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Heft 208, August 2004  

 


Entscheid im Hans Peter Rehm – 60 – Geburtstagsturnier
Entscheid im 191. Thematurnier der Schwalbe
Erik Zierke: Belegverführungen für freie Satzspiele
Hauke Reddmann: Zur Systematik von Bruchs Linienöffnungen
Aktuelle Meldungen
Carsten Ehlers: Nachwuchs für das Problemschach
im deutschsprachigen Raum
Urdrucke
Lösungen aus Heft 205, Februar 204
Bermerkungen und Berichtigungen
Buchbesprechungen
Entscheid im Ergänzung zum Entscheid im Informalturnier 1997
der Schwalbe, Abteilung Märchenschach

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Entscheid im Hans Peter Rehm – 60 – Geburtstagsturnier
Preisrichter: Hans Peter Rehm

Abteilung 1: Orthodoxe Mehrzüger

44 Einsendungen sind für ein Mehrzügerturnier nicht zu wenig (bei einem einfachen h#2-Thema wären es sicher 200 geworden). Ich danke allen, die durch ihre Mitwirkung auch am zahlenmäßigen Erfolg des Turniers Anteil haben. Nur zwei Stücke waren inkorrekt. Mit der Qualität bin ich sehr zufrieden; besonders hat mich gefreut, dass mehrere Stücke mit interessanter Logik in der Verteidigung aufwarten, was zur Weiterentwicklung des logischen Stils beiträgt. Andererseits können die Autoren hier aber auch sicher sein, dass das gewürdigt wird. Auch die Qualität der Ehrenden Erwähnungen ist ungewöhnhch hoch. Gute Stücke nichtlogischer Art hätte ich aber auch gerne ausgezeichnet; solche wurden aber nicht eingesandt. Dem Tumierdirektor G. Büsing, der mir die Diagramme anonym in TeX-Ausdruck sandte und die meisten vorgeprüft hat, danke ich für seine Mühe.
(23) gefällt, aber das Spiel bringt zu wenig Neues im Vergleich mit einer Aufgabe von A. Johandl, 2. Pl. Österreich/Schweiz 1977, sodass das Stück in einem so guten Turnier ausscheiden musste. Was an (24) neu ist, ist kaum ein ästhetischer Fortschritt gegenüber älteren Darstellungen des Themas. (40) ist zu nahe an einer Aufgabe von Shinkman/Würzburg, Dt. Wochenschach 1912. Für einen Platz in Frage kamen noch einige mehr, die in einem schwächeren Turnier zum Zuge gekommen wären. Aber auch so ist die Auszeichnnugsquote für meine Verhältnisse schon recht hoch.

16 Marcel Tribowski
Berlin
HPR–60–JT – Abteilung 1
1. Preis
#5 (11+12)

1. Preis: Nr. 16 von Marcel Tribowski
Der Autor spricht von "weißem Elbethema" (= wBrunner-Dresdener und (verzögertem) Hamburger) in den Probespielen. 1.Da6? (1.– d:c4 2.D:c4#) Lb7 2.S:b7 d:c4! Die Lenkung des wS bewirkte, dass der für Schwarz schlechte weiße Angriff D:c4 zu einem für Schwarz guten Ersatzangriff des wS umgeschaltet werden muss (2.S:c5+), also klar weißer Dresdener. Wo aber ist der Hamburger? Auch die wD hat einen Ersatzangriff, der durch d:c5 eingeschaltet wurde, nämlich 3.D:g6+ (statt D:c4#). Das gehört zum Hamburger Gebiet, aber in einem schulgerechten weißen Hamburger müsste die Angriffsumschaltung durch Lenkung eines 2. weißen Steins passieren, wie etwa Tb6-b5, hier dient der ganze Zugkomplex Sb7-S:c5 d:c5 als Schaltmechanismus. Ob man das noch Hamburger nennen will, ist fraglich. Wie dem auch sei, ist das ein äußerst origineller Vorgang mit interessantem Umschalten der weißen D-Angriffslinien durch weiße Züge auf Grund schwarzer Initiative. Genau analoge Vorgänge im 2. Versuch 1.Db5? (1.– d:c4 2.D:c4#) Lc6 2.S:c6 d:c4 3.S:b4+ L:b4 3.Df5+. Wie es sich gehört, ist in den Proben die schwarze Planung erfolgreich, d.h. die Ersatzangriffe reichen nicht aus. Das Sicherungsspiel 1.Te1! [2.L:e2+ K:e3 3.Tf3+ Ke4 4.Ld1#] macht die schwarzen Mühen letztendlich vergeblich. 1.– T:h5 2.Da6! Lb7 3.S:b7 d:c4 4.S:c5+ d:c5 5.D:g6# und 1.– g:h5 2.Db5! Lc6! 3.S:c6 d:c4 4.S:b4+ L:b4 5.Df5#. Weiße Schaltmechanismen überzeugend darzustellen, ist äußerst schwierig. Hier in Doppelsetzung ohne Taskschwächen: für mich der klare Spitzenreiter. (1.– d:c4 2.Sc6, 1.– Df6 g:f6).

