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Heft 219, Juni 2006  

 


Stephen Rothwell: Die Schönheit der klassischen Endspielstudie
Entscheid im Informalturnier 2003, Abt. Zweizüger
Aktuelle Meldungen
Axel Steinbrink: Favoritensieg bei deutscher Lösemeisterschaft
Günter Büsing: Zum 75. Geburtstag von Josif Kricheli
Stephan Eisert: Réti-kulom
Werner Keym: Zweizügige Hilfsmattprobleme mit vier Rochaden
Peter Hoffmann: Irrungen und Wirrungen
Bernd Schwarzkopf: Patt als Rekordthema
Urdrucke
Lösungen aus Heft 216, Dezember 2005
Bemerkungen und Berichtigungen

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Entscheid im Informalturnier 2003 der Schwalbe
Abteilung: Zweizüger – Preisrichter: Sven Trommler, Dresden
(als Auszug im Internet)

Im Jahre 2003 wurden in Die Schwalbe 47 Zweizüger veröffentlicht. Diese kamen von 31 Autoren aus 14 Ländern. Anhand der Löserkommentare konnte man feststellen, dass die thematischen Vorlieben weit auseinandergehen. Die einen mögen die weißen Linienkombinationen, die anderen bevorzugen Buchstabenthemen. Für manchen Löser ist eine plausible Verführung wichtiger als der thematische Zusammenhang (noch dazu wenn dieser ohne zusätzliche Hilfe kaum erkennbar ist). Für manchen Komponisten ist die Verführung Mittel zum Zweck, um etwas Besonderes darzustellen. Damit ist schon vorweggenommen, dass der Preisrichter nicht allen gerecht werden kann. Doch ich habe versucht, ein ausgewogenes Urteil zu fällen. Die Vorgängerprüfung nahm ich erstmals selbst vor und verwendete dazu die von Udo Degener und seinem Team inzwischen auf 70023 Probleme angewachsene Albrecht-Sammlung.

Bei den beiden Aufgaben 11801 (Stojnic) & 11936 (Hoffmann) wurde vor allem der Schlüsselzug gelobt (Entfesselung der Schlüsselfigur, die eine Schiffmann-Parade ausführt). Eine der ältesten Bearbeitungen zu diesem Thema stammt von B. Postma: Parallèle 50; VI/1947: wKa8 Dd8 Td1 Tg4 Lc6 Lc7 Sa5 Sd3 Bb2 Bc2 Be4 Bf2; sKd4 Dh6 Tc4 Th4 La2 Lb8 Sd6 Bc5; 1.LdS! [2.Sc6] S~/Se4 2.Sf4/Le6. Bei 11997 (Seidel & Pachl) wurde bereits in der Lösungsbesprechung auf den Vorgänger von O. Stocchi hingewiesen. Die Grundzüge des in der 12000 (Mossiaschwili) verwendeten Schemas finden sich in dem nachfolgenden Problem desselben Autors wieder: Giwi Mossiaschwili, Makedonski Problemist, 5–6, Mai–Dezember 2001, #2, wKd7 Da4 Tc1c8 LfSg1 Sb5g4, sKd5 Th2 Lf2 Sb4g5 Ba5b6c4d3f7; 1.– Lg3/Le1 2.Sc3/Sc7; 1.T1c4? [2.Sc3] Sa2/Le1/Se4 2.Sc7/Td4/Le4, 1.– Lc5!; 1.T8c4! [2.Sc7] Sa6/Lg3/Se6 2.Sc3/Td4/Le4. – Doch nun zu den Auszeichnungen:

1. Preis: 11802
W. Djatschuk, Waleri Kopyl,
Mark Basistyi
2. Preis: 11732
Rainer Paslack
3. Preis: 11869
Andreas Witt
#2 v v v (10+13) #2 v v v (11+8) #2 v v (9+7)

