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Heft 227, Oktober 2007  

 


Aktuelle Meldungen
Endgültiger Entscheid im Jahresturnier 2003/04, Abt. Studien
Entscheid im Informalturnier 2006, Abteilung Zweizüger
Entscheid im Informalturnier2005/06, Abteilung Dreizüger
Karl-Fabel-100-Gedenkturnier
DM in Wiesloch: Arno Zude vor Piotr Murdzia
Fritz Hoffmann: Springerzug und Rösselsprung
Klaus Wenda: Anticirce-Proca-VRZ mit der Anschlussforderung r# in 1 Zug
Lösung der Aufgabe C aus Heft 224, S. 91
Werner Keym: Vier notwendige reelle Rochaden
Urdrucke
Lösungen der Urdrucke aus Heft 224, April 2007
Bemerkungen und Berichtigungen
Turnierberiche

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Karl-Fabel-100-Gedenkturnier
zugleich: 197. Thematurnier der Schwalbe
Preisbericht von Thomas Brand, Bornheim
Kurz nach Einsendeschluss sandte mir Turnierdirektor Günter Lauinger, ihm sei für seine wie immer hervorragende Unterstützung herzlich gedankt, anonymisiert die Beiträge zum Turnier in elektronischer Form zu: Etwas mehr als nur 17 Beiträge hatte ich doch erhofft; zum Glück stellte sich aber schnell heraus, dass es, was die Qualität angeht, doch ein, wie ich meine, sehr erfreuliches Turnier ist, besonders, wenn man berücksichtigt, dass es gerade bei Retros besonders schwierig zu sein scheint, Zwillingsaufgaben zu erfinden: ich hoffe, Sie werden mir, wenn Sie die Aufgaben studiert haben, in dieser Hinsicht Recht geben. Dies begründet auch meine ungewöhnliche "Großzügigkeit" bei der Vergabe von Auszeichnungen.

Teilnehmerliste:
Dmitrij Baibikov (15), Vlaicu Crisan (4g, 8g), Wolfgang Dittmann (12, 13), Andrej Frolkin (6g), Bernd Gräfrath (7), Zvonimir Hernitz (3), Eric Huber (8g), Werner Keym (9, 11), Andrej Kornilow (6g), Juraj Lörinc (14), Jörge J. Lois (17), René J. Millour (16), Roberto Osorio (10), Paul Raican (4g, 5), Klaus Wenda (1,2, 8g).

Nur zwei Aufgaben (Nr. 3 und 4) mussten wegen Unkorrektheiten ausscheiden, Günter Lauinger hat die Autoren bereits informiert.
Bevor ich zu den ausgezeichneten Problemen komme, kurze Bemerkungen zu den in diesem Bericht nicht berücksichtigten Stücken:

5 Bei solchen süßen Kleinigkeiten stört mich ein Nachtwächter, wie hier in b) der sBb2, ganz besonders.
6 Die b)-Fassung bringt bei gleichem Retro-Spiel nicht allzu viel Neues.
8 Für meinen Geschmack sehr uneinheitlich.
10 Recht interessant, aber meiner Meinung nach eher "Schachmathematik" als ein echtes Retro-Problem.
13 Nett, aber ohne besonderen Tiefgang.
17 Bekannte Königswanderungen in ziemlich schwerfälliger Stellung (z.B. Tb7).

Bei der Bewertung habe ich mich neben den üblichen Kriterien wie Tiefe des Inhalts und der retroanalytischen Gedanken, Originalität und auch der Form ebenso leiten lassen von der Art, wie die Phasen miteinander harmonieren, ohne einfach den Inhalt zu wiederholen. Darauf werde ich auch in meinen Kommentaren teilweise näher eingehen.

1. Preis (50 EUR): Nr. 16 von René J. Millour
Schon vor knapp 20 Jahren hat R.J. Millour erste Imitator-Retros veröffentlicht, bei denen nach den Schlagfeldern der fehlenden Steine gefragt wurde. Allesamt großartige, tiefsinnige und zu Recht stets hoch ausgezeichnete Probleme (siehe PDB P0004075, P0005375, P0006536 oder P1066800). Keines kommt aber in seiner Komplexität und Tiefe an die Nr.16 heran: Einmal (in diesem Turnier selbstverständlich) durch die Zwillingsbildung. Diese würde ich in einem Hilfsmatt-Turnier sicherlich bemängeln, nicht aber bei einem Retro-Turnier: hier wird nämlich eine Figur in ihrer Partieausgangsstellung durch ihr andersfarbiges Pendant ebenfalls in ihrer Partieausgangsstellung ersetzt - für eine Retroaufgabe also gar eine sehr attraktive Zwillingsbildung.