13 Dieter Werner
CH–Gy
HPR–60–JT – Abteilung 1
2. Preis
#5 (9+10)

2. Preis: Nr. 13 von Dieter Werner
Im Probespiel sehen wir ein weiß-schwarzes Echo: Weiß will mit 1.Ta1 2.Tc1 3.Tc4 den hinderlichen Bb4 umgehen (für Freunde der Terminologie: vollständige periantikritische Führung), aber Schwarz kontert mit demselben Manöver (Umgehung von Sf6 mittels 1.– Lh6 2.– L:f4 3.– Le5!). Dieser schöne optische Gleichklang von Angriff und Verteidigung setzt sich in der Lösung fort: 1.Lal! (Zugzwang) 1.– Lh8, wonach Schwarz nicht mehr kontern kann (2.Ta2 3.Tc2 4.Tc4 c:d4 5.L:f5#). Die Trockenheit
der Ausschaltung des schwarzen Erfolgsmanövers wird durch zwei gute Details gemildert: 1 . Der viel näherliegende Versuch, die T-Linie (ohne T-Opfer) einfach zu öffnen, scheitert nur an der Einschaltung eines neuen schwarzen Verteidigers durch Bivalve: 1.b5? Sg4,h5 (2.L:d5?) 2.T:d4+ L:d4 3.Ta4 S+. Diese Widerlegung hätte der Autor eindeutig machen können durch Zufügen von wBh4/sBh5, aber auch für meinen Geschmack ist das das B-Pärchen nicht wert, denn die Verführungskraft von 1.b5? wird dadurch nicht gesteigert. 2. Der Versuch 1.Lf7? Lh8, wodurch die Umgehung mit dem neuen Schaden 4.c:d4 ausgestattet wird.

39 Dieter Kutzborski
Stephan Eisert
Berlin/Salach
HPR–60–JT – Abteilung 1
3. Preis
#12 (5+11)
3. Preis: Nr. 39 von Dieter Kutzborski & Stephan Eisert
Eine feine Aufgabe mit lebhaftem Pendelspiel aller drei weißen Akteure in schöner Stellung. Der Autor notiert als Probespiel 1.Td4? Td7 (2.Ld8??) und will damit wohl sagen, dass die Führung des wL nach f4 schnittpunktschaffenden Charakter hat, also ähnlich wie eine kritische Lenkung des sT von d7 nach d9 wirkt. Das scheint mir aber doch etwas weit hergeholt. 1.Se2! Ke1 2.Sg3+ Kd1 3.Td4+ Ke1 4.Ld2 Kd1 5.Lf4+ Ke1 6.Te4+ Kd1 7.Se2 Ke1 8.Sc3+ Kf1 9.Td4 Td7 10.Ld6! T:d6 11.T:d6.

