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Heft 215, Oktober 2005  

 


Thomas Brand: Karl Fabel 1905–1975
Fritz Hoffmann: Urania vor 25 Jahren
Stephan Eisert: Zu gut für gut
Werner Keym: Zum Valladao-Task
Chris. Feather: Hilfsmatts im Vexierspiegel (XII)
Aktuelle Meldungen
Kurzbericht vom PCCCC-Kongress
Löse-WM 2005 in Eretria (Griechenland)
Entscheid im Informalturnier 1998, Abteilung Dreizüger
Preisbericht zum 194. Thematurnier der Schwalbe
Peter Hoffmann: Vom Echo zum Zyklus
Urdrucke
Lösungen aus Heft 212, April 2005
Bermerkungen und Berichtigungen

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236
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240
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Zum Valladao-Task
von Werner Keym, Meisenheim
Günter Büsing gewidmet
"Im Jahre 1966 schrieb Joaquim Valladao Monteiro in der brasilianischen Zeitung O Globo ein Thema-Turnier aus, zu dessen Erläuterung die Aufgabe Nr. 1 diente. Es sollten Zweizüger verfasst werden, deren Lösung die drei Spezialzüge Rochade, En-passant-Schlag und Umwandlung enthalten." So beginnt der informative Artikel "Der Valladao-Task" von Hanspeter Suwe in der Schwalbe (April 1973, Heft 20). Darin stellt er nicht nur entsprechende Probleme vor, sondern schrieb auch ein Thema-Turnier zum Valladao-Task (2#, 3#, n#, Studien) aus, dessen Entscheid im Oktober 1974 (Heft 29) erschien.

Beim Studium dieser Valladao-Probleme fielen mir zwei kleine Schwächen (vor allem bei Zweizügem) auf: a) der Umwandlungszug ist dualistisch (B wird D oder L bzw. D oder T; siehe Nr. 1); b) auf den gleichberechtigten Einfach- oder Doppelschritt des (schwarzen) Bauern folgt der undifferenzierte (weiße) Bauernschlag (siehe Nr. 4). Daraus ergaben sich für mich einige Fragen: Gibt es tadellose Valladaos ohne diese Schwächen? Existieren Valladaos vor der Nr. 4 von 1961? Geht es auch in der Miniatur? Dabei beschränke ich mich in meinem Beitrag auf Probleme mit den drei reellen Spezialzügen in der Lösung, nicht in Satz oder Verführung, und zwar ohne Märchensteine oder -bedingungen.

1
Joaquim Valladao Monteiro

O Globo 1965
2
Alexej Troitzky

Deutsche Schachzeitung 1909
3
John F. Keeble

The Problemist FCS 1936
#2 (9+5) Weiß nimmt 1 Zug
zurück, dann Matt in 3 Zügen
(13+15) h#3 0.1.1... (4+5)
1: 1.g4! [2.a8D,L#] h4:g3 e.p./La2/L:d3 2.h8D,T/0-0-0/0-0-0#. – 2: Weiß nimmt 0-0-0 zurück. Davor erfolgte der Zug a7-a5, der allein einen vorhergehenden weißen Zug ermöglicht, nämlich a6:Db7. Dieser schon vor 1909 verwendete Mechanismus für den Beweis des Bauern-Doppelschrittes findet sich auch in Nr. 8 und 14. Zurück 0-0-0!, vor 1.b5:a6 e.p.+ b5 2.L:b5+ Kd8/Kf8 3.b8D/b8D,T#. – 3: 1.– e5:d6 e.p.! 2.0-0-0 d6:e7 3.Tf8 e7:f8D,T#.

Erstdarstellungen
Vermutlich ist der Rückzüger Nr. 2 von 1909 das erste Problem, das den seit 1966 mit dem Namen "Valladao" bezeichneten Task bewältigt. Den Umwandlungsdual (2.– Kf8 3.b8D,T#) kann man vermeiden, indem man Tf5 auf f8 und Bf4 auf f5 versetzt. – Bei den Hilfsmatts dürfte Nr. 3 das früheste sein: Nach 1.– e5:d6 e.p.! beweist Schwarz durch 0-0-0 a posteriori, dass der letzte schwarze Zug d7-d5 war und daher der e.p.-Schlag zulässig war. Wer kennt ein frühes "normales" Valladao-Hilfsmatt mit schwarzem Anzug?