1. Preis: Nr. 11802 von Wassyl Djatschuk, Waleri Kopyl & Mark Basistyi
Sowohl der Zyklus der Doppeldrohungen als auch die Rückkehr der Drohungen als Mattzüge sind zwar moderne aber auch bekannte Motive. Originell ist die Kopplung mit der fortgesetzten Verteidigung des schwarzen Springers. Die Verführungen sind plausibel und der Lösungszug nicht unbedingt naheliegend. Immerhin waren drei Komponisten vonnöten, um diese tolle Konzeption zu realisieren. – 1.Sd7? [2.Td1#A/Sf4#B] 1.– e5!; 1. Lg7? [2.Sf4#B/e4#C] 1.– Sf6!; 1.S:b3? [2.e4#C/Td1#A] 1.– La7!; 1.Dc8! [2.D:e6#] Sc~/Se5/Sd4 2.Td1#A/Sf4#B/e4#C.

2. Preis: Nr. 11732 von Rainer Paslack
Der vorhandene Nowotny auf d4 kann nicht genutzt werden, da Schwarz die Mattfelder c3 und c4 durch Dame bzw. Läufer deckt. In den Verführungen wird nun jeweils eine der beiden schwarzen Linien verstellt, dafür aber auch der Schnittpunkt d4 entblößt. Aus diesem Grunde kann Schwarz in den Verführungen mittels Turm bzw. Läufer parieren. In der Lösung erfolgen auf die Grimshawverstellungen Mattwechsel, die sich harmonisch in den Gesamtablauf der Aufgabe einfügen. Ich glaube, auf dem Gebiet der „schwarzen Linienkombinationen" gibt es noch einiges Neues zu entdecken. – 1.Sc6? [2.Dc5#] 1.– Td4!/Ld4!; 1.Sb3? [2.Dc5#] Td4 2.Sc3#, 1.– Ld4!; 1.Se2 [2.Dc5#] Ld4 2.d:c4#; 1.– Td4!; 1.Sf5! [2.Dc5#]Td4/Ld4 2.Se3#/Dg8#.

3. Preis: Nr. 11869 von Andreas Witt
Eine sehr interessante Bearbeitung der weißen Linienkombinationen, bei der mit einem Zyklus von Doppeldrohungen gearbeitet wird. Die beiden Verführungen scheitern jeweils an Thema A-Verstellung sowie Deckung des Mattfeldes. In der Lösung hingegen erfolgt ein Themawechsel zu Lewman-Paraden, da die Turm-Deckungslinie verstellt wird. Klar ist zwar, dass der abseits stehende Springer im ersten Zug ziehen muss, aber da beide Verführungen ebenfalls durch diesen ausgeführt werden, stört mich diese Tatsache nur wenig. – 1.Sd2? [2.Sb3#/Sc4#] 1.– Se3!; LS:e5? [2.Sc4#/Sc6#] 1.– Tg4!; 1.Sd4! [2.Sc6#/Sb3#] Tg4/Sf4(S:h4)/e4(e:d4) 2.D:e5#/De1#/D:g5#.

4. Preis: 11872
Wieland Bruch
5. Preis: 12054
Gerhard Maleika
#2 v v (12+10) #2* (9+7)

4. Preis: Nr. 11872 von Wieland Bruch
Wieland Bruch zeigt wieder einmal eine Neuerung im Bereich der weißen Linienkombinationen: Die Verführungen scheitern, da die von Weiß im ersten Zug freigelegten Linien nicht wieder verstellt werden dürfen. Die Mattzüge zeigen Thema B bzw. Thema BII. Die beiden schwarzen Türme sind für mich Ausdruck für die Schweißtropfen, die bei dieser Idee geflossen sein müssen. – 1.Kf8? [2.De5#] b:c2 2.Sc5#, 1.– Sf3!; 1.d6? [2.Td5#] Sf3 2.Sf6#; 1.– b:c2!; 1.Db8! [2.De5#] Sf3/b:c2 2.Sf6#/Sc5#.