Nr. 16 René J. Millour
Fabel-100 GT 2007
1. Preis
  Nr. 11 Werner Keym
Fabel-100 GT 2007
2. Preis
  Nr. 7 Bernd Gräfrath
Fabel-100 GT 2007
3. Preis
Ergänze einen (10+12) #1 (14+7) Geringste Zahl (11+15)
Imitator, sodass jeder führende Stein nur auf (jeweils) einem bestimmten Feld geschlagen werden konnte!
b) wTh1 statt sTh8
b) sB –> e7 der Königszüge von Weiß?
Schlagschach
b) sSd7 statt sTd7

Dann kommt natürlich noch hinzu, dass in der vorliegenden Aufgabe auch der Imitator erst eingesetzt werden muss, was die Komplexität der Aufgabe weiter erhöht.

Hier sind auf diese Weise nicht einfach "nur" zwei nebeneinander stehende Aufgaben entstanden, sondern auch die inhaltliche Verbindung ist verblüffend, begeisternd: die Figuren, die in a) auf der b-Linie geschlagen werden, werden in b) auf der h-Linie geschlagen und anders herum. Dazu noch die knapp scheiternden Fehlversuche: Für mich der ganz eindeutige Sieger des Turniers, den wir sicherlich noch wiedersehen werden; im FIDE-Album beispielsweise!

Zur vollständigen englischsprachigen Lösungsangabe des Autors

2. Preis (30 EUR): Nr.11 von Werner Keym
Die minimale Stellungsveränderung führt überraschend zu einer entscheidenden Änderung der Retroanalyse, die dazu führt, dass nach dem "normalen" Matt in a) die Zwillingsfassung die drei „Bosheiten des Einzügers" (wechselnder Anzug, e.p. und Rochade(un)möglichkeit) zeigt. Sehr hübsch, sehr elegant und mit mehr Retro-Tiefe als viele andere Einzüger. Ein Stück, das auch Karl Fabel gefallen hätte!

Lösungsangabe des Autors:
Die wBB schlugen 9 mal. Femer geschah sBf3:Sg2. Ein wL auf sFeld bleibt als Schlagobjekt übrig. In Fassung a) war zuletzt sBf3:Sg2 Sh4-g2 möglich, früher wBe3:Figurf4 und sBe5:Lf4. Außerdem erfolgte sBa7?a1=X (daher 0-0-0 unzulässig), danach wB:X. Die Lösung ist LKe2#.
In b) ergäbe zuletzt sBf3:Sg2 und früher sBe5:Lf4 einen Schlagfall zu viel wegen des sBe7. Weiß zog zuletzt, und der einzige wZug, der einen vorhergehenden sZug erlaubte, war wBf2-f4, davor sB/3:Sg2. In diesem Fall war sBa:Lb-b1=X möglich und 0-0-0 ist zulässig. Die Lösung ist Lg4:f3 e.p. 0~0~0#.

In beiden Fassungen scheitern andere Zurücknahmen: nicht wKd1-e1? Kf2:Lg1 wegen illegalen L-Schachs; nicht wKd1-e1? Kf2:Sg1, da sBf3:Lg2 mit dem sL auf sFeld unmöglich ist. Der retroanaly-tisch wichtigste Stein ist der nicht vorhandene wL auf sFeld!
Einzüger mit den drei reellen Fabel'sehen Bosheiten (unüblicher Anzug, E.p., Rochade) sind sehr selten. Folgendes Problem ist die Erstdarstellung: W. Keym, Deutsche Schachblätter 1968, wKe1 Td2 Th1 La5 Le2 Sd5 Sf2 a4 b3 b5 b7 c4 c6 d3 - sKc1 Tb1 La1 b2 b4 (14+5), 1#; 1.b4:a3 e.p.! 0-0#.

3. Preis (20 EUR): Nr. 7 von Bernd Gräfrath
Selbstverständlich sind in Schlagschach-Retros Königsumwandlungen nicht neu (so z.B. W. Dittmann, The Problemist 1989 mit gleicher Forderung wie hier, siehe Dittman-Buch Nr. 68 (PDB P0002557) oder B. Gräfrath, 8835 feenschach 2003 (PDB P1067386) mit Zwillingsbildung und Frage nach der minimalen Zugzahl beider Könige): sie sind mit dieser Bedingung sogar gewöhnlich einfacher darzustellen als andere Umwandlungen, wenn der Umwandlungsstein noch schlagfrei ziehen muss.