Wahrscheinlich stammen das erste zweizügige und das erste dreizügige Valladao-Mattproblem von Ivar Godal (Nr. 4 und Nr. 6a). Nicht zu verhindern ist im Zugzwangproblem Nr. 4 nach e7-e6 oder e7-e5 der undifferenzierte Bauernschlag f5:e6. In Nr. 5 entfällt er; denn nach 1.0-0! droht 2.g6#, und dagegen ist f7-f6 keine Parade. – Im Dreizüger Nr. 6a funktioniert alles bestens: 1.Td1? scheitert am Schach durch 2.– T:e6+, und gegen die Drohung 2.T:d4# hilft nur e7-e5. Godal selbst veröffentlichte 1973 eine sparsamere Version (Nr. 6b): Position von Nr. 6a minus Bb5, Bb4, Sg8, plus wSa5. Gegenüber dieser Version ersetzt meine Fassung (Nr. 6e) zwei Offiziere durch einen Bauern (Meredith) und vermeidet den Schlagfall im Mattzug. Im Urdruck Nr. 7 folgen nach einer Schachprovokation die drei Spezialzüge unmittelbar aufeinander (vgl. Nr. 14), außerdem gibt es Umwandlungen in den Fehlversuchen – und das alles mit nur 9 Steinen.

4
Ivar Godal

Postsjakk 1961

5
Werner Keym

(nach I. Godal)
Urdruck

6a
Ivar Godal

Aftenposten 1962
#2 (6+4) #2 (6+6) #3 (8+7)

6c
Ivar Godal
1962
Fassung Werner Keym in
König & Turm 2005

7
Werner Keym

Urdruck
Hanspeter Suwe gewidmet

8
Werner Keym

Die Schwalbe 1072
#3 (8+4) #3 (5+4) Gewinn (10+15)
4: 1.0-0! (Zzw.) a1S/a1D,L/e6/e5 2.Tb2/f6/f5:e6/f5:e6 e.p.# Satz: 1.– Ld2+ 2.K:d2#. – 5: 1.0-0! [2.g6#] b1S/f5 2.Tc2/g5:f6 e.p.# 1.g6+? Se3 2.0-0#? unzulässig. – 6a/6b: 1.0-0-0! [2.T:d4#] e5 2.f5:e6 e.p.+ T:e6 3.g7:f8ßS# Nur 6a: 1.– Sf6 2.T:d4+ Sd5 3.T:d5# – 6c: 1.0-0! [2.Tf4#] e5 2.d5:e6 e.p.+ Te6 3.h8S# – 7: 1.Th5! [2.Th8#] g5+ 2.f5:g6 e.p. 0-0-0 3.a8D# 2.K:g5/Kg4/Kg3? g1D,T+! 1.T:g7? (g1D/T? 2.Tb8+ T:b8 3.a7:b8D,T#) Kf8! – 8: Es geschah wBh2 —> h8X ohne Schlagfall, daher zuletzt nicht sBh5:Xg4. Die sBB schlugen die 6 fehlenden wSteine. Zuletzt geschah f7-f5 f6:Sg7. 1.g5:f6 e.p.! [2.L:g6+/f7+] 0-0-0+ 2.Kf7 Le7 (2.– Kb8? 3.T:d8+ Sc8 4.T:c8+ K:c8 5.g8D,T+ Lf8 6.D,T:f8#) 3.K:e7 S:d5+ 4.Kf7S:f6 5.T:d8+ K:d8 6.e7+ Kc8 7.g8D,T+ S:g8 8.e8D,T#

Wahrscheinlich ist Nr. 8 die früheste Valladao-Studie, denn (ältere) Probleme mit der A-Posteriori-Bedingung und der Forderung "Gewinn" (z.B. von N. Petrovic) gelten nicht als Studien. Allerdings sind Stellung und Lösungsverlauf von Nr. 8 auch nicht gerade partiegemäß.

Sogar im Einzüger lässt sich der reelle Valladao bewältigen: In Nr. 9 ist Schwarz am Zug und in Zugzwang; Umwandlungsdual und undifferenzierter Bauernschlag sind hier wohl unvermeidbar. Dagegen ist Nr. 10 tadellos, aber Schwarz steht ja auch im Schach.

