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Heft 227, Oktober 2007 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Zunächst sei an drei 50. Todestage erinnert: Der amerikanische Komponist Burney Marshall komponierte hauptsächlich Zweizüger im damals modernen Good-Companions-Stil. Zusammen mit A. C. White und Edgar Allen stellte er das zweibändige Sketchbook of American Chess Problemists zusammen, in dem viele amerikanische Komponisten vorgestellt werden und das 1942 in der von White, nachdem dessen Christmas-Serie 1936 ihr Ende fand, 1941 neu begründeten Overbrook-Serie erschien. Marshall (9.8.1886-4.9.1957) verstarb vor 50 Jahren, ebenso wie Gyula Neukomm (22.4.1892-9.10.1957), der, als die ungarischen Problemisten sich Mitte der 1930er Jahre zu organisieren begannen, dabei gleich eine führende Rolle spielte und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeitweise auch die Führung der Ungarischen Problemgesellschaft übernahm. Nachdem auf ungarische Initiative die Problemkommission der FIDE (PCCC) sich 1956 in Budapest konstituierte, wurde Neukomm zu deren erstem Präsidenten gewählt. Als Komponist befasste sich Neukomm insbesondere mit 2#, 3# und vorzugsweise mit Hilfsmatts, zu deren Pionieren er zählt. In seinem hier reproduzierten Hilfsmatt von 1928 gibt es zwei D-Umwandlungen und D-Opfer zu sehen: 1.g5 b7 2.g4 b8D 3.g3 D:g3 4.e3 Dg6 5.f:g6 f7 6.g5 f8D 7.g4 Df5 8.g3 D:c2 9.Tb1+ D:b1#.

Creassey Edward Cecil Tattersall (7.9.1877-26.10.1957) stellte die erste große Studiensammlung zusammen, die er 1910/1911 in zwei Bänden unter dem Titel A Thousand End-Games veröffentlichte; leider enthält das Werk keine Quellenangaben. Wie die deutschen Schachkomponisten mit Bayersdorfer, der Kurator an der Münchner Alten Pinakothek war, einen Museumsmann in ihren Reihen haben, so kann England dagegenhalten mit Tattersall, der als international bekannter Textil-Fachmann im Londoner Victoria and Albert Museum tätig war; 1931 gab er auch ein Werk über persische Teppiche heraus: The carpets of Persia; a bookfor those who use and admire them.

Leonid A. Issajew (24.11.1899-2.9.1932) komponierte in seinem kurzen Leben, das vor 75 Jahren endete, fast ausschließlich Zweizüger. Die nach ihm benannte weiße Linienkombination stellt eine Verknüpfung der Themen A und B dar, was anhand seines Pionierstücks demonstriert sei: Nach 1.Ta5! ist der wBd5 zweimal gedeckt, die Drohung 2.Lb5# verstellt eine der Deckunglinien, wogegen sich Schwarz durch Verstellung der wD-Linie verteidigen kann (Thema A). Die dabei auftretende Öffnung der wD-Linie nach b4 nutzt Weiß nun seinerseits, um durch Verstellung der bisherigen Deckungsfigur mattzusetzen (Thema B): 1.- Dd4/Dd3 2.Sd6/Tc5#. — Anderthalb Monate nach Issajews Tod wurde mit Dmitri Banny (18.10.1932-10.8.1997) ein weiterer bekannter russischer Zweizügerkomponist geboren, den man heute meist so schreibt: 1.A? a!, 1.B? b!, 1.! a 2.B#, 1.- b 2.A#. Dieser Wechselmechanismus erwies sich als sehr fruchtbar und findet bis heute immer neue Darstellungsmöglichkeiten.

Gyula Neukomm
Tijdschrift 1928
Nenad Petrovic
Magasinet 1954
2. Preis
Leonid Issajew
Sadatschi i etjudy 1928
h#9 (6+11) #3 (11+10) #2 (11+7)

Vor 100 Jahren geboren wurde Cornelis (Cor) de Feijter (5.10.1907-6.11.1988). Er gehörte neben John Selman, Jan Fischer, Jan Marwitz usw. zu den niederländischen Studienfreunden, die ab etwa 1930 recht aktiv wurden. De Feijter schrieb viele Artikel, die in der Tijdschrift, deren Studienteil er seit 1936 leitete, und anderen Zeitschriften erschienen; 1937 gab er ein Buch mit 80 eigenen Studien heraus. Schon 1934 versuchte er, eine niederländische Studienvereinigung zu gründen; das Projekt zog sich hin und blieb schließlich bei Beginn des Zweiten Weltkriegs auf der Strecke. In den 1950er Jahren unternahm er einen weiteren Versuch, der wieder nicht erfolgreich war - erst wenige Wochen vor seinem Tod wurde schließlich mit Gründung der Alexander Rueb Vereiniging voor Schaak-Eindspel-Studie (ARVES) sein langgehegter Wunsch realisiert.

Bror Larsson (1.10.1907-31.10.1966) war Redakteur der Tidskrift för Schack, gab 1951 gemeinsam mit Herbert Hultberg ein Buch Med fa pjäser heraus. Er komponierte überwiegend Hilfsmatt- und Märchenschach-Aufgaben. Nach Larssons Tod publizierte Walter Jörgensen 1968 in seiner Buchreihe eine Sammlung mit 160 Aufgaben Larssons unter dem Titel Swing med Caissa.

