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Heft 223, Februar 2007 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Zunächst sei an drei Problemisten erinnert, die vor 50 Jahren verstorben sind: Der ungarische Problemist Robert Darvas (16.7.1903–12.2.1957) komponierte bereits in den frühen dreißiger Jahren, wandte sich dann aber dem Bridgespiel zu, in dem er es bis zum Weltmeister-Titel brachte. Nach dem 2. Weltkrieg kehrte er zur Schachkomposition zurück, aber ausschließlich auf das Gebiet des Hilfsmatts. Ihm gelang die erste Darstellung des „aide complet", also eines vierphasigen h#2 mit drei thematischen Versuchen, in denen jeweils ein erster schwarzer, erster weißer oder zweiter schwarzer Zug fehlt, um das paratstehende Matt auszuführen (s. Diagr. 1: 1.–? Ld1 2.SG Lc2#; 1.f3 ? 2.f4 Lg6#; 1.Sd3 Kg2 2.? Lf3#; die Lösung lautet 1.Sd3 Le2 2.Se5 Sd6#).

1 Robert Darvas
Probleemblad, 95. TT 1954
Preis
2 Oldrich Duras
Cekoslovensky Sach 1931
2. Preis

3 Josef Krejcik
Tidskrift för Schak 1919
1. Preis

h#2 (5+7) #3 (6+8) Gewinn (5+4)

Oldrich Duras (30.10.1882–5.1.1957) gehörte Anfang des letzten Jahrhunderts zu den erfolgreichsten Turnierspielem und wandte sich ab ca. 1930 dem Problemschach zu; mit Erfolg, was auch in den FIDE-Alben dokumentiert ist, in denen er mit 17,5 erzielten Punkten vertreten ist. In seiner 2 droht nach dem Opferschlüssel 1.LeS! ein weiteres Opfer durch 2.De3+ f:e3 3.Lg3# mit Mustermatt. Drei weitere MMs folgen nach 1.– f:e5 2.S:e5 Kd2 3.Sf3#, 1.– h4 2.Ld4 nebst 3.Lf2# und 1.– Lh4 2.L:f4 3.Ld2# (Echo).

Der Wiener Dr. Josef Krejcik (22.1.1885–4.1.1957) war ein „Allround-Schachenthusiast", der nicht nur zu den besten österreichischen Spielern seiner Zeit gehörte, sondern auch organisatorisch (er war u.a. Gründungspräsident des österreichischen Schachverbands) und als Publizist (u.a. für die Wiener Schachzeitung) tätig war. Er wurde einem breiten Publikum bekannt durch seine beiden Schachhumoristischen Bücher 13 Kinder Caissens und Artige und unartige Kinder der Schachmuse (1924 bzw. 1925) sowie seine 1955 erschienenen, autobiographisch geprägten und mit Anekdoten angereicherten Betrachtungen Mein Abschied vom Schach. Die Studie 3 hielt Krejcik selbst für seine wertvollste Komposition: 1.Sc3! Te5 (1.– Tf5 2.S3e4+ Kh5 3.Sf6+ Kg5 4.Se6#) 2.S3e4+ Kh5 (2.– Kf5 3.Sd6+ Kg5 4.Sf7+ usw.) 3.Sd7!! Te7+ 4,Kf8! Te6 5.Kf7! Tg6 6.Sf8! Th6 7.Sf6+ Kg5 8.Se6+ Kf5 9.Sg7+ Kg5 10.Se4#.

Vor 100 Jahren geboren wurde Adriano Chicco (16.2.1907–30.8.1990). Chicco, beruflich als Staatsanwalt tätig, war nicht nur ein erfolgreicher Komponist, insbesondere auf dem Zwei- und Dreizügerfeld, sondern wurde auch als Schachhistoriker und als Redakteur bzw. Buchautor bekannt. Zwischen 1933 und 1954 leitete er (mit einigen Unterbrechungen) 16 Jahre die Problemspalte von L'Italia Schacchistica, von seinen Büchern sei hier das mit G. Porreca gemeinsam erarbeitete Dizionario Enciclopedico degli Scacchi (1971) erwähnt.