Tadellose Zweizüger
In den neueren Zweizügern mit den drei reellen Spezialzügen geht es meistens um Zweizügerthemen; der Umwandlungsdual spielt hier keine Rolle. Aber auch bei den Preisträgern der Valladao-Tumiere von 1966 und 1974 war der Umwandlungsdual unwichtig. In einem Fall, in Nr. 11, kann man ihn vermeiden, indem man Th8 auf f8 versetzt und so die dualistische Variante 1.– T:h2 2.d8D,T# weglässt. Bei der Mehrzahl der Valladao-Zweizüger jedoch lässt sich der Umwandlungsdual nicht verhindern. Meines Erachtens ist Nr. 12 der erste Valladao-Zweizüger ohne Schwächen: Nach 1.0-0! droht 2.Tel#, und das wird durch 1.– f5 oder Sc6, Sd5 Sd7 oder Sg6 pariert, aber nicht durch 1.– f6. Und warum genügt nicht 1.Kd1? Für mich ist dieser Meredith die Letztform des tadellosen Valladao-Zweizügers.

9
Werner Keym

König & Turm 2005
10
Werner Keym

Problemkiste 2005
11
Hercules Colonelli

O Globo 1966
TT. 3. Preis
#1 (13+2) #1 (10+5) #2 (11+8)

12
Jose Figueiredo

O Globo 1966
1. Ehrende Erwähnung

13
Werner Keym

Die Schwalbe 2005

14
Werner Keym

Hannoversche Allgemeine Zeitung 2005
#2 (8+4) #2 (15+6) #2 (9+13)
9: 1.K:d3/K:e5/c6/c5! 0-0-0/h8D,L/d5:c6/d5:c6 e.p.# – 10: 1.Kd3/Kd5/c5! 0-0-0/f7:e8S/ b5:c6 e.p.# – 11: 1.0-0-0![2.Se4#] e5/Tc8/T:h2 2.d5:e6 e.p./d7:c8S/d8D,T# – 12: 1.0-0! [2.Te1#] f5/Sc6 Sd5 Sd7/Sg6 2.g5:f6 e.p./c8S/T1:f7# 1.Kd1,Kd2/Tf1? Sg6/Sc8! – 13: Es geschah sBh7 —> h1X ohne Schlagfall, daher zuletzt nicht wBh6:Xg7. Die wBB schlugen die 10 fehlenden sSteine. Zuletzt geschah c2-c4 Kc4-d4. 1.a4/b5:c4/K:c4/e2/g5? g8D 2.~ Dd5# Lb4:c3 e.p.! g8D 2.K:d3 0-0-0# – 14: Die wDoppelbauern schlugen die 3 fehlenden sOffiziere. Der wLc1 wurde auf c1 geschlagen. Die sBB schlugen die 6 übrigen wOffiziere, unter anderem sBa7:Xb6:Xc5, wBa2—>a7, sBb7:Xa6. Zuletzt b7:Xa6? würde den sLc8 aussperren. Zuletzt e6:Xd5? ergäbe zwei Schlagfälle zu viel. Zuletzt geschah g7-g5 g6:Xh7. 1.f5:g6 e.p.! [2.h8D,T#] 0-0-0 2.a8D#

Durch einen (retroanalytisch begründeten) En-Passant-Schlüssel lassen sich die drei Spezialzüge im Zweizüger sogar in einer einzigen Zugfolge einwandfrei darstellen: in Nr. 13 mit schwarzem Anzug, in Nr. 14 mit weißem. Vielleicht ist Nr. 14 das erste direkte Problem, in dem die drei Spezialzüge unmittelbar aufeinander folgen? Erst nach intensiven Bemühungen gelang mir dieser Task im Task, und zwar zuerst im Zweizüger mit dem unerwarteten Ergebnis, dass die notwendige Retroanalyse relativ unkompliziert und die Lösung selbst einfach ist. Im Zweizüger lässt sich eine andere Reihenfolge der drei Einzelzüge (z.B. wE.p.-Schlag, sUmwandlung, wRochade) vermutlich nicht darstellen. Der Lösungsmechanismus der Nr. 14 führte ohne Retroaspekt zum gefälligen Dreizüger Nr. 7.

Miniatur-Darstellungen
Die erste (tadellose) Valladao-Miniatur ist wohl der Verteidigungsrückzüger Nr. 15. Die erste direkte Matt-Miniatur (mit Mattdual und indifferenziertem Bauernschlag) ist wohl Nr. 16. Die Miniatur von Michael Mcdowell (Phenix 1988, wKe1 Ta1b2 La7 Bc5, sKc4 Bb7, #5) hat nach 1.0-0-0 b6 der groben Dual 2.c5:b6 oder e6 oder L:c6. Dagegen sind Nr. 17 (mit undifferenziertem Bauernschlag) dualfrei einschließlich des Umwandlungszuges. Nur in der Drohung und in einer diese Drohung ignorierenden Nebenvariante (2.Kc2 Kc4?) gibt es einen Dual.