5. Preis: Nr. 12054 von Gerhard Maleika
Ein erstaunlicher Zyklus, bei dem nach jeder Parade genau drei Mattzüge bereitstehen. Als außerordentlich angenehm empfinde ich es, dass wirklich nur die in der Lösung angegebenen Paraden existieren. Sehr oft erlebt man nämlich, dass sich der Löser unter vielen möglichen Zügen genau die richtigen Züge heraussuchen muss. – De5 = A, Dd4 = B, Sf6 = C, Sc7 = D, Lc4 = E, Lc6 = F: 1.D:g7! [2.D:f7#] 1.– Dc8 2.ABC#, 1.– Dc7 2.BCD#, 1.– Df6 2.CDE#, 1.– D:g7 2.DEF#, 1.– De5 2.EFA#, 1.– Dc6 2.FAB#.



Favoristensieg bei deutscher Lösemeisterschaft
Weltmeister Piotr Murdzia siegt klar in Rosengarten-Sottorf
Bericht von Axel Steinbrink, Duisburg

Die 30. Deutsche Lösemeisterschaft fand in diesem Jahr vom 21.–24. April in Rosengarten-Sottorf vor den Toren Hamburgs statt, wo Organisator Claus Czeremin mit dem Hotel Cordes eine sehr gut geeignete Unterkunft mit großem Turniersaal für dieses Jubiläumsturnier gefunden hatte. Vor dem Turnier wurde eine Wanderung in den Harburger Bergen durchgeführt, die aber wegen der widrigen Witterverhältnisse etwas abgekürzt wurde.
Dank der Teilnahme zahlreicher Löser aus dem norddeutschen Raum gab es mit 33 Lösern die beste Beteiligung seit 10 Jahren. Mit Andrej Kalinin aus Lettland, Jacek Stopa, dem Junioren-Sieger bei den letztjährigen Europameisterschaften aus Polen, und Marcel van Heerck aus Belgien konnten auch drei Neulinge aus dem Ausland begrüßt werden.



Die Zweizüger stellten für die Spitzenlöser noch keine Hürde dar. Lediglich Michael Pfannkuche (bei ihm schon fast traditionell) und Andrej Seliwanow mussten Punkteinbußen hinnehmen. Von den 11 Lösern mit maximaler Punktzahl blieben nach der Dreizügerrunde nur noch Piotr Murdzia, Vorjahressieger Eddy van Beers aus Belgien und Boris Tummes übrig; knapp dahinter Dolf Wissmann aus den Niederlanden und Arno Zude. Die für den ersten Tag abschließenden Studien brachten dem amtierenden Weltmeister Piotr Murdzia den Rundensieg und damit die Führung mit 44 Punkten knapp vor Eddy van Beers (43), Boris Tummes (42) und Dolf Wissmann (41). Schon etwas abgeschlagen Arno Zude (36) punktgleich mit Marcel van Herck.

Am Abend des ersten Tages gab es dann erstmalig ein Schnelllösungsturnier (30 Zweizüger mit jeweils l Minute Lösezeit). Sieger wurde hier Arno Zude knapp vor Michael Pfannkuche und Boris Tummes.

Der zweite Tag brachte mit den Selbstmatts bereits eine Vorentscheidung über den Titelgewinn: außer Piotr Murdzia konnte nur der Kompositionsweltmeister im Selbstmatt Andrej Seliwanow voll punkten. Selbstmattspezialist Frank Richter, der auch erstmalig teilnahm, landete in dieser Runde knapp dahinter. Damit blieb von den Führenden nach dem ersten Tag lediglich Eddy van Beers noch in Reichweite zu Murdzia. Auch die schweren Mehrzüger stellten für den Weltmeister keine Hürde mehr dar. In dieser Runde konnte nur Dolf Wissmann mit Murdzia mithalten, wobei ihm zu gute kam, dass ihm der erste Vierzüger bekannt vorkam, weil er, wie sich im nachhinein heraus stellte, bei der DM 1999 schon mal gestellt worden war. Damit war die Entscheidung über den Titel so gut wie gefallen. Die abschließenden Hilfsmatts waren dann ebenfalls alles andere als leicht, wobei der abschließende Hilfsmattfünfer (ein Original von Randolf Arnold) sogar von niemandem gelöst werden konnte.

