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Heft 282, Dezember 2016

 


Aktuelle Meldungen 649
Schwalbe-Tagung 2017 in Worms 652
Aufruf/Informationssuche zum 214. Thematurnier (Meerane-Thema) 652
Jahreshauptversammlung der Schwalbe in Güstrow am 1. Oktober 2016 653
Thomas Brand: Die Schwalbe im Internet 656
Bernd Gräfrath: Reaktionen auf "Schöne Ruinen" 657
Thomas Brand: Retro-Retraktoren 660
Bernd Schwarzkopf: Konstruktionswettbewerb beim Schwalbetreffen in Güstrow 663
Entscheid im Informalturnier 2013-2015, Abteilung Schachmathematik und Sonstiges 665
Entscheid im Informalturnier 2015, Abteilung Hilfsmatts in mehr als 3 Zügen 667
Entscheid im Informalturnier 2015, Abteilung Mehrzüger - Nachtrag 673
Peter Hoffmann: Das Babson-Universum: Einsichten und Aussichten 673
Bernd Gräfrath: Merkwürdiges aus Indien 676
Nicolas Dupont: Geschlagene Pronkinsteine in ökonomischen orthodoxen Beweispartien 677
Urdrucke 680
Lösungen der Urdrucke aus Heft 279, Juni 2016 690
Bemerkungen und Berichtigungen 701
Jörg Kuhlmann: Dreizüger-Revue (19): Nicht alle Wege führen zum Römer! 702
Hartmut Laue: Dies# fiel mir auf (9) 703
Turnierberichte 704

 

Das Babson-Universum: Einsichten und Aussichten
von Peter Hoffmann (Braunschweig)

Die Frage, wie man denn einen orthodoxen Echo-Babson komponiert, wurde in den Jahren 1983 bis 1990 auf (überraschend) vielfältige Weise beantwortet. Seitdem sind keine Urdrucke mehr erschienen, und so darf vermutet werden, dass kaum noch jemand an diesem speziellen, bis heute mit einem Mythos umgebenen, Babsontyp arbeitet. Interessanterweise wurde die Beschäftigung mit anderen Babsonkombinationen nie propagiert, obwohl Bestrebungen, alles Denkbare zu realisieren, im Problemschach nicht unbekannt sind. So erinnere ich mich an eine Zusammenstellung von Umwandlungskombinationen (Günter Glass: Umwandlungsrekorde im Serienzüger), welche mich 1985 motivierte, ein entsprechendes Stück zu verfassen. Abweichungen vom Standardecho wurden hingegen nicht systematisch verfolgt. In einem Brief Pierre Drumares an Leonid Jarosch vom April 1984 philosophierte PD nicht nur über den "Wert" der einzelnen Echovarianten (im Sinne einer Rangfolge), sondern auch über die Zukunft des Babson, erwähnte jedoch nicht einmal andeutungsweise die Möglichkeit, Umwandlungen anders zu kombinieren. Dazu passend das "Produktionsergebnis" (soweit bekannt) der Jahre 1912 bis 1982: Der großen Zahl an Optionen nicht entsprechend wurden lediglich neun Stücke veröffentlicht, die kein durchgängiges Echo zeigten, davon allein sechs mit dem Reziprokspiel DS-SD. Das im klassischen Babson auf die Spitze getriebene Prinzip des "Wie du mir, so ich dir", welches auch Partiespieler nicht kalt lassen dürfte, ließ wohl kaum Blicke in andere Richtungen aufkommen. Möglich, dass auch frühe Erfolge im Selbstmatt-Vierfachecho die Konzentration auf diesen Typ noch verstärkten.

Für die Babsonschrift auf www.berlinthema.de (Genaue Quelle: Peter Hoffmann (& Erik Zierke), 100 Jahre Babson-Task im orthodoxen Direktmatt - 100 Years: Babson Task in the Orthodox Directmate. März 2013, abgerufene Version vom 21.10.2016; http://www.berlinthema.de/Babson_docu.pdf). hat Erik Zierke Tabellen entworfen, die eine "ganzheitliche" Betrachtung des Themas ermöglichen. Unter den vielen Kombinationen befinden sich auch "zeitgemäße" mit reziproken oder zyklischen Abfolgen.