15
Werner Keym

Problemkiste 2004

16
Nikolai Mironenko

Die Schwalbe 1975

17
Werner Keym

König & Turm 2005
Weiß nimmt 3, Schwarz 2 Züge zurück, dann Matt in 1 Zug VRZ Typ Proca (5+2) #3 (5+2) #6 (4+3)
15: Zurück 1.e5:f6 e.p.! f7-f5 2.Ka8:Tb7! 0-0+ 3.g4-g5 (davor T-b7), vor 1.c8D# – 16: 1.0-0! Zz Kg3/f6/f5 2.Dh5/g5:f6/g5:f6 e.p. ~ 3.Tf3/g8D,T/g8D,T# – 17: 1.0-0-0! [2.T:c7+ Kb4 (Kb3? 3.Td4 ... 5.Ta#) 3.Kc2 Kb5 4.Tb1+ ... 6.Ta#; 2.– Kb5 3.Kd2 Kb6 4.Tc2 ... 6.Ta2#] c5 2.d5:c6 e.p. Kc5 3.c7 d5 4.c8D+ Kd6 5.Te1 d4 6.Td7#; 2.– d5 3.c7 d4 4.c8D+ Kd5 5.Te1 d3 6.Td7# 1.– c6 2.d5:c6 etc. 1.– Kc5 2.Kc2! [3.Kb3 c6 4.Tb4 c6:d5 5.Tc1#] (2.Kb2/T:c7? Kc4/Kb6!) c6 (Kc4? 3.T:c7+ Kb5 4.Tb1 + s.o. Drohung) 3.Kb3! [4.Tb4] c6:d5 4.Tc1 + Kd4 5.Te7 (Zzw.) Kd3 6.Td1# 1.Td1? c6!

Mit der Widmung danke ich Günter Büsing für seine mehrfache schnelle Hilfe und vor allem für seine souveräne Schriftleitung der Schwalbe seit vielen Jahren. Mein Dank geht auch an Erich Bartel, Mirko Degenkolbe, Peter Heyl, Günter Lauinger, Frank Müller, Godehard Murkisch, Franz Pachl, Stephen Rothwell, Achim Schöneberg, Hanspeter Suwe, Günther Weeth und Gerd Wilts für freundliche Unterstützung. – Hinweise, Ergänzungen oder Berichtigungen sind stets willkommen. Die inhaltlich und historisch faszinierenden Beiträge zum Thema Valladao von Stephen Rothwell und Hanspeter Suwe im Heft 17 von König & Turm (September 2005) empfehle ich allen Interessierten.
Werner Keym
, Herzog-Wolfgang-Str. 15, 55590 Meisenheim.


Entscheid im Informalturnier 1998 der Schwalbe
Abteilung: Dreizüger Preisrichter: Roland Naier, CH-Muttenz
(als Auszug im Internet)
X
20 Probleme habe ich damals mit viel Interesse lösen und studieren dürfen, bevor ich wenige Wochen vor dem WCCC-Kongress 1999 in Israel durch eine lebensbedrohliche Blutvergiftung über Nacht "weg vom Brett' war. Dass dies der Beginn für eine langjährige, fast komplette Abstinenz vom Problemschach werden sollte, hätte ich mir nie vorstellen können; doch manchmal ändern sich Prioritäten und man gewöhnt sich sogar daran! Aber alte Liebe rostet nicht und deswegen darf ich jetzt auch meine letzte Altlast beseitigen:

2 der 3 Miniaturen von Ferad Kakabadze sind steingetreu durch J. Fritz vorweggenommen (9942: Zdravy problemove komise 1963 und 10119: Prace 1950 3. Preis) – ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Die Qualität der verbleibenden 18 Bewerbe ist von sehr beachtlichem Niveau, weshalb die Auszeichnungsschwelle einigerinassen hoch angesetzt werden darf. Trotzdem verbleiben 11 nennenswerte Aufgaben, nachdem ich noch 2 weitere Lob-Kandidaten aussortiert habe: 10120 (Stephan Gürtler): da dünkt mich der Vorläufer von E. Vissermann (Probleemblad 1974) doch wesentlich pointierter, auch weil er ohne verwässernde Nebenspiele auskommt. 10121 (Waleri Schawyrin): hat gewisse Originalität, aber vor allem der lediglich ein potenzielles Fluchtfeld deckende Ta4 verhindert eine Auszeichnung.