28 Roland Baier
CH–Muttenz
HPR–60–JT – Abteilung 1
4. Preis
#7 (11+11)
4. Preis: Nr. 28 von Roland Baier
Den Versuch 1.Tcb6+? K:c5 2.Tbc6+ K:d5! 3.T:d6+ Kc5 vereitelt die Deckung von d5 durch Sc3. Darum 1.g7! [dr. 2.g8D, auch später, dann vieles]. Gegen die D-Umwandlung helfen nur Wegzüge des Sc3 (außer d5, dort wird er von Dg8 geschlagen), mit der Absicht c4-c3 und dem Fluchtfeld c4. Nun gibt es 2 gute Hauptvarianten 1.– Sc~ 2.Tcb6+ K:c5 3.Tbc6+ Kb5! (3.– K:d5 4.T:d6+) 4.Tab6+ K:a5 5.Tc5+ d:c5 6.Ta6+ Kb67.Lc6# und 1.– Se4 (fortgesetzte Verteidigung, deckt c5) 2.Tab6+ K:a53.Ta6+ Kb5 4.Tcb6+ K:c5 5.Ta5+ L:a5 (oder Tb5) 6.Tbc6+ Kb5 7.La6#.Nach 6.K:d5 hat und braucht man das schnelle Matt 7.g8D#. ZweiPendelvarianten AB-BA mit je zwei verschiedenen pendelnden wSteinen habe ich nie vorher gesehen (sonst ist das ein Rössel, das hin- und herspringt und her und hin). Auch die Mechanik ist recht originell; diePendel dienen dem Freiräumen von a5/c5, damit dort geopfert/mattgesetzt werden kann; und das Opfer ist ein Räumungsopfer, das eine Deckung in eine Block verwandelt. Bei klarer und sauberer eindeutiger Drohung wäre ein noch höherer Platz möglich gewesen; aber es ist eher ein Wunder, dass es überhaupt gelang, zwischen den Varianten zu differenzieren.

18 Baldur Kozdon
Flensburg
HPR–60–JT – Abteilung 1
5. Preis
#2 (4+2)

5. Preis: Nr. 18 von Baldur Kozdon
Sie wundern sich, dass ein Sechssteiner heute noch bei starker Konkurrenz einen Preis erhält, zumal der Preisrichter nicht gerade als Miniaturenfan bekannt ist? Gründe dafür sind: 1. Miniaturen mit mehr als5 Zügen, w und sD, ohne Schlag der sD im Hauptspiel und nicht ständigem Schach muss man mit der Lupe suchen; mir fällt keine ein. 2. Miniaturen mit einem Pendelmanöver sind selten. Solche Argumente werden aber eher von speziellen Miniatur-Liebhabern vorgebracht, die Kleinigkeiten, nach denen bei ein paar Steinen mehr kein Hahn krähen würde, in den Himmel heben. In Wahrheit verdankt das Stück seinen hohen Platz dem geradezu unglaublichen stillen 2. wZug (bei freier sD) mit logischem Abdrängen der sD: 1.Df6+ Kg8 (Wegpendeln) 2.Lc6!!! Da,c7! (das Beste). Dg6+! Kh8! (Rückpendeln) 4.De8+ Kh7 5.Le4+ K:h6 6.Dg6#. Die 2. Rückkehr der D nach g6 und die Rückkehr von Le4 sorgen zudem für einen sehr gefälligen optischen Effekt, der ausgezeichnet zum Pendel passt. Nebenspiel 2.– Df7 3.Ld5 Kh7 4.D:f7+Kh6 5.Df8+ Kg6,h7 5.Le4#
Ideal wäre, wenn 1.Lc6? ein Probespiel wäre, das nur am schwarzen Patt nach Dh3+ scheiterte (und nicht auch an 1.– Dd4/De7+). Der Grundfür das Pendel wäre dann allein die Pattvermeidung. Bei nur 6Steinen ist das illusorisch; es scheint, dass es selbst mit 5-6 zusätzlichen Steinen nicht realisierbar ist.

