Heft 262, August 2013 voriges Heft nächstes

Kalenderblatt

Joao Baptista Santiago

Problem 1954

2. Preis

wKg2, wDg6, wTc1h4, wLc5f1, wSc6, sKd5, sDb7, sTa5d1, sLa3, sSb8, sBc7f2f5g7

#2 (7+10)

Der vor 50 Jahren verstorbene brasilianische Komponist Joao Baptista Santiago (22.1.1894-21.8.1963) baute hauptsächlich Hilfsmatts, war aber auch im Zweizügergebiet erfolgreich, wie das dem FIDE-Album entnommene Beispiel zeigt: Die Satzmatts 1.- D:c6 [a] 2.D:f5 [A], 1.- L:c5 2.Lc4 [B] und 1.- T:c5 2.T:d1 [C] kehren nach 1.Ld6! [2.Se7] wieder: 1.- D:c6 [a] 2.T:d1 [C]; 1.- S:c6 2.Lc4 [B] und 1.- c:d6 2.D:f5 [A]. Dazu 1.- L:d6 2.Df7, 1.- f4 2.Th5 und 1.- Te1 2.Td4. Santiago wurde 1956, d. h. gleich bei der Einführung dieses Titels, zum internationalen Preisrichter ernannt.

Charles W. Sheppard

Good Companions 1921

1. Preis

wKd7, wDg4, wTc6, wLb8d3, wSa7e3, wBc2c3c4d2g3, sKe5, sDh3, sLa4f8, sSc7d6, sBf6h7

#2 (12+8)

Charles William Sheppard (12.10.1886-4.7.1963) war ein amerikanischer Farmer, der erst relativ spät durch seinen Schwager mit Schach in Berührung kam und bald danach begann, Zweizüger zu komponieren. Nach vielen Erfolgen ab 1917, also in der Good Companion-Zeit, gab er die Komposition 1922 auf, meldete sich aber ab 1940 wieder mit neuen Erfolgen zurück. Das Erscheinen einer von Edgar Holladay herausgegebenen Auswahl seiner Aufgaben (100 Selected Sheppard Two-Move Chess Problems) erlebte er nicht mehr, denn er starb während der Druckvorbereitung. Seinen hier gezeigten Klassiker hat er angeblich nach einem harten Farm-Arbeitstag in einer halben Stunde aufs Brett gezaubert. Die beiden sS stehen in Halbfesselung. Nach 1.Lg6 mit der Drohung 2.d4# erwachen die gefesselten wFiguren nach den Paraden zu munterem Leben: 1.- Sdb5 2.Te6# (2.Tc5?), 1.- Scb5 2.Tc5#, 1.- Se6 2.De4# (Dd4?, Df4?), 1.- Sf5 2.Df4# (Dd4?, De4?) und 1.- f5 2.Dd4# (Df4?).

Am 15. August vor 100 Jahren wurde Willy Becker geboren, der einer der Eckpunkte des südwestdeutschen Problemdreiecks war (die anderen waren Ernst Bachl und Hermann Weißauer, wie Godehard Murkisch in der Einleitung des in seinem Verlag erschienenen Orlimont-Buchs erklärt). Becker hat über viele Jahre hinweg gemeinsam mit dem "Schachdoktor"? Bachl die Schachecke der Allgemeinen Zeitung bearbeitet, die im Raum Mainz/Worms/Kreuznach/Darmstadt erschien.

Im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern Albert und Peter spielte das Problemschach im Leben Alfred (Fred) Kniests (24.7.1913-9.3.1966) keine zentrale Rolle. Nur gelegentlich nahm er in jungen Jahren an der Problemrunde in Bottrop teil, komponierte nur wenige Aufgaben, in denen jeweils seine Lieblingsfigur, der Grashüpfer, eingesetzt wurde und wandte sich sonst anderen Interessen zu. Erst unter dem Einfluss einer schweren Erkrankung kehrte er gegen Ende seines Lebens wieder zum Schach zurück, wie dem von seinen beiden Brüdern unterzeichneten Nachruf in der Schwalbe 1966 zu entnehmen ist. (Peter Kniest war damals Schriftleiter und Drucker der Schwalbe.)