Am Neujahrstag 1907 wurde Marian Wrobel geboren († 25.4.1960). Er war einer der bedeutendsten polnischen Komponisten, der auch literarisch hervortrat mit einem Zweizüger-Buch (Tajemnice dwuchodowski, 1950, Neuauflage 1953) und seinem 1956 erschienenen Überblick über 100 Jahre polnische Schachkomposition (Sto lat polskiej kompozycji szachowej). Wrobel, der während seines Studiums Przepiorka kennenlernte und von ihm Anregungen erhielt, wurde etwa 1935 plötzlich von einer seltenen Krankheit befallen, die ihn weitgehend lähmte, wonach er sich sehr erfolgreich auf die Schachkomposition konzentrierte. Nach dem von Julius Buchwald betreuten und vom IPB (International Problem Board, Vorläufer der PCCC) eingeführten System errang er 1947 und 1949 den Titel eines Kompositionsweltmeisters. In seiner 4 gibt es das Satzspiel 1.– Ld3/Sf4 2.Sc3/Sf2#. Nach 1.Dd2! [2.Dd4#] folgen auf 1.– e5/S:f5 wieder die Satzmatts 2.Sc3/Sf4# (Paradenwechsel) und auf 1.– Ld3/Sf4 kommt jetzt 2.D:d3/T:f4# mit Mattwechsel.

4 Marian Wrobel
L'Italia Scacchistica 1948
1. Preis
5 Henry Turton
Ill. London News 6.IX.1856
6 Henry E. Kidson
London News 25.IX.1880
#2 (11+7) #3 (5+7) #2 (12+12)

Der Engländer James White (20.6.1835–17.1.1907), der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Wilhelm Steinitz aufwies, war zwar in erster Linie Partiespieler, komponierte daneben aber auch einige Probleme und betreute lange die Schachspalte des Leeds Mercury Weekly Supplement, in dem er insbesondere das seinerzeit etwas schief angesehene Selbstmatt propagierte. – An den vor 150 Jahren verstorbenen ersten ungarischen Problemkomponisten Jozsef Szen (9.7.1805–13.1.1857) wurde bereits in Heft 214 (S. 198) aus Anlass seines 200. Geburtstags erinnert.

Vor 175 Jahren wurde der Engländer Henry Turton (1832–1881) geboren. Er begann Anfang der 1850er Jahre, Probleme zu komponieren, gehörte 1854 zu den Gründungsmitgliedern eines Schachclubs und gab bald danach die Schachkomposition wieder auf, um sich seinem Beruf zu widmen. In seiner kurzen Schaffensphase, die in die von Grasemann als „Goldenes Zeitalter der Entdeckungen" bezeichnete Periode fiel, gelang ihm das im Diagramm 5 gezeigte Stück mit dem Manöver, dem fast ein halbes Jahrhundert später Kohtz und Kockelkorn in ihrer Studie Das indische Problem den Namen Turton gaben: 1.Lh8! (kritischer Zug des wL über g7 hinweg) b4 2.Dg7! (Besetzung des kritischen Felds durch die wD) Ta8 3.D:b2# (die vorgeschaltete wD zieht entgegen der anfänglichen Bewegungsrichtung des wL, nutzt dabei die dessen Deckung). (Gezeigt ist hier die Korrekturfassung von Palatz mit dem zusätzlichen wBg2.)

Auch der gleichaltrige Henry Edwin Kidson (1832–24.3.1910) hat unbewusst Pionierarbeit geleistet, gelang ihm doch schon 1858, also wohl auch noch im „goldenen Zeitalter", die Erstdarstellung eines Blockrömers – 47 Jahre bevor Kohtz und Kockelkorn überhaupt erst den Römer „erfanden" (siehe Nr. 247 im Breuer-Buch). Hier sei mit 6 ein späteres Pionierstück des Autors wiedergegeben: Nach 1.Te3! ist Schwarz in Zugzwang; 1.–Sc~ 2.Se4#, 1.– Sd6! 2.Sd3#; 1.– Sd~ 2.Sd3#, 1.– Sb4 2.Se4#. Verteidigung zweiten Grades und Zyklus AB-BA der Mattzüge, und das schon 1880!


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