1. Preis: 9881
Gerd Rinder

2.Preis: 10006
Martin Wessels
3. Preis: 9882
Ivo Tominic
#3 (12+7) #8 (11+5) #3 (12+13)
1. Preis: 9881 von Gerd Rinder
Was für ein phantastisches, weiss-schwarzes Strategie-Spektakel mit Ränken a la "Spion gegen Spion": die einfache Bahnung 1.Le5? mit Vielfachdrohungen nach dem stillen 2.Dd6 scheitert noch an einem simplen Selbstblock, weil zuwenig weit gedacht/gebahnt. Die erweiterte Bahnung 1.Lf4!? verpasst aber die notwendige Überdeckung von d4 und erlaubt dadurch die giftige Konter-Offensive mit einer schwarzen Bahnung für die Fesselung der nun allein drohenden Dame. Erst die geniale Bahnungssteigerung 3. Grades entlarvt auf triumphale Weise das schwarze Gegenspiel als Weissauer-Bahnung – da geht alles Schlag auf Schlag, thematisch dicht verwoben und auf den Punkt gebracht! Höchst originell und faszinierend! – 1.Le5? [2.Dd6 und 3.Db4/Dc5/Dd4/Tc3#] S:e5 2.D:e5, aber 1.– Sh6!; 1.Lf4!? [2.Dd6] Sh6 2.Tc3+ Kd5 3.De5#, aber 1.– L:c6!! (2.Dd6 Dd5 3.Tc3+ Kd4!); 1.Lg3! [b4 2.Dd6 Kb5 3.D:b4#] 1.– L:c6 2.Df4+ Le4 3.Ld5# (2.– De4/L:f4 3.D:c1/Sa3#) (I.Lh2? D:h2!)

2. Preis: 10006 von Martin Wessels
Bei diesem selten gesehenen Lacny-Typus zeigt sich die Thematik komprimiert in der Drohung – nach schwarzen Selbstfesselungen mit natürlichen Fesselungsmatts – und dann aufgefächert in 3 Varianten, in denen dieselben, nun vorgezogenen Verteidigungszüge wegen Selbstblocks die Drohmatts zyklisch verschoben als Zweitzug ermöglichen – intern gestaffelt nennt sich das. Wie in der famosen Erstdarstellung von Hans Peter Rehm (1. Preis Die Schwalbe 1992) leider auch hier nur ein Pseudo-Stocchi, weil ein neutraler Block auf e5 nicht auch 2.Sc3+ zulassen würde. Gleichwohl eine eigenständige, eindrückliche und sparsame Bewältigung dieses schwierigen Vorwurfs. – 1.Lg4! [2.Tg5+ Le5/Te5/De5 3.Sc3# A/Lf3# B/D:d7#C] 1.– Le5 2.Lf3+ B Te4 3.L:e4#, 1.– Te5 2.D:d7+ C D:d7/Dd6 3.T:d7/Se7#, 1.– De5 2.Sc3+ A L:c3 3.Dc5#, (1.– D:c4 2.D:d7+, 1.– Se3 2.Sb4+, 1.– L:f6 2.S:f6+)

3. Preis: 9882 von Ivo Tominic
Und noch ein überzeugender Lacny-Zyklus, diesmal nach altehrwürdigem Muster. In Verführung und Lösung öffnet der Trippel-Einschlag auf d3 je nach Standort der weissen Dame deren sofortige oder späteren Wirkungslinien nach b4/c5/e5/f4, was durch einen hübschen 3/4-Läuferstern mit Liniensperrungen bekannt zyklisch genutzt werden kann. Ich schätze nebst den überraschend unterschiedlichen Drohungen insbesondere die geglückte Synthese der beidfarbig ausgelösten Linieneffekte. – 1.D:e3? [d:e4+ D:e4 3.D:e4#] 1.– c:d3 2.Le5+ A K:c5 3.D:d4# (b4), 1.– D:d3 2.Lc7+ B Td7 3.T:d7# (c5), 1.– e:d3 2.Le7+ C Td7 3.T:d7# (e5), 1.– f2!; 1.D:c3! [d:c4+ D:c4 3.S:e3#] 1.– c:d3 2.Lc7+B Td7 3.T:d7# (c5), 1.– D:d3 2.Le7+ C Td7 3.T:d7# (e5), 1.– e:d3 2.Le5+ A K:e5 3.D:d4# (f4), (1.– D:c3 2.S:e3+ Kd4 3. Sgf5#))


Vom Echo zum Zyklus
von Peter Hoffmann, Braunschweig
X

Während Leonid Jarosch seine Erstdarstellung des Echo-Babson nachträglich mit einem guten Schlüssel ausstatten konnte (1.a7!), dürfte dies bei der ersten Verwirklichung des zyklischen Babson (ohne Umwandlungsfiguren) nicht möglich sein. Dennoch freue ich mich natürlich, eine funktionierende Matrix gefunden zu haben.