Dennoch ist dies ein sehr originelles Stück - nicht nur wegen der hervorragenden Zwillingsbildung: die ist hoch thematisch, da dadurch der einzig fehlende schwarze Stein ausgetauscht wird, der schlagend ins weiße Lager (f1) eindringen muss. Und dazu sind sehr unterschiedliche Strategien von Weiß notwendig. Während a) noch relativ einfach ist, ist die notwendige weiße Strategie in b) deutlich komplexer, und im Ergebnis sehen wir die Dreifachkombination unterschiedlicher Arten von Königsumwandlungen.

Lösungsangabe des Autors:
Der wLf1 wurde von dem jeweils fehlenden schwarzen Stein geschlagen, der dann selber auf f1 geschlagen wurde. Drei weitere weiße Steine wurden geschlagen, um die schwarze Bauemstruktur zu erzeugen. Der letzte fehlende weiße Stein wurde auf h2 bzw. h1 geschlagen, um dem schwarzen Stein den Weg nach f1 zu ermöglichen, ohne vorher den wBf2 oder den wBh5 schlagen zu müssen.
In a) kann der sS relativ leicht auf f1 schlagen und so den wK befreien, der sich dann auf den Weg zum Schlagfeld c5 oder c6 machen kann. Die geringste Zahl der weißen Königszüge ist dann 8 (acht), und der wKa8 ist ein Phönix-König.
Eine mögliche Beweispartie: 1.Sc3 Sf6 2.h4 Sg4 3.Th2 S:h2 4.Sf3 S:f1 5.K:f1 d6 6.Sd4 f6 7.Sc6 b:c6 8.a4 Kd7 9.a5 De8 10.Sa4 Df7 11.Kg1 Ke8 12.Kh2 Le6 13.Kg3 Sd7 14.Kf3 Td8 15.Ke3 Dg8 16.Kd4 Lf717.a6 f5 18.Sb6 a:b6 19.Kc5 b:c5 20.a7 Se5 21.Tb1 Td7 22.a8K Kd8 23. Ta1 Le8 24.Tb1 Sf7 25.h5.
In b) mußte der fehlende sT über a4 und h4 nach h1, um von dort aus den wLf1 zu schlagen. Zu diesem Zeitpunkt darf der wBa2 nicht mehr auf der a-Linie stehen. Also muß sich dieser umwandeln, bevor sich der sT auf den Weg macht. Der wBa2 braucht aber freie Bahn, um nach a8 und wieder zurück zu kommen, ohne einen schwarzen Stein schlagen zu müssen. Also müssen a7:b6:c5 und b7:c6 erfolgen, während der wKe1 noch eingesperrt ist. Daher müssen für die drei Bauernschläge der fehlende weiße Turm und die fehlenden weißen Springer verwendet werden. Der sT braucht aber auf h1 ein Schlagobjekt, und dieses kann dann nur der umgewandelte wBa2 sein. Die einzige weiße Figur, die von a8 nach h1 gelangen kann, ohne einen schwarzen Stein schlagen zu müssen, ist ein weißer König. Also ging ein Ceriani-Frolkin-König von a8 nach h1 (was mindestens 12 Züge erfordert), und danach ging der Original-König von e1 nach a8 (was mindestens 14 Züge erfordert), mit Darstellung des Anti-Pronkin-Themas (wobei die thematische Figur ein König ist!). Die geringste Zahl der weißen Königszüge in b) ist dann insgesamt 26 (sechsundzwanzig).
Eine mögliche Beweispartie: 1.Sf3 d6 2.Sd4 f6 3.Sc6 b:c6 4.h4 Kd7 5.a4 De8 6.a5 Df7 7.Th3 Ke8 8.Tha3 Le6 9.Sc3 Sd7 10.a6 Sh6 11.Tb1 Dg8 12. Tba1 Se5 13.Ta5 Sef714.Sa4 Td8 15.Sb6 a:b616.Tc5 b:c5 17.a7 Td718.a8K Kd8 19.Ka7 Ke8 20.Ka6 Td8 21.Ka5 Tc8 22.Ka4 Ld7 23.Kb3 Kd8 24.Kc3 Le8 25.Kd3 Se5 26.Ke3 Sd7 27.Kf3 Sf7 28.Kg3 f5 29.Tb1 Ta8 30.Kh2 Ta4 31.h5 Th4 32.Kh1 T:h1 33.Ta1 T:f1 34.K:f1 Kc8 35.Kg1 Kd8 36.Kh2 Kc8 37.Kg3 Kd8 38.Kf3 Kc8 39.Ke3 Kd8 40.Kd3 Kc8 41.Kc3 Kd8 42.Kb3 Kc8 43.Ka4 Kd8 44. Ka5 Kc8 45.Ka6 Kd8 46.Ka7 Kc8 47.Ka8 Kd8 48.Tb1.