Dass auch weitere 4/4 Typen darstellbar sind, ist inzwischen nachgewiesen. Trotz des allgemeinen Interesses am Babson-Task stieß nur die zyklische Umsetzung auf besondere Aufmerksamkeit. Anderen Zyklen, so realisierbar, würde diese gewiss auch zuteil, doch es dürfte schwierig werden, überhaupt einen (beliebigen) neunten Babsontyp zu finden. Um so wichtiger erscheint die Erkundung des 3/4 Bereichs. Je größer der Fundus an diesen Stücken, desto weniger "weiße Flecken" auf der Landkarte und desto umfangreicher das Studienmaterial für den wünschenswerten Fall einer zukünftigen Arbeit, die eine Theorie des Babson-Task aufstellt. Ebenso wünschenswert, dass Komponisten, die Spaß an Umwandlungen haben oder einfach Task-Ambitionen, sich "infizieren" lassen und an der Aufstockung des 3/4 Fundus beteiligen. Auch diese Stücke sind bisweilen echte Herausforderungen, die zigfach dem häuslichen Prüfprogramm vorgestellt werden müssen ...

1) Peter Hoffmann

100 Jahre Babson-Task...
(Internet) 2016

wKd8, wDh8, wTc4h1, wLg7h7, wSd2f8, wBa4a6c5d6e5g3g6,
   sKd5, sTb7, sLc8, sBd3d4f2

#4 (15+6)

1: l.a:b7! f1=D 2.b:c8=T [3.D,Lg8+] Df7 3.D,Lg8 D:g8 4.L,D:g8#, 2.- Df8+ 3.D:f8 Ke6 4.Df7,Lg8# (Dual), 2.- Df6+ 3.e:f6 Ke5 4.Th5#, l.- f1=T 2.b:c8=L [3.Lb7#] Tf7 3.g:f7 Kc6 4.Le4#, 2.- Tf8+ 3.D:f8 Kc6 3.Df3#, 2.- Tf6 3.Lb7+ K:e5 4.Th5#, 2.- Kc6 3.T:fl Kd5 4.Lb7#, l.- f1=S 2.b:c8=D S:d2 3.Db7+ K:c4 4.Tcl# DT-TL-SD

2) Peter Hoffmann

100 Jahre Babson-Task...
(Internet) 2016

wKg6, wDa3, wTa4f5, wLd3g7, wSb8e8, wBb2b5b6d6d7e7f6g5,
   sKc5, sDf8, sLd5, sSb4, sBa5b7d4e2

#4 (16+8)

2: l.e:f8=D! e1=D 2.d8=L [3.Sd7#] De7 3.d7 Dd6/D:f8 4.D:d6/L:f8#, 2.- De8+ 3.D:e8 K:d6 4.De7,Lf8# (Dual), l.- e1=T 2.d8=T Te7 3.f:e7 K:b6 4.L:d4#, 2.- K:b6 3.Sd7+ Ka7 4.b6#, l.- e1=S 2.d8=D S:d3 3.Dc7+ K:b5 4.T:a5# DL-TT-SD

3) Peter Hoffmann

Die Schwalbe 1985

wKa7, wTe2, wLf5h8, wSh3h6, wBa6c4c6d5e3f3f6,
   sKe5, sLd8, sBg2

#4 (13+3)

3: l.c7! g1=D 2.c:d8=D D:e3+ 3.Db6 D:e2 4.f7,f4# (Dual), 2.- Dg7 3.f7 D:h8 4.De7,f4# (Dual), l.- g1=T 2.c:d8=T Tg7+ 3.f:g7 Kf6 4.g8=S# (2.c:d8=D? Tg7+ 3.f7/f:g7 Patt 1), 1.- g1=L 2.c:d8=L [3.Lc7#] L:e3+ 3.Lb6 Kd6 4.Sf7#, 2.- Kd6 3.Lb6 [4.Sf7#] Ke5 4.Lc7# (2.c:d8=D? Le3:+ 3.Db6 Patt 2) DD-TT-LL

Gibt es "schöne" Kombinationen?