Gino Mentasti

Warschauer Schachklub 1936

1. Preis

wKc8, wDg6, wTa4d6, wLf4h1, wSc4e6, wBc2c5e3, sKe4, sDb4, sTg2h2, sLe7, sSf3, sBb5f5h3

#2 (11+9)

Gino Mentasti (15.8.1913-29.11.2002) komponierte überwiegend Zweizüger im Hilfs- und Direktmatt; dazu ein Beispiel (Diagr.): 1.De8 [2.Dc6]. 1.- Td2 2.Sg5, 1.- Tg8 2.Td4, 1.- Se5 2.Sd2, 1.- Sd4 2.Sg5, 1.- Dd2 2.S:d2 und 1.- D:c5 2.S:c5. Neben der Komposition entfaltete Mentasti eine intensive publizistische Tätigkeit: Vor und nach dem zweiten Weltkrieg redigierte er die Problemecke von L'Italia Scacchistica, später Schachecken in einer Tageszeitung und den Problemteil von Scacco!. Außerdem gründete er 1965 die Problemzeitschrift Sinfonie Scacchistiche, die nach langem Verstummen (zwischen 1995 und 2011) erst kürzlich von Valerio Agostini in elektronischer Form wiederbelebt wurde. Mentasti leitete darüberhinaus die italienische Problemistenvereinigung API und vertrat Italien bei der PCCC, die ihm 1989 für seinen vielfältigen Einsatz den Titel eines Honorary Masters of Chess Composition verlieh.

Auf den 100. Geburtstag unseres langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Werner Speckmann (21.8.1913-23.2.2001) wird hier nur kurz hingewiesen; ihm ist ein separater Gedenkartikel in diesem Heft gewidmet. Auch an den 125. Geburtstag von Edmond Emile Lancel (3.7.1888-15.4.1959) sei nur kurz erinnert und auf Heft 236 verwiesen, in dem des 50. Todestags dieses frühen belgischen Schachprofis gedacht wurde.

Das kurze Leben des vor 125 Jahren verstorbenen Johannes Obermann (28.5.1857-25.7.1888) war durch Krankheit geprägt. Seine schwache Gesundheit erlaubte ihm keinen Schulbesuch, seine berufliche Tätigkeit in einem Bankhaus und später als Buchhalter musste er schon im Alter von 25 Jahren einstellen, mit 31 erlag er einem Lungenleiden. Hermann von Gottschall schreibt in seinem Nachruf in der DSZ, dass Obermann sein Schachtalent voll und ganz auf dem Problemgebiet entfaltete. Er erzielte eine Reihe von Auszeichnungen in verschiedenen Turnieren, gehörte aber sicher nicht zu den großen Komponisten seiner Zeit, und er musste sich seine Probleme mühsam abringen. Seit 1884 redigierte er die Schachspalte in der Gartenlaube, seit 1885 eine weitere in den Dresdner Nachrichten. Bemerkenswert ist sein 1887 in der DSZ publizierter Vorschlag, eine internationale Vereinigung für Problemkomponisten und Problemfreunde zu gründen. Obermanns Vorschlag wurde 1888 in einigen Artikeln diskutiert und grundsätzlich positiv aufgenommen, kam aber nach seinem Tod nicht weiter voran. Ein noch von ihm selbst initiierter Aufruf in der DSZ, das Projekt zu unterstützen und sich bei der Redaktion zu melden, fand kein großes Echo und endete mit einer im Februar 1889 erschienenen Notiz, in der mangels Interesse Zweifel an einer Weiterverfolgung des Angelegenheit ausgesprochen wurden. Erst 41 Jahre später und vier Jahre nach Gründung der FIDE wurde mit dem International Problem Board die Obermann'sche Idee auf Initiative von Eduard Birgfeld realisiert.

Max Petri

Schach-Echo 1956

2. Preis

wKa1, wDg8, wTb1d1, wLa5, wSd8, sKc5, sTf6h6, sLb6h1, sBc4e5h2h3

#2 (6+9)

Max Petri (22.8.1888-6.5.1972), der sein Studium vor dem ersten Weltkrieg abgeschlossen hatte (Philosophie, Mathematik, Sprachen - er beherrschte 15 Fremdsprachen in Wort und Schrift), kam erst nach dem zweiten Weltkrieg zum Problemschach und sah Sam Loyd, P. A. Orlimont und H. Lepuschütz als seine Vorbilder an. Petri komponierte vielseitig, auch im Märchenschach, wo er - wie auch der oben erwähnte Fred Kniest - ein besonderes Faible für den Grashüpfer hatte. Ungewöhnlich ist auch im hier gezeigten Zweizüger der Rückgriff auf die Zwillingsfassung: a) 1.Dg3? [2.De3/Da3] Tf3/Lf3 2.D:e5/Df2 mit Grimshaw-Verstellungen auf f3 scheitet an 1.- L:d8!, daher 1.De8! [2.Db5/Tb5/Lb4] Tc6/Lc6 2.Sb7/L:b6 mit Grimshaw auf c6. In b) scheitert 1.De8? an Ld5!, jetzt löst 1.Dg3 mit reziprokem Wechsel von Verführung und Lösung.