1. Ehrende Erwähnung: Nr. 15 von Dmitrij Baibikov
Nicht allzu schwierige Retroanalyse: Das Abzählen der Bauern-Schlagfälle zeigt, dass ein weißer und ein schwarzer Stein eingefügt werden muss. Dass beide dann genau so eingefügt werden müssen, obwohl sie anschließend sofort einen Platzwechsel vollführen, ist überraschend und hübsch. Die Zwillingsbildung vertauscht nicht nur zwei Steine, sondern auch die Zugnot. Ein sehr schönes Werbestück für klassische Retroanalyse.

a) +wLg4, +sTg2; Retro: 1.Tg1-f1 + De2-b5 2.Lf3-g4 Tg4-g2+ 3.Lg2-f3+ Kf3-f2 Lf1-g2+ etc.
b) +wBg4, +sSg2; Retro: 1.Tg1-f1+ Se3-g2 2.g2-g4+ Sg4-e3+ 3.Tb8-b5 b5-b4 4.Th8-b8 b6-b5 5.h7-h8T b7-b6 6.h6-h7 h7:D(T,L,S)g6 etc.
Antwort also: a) Ja b) Nein

Nr. 15 Dimitrij Babikov
Fabel-100 GT 2007
1. Ehrende Erwähnung
XVVV Nr. 1 Klaus Wenda
Fabel-100 GT 2007
2. Ehrende Erwähnung
VVX Nr. 9 Werner Keym
Fabel-100 GT 2007
3. Ehrende Erwähnung
Ergänze Steine! Hat der (12+13) #1 vor 6 Zügen,
Verteidigungs-
(4+16) Wie viele Felder
konnten die
(11+10)
sK im Verlauf der Stellungs-
entstellung nachweislich das Feld f3 betreten?
b) wTh1 <–> wDb5
rückzüger Typ Proca (ohne Vorwärtsverteidigung) Anticirce Cheylan
b) sTf3 –> f1
vorhandenen Steine höchstens betreten, wenn jeder dieser Steine kein Feld mehrmals betrat? b) wDd8 –> b8


2. Ehrende Erwähnung: Nr. 1 von Klaus Wenda
Ein wuchtig-barockes Stück mit dazu kontrastierend eleganten Rundläufen des wK unterschiedlicher Drehrichtung aus Anticirce-spezifischer Motivation: Der Weg des wK muss so gewählt werden, dass zuletzt jenes Repulsfeld des sT (a8 bzw. h8) besetzt ist, auf das der T nach dem Schlag auf dem Mattsetzungsfeld (f1 bzw. g1) zurück kehren müsste. Sehr gute Zwillingsbildung!

a) LKc4-c3 Ta8-e8+ 2.Kc5-c4 Sf8-d7+ (2.Kd5-c4? Tg8:Xc8/Tc8:Xg8+!) 3.Kd5-c5 Sc8-e7+ 4.Kd4-d5 Th8:D,T,L,Sg8+(Ta8) 5.Kc4-d4 (Ke4-d4?) Ta8:D,T,L,Sb8+(Th8) 6.b7-b8D,T,L,S vor 1.b:c8L(Lf1)#
b) 1.Kd4-c3 Th8-e8+ 2.Kd5-d4 Sc8-e7+ (2.Kc5-d4? Tb8:Xf8/Tf8:Xb8+!) 3.Kc5-d5 Sf8-d7+ 4.Kc4-c5 Ta8:D,T,L,Sb8+(Th8) 5.Kd4-c4 (Kb4-c4?) Th8:D,T,L,Sg8+(Ta8) 6.g7-g8D,T,L,S vor 1.g:f8S(Sg1)#
(Thematische Verführung in a): 1. bis 5. wie b) 6.b7-b8D,T,L,S ? vor 1.b:c8L(Lf1)+ T:f1(Ta8)!
Thematische Verführung in b): 1. bis 5. wie a) 6.g7-g8D,T,L,S ? vor 1.g:f8S(Sg1)+ T:g1(Th8)!
Typ Cheylan ist nötig, damit nicht z.B. 4.- Tb8:Xa8! verteidigt.)