Abteilung 2: Anticirce mit direktem Spiel und Märchenfiguren

Der Ertrag dieses Turniers ist exzellent, sogar noch besser als der von Abteilung 1. Ich danke allen Autoren, die mich mit soviel abwechslungsreichen Stücken hoher Qualität erfreut haben. Das Studium der Bewerbungen war ein seltener Genuss. Dass ich auf diese Forderung verfallen bin, hat mehrere Gründe. Einmal mag ich direkte Aufgaben besonders und unter den Märchenbedingungen Anticirce, das z. Z. bei Autoren und Lösern immer beliebter zu werden scheint. Anticirce scheint den meisten bei der ersten Begegnung schwer verständlich und unübersichtlich; mit einiger Übung aber gibt sich das schnell.
Märchenfiguren in Anticirce sind fast unerprobt, aber ich erhoffte große Vorteile: dieselbe Märchenfigur hat 8 verschiedene Rückstellfelder (je nachdem, auf welcher Linie sie sich befindet). Das versprach viel größere Flexibilität als bei den orthodoxen Steinen, wo K,D,L genau 1 und die restlichen Offiziere nur starre 2 Möglichkeiten bieten. Zudem können dieselben Felder als Rückstellfeld von schwarzen und weißen Steinen dienen, und in den besten Bewerbungen wurde der dabei auftretende Rückstellkonflikt genutzt. Meine Erwartungen werden durch das Ergebnis des Turniers glänzend erfüllt. Bisher habe ich wenig darauf geachtet, dass in Anticirce auch sozusagen ein Kamikaze-Effekt eingebaut ist: Beim Schlag verschwindet sowohl der geschlagene, als auch der schlagende Stein vom Schlagfeld. Diese Taktik wurde von mehreren sehr gut thematisch ausgebeutet. Es sieht so aus, als ob man mit Anticirce+Märchenfigur auf eine problemschachliche Goldader gestoßen ist, und der goldrush wird sicher bald einsetzen.
Andererseits war die Forderung auch eine ziemlich hohe Hürde: die oft schwer zu sehenden unerwarteten Effekte beim Nebenlösen führten zu zahlreichen Ausfällen. Zum Glück können die meisten Aufgaben heute durch Computerprogramme getestet werden. Statistik: 45 Bewerbungen, nach Abzug der inkorrekten (nebenlösig, unlösbar, zerstörende Duale) verblieben 26 zu beurteilen. Davon erscheinen 19 (!!) in diesem Bericht und alle verdienen eingehendes Studium. Eigentlich bin ich gegen die heute oft üblichen hohen Auszeichnungsquoten: nicht jede gut konstruierte und nicht völlig langweilige Aufgabe muss ein Lob erhalten. Hier aber ist die Qualität so hoch, dass alle Preise in normalen Märchenturnieren Anwärter für den 1. Preis wären, ehrenden Erwähnungen in anderen Turnieren wohl Preise erzielt hätten.
Darum habe ich mich entschlossen, 2 Abteilungen einzurichten: a) Aufgaben bis 4 Züge und b) längere Stücke. Diese Trennung ist hier ziemlich natürlich, da bis 4 Züge durchweg mehrere Themavarianten vorkommen, was bei den längeren Stücken selten ist. Einvariantige und mehrvariantige Stücke sind auch ästhetisch schwer zu vergleichen: Bei den einen kommt es mehr auf das Muster der Varianten und die Differenzierung an, während bei den längeren Stücken der Dynamik der Vorgänge (wie spätere Vorgänge von früheren abhängen) das Hauptaugenmerk gilt.

a) Aufgaben mit bis zu 4 Zügen

Einige Worte zur Ökonomie. Selbstverständlich sollen sowohl Anticirce, als auch die Märchenfiguren optimal genutzt sein: mindestens eine Rückstellung einer Märchenfigur sollte aktiv oder passiv eine entscheidende Rolle spielen. Passiv heißt: die Rückstellung kommt im Spiel nicht vor, aber ihre Möglichkeit widerlegt einen Fehlversuch oder erzwingt einen bestimmten Zug. Das ist manchmal (besonders bei Rückstellkonflikt) subtiler als eine ausgeführte Rückstellung. Außerdem verlangt die Märchenökonomie, dass keine Märchenfigur durch orthodoxe Steine ersetzt werden kann. Ich stelle fest: Ideale Märchenökonomie liegt vor, wenn alle Märchensteine des Diagramms an der Matrix des Themas beteiligt sind, also aktiv oder passiv am Themaspiel mitwirken. Diese sollte der Komponist immer anstreben, auch wenn sie sich oft nicht erreichen lässt. Man