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Heft 218, April 2006 voriges Heft nächstes Heft

Kalenderblatt

Der vor 100 Jahren verstorbene Amerikaner Benjamin S. Wash (26. 7. 1853–1906) gehörte schon vor mehr als 60 Jahren zu den weitgehend "vergessenen" Komponisten. A.C. White schrieb 1942, dass Wash angeblich mehr als 1.000 Probleme komponierte, aber das Heft, in dem er sie aufgezeichnet hatte, verlor, wonach nur ein kleiner Anteil wieder rekonstruiert werden konnte. Ob das ein Fall von verpasster Unsterblichkeit ist, werden wir wohl nie erfahren. – Einen vergleichbaren Verlust erlitt Leo Touhan-Baranowski, aber mit anderem Ausgang: In der Schwalbe 1954, S. 249/256 schrieb Hermann Albrecht einen ausführlichen, 33 Probleme enthaltenden Nachruf auf den am 27. April 1954 bei einem Motorradunfall ums Leben gekommenen Komponisten, der vor 100 Jahren geboren wurde – in manchen Quellen (Breuer-Buch, problem 1955) ist als Geburtsjahr 1914 genannt, was aber nicht recht zum Kompositionsdebüt 1923/24 passt. Das Geburtsdatum ist wie manches andere über die Lebensumstände des Autors in einem gewissen "Helldunkel" (Albrecht) verblieben (auch der Vorname!? – manche Quellen schreiben "Leon"). Vielleicht in Hamburg geboren und als Kind in Brüssel aufgewachsen, lebte er bis 1939 überwiegend in Warschau, wo er neben Wrobel zu den bedeutendsten 2#-Komponisten zählte. Nach einer durch die Kriegsumstände bedingten 16-jährigen Unterbrechung und dem Verlust seiner Schachaufzeichnungen lebte der im Worms und erlebte dort unter dem Pseudonym "Wormatius" eine zweite Schaffensphase, nachdem Albrecht ihm aus seiner 2#-Sammlung 75 seiner früheren Kompositionen wieder zugänglich machen und damit seine schon erloschene Kompositionstätigkeit wieder anfachen konnte.

1 Leo Touhan-Baranowski
Brit. Chess Mag. I/1933
1. Preis
2 Leo Touhan-Baranowski
Die Schwalbe 1952
3. ehr. Erwähnung
# 2 (11+9) # 2 (7+8)

In 1 aus der ersten Schaffensperiode gibt es nach 1.S:e3 [2.Sb7] die Schiffmann-Paraden 1.– D:d5 2.Sec4# (2.Sf5?) und 1.– D:c3 2.Sef5# (2.Sec4?) mit Dualvermeidung. – An 2 bewunderte Albrecht die Verführungskraft von 1.Kg2? [2.Dh3] Tb3/Tb4/Ta4 2.Dd5/Dd6/D:d7#, aber 1.– b1D!; Daher 1.Sd5! [2.Sf4] Tb4/Ta4/L:d5 2.Te7/Sc7/D:g6#

Erinnert sei auch noch an die 100. Geburtstage von Carl Becker (geb. 9.3.1906, Sterbedatum unbekannt), des dänischen Komponisten Poul Hage (16.3.1906–11.12.1984) sowie des Schweden Helmer Ternblad (10.4.1906–??), der u.a. Internationaler Preisrichter war und verschiedene Funktionen im schwedischen Problemistenverband ausübte.