3. Ehrende Erwähnung: Nr. 9 von Werner Keym
Laut Autor die Erstdarstellung einer Aufgabe mit dieser Frage, die zu einem originellen und retroanalytisch gewürztem Abzählspiel führt, bei dem nicht sofort ersichtlich ist, welche inhaltliche Relevanz die Stellungsänderung hat.

Lösungsangabe des Autors:
In beiden Fassungen betragen die Felderzahlen für den wK 1, T 1, Bc 2, Bg 1, Bh 1, sK 34 (wegen sO-0! g8, f8, e8, d8, c7, 6.-4. Reihe, h3, g2, h2, h1, g1), zusammen 40.
In Fassung a) besteht der thematische Fehlversuch in der Annahme, dass die D eine Originalfigur ist; in diesem Fall beträgt die Felderzahl für die D 40 (d8, c7, b8, 6.-3. Reihe, a2, g2, h2, h1, g1) und für den wL 19 (f1, g2, h1, 3.-6.Reihe), zusammen 59, und die Gesamtsumme ergibt nur 99.
In der Lösung ist die D eine UW-Figur, die durch sBc:Sb:Sa:Db1D entstand. Das ermöglicht die Gesamtsumme 100, nämlich entweder für die D 42 (mit c1 und b1 bei Schachschutz durch sSd1) und für den L 18 (ohne b3) oder für die D 41 (ohne g3) und für den L 19 (mit b3). Retroanalyse zu a): zuletzt 1.w0-0-0+, zuvor etwa Db6-d8 2.Le4-h1 Kh1-g1 3.Ld3-e4+ Kh2:Th1 4.Tf1-h1+ Db3-b6 5.T Dc3-b3 6.b3:Sc4 Se3-c4 7.T Sd1-e3 8.T~ Dc6-c3 9.T~ Dg2-c610.Lc4-d3 Dg1-g2 11.La6-c4 Kg2-h2 12.Lb5-a6 Dh2-g1 13.La4-b5 Dh1-h2 14.h2-h3 Kh3-g2 15.Tg1-f1 Dß-h1, vorher Lc6-a4, Dc4-b4-a3-a2-b1-c1-b1, a2:Db1D, a3-a2 und davor a2:Sb3 usw.
In Fassung b) ist die D eine Originalfigur und die Gesamtsumme beträgt 101, nämlich für die D 42 (mit f8 und e8 nach s0-0 und wS:Tf8) und für den L 19. Eine UW-D würde wie in a) nur zu 100 Feldern führen, da sie die Felder e8 und f8 nicht betreten kann; das ist hier der thematische Fehlversuch. Die Retroanalyse zu b) ist ähnlich wie zu a), aber ohne die Umwandlung des sBc auf b1.

Dem Autor, der auch Beweispartien für die Lösungen angegeben hat, kam es speziell auf die Lösungszahlen (100. Geburtstag, Turnierende zum 101. Geburtstag von Karl Fabel) an - gerade deshalb ein besonders passender Beitrag zu diesem Turnier.

Nr. 12 Wolfgang Dittmann
Fabel-100 GT 2007
1. Lob
  Nr. 14 Juraj Lörinc
Fabel-100 GT 2007
2. Lob
  Nr. 2 Klaus Wenda
Fabel-100 GT 2007
3. Lob
#1 vor 2 Zügen (7+5) Letzter Zug? (6+7) s#1 vor 3 Zügen (9+9)
Verteidigungsrückzüger Typ
Proca (ohne Vorwärtsverteidi-gung) Anticirce
b) wBa7 –> c7 c) wBa7 –> e2
d) ferner wKb4 –> a4
e) ferner sSh7 –> c8
a) Isardam
b) Vogtländer Schach
c) Patrol Schach
d) Mars-Circe
Verteidigungsrückzüger Typ Proca Anticirce
b) sLf6 –> a1

1. Lob: Nr. 12 von Wolfgang Dittmann
Hübscher All-Entschlag auf der Diagonale e8-a4, wobei ein Fünfling ganz besonders bemerkenswert ist. Allerdings ist die Zwillingsbildung nicht sehr elegant, aber was schlimmer ist: nach den einheitlich begründeten Schlüsseln ist das Spiel bereits zu Ende.