Mit überlegenem Vorsprung wurde damit Piotr Murdzia bei seinem zweiten Auftreten bei der deutschen Lösemeisterschaft zum zweiten Mal Sieger. Auf dem nächsten Platz landete wie im Vorjahr Dolf Wissmann; dritter wurde Boris Tummes knapp vor Vorjahressieger Eddy van Beers. Punktgleich auf den nächsten Plätzen dann Arno Zude und Michael Pfannkuche, womit die deutsche Mannschaft bei der WM in Wageningen wieder in der gewohnten Aufstellung antritt. Den Einzelplatz bei der WM sicherte sich als Viertbester Deutscher Volker Gülke aus Lübeck.
Die Teilnehmer sehen der nächsten Auflage im April 2007 in Wiesloch-Baiertal mit Interesse entgegen.


Zum 75. Geburtstag von Josif Kricheli
Ein Gedenkblatt von Günter Büsing, München

Josif Kircheli
Schach-Echo 1985 (v)
h#4
b) sK —> b7
(2+12)
Der viel zu früh verstorbene georgische Kompositions-Großmeister Josif Kricheli (10.5.1931–22.9.1988), der mehr als 100 FIDE-Album-Punkte erzielt hat und als einer der erfindungsreichsten Komponisten seiner Zeit gilt, wurde nur 57 Jahre alt. Insbesondere im Hilfsmatt – einer Disziplin, die in der damaligen Sowjetunion als ideologisch suspekt eingestuft wurde – zählte man ihn trotz der dadurch bedingten Einschränkung zu den innovativsten Komponisten. In einem Brief, den ich einige Zeit nach Übernahme der Hilfsmattabteilung in Schach-Echo Anfang der 80er Jahre von Gerhard W. Jensch erhielt, legte er mir insbesondere zwei Hilfsmatt-Komponisten ans Herz, deren Kompositionen er besonders hoch einschätzte: Kricheli und Korponai. Leider verstarben beide sehr bald und viel zu früh; der einzige Beitrag, den ich von ihnen erhielt, war das nebenstehende Stück, das wegen der wD-Züge in der Fesselungslinie sicher interessant, aber doch wohl nicht zu Krichelis herausragenden Werken zu zählen ist. Neben der etwas gequälten Zwillingsbildung ist bedauerlich, dass der Schlüssel in a) die d-Linie verstellt, wodurch die Dualvermeidung 1.– Dd/f8 nur in einer Phase in Erscheinung tritt, a) 1.LdS Df8 2.h1T+ Df1 3.Tg1 Dd1 4.Tg7 Dh5#; b) 1.Lg2 Dd8 2.h1T+ Dd1 3.Kh8 Df1 4.Th7 Df8#. Hier soll aber nicht auf Krichelis Hilfsmatts eingegangen, sondern an seine phantastischen logischen Mehrzüger erinnert werden.

1 Josif Kircheli
Schach-Echo 1979
1. Preis
2 Josif Kircheli
Spartak-50 1985
2. Preis
FIDE-Album 1983–85 / 481
3 Josif Kircheli
W. Gebelt-JT 1984
1.–2. Preis
FIDE-Album 1983–85 / 501
#11 (8+12) #7 (3+9) #9 (4+7)

In 1 droht Weiß nach Abzug des Lg3 matt durch g4. Der Auswahlschlüssel 1.Lc7! schirmt gegenüber einem beliebigen Abzug des wL die sD zweckrein ab (1.L~? Lb7! 2.L:b7 De?!); ein erster Vorgeschmack auf die Verteidigungskraft der quasi in Brennpunktstellung stehenden sD, die sowohl die Diagonale a3-f8 als auch die 3. Reihe (nach b3-b2) und ggf. die a-Linie (nach D:a5) kontrolliert. Nach dem ersten Zug haben wir ein logisches Problem mit dem Hauptplan 2.Lf3 Lc6 3.Sg3+ Kh2 4.Se4+ Kh1 5.g4#, der noch an 1.– b2! scheitert. In einem komplizierten Vorplan muss die sD ausmanövriert werden, deren Stärke nach 2.La8/Le4/Lf3? Df8/De7/b2! deutlich wird. Daher erst die Sperre der 8. Reihe durch (römische) Lenkung des sL mit 2.Lb7! Lc8 und jetzt 3.La8! D:a5. Jetzt wäre nach 4.Le4!? Sc3 die sD abgeschnitten und Weiß könnte mit dem Hauptplan zum Erfolg kommen, aber Schwarz hat noch die Riposte 4.– Lb7! 5.L:b7 Da7!. Die muss erst in einem Zwischenplan ausgeräumt werden: 4.Lf3! Die Hauptplan-Drohung verhindert die Antwort Lb7, daher 4.– Dc3. Jetzt ist Lb7 keine Parade mehr, und 5.Lc6! lenkt den sL (wieder römisch) in der gewünschten Weise. Nach 5.– Ld7 6.La8! Da5 ist Weiß schließlich nach 7.Le4! Sc3 8.Lf3! am Ziel. – Ein strategisches Meisterwerk! befand PR Walther Jørgensen.