Mit Nenad Petrovic (7.9.1907-9.11.1989) kann eines der ganz großen Gestalter im internationalen Problemschach gedacht werden. Von seinen etwa 650 Kompositionen aus allen Bereichen wurden 121 in die FIDE-Alben aufgenommen. Im ausgewählten Diagramm droht nach 1.Dg1! 2.f3#. Verteidigt sich Schwarz durch beliebige Züge des Sf4, so folgt (1.- S~ bzw. Sh3) 2.f4+ S:g1 3.Lf2#, wogegen sich Schwarz fortgesetzt durch 1.- Sg2! wehrt; dann 2.Sc6+ K:c5 3.Lb4#; aber Schwarz hat noch eine Verteidigung dritten Grades: 1.- Sd5!! In dem verbleibenden "Zweizüger" wiederholt sich nach 2.Lb4! eine Verteidigung dritten Grades: 2.- Sd5~/Se3!/Sf4!! 3.f4/Td2/f3#. So eindrucksvoll sein kompositorisches Schaffen auch sein mag, Petrovics Hauptverdienst liegt aber wohl doch in seinem organisatorischen und publizistischen Schaffen: 1952 gründete er mit Problem die Zeitschrift, die unter seiner ununterbrochenen Leitung von 1959 bis zu ihrer Einstellung 1981 das offizielle Organ der PCCC war. An deren Gründung war er auch beteiligt und am Aufbau der PCCC wirkte er ganz maßgeblich mit. Nach Neukomms Tod 1957 wurde Petrovic Präsident der PCCC (bis 1962). Der Piraner Kodex für Schachkomposition ging ebenso auf seine Initiative zurück wie die Schaffung der FIDE-Alben, zu deren Herausgabe sich die PCCC beim Kongress in Piran 1958 entschied. Er selbst übernahm die Herausgabe der Alben, die erst nach seinem Tod in andere Hände überging. Josip Varga gab 1995 ein Buch (Velemajstor Petrovic) heraus, das neben einer Auswahl von 300 Kompositionenn auch umfangreiche biographische Informationen bietet, die leider aus sprachlichen Gründen für die meisten westlichen Leser kaum zugänglich sein dürften. Von Beruf war Petrovic Direktor einer international agierenden großen Baufirma, und so will es der Zufall, dass wir in dieser Spalte nicht nur der ersten beiden Präsidenten der PCCC gedenken, sondern nach George Teodoru in der Jubilar-Rubrik gleich noch einen im richtigen Leben als Brückenbau-Spezialist tätig gewesenen Problemisten haben.

An den Zigarrenmacher Karl August Mörtsch (31.10.1831-14.10.1907), der vor nunmehr 100 Jahren verstarb, wurde bereits im Kalenderblatt in Heft 221 anlässlich seines 175. Geburtstags erinnert, ebenso an den vor 150 Jahren verstorbenen Adolf Ferdinand Svanberg (1.10.1806-27.9.1857).

Vor 175 Jahren wurde Achille Campo geboren, der zu den Begründern des sizilianischen Schachlebens gehörte, das sich erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte. 1894/95 leitete er eine Schachrubrik im in Messina erscheinenden Giornale di Sicilia, durch die ein erster sizilianischer Problemkreis entstand. Campo komponierte mehr als 200 Probleme, gab 1887 eine 120 Aufgaben umfassende Sammlung heraus, der 1900 eine weitere mit 80 Problemen und 20 Studien folgte. Geboren in Palermo, kämpfte er 1860 als Offizier an der Seite Garibaldis in Sizilien. Über seine Lebensdaten herrscht in der Literatur keine Übereinstimmung; die hier genannten (10.9.1832-30.3.1910) stützen sich angeblich auf Einsicht in Originaldokumente und wurden im Internet gefunden (http://web.tiscalinet.it/ciaramella/scacchi/ scacchi_messina.htm). (GüBü)

Todesfälle

Günther Jahn
Die Schwalbe 1970
1. Lob
#9 (7+13)
Wie seine Familie Ende April telefonisch mitteilte, ist der bekannte Problemkomponist Günther Jahn (*22.4.1928) am 25. April dieses Jahres, kurz nach Vollendung seines 79. Lebensjahres, verstorben. Im Jahre 1956 übernahm er im Alter von 28 Jahren den Vorsitz des Schachclubs Wangen und führte die Mannschaft, selbst am Spitzenbrett spielend, von der Bezirksklasse bis in die Oberliga. Seine Liebe zum Problemschach kam durch das Lösen von Schachaufgaben aller Art und das Beteiligen an Löse-Wettbewerben immer stärker zum Durchbruch. Seine ersten Kompositionsversuche sind in der Süddeutschen Schachzeitung 1957 veröffentlicht worden. 1968 verabschiedete sich Jahn vom Partieschach und konzentrierte sich auf das Komponieren eigener Aufgaben. Insgesamt hat Günther Jahn rund 460 Probleme geschaffen, zahlreiche davon sind mit Preisen bedacht worden. Einige seiner Aufgaben wurden in die FIDE-Alben aufgenommen, dafür wurde er mit dem Titel eines FIDE-Meisters für Schachkompositionen ausgezeichnet. Jahns hauptsächliches Betätigungsfeld waren schwierige, orthodoxe Mehrzüger. Dies hatte ihm auch den Beinamen "Löser-Schreck" eingebracht. Zum Gedenken an den Komponisten sei nebenstehender Mehrzüger nachgedruckt. Das schachliche Lebenswerk des Verstorbenen ist in dem Buch "Schachproblem-Komponist Günther Jahn" von Godehard Murkisch zusammen gefasst. Das sehr empfehlenswerte Werk ist direkt beim Verfasser Godehard Murkisch (Herbartweg 3, D-37083 Göttingen) erhältlich. (Wilfried Seehofer)

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