1 Peter Hoffmann
Schach 2005
Tim Krabbe gewidmet
#4 (15+9)
Nach 1.L:c6! ergeben sich in 1 folgende Themavarianten: 1.– d1D 2.g:f8L [3.c8D,L+] Dd4+ 3.e:d4 K:f6 4.d5#, 2.– Dd7 (nicht parierend, aber thematisch) 3.c8D,L+ D:c8 4.b:c8D,L# (2.g:f8D? Dd4+! 3.e:d4 patt!); 1.– d1L 2.g:f8T! Zz Kd6 2.Dd2+ Kc5/K:c7/Ke6 4.Dd4/Dd8,a8S/5(6) Mattzüge (2.g:f8D,L? patt!; 2.g:f8S+? Kd6 3.c8S+ Kc5! 4.D:c2+ L:c2! 3.Dd2+ K:c7!); 1.– d1T 2.g:f8S+! Kd6 3.c8S+ Kc5/Kc7 4.D:c2/Se6# (2.g:f8D? Td4+! 3.e:d4 patt! (2.– Td7? 3.De8+!), 2.– g:f8L? Td7! 3.c8D,L patt! (2.– Td4? 3.e:d4!)); 1.– d1S 2.g:f8D! S:b2+ 3.D:b2 c1~ 4.De7/c8D,L#, 2.– Sc3+ 3.K:a5 [4.De7#] Sd5 4.c8D,L/Ld7# (2.g:f8L? Sc3+!).

In der zweiten Fassung (2) – mit dem absoluten Notschlüssel 1.S:a2! – finden sich in den Varianten 2.– Sc3+ 3.S:c3 Ke5 4.De7# und 2.g:f8T 3.– Kc7 4.Dd8# keine Mattduale mehr, doch wen wundert's,
dass diesem "Verlust" ein entsprechender "Gewinn" entgegensteht (2.– S:b2+ 3.Kb5/D:b2, auf letzteres nun 4 bzw. 5 Mattzüge und 2.g:f8L 3.– K:f6 4.d5/Dh6#).
Um so überraschender die fast dualfreien Hauptvarianten der 3, aber hier regieren die Nebenlösungen vollends – der weiße König muss im Schach stehen! 1.Kb4! (1.– e1L 2.f:g8T Ke6 3.Lb3+ K:d6/Kf5 4.c8D,T/Tf7#).

Das Schema ist sehr variabel. So sind z.B. das Versetzen des wK auf der 4. Reihe und andere Mattführungen nach der weißen Turmumwandlung interessante Optionen. Dass man nicht alles haben kann, könnte sich beim zyklischen Babson jedoch als dauerhafte Erkenntnis erweisen.

Wie im April-Heft 2005 beschrieben (S. 115), ist das Babson-Thema in seiner vollen Dimension noch längst nicht bewältigt. Hoffen wir, dass bis zum nächsten Fortschritt nicht erneut 22 Jahre vergehen.

2 Peter Hoffmann
Version zu 1 – Urdruck
3 Peter Hoffmann
Version zu 1 – Urdruck
4 Peter Hoffmann
Version zu 1 – Urdruck
   
#4 (16+7)   #4 (17+4)   #4 (16+9)

Nachtrag: Mit der 4 (1.d:e7) dürfte der bestmögliche Schlüssel erreicht sein. Allerdings ist die weiße Dame nur in einer Variante aktiv, dabei im 3. Zug dualistisch (2.e:f8T Kd6 3.Dg2,Dh1 Zz K:c7/K~ 4.b8D,L,Le5//Dd5#), und Ta7 wird nur für das Nebenspiel 1.– e:d1D 2.e:f8D,L Da5+ 3.T:a5 gebraucht. Auf 1.– d1S 2.e:f8D Sb2+,Sc3+ folgt jeweils 3.Kb3 und nach 2.e:f8S+ 3.Le5+


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