Franz Sackmann

Deutscher Schachbund 1923

1. Preis

wKb3, wDa8, wLg4, wSe4f4, wBc2f3f5h2, sKh4, sTd2h6, sLc5, sSb2g8, sBd3g6

#3 (9+8)

Franz Sackmann (12.7.1888-22.2.1927) stammte aus dem oberbayerischen Rosenheim, verbrachte aber einen wichtigen Teil seines Lebens in der Pfalz. Hermann Weißauer, bei dem es sich ähnlich verhält, portraitierte Sackmann 1994 in einer Fischbacher Clubzeitung und schrieb dabei u. a.: Schon früh fand Sackmann zum Schachspiel; seine besondere Liebe galt dem Problemschach, wo er in zwei Dezennien (ab 1906) Außerordentliches geleistet hat. Die größten Anregungen verdankt er den Vorkämpfern der neudeutschen Schule Kohtz & Kockelkorn sowie Meister Fritz Köhnlein aus Nürnberg. Sein Gebiet waren Drei- und Mehrzüger sowie die Endspielstudie. Die Zahl seiner Aufgaben (über 300, davon ca. 1/3 Endspiele) kann man als klein bezeichnen, dafür besaßen sie jedoch eine hervorragende Qualität: scharfe Idee, blendende Konstruktion, meist schwieriger Lösungsverlauf. Gleichzeitig zeigte sich bei ihm eine außergewöhnliche schriftstellerische Begabung: Schon als 17jähriger Student war er Mitarbeiter beim Akademischen Monatsheft für Schach, redigierte dann den Problemteil der Süddeutschen Schachblätter (ab 1908) und der daraus hervorgegangenen Deutschen Schachblätter (bis 1911). Bereits nach einjähriger Mitgliedschaft wurde er vom Akademischen Schachklub München zu seinem Präsidenten gewählt; an dessen berühmter, 1911 erschienenen Festschrift hatte er maßgeblichen Anteil. Auch heute noch bedeutet es einen besonderen Genuss, einen Aufsatz von ihm über ein Problem- oder Endspielgebiet nachzulesen (z. B. "Die Bauernumwandlung in T oder L als Studienidee" im Teplitz-Schönauer Kongressbuch 1922). Mit seinen Aufgaben beteiligte er sich an vielen Turnieren mit großem Erfolg: So errang er z.B. im Problemturnier des Deutschen Schachbundes 1923 in allen Abteilungen (2-, 3-, 4-Züger) den ersten Preis. Für besondere Verdienste erhielt er 1924 die Medaille des Deutschen Schachbundes. - Soweit Hermann Weißauer, der vor einigen Jahren an einer Sackmann-Biographie arbeitete, dieses Projekt aber aufgeben musste, da doch ein recht hoher Anteil der Sackmann-Probleme inkorrekt ist und ihm die erforderlichen Korrekturen zu aufwendig oder unmöglich waren. Aber sehen wir uns jetzt noch einen der ersten Preise aus dem Problemturnier 1923 an: 1.Da1! [2.De1+ nebst 3.Sg2#]; 1.- Sd1 2.Dh8! ~/Se7 3.S:g6/D:h6#. Der Springer schließt die Horizontale, öffnet die Diagonale für die weiße Dame. Verteidigt sich Schwarz antikritisch mit 1.- T:h2, dann folgt 2.Dh1! und Schwarz kann sich nicht mehr gegen 3.Sg2# wehren. Durch Damenopfer wechselweise Ausschaltung der schwarzen Türme von der Deckung der Mattfelder.

Todesfälle

Am 24.6.2013 verstarb Elisbeth Gamsjäger aus Wien. Von schwerer Krankheit gezeichnet, hat sie sich vor gut einem Jahrzehnt zunächst als Löserin engagiert und in der Folge auch einige Studien in der Schwalbe publiziert und dabei auch mindestens eine Auszeichnung erhalten. - Im Juniheft noch konnten wir Peter Heyl zum 75. Geburtstag gratulieren. Nun erreichte uns unmittelbar vor Redaktionsschluss die traurige Nachricht, daß er am 16.7.13 verstorben ist.


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