Zweifellos werden Echo, Zyklus und reziprokes Spiel bevorzugt, wobei letzteres wohl am prägnantesten ungleiche Kräfteverhältnisse realisiert - paradoxe Wirkung auf den Betrachter nicht ausgeschlossen, vgl. beispielsweise DT-TD. Alle Kombinationen können jedoch interessante "Technik" und Motive beinhalten und manche so schwierig darzustellen sein, dass sie gerade deshalb eine besondere Attraktivität entwickeln. Auch Vergleich kann den Reiz erhöhen, siehe Nr. l und 2. In bestimmten Matrizen lässt sich das weiße Umwandlungsfeld (schemaerhaltend) spiegeln. Auf diese Weise ergeben sich zwischen den oben genannten Stücken vertauschte Fortsetzungen nach 1.- D/T, sodass DT-TL-SD ("Kraut und Rüben") zu DL-TT-SD (ebenfalls "Kraut und Rüben") "mutiert". Eine (gedankliche) Zwillingsbildung mit ästhetischen Effekten!

Wir bleiben bei derselben Matrix und beim Vergleich. Nr. 3 und 4 bieten Anschauungsmaterial hinsichtlich der erforderlichen Pattstellungen. Während 3 (DD-TT-LL) zwei "Pflichtpatts" aufweist, sind es in der 4, welche dieselben Umwandlungen zum Zyklus anordnet (DT-TL-LD), deren drei, da die Motive der T/L-Umwandlungen (Patt erreichen bzw. Patt vermeiden) nicht mehr in einem geschlossenen System aufeinander treffen und somit kein "Spareffekt" eintritt, wie dies bei den Verbindungen TT-LL oder TL-LT der Fall ist. (Eine Kopplung mit DS würde die Zahl der weißen Fehlversuche, die am Patt scheitern müssen, erhöhen, es bliebe jedoch im Unterschied zum genannten Zyklus bei nur zwei grundsätzlich verschiedenen Pattstellungen unter Beteiligung des schwarzen Läufers und Turms.) Vergleicht man den Materialaufwand beider Aufgaben, so deutet sich an, dass komplexe Pattkonstellationen potentiell mit Aufrüstung des weißen Materials verbunden sind. Dies nährt obige Vermutung, dass die weitere Ausdehnung des Babson-Universums im 4/4 Bereich gefährdet sein könnte und möglicherweise nur mit Umwandlungsfiguren, illegalen Stellungen oder gar illegalen Figurensätzen zu erreichen ist.

4) Peter Hoffmann

100 Jahre Babson-Task...
(Internet) 2013

wKd8, wDh8, wTd1h3, wLg7h7, wSa1f8, wBa4b7c5d3d6e5g3g6,
   sKd5, sLc8, sBf2

#4 (16+3)

4: 1.Sb3! f1=D siehe Nr. 1 sowie 2.- D:d3 3.Th4 D:dl 4.D,Lg8# (2.b:c8=D? D:f8+ 3.D:f8 Patt 1), l.- f1=T siehe Nr. 1 (2.b:c8=T? T:f8+ 3.D:f8, 2.- Tf7! 3.D,Lg8 Patt 2) (2.b:c8=D? Tf7 3.Da8+!, 2.- Tf8:+!), 1.- f1=L 2.b:c8=D L:d3 3.Da6 Ke4 4.D:d3# (2.b:c8=T? L:d3 3.Th4 Patt 3) DT-TL-LD

5) Peter Hoffmann

100 Jahre Babson-Task...
(Internet) 2016

wKb4, wDa4, wTa6d1, wLc2f6, wSf1h8, wBa5b5c3d3e6f4f7,
   sKh7, sTh1, sLg1, sSf8, sBd2e2f2h2

#4 (15+8)

5: 1.e7! e1=D 2.e:f8=L [3.d4+] De4+ 3.d4 D:c2 4.D:c2#, 2.- De7+ 3.L6:e7 K:h8 4.Th6#, 1.- e1=T 2.e:f8=D Te4+ 3.c4 [4.Dg7#] T:c4+ 4.d:c4#, 1.- e1=L 2.e:f8=S+ Kh6 3.Sg3 f1~{} 4.Ld4#, 1.- e1=S 2.e:f8=D S:c2+ 3.Kc5 Sb4/Sd4/Se3 4.Dg7# DL-LS-SD und DL-TD-LS

6) Walther Jörgensen

Die Schwalbe 1952

1. Preis

wKf8, wDc2, wTa7b1, wLd7g1, wSa1b4, wBb7d2e2e7g3g4,
   sKe4, sDh8, sTg7h7, sLc8h6, sSd3g8, sBb2e5g5

s#3 (14+11)