Vor 125 Jahren geboren wurde Wassili N. Platow (24.3.1881–17.7.1952), der gemeinsam mit Troitzy und L. Kubbel einer der Begründer der sowjetischen Studienschule war. Viele seiner Kompositionen entstanden als Gemeinschaftsarbeit mit seinem Bruder Michail (5.6.1883–1940), gemeinsam gaben die Brüder 1914 in Moskau ihre Sammlung der Endspielstudien/Sbornik etjudow auf deutsch/russisch heraus (2. Auflage 1928 nur russisch), 1925 folgte von Wassili allein eine Sammlung 150 zeitgenössischer Studien. In 3 geht 1.c7? nicht wegen Tf8 2.b6 La5 mit Gewinn für Schwarz. Daher 1.h7+ T:h7 2.c7 Tg7+ und jetzt hangelt sich der wK nach unten mit 3.Kh5 Nicht 3.Kh6? Ld2+ 4.Kh5 Tg5+ 5.Kh4 Tc5 6.b6 La5 Th7+ 4.Kg4 Auf 4.Kg5 folgt Tg7+ (nicht 4.– Ld2+? 5.Kg4 Tg7+ 6.Kf3! Tf7 7.Ke2 Tf8 8.K:e2 und gewinnt) 5.Kh5 mit Zeitverlust; Weiß darf aber nicht mit 5.Kh4 fortsetzen wegen 5.– Le 1 + 6.Kh5 (6.Kh3? Tg3+ 7.Kh2 Tc3 –+) Th7+ 7.Kg5 Tg7+ usw. 4.– Tg7+ 5.Kh3 Th7+ 6.Kg2 Tg7+ 7.Kh1 Th7+ 8.Sh3 T:h3+ 9.Kg2 Tg3+ Oder 9.– Th2+ 10.Kf3) 10.Kh2! 10.Kf2? Ld4+ –+ 10.– Le5 11.c8D+ und W gewinnt.

3 Wassili & Michail Platow
Sbornik etjudowe 1914
4 Bruno Sommer
Die Schwalbe 1956
2. Preis
5 Thomas Taverner
YenowineNews 1889
1. Preis
Gewinn (5+4) # 4 (11+4) # 2 (10+6)

Ebenfalls vor 125 Jahren wurde der Niederschlesier Bruno Sommer (20.3.1881–19.11.1971) geboren, der mit ca. 30 Jahren zu komponieren begann und etwa 500 Aufgaben schuf – hauptsächlich neudeutscher Ausrichtung, daneben auch Rochadeprobleme und Retros. Er verfasste einige Aufsätze in der Schwalbe und anderen Zeitschriften und war zeitweise Lösungsbearbeiter im Deutschen Wochenschach sowie in der Schwalbe. In seiner 4 behindern zwei schachbietende sSteine sich gegenseitig, was durch Probespiele zu erhärten ist: 1.Kg5? L:e7!; 1.K:g6? S:e7!; 1.Lg4! [2.Lf3+ K:f5 3.e4#] 1.– Lc6 2.Kg5 L:e7+ K:g6 nebst 4.Lf3# oder 1.– Ta4 2.K:g6 S:e7+ 3.Kg5, 4.Lf3# Dieses Thema behandelte der Autor mehrfach; in der DSZ 1956, S. 124 präsentierte er es in einem kleinen Aufsatz, in dem auch diese Karl Fabel zum 50. Geburtstag gewidmete Aufgabe reproduziert wurde.

Schließlich sei noch an einen 150. Geburtstag erinnert. Thomas Taverner (28.3.1856–6.6.1928) erlernte das Schachspiel erst mit 28 Jahren (1884), widmete sich dann sofort dem Problemschach, ohne jemals Partiespieler gewesen zu sein, und wurde schnell ein sehr erfolgreicher Komponist, der überwiegend Zweizüger verfasste, daneben auch Schachspalten betreute und als Preisrichter tätig war. In seiner 5 liegt nach 1.Th4! Zugzwang vor, den Weiß auf gut-altenglische Art völlig dualfrei erledigt, darunter viermal durch K-Abzüge, die jeweils eine wLinie verstellen, nachdem S zuvor ein Fluchtfeld auf dieser Linie geblockt hat (Thema BII): 1.– Sc4/c5/d6/d:e6 2.Kg4/Kf2/Kg3/Ke2#


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