In 2 will Weiß auf der h-Linie mattsetzen, was mit zwei gestaffelten Vorplänen auch gelingt. Nach sofort 1.Td1? Da8! kontrolliert die sD alle Drohungen. Der Versuch, zunächst die Diagonale a8-h1 mit 1.S:g5+?! Kh6 2.Se4 zu verstellen, scheitert nach 2.– Kh5! noch am Fluchtfeld g4. Daher muss zunächst in einem weiteren Vorplan dieses Feld durch den sB geblockt werden. 1.Td3! g4 Jetzt muss erst der wT zurück nach d8: 2.Td5 Kh6 3.Td8 Kh7 und dann folgt 4.Sg5+ Kh6 5.Se4 Kh7 6.Td1 Kh6 7.Th1#.
3: Da der Hauptplan 1.Le8 mit der Absicht 1.– Kh7 2.Th1 Kg8 3.Th8# durch 1.– Ta1! vereitelt wird, muss zunächst die Stellung des wT verbessert werden; 1.Lb1! Kh5 2.Le7 Droht 3.Lg6+ nebst 4.Lf8# und zwingt daher den sK zurück. 2.– Kh6 3.Tg6+ Kh5 4.Tg3 Kh6 5.Lf6 Kh5 6.Lg6+ Kh6 7.Le8 Kh7 8.TH3+ 9.Th8#. Von dieser kristallklaren Komposition zeigten sich auch die Album-Richter beeindruckt und vergaben 11 Punkte!

4 Josif Kircheli
A. Baturin-MT 1984
!. Preis
FIDE-Album1983–85 / 513
5 Josif Kircheli
Loschinski-MT 1982
3. Preis
FIDE-Album 1980–82 / 550
6 Josif Kircheli
Probleemblad 1981
2. Preis
FIDE-Album 1980–82 / 559
#11 (7+4) #14 (5+11) #17 (6+12)

4: 1.Lf5+ Ke8 2.Le4 mit der Absicht 3.L:c6# reicht nicht, da Weiß keine Antwort auf 2.– f5,6 hat. Sofort 1.Lg4+? Ke8 2.L:f3 scheitert an 2.– T:c3! mit Fesselung des Lf3. Daher muss in einem Vorplan zunächst diese Parade ausgeschaltet werden. 1.Lf5+! Ke8 2.Te4+ Kd8 3.Ld4. Gegen die symmetrische Drohung Lf6 hilft nur die sD, was den Block auf c3 erzwingt: 3.– b:c3. Nach 4.Lf6+ De? 5.L:e7+ Ke8 6.Lc5+ (Rundlauf des wL!) 6.– Kd8 7.Td4+ Ke8 8.Ld7+! Kd8 hat Weiß seine Ausgangskonstellation so verbessert, dass der Hauptplan durchschlägt: 9.Lg4+ Ke8 10.L:f3 f5 (10.– T:c3??) 11.Lh5#.