a) 1.Le8:Da4[f1]! Da6(c6,d7)-a4+ 2.Kb3-b4 - vor 1.Kb2# Die sD auf a6, c6 oder d7 kann das Schach im 2. Zug durch Besetzung des Repulsfeldes c8 aufheben.
(1.Le8:Tb5[f1]? Te5-b5+! und der sT deckt e1. 1.Le8:Sc6[f1]? Lb8-f4+! 2.Kb3-b4?? illegal.)
b) 1.Le8:Sc6[f1]! S bel.-c6+ 2.Kb3-b4 - vor LKb2# Der sS kann das Schach im 2. Zug aufheben: auf a5, d4, e5, e1, d8 durch Sperrung der L-Diagonalen, auf a7 durch Besetzung von c8, auf b8 durch entschlagenden Retrosprung auf ein Feld der L-Diagonalen.
(1.Le8:Da4[f1]? Da7-a4+! 2.Kb3-b4?? illegal. 1.Le8:Ta4[f1]? Ta6(7)-a4+! 2.Kb3-b4?? illegal. 1.Le8:Tb5[f1]? Te5-b5+! und der sT deckt e1.)
c) 1.Le8:Tb5[f1]! Ta(c,d,e,f,g,h)5-b5+ 2.Kb3-b4 - vor 1.Kb2# Der sT kann das Schach im 2. Zug durch Sperrung der L-Diagonalen aufheben.
(1.Le8:Ta4[f1]? Ta6-a4+! 2.Kb3-b4?? illegal. 1.Le8:Sc6[f1]? Lb8-f4+! 2.Kb3-b4?? illegal.)
d) 1.Le8:Ld7[f1]! L bel.-d7+ 2.Kb3-a4 - vor 1.Kb2# Der sL kann das Schach im 2. Zug durch Besetzung des Repulsfeldes c8 aufheben.
e) 1.Le8:Bb5[f1]! Sa7-c8+ 2.Kb3-a4 - vor 1.Kb2# Der sLg8 kann ausweichen. (1.Le8:Dc6[f1]? Dh1-c6+! 1.Le8:Dd7[f1]? Dd2(1)-d7+! LKb3-a4? Ld2-f4!)

2. Lob: Nr. 14 von Juraj Lörinc
Witzige Allumwandlung allein durch Bedingungswechsel. Dass auch bei solch "einfach" ausschauenden Stellungen der NL-Teufel immer wieder um die Ecke lugt, sieht man beispielsweise, wenn man sich anschaut, weshalb der sK nicht auf dem eigentlich viel hübscheren Feld a1steht?

a) Weiß im Schach: 1.- f2:Le1=S
b) Schwan im Schach: 1.g7-g8=L
c) Weiß im Schach: 1.- h2-h1=T
d) Schwarz im Schach: 1.a7-a8=D

3. Lob: Nr. 2 von Klaus Wenda
Hübsche Echomatts nach Rückkehr. Allerdings ist die Zwillingsbildung nicht besonders elegant (der versetzte Läufer dient in b) nur noch der NL-Verhinderung), und e.p.-Schlüssel sind im Verteidigungsrückzüger noch "brutaler" (weil einschränkender) als Schachgebote im direkten Mattproblem.

a) 1.b5:a6 e.p.[a2] a1-a5 2.Ke1:Bf2[Ke1] Lb8-h2+ 3.Kg1:Sg2[Ke1] - vor Lg6+ Lh2#
b) 1.e5:d6 e.p.[d2] d7-d5 2.Ke1:Bd2 Tb8-b1+ 3.Kc1:Sc2[Ke1] - vor 1.Sf6+ Tb1# (Ohne wLa1 in b) NL: 1.Ke1:Bf2 Lb8-f2 2.Ka1:Bb2 - vor 1.g6+)

Zum Schluss bleibt mir, mich bei allen Teilnehmern zu bedanken für die Aufgaben, deren Lösung, Prüfung, Kommentienmg und Reihung mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ebenso sei Wolfgang Dittmann und Günter Büsing für ihre Unterstützung bei der Vorbereitung des Turniers gedankt.
Mein ganz besonderer Dank gilt Frau Fischach-Fabel, der Tochter von Karl Fabel, die, wie angekündigt, großzügig Preise aus dem Nachlass ihres Vaters zur Verfügung gestellt hat: An den Autor des ersten Preises geht als persönlicher Sonderpreis das Taschenschach, auf dem Karl Fabel komponiert hat; alle Autoren der ausgezeichneten Stücke erhalten ein Buch von ihm.

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