Schachverbands (1921) war er maßgeblich beteiligt und wurde dessen erster Präsident. Ab 1911 gab Delaire ein Schach-Manual heraus, das mehrere Auflagen und eine spanische Übersetzung erlebte. Wichtig war sein Werk Les échecs modernes, dessen beide Bände 1911 und 1925 erschienen und in dem er sich umfangreich sowohl mit dem Partie- als auch dem Problemschach befasst. Seine größte Leistung war aber wohl die Redaktion der berühmten Zeitschrift La Stratégie, die er 1908 von Numa Préti übernahm und bis zu ihrem kriegsbedingten Ende im August 1940 beibehielt.

Vor 100 Jahren verstarben Josef Pospisil (1.11.1861-30.12.1916), einer der großen Meister der böhmischen Problemschule, und der englische Komponist Arthur Cyril Pearson (9.1.1838-8.11.1916). Zu beider Geburtstage erschienen bereits Kalenderblatt-Notizen in Heft 252, Dezember 2011 (Pospisil) und in Heft 259, Februar 2013 (Pearson), auf die hier verwiesen sei.

Drei bekannte Problemisten wurden vor 100 Jahren geboren: Der Finne Jan Hannelius (7.12.1916-7.3.2005) war Namensgeber eines Zweizüger-Mechanismus und Autor zweier finnischer Miniaturen-Anthologien und viele Jahre in der internationalen Problemschach-Organisation aktiv, insbesondere war er acht Jahre Präsident der PCCC. - Der Schweizer Hans Henneberger (16.12.1916-31.8.2006) war der letzte schachlich aktive Spross dieser Familie. Er gab zeitweise die Schweizerische Schachzeitung heraus (bis 1990) und veröffentlichte zwei Bände der schweizerischen Kunstschach-Anthologie, die 1921 mit Moriz Hennebergers Alpine Chess aus der Christmas-Serie begann.

László Lindner

Meredith-Turnier 1976
Vizügyi SC

1. Preis

wKb8, wDc4, wTf8, wSc8g2, wBg3, sKe5, sTa6, sLa8, sSb7, sBc5f5

#2 (6+6)

Der dritte Hundertjährige ist László Lindner (23.12.1916-21.8.2004), der ein langes schacherfülltes Leben geführt hat. Seine 1996 in der Kuhn-Murkisch-Serie erschienene lesenswerte Autobiographie Mattbilder eines Lebens bietet neben einer großen Auswahl seiner Kompositionen auch viele Einblicke in die Schachgeschichte des 20. Jahrhunderts, denn der immer neugierige LL mischte sich immer ein - sei es als junger Student im berühmten Pariser Café de la Régence, sei es im schon recht hohen Alter in die Entwicklung des Computerschachs. LL komponierte in vielen Gebieten, hier sei ein Zweizüger gezeigt, in dessen vier Phasen zyklisch wiederholte Doppeldrohungen entstehen, von denen drei eindeutig widerlegt werden können: 1.Sh4! [2.T:f5 A und 2.Sf3 B], 1.- Sd6 2.Sg6#. Probespiele 1.Se1? [2.Sf3 B und 2.Sd3 C], aber 1.- Ta3!; 1.Sf4? [2.Sd3 C und 2.Dd5 D], aber 1.- Td6!; 1.Se3? [2.Dd5 D und 2.T:f5 A], aber 1.- Sd6! Ein für LL ungewöhnlich verwickelter Zweizüger in ökonomischer Form dargestellt.

Der publizistisch recht aktive John Augustus Miles (4.12.1817-23.7.1891) gab 1860 seine Chess Gems heraus, "some of the finest examples of Chess Strategy, by ancient and modern Masters", wie es im Untertitel heißt. Die 432 Probleme wurden nebst Lösungen kommentarlos präsentiert - wie damals üblich. Dass Miles immerhin die Autoren nannte, kann man ihm schon positiv anrechnen, denn auch das wurde damals noch nicht durchgehend praktiziert. Neben anderen Problemsammlungen brachte er 1888 auch einen Band mit Selbstmatts heraus: Chess Stars: A Galaxy of Self-mates.