6: l.e8=L! b:a1=D 2.b:c8=S Da6/Dd4 3.Sd6+ D:d6#, 1.- b:a1=T 2.b:c8=L Ta6 3.L:a6 ZZ #, 1.- b:a1=L 2.b:c8=T Ld4 3.Tc4 ZZ #, 1.- b:a1=S 2.b:c8=D S:c2 3.D:c2 ZZ # (1.- L:d7 2.Dc6+ L:c6 3.Lg6+ T:g6#) DS-TL-LT-SD

Drumare klagte über die mangelnde Reichweite des Springers - eine Einschätzung, die sich sogar bei der von ihm entwickelten Matrix als falsch erwies. Die Vielfalt der realisierten Vierfachechos zeigt, dass Gleiches mit Gleichem vereinbar ist. Aus heutiger Sicht kann man, so merkwürdig das auch klingt, von einer "Babson-freundlichen" Umwandlungsfolge sprechen. Andere 4/4 Typen existieren, doch dies beruht auf der Erkundung einer einzigen Matrix, die sich als hochvariabel erwies. Schlussfolgerungen bezüglicher eher "günstiger" Umwandlungssequenzen lassen sich seriös hieraus nicht ableiten, es ist aber zu beachten, dass der einzelne Bestandteil "LD" insgesamt weniger verfügbar ist, da er in den bekannten Schemata mit schwarzem Sofortpatt nicht funktioniert. Möglicherweise passen manche der einzelnen Umwandlungspaare, die kein Echo bilden, besser zueinander als andere. Oftmals dürfte jedoch "konstruktive Überlastung" im Sinne einer Überforderung, viele Bedingungen gleichzeitig zu erfüllen, Ursache des Scheiterns sein.

Auch der Babson kennt "schwarze Duale" - im 3/4 Bereich. Werden diese durch DD ausgelöst, sind sie kaum vermeidbar, denn eine schwarze Damenumwandlung kann als Verteidigung in der Regel nicht ignoriert werden. Einen eher seltenen Fall (Turm/Springer, gefolgt von D) zeigt Nr. 5. Angesichts der Verwässerung (des beabsichtigten DL-TD-LS) lässt sich der Gewinn einer doppelten Typendarstellung unter dem Strich wohl kaum als Plus betrachten.

Wenn sich etwas über Jahrzehnte als nicht darstellbar erweist, stellt sich die Frage nach der Schwierigkeit. "Absolut" lässt sie sich nicht bestimmen, aber vielleicht näherungsweise "relativ". Dazu folgende Überlegung: Es gibt 96 3/4 Typen, deren vollständige Umsetzung wenig wahrscheinlich anmutet. So sind die noch nicht bewältigten Kombinationen TL-LS-ST (Zyklus) und TT-LS-SL (teilreziprok) reine Unterverwandlungstypen, die potentiell mit dem natürlichen DD einhergehen, was aber gleichbedeutend mit neuen 4/4 Babsons wäre und somit eher hypothetisch. Prognostizieren wir "ins Blaue hinein" 88 verschiedene Realisierungen (bei unverändert acht kompletten Babsons) und legen wir als Maß der Schwierigkeit das Verhältnis der Anzahl dargestellter Kombinationen zugrunde, so läge die durchschnittliche Schwierigkeit eines Vierfachbabson elfmal über jener eines 3/4 Typs.

Was könnte das nächste große Ziel sein?

Ein "umgekehrter" Babson (vgl. Nr. 6) würde vermutlich ähnlichen Ruhm erlangen wie Jaroschs Erstdarstellung. DS-TL-LT-SD ist eine atemberaubende Abfolge, die nebenbei auch doppeltes Reziprokspiel aufweist. Man meint André Chéron zu hören, der sich 1934 zum Babson Task äußerte: " ... wird wahrscheinlich nie realisiert werden". Wieviele Jahrzehnte werden wir darauf warten müssen??

P. S.: Wer es (voraussichtlich) noch schwieriger mag, möge sich an vollständigen Babsons versuchen, die aufgrund von LD-TS oder LS-TD vier (!) ganz eigenständige Pattstellungen erfordern ...


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