Ein ganz besonderer Geniestreich gelang Kricheli mit 5. Der Hauptplan 1.Tag2 nebst 2.Tg1+ 3.T6g2# scheitert an e:f5! Daher muss der sBe6 weggelenkt werden. 1.Lg4! Kg1 2.Lh3+ Kh1 3.Lg2+ Kh2. Schnell erledigt ist 3.– Kg1? 4.Ld5,c6+ Kf1 5.Lc4,b5+. 4.Lf1+ Kh1 5.Le2 Kh2 6.Sd5! Die massive Drohung des wS, über f4 einzugreifen, zwingt den sBe6 zum Handeln. 6.– e:d5. Schneller geht es nach 6.– e5 7.Lf1+ Kh1 8.Lg2+ Kh2 9.Le4+ Kh3 10.Lf5+ nebst 12.Th2# bzw. 8.– Kg1 9.Le4+ 10.Se3+ 11.Tg1#. 7.Lf1 Kh1 8.Lg2+ Kg1 9.Lh3+ Kh1 10.Lg4 Kgl 11.Lf5+ Kh1 12.Tag2 13.Tg1+. Fünf kurze L-Schritte von f5 bis e2 – und dann das Ganze auch noch wieder zurück!! Das erinnert nicht nur an Loschinskis berühmtes h#5, sondern konnte auch kaum anderswo als in dessen Gedenkturnier so passend publiziert worden! Man mag sich fragen, was es in dem Turnier noch besseres gegeben haben kann. Jedenfalls gaben später alle FIDE-Album-Richter maximale Punktzahl – einer der raren 12-Ender im Album-Revier!

Der kurze Hauptplan: 1.Lc2+ Ka2 2.L:b3? scheitert in 6 an der Deckung durch die sD. Um sie wegzulenken, muss der wL weit ausholen, die ganze schwarze Mannschaft in Schach halten und besetzt dabei auch alle übrigen freien Felder der Diagonale b1-f5. Nach 1.Lf5+! Ka2 2.Td2+ Ka1 3.Tb7 versperrt er dem sT den Zugang zu f7 und zwingt Schwarz zu 3.– L:f2. Nach 4.Td1+ Ka2 5.Lb1+ Ka1 6.Ld3+ Ka2 7.Td2+ Ka1 8.TbS vereitelt er das Eingreifen der sD auf c3 und lenkt den sL nach 8.– Lb6, wo der seinerseits den sSa8 behindert (schwächer ist 8.– Tf5? 9.Td1+ Ka2 10.Lb1+ nebst 11.L:f5, 12.Ta5#). Es folgt 9.Td1+ Ka2 10.Lb1+ Ka1 11.Le4+ Ka2 12.Td2+ Ka1 13.Tb4 Dd7. Die erneute Verstellung des Tf4 verhindert jetzt 13.– T:c4 und lenkt endlich die sD von b3 weg. 14.Td1+ Ka2 15.Lb1+ Ka116.Lc2+ Ka2/D:d1 17.L:b3/Ta4#.

7 Josif Kircheli
Die Schwalbe 1980
1. Preis
FIDE-Album 1980–82 / 624
8 Kosif Kircheli
Deutsche Schachblätter 1985
2./3. Ehrende Erwähnung
FIDE-Album 1983–85 / 520
9 Josif Kircheli
Grasemann-GT
2. Preis
(Die Schwalbe 1988)
s#16 (4+8) #14 (4+4) #17 (4+13)

7: 1.Db5+? Ka8? 2.De8+ Kb7 3.Lc8+ K-8 4.L:g4+ Kb7 5.Lc8+ K-8 6.La6+ Lc8# ist der Hauptplan, der an 1.– T:b5 scheitert. Unter sBeschäftigung muss daher zunächst die 5. Reihe verstellt werden: 1.La7+ Ka8 2.Lc5+ Kb8 3.Db5+ Ka8 4.De8+ Kb7 5.Lc8+ Kb8,a8. Jetzt muss Weiß zunächst noch das Loch im Mattnetz flicken, bevor der Hauptplan greifen kann. Dazu muss der andere wL den Feuerschutz auf der 5. Reihe übernehmen: 6.Lf5+! Kb7 7.Db5+ Ka8 8.Da6+ Kb8 9.La7+ Ka8 10.Lg1+ Kb8. Nun ist die Durchführung des Hauptplans abgesichert: 11.Db5+ Ka8 12.De8+ Kb7 13.Lc8+ Kb8,a8 14.L:g4+ Kb7 15.Lc8+ Kb8,a8 16.La6+ Lc8#. Diesen Mechanismus hat der Autor später noch einmal im Achtsteiner 8 aufgegriffen: 1.Lf5+ Kb7 2.Db4+ Ka8 3.Da4+ Ka8 4.Db5+ Kb8 5.Da6+ Kb8 6.La7+ Ka8 7.Lc5+! Verstellt endgültig die 5. Reihe, 7.– Kb8 8.Db5+ Ka8 9.De8+ Kb7 10.Lc8+! D:c8 11.Db5+ Kc7 12.Db6+ Kd7 13.Dd6+ Ke8 14.De7#.