Der vor 175 Jahren geborene Joseph Henry Blackburne (10.12.1841-1.9.1924) war einer der führenden englischen Schachspieler des späten 19. Jahrhunderts, aber er komponierte auch ungefähr 100 Probleme. Dass er ihnen einen erheblichen Stellenwert in seinem Schaffen beimaß, zeigt sein 1899 erschienenes Buch Mr. Blackburne's Games of Chess, in das er 28 seiner Aufgaben aufnahm.

William R. I. Dalton

1922

wKa3, wDd2, wLe3, wSd5, wBb7e6f7, sKd8, sDh8, sLc6c7, sSb8f6, sBe7

#3 (7+7)

Der amerikanische Problemkomponist W. R. Inge Dalton (6.12.1841-26.5.1931), nach dem auch ein Zweizügerthema benannt ist, hatte vielseitige Interessen. Bei seinem hier gezeigten Dreizüger aus dem American Chess Bulletin ist unklar, ob das die Originalquelle oder ein Nachdruck ist; für die Urdruck-Vermutung spricht, dass der Bewidmete Wainwright nur ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung im ACB verstarb. Das ACB nennt Dalton einen genialen Doktor, der ein bemerkenswerter Musiker ist und betont seine athletischen Aktivitäten, insbesondere seine Begeisterung für den Fischfang. Mit 1.Dh2 wirft Dalton hier einen Köder aus, der gleich zwei Fische anlocken könnte.

Philip Richardson

Brentano's Chess
Monthly 1882

wKg7, wDc8, wSg6, wBe2h4, sKd4, sBd5e5e3h5

#3 (5+5)

Der in London geborene Philip Richardson (12.11.1841-28.9.1920; Babson nennt in Brentano's Chess Monthly den 12.10. als Geburtsdatum!?) kam als Neunjähriger Anfang 1851 in die USA, wo er 1856 im Familienkreis das Schachspiel erlernte. Der bald danach einsetzende Siegeszug Paul Morphys ließ ihn in New Yorks Schachwelt eintauchen, wo er sich bald zu einem Spieler beachtlicher Stärke entwickelte. Daneben komponierte er auch Probleme, von denen er aber viele nicht veröffentlichte. In Brentano's Chess Monthly wird 1882 über ihn gesagt, dass er äußerst strenge Maßstäbe an seine eigenen Kompositionen legte, insbesondere in der damals aktuellen Frage der Tolerierung von Dualen war er sehr strikt und verwarf Aufgaben schon bei kleinsten Dualen in Nebenvarianten. Neben direkten Matts komponierte er häufig Selbstmatts, hier sei aber einer seiner Dreizüger gezeigt: 1.Sh8! Zugzwang; 1.- Ke4 2.Df8 Wieder Zugzwang. 2.- Kd4/d4 3.Db4/Df3#; 1.- e4 2.Dc6 Und noch einmal Zugzwang! 2.- Ke5 3.Df6#.

Vor 200 Jahren wurde in Berlin als Sohn italienischer Eltern Luigi Mussini (Dez. 1816-18.6.1888) geboren. Nachdem er sich in Paris dem Studium der Malerei gewidmet hatte, ging er nach Italien und wurde Direktor der Kunstakademie von Siena. Er war ein guter Schachspieler und komponierte auch Probleme im Stil der Zeit (einige seiner Selbstmatts sind in der PDB zu finden). Er malte u. a. ein Bild mit dem Titel "Eine schachliche Herausforderung am Hofe des Königs von Spanien", das den Sieg des Italieners Leonardo da Cutro gegen Ruy Lopez am Hofe Philips II. aus dem Jahr 1575 darstellt und das von Zeitgenossen sehr gelobt wurde. Für die kalabrische Gemeinde Cutro, die auch "Schach-Stadt" genannt wird, wurde zur Huldigung ihres siegreichen Sohnes eine Kopie des Gemäldes angefertigt.

(GüBü)


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