9: 1.Sb3? d4!; 1.La4? [2.Sc6] e3!; 1.Sc5!? K:a5!; 1.Sc6! Kb5 2.Se5+ Ka6 3.Sc5+ Ka5 4.Sb3+ Ka6 5.Sc6 Kb5 6.Sca5+ Ka6 7.Ld7! [8.Kc6] Sg4 (nicht 7.– Sf5? 8.Sb7) 8.Sc6 Kb5 9.Se5+ Ka6 10.Sc5+ Ka5 11.Sb7+ Ka6 12.Sc6 Kb5 13.Sca5+ Ka6 14.La4 Se5 15.Sb3 Sd3 16.Sd4 nebst 17.Lb5#. Preisrichter Klaus Wenda schrieb: Der eindrucksvolle Galopp der beiden Schimmel, bereichert durch den schönen stillen Zug 7.Ld7!, lenkt den Rappen zu zwei hintereinander geschalteten Dresdner Ersatzverteidigungen, die letztendlich das Matt auf b5 zulassen. Die Kraft der beiden Türme bleibt gebändigt. Teilelemente des Läufer-Springer-Spiels wirken vertraut, das Gesamtgefüge des Lösungsgeschehens ist aber originell und eigenständig einzustufen. Die Konstruktion genügt höchsten Ansprüchen. – Der im Oktober 1988 erschienene Preisbericht erreichte den Autor schon nicht mehr, uns so ist dieses schöne Stück wohl auch gar nicht mehr zum FIDE-Album eingereicht worden?

10 Josif Kircheli
Spartakiade 1975
1. Preis
FIDE-Album 1974–76 / 492

#17

(7+9)
10: Zwei Batterien sind auf den sK gerichtet, wegen der angegriffenen Hintersteine aber nicht scharf. Versuche, sich den Angriffen direkt durch 1.Td3/Lc5/Ld6? zu entziehen, scheitern an 1.– Le4/Tg5/Ta6! Daher muss Weiß erst seine Stellung verbessern mit 1.Sc2+ Kb3 2.Sd4+ Ka3 3.Sc4+ Ka4 4.Sb6+ Ka3. Jetzt ist die Verteidigung Ta6 ausgeschaltet, so dass nach Blockade des umwandlungsbereiten sBa2 durch 5.Sc2+ Kb3 6.Sa1+ Ka3 7.Ld6 mit Mattdrohung folgen kann. Der sErsatzangriff 7.– f5 sperrt die 5. Reihe, doch bevor dies zu Lc5 genutzt wird, muss der wSb6 wieder in sicheres Gelände zurückgeführt werden. Daher erst 8.Sc2+ Kb3 9.Sd4+ Ka3 10.Sc4+ Ka4 11.Sb2+ Ka3 12.Sc2+ Kb3 13.Sa1+ Ka3 und jetzt 14.Lc5. Schwarz hat nur die schlechte Verteidigung 14.– Tc6, die den sL verstellt, so dass endlich 15.Td3 folgen kann. Die Drohung 16.c4 lässt sich durch 15.– T:c5 nur noch um einen Zug hinauszögern: 16.Sc2+Kb3 17.c4#.

In der Zwischenzeit wurden einige Inkorrektheiten aufgedeckt: In Nr. 3 gibt es den Dual 5.Lg6 Kg7 6.Le8+ Kh~ 7.Lf6; Nr. 4 ist nebenlösig mit 1.Lg4+ und Nr. 9 ist unlösbar wegen 7.– Lh7! (Dagegen würde z.B. einzusätzlicher sBg6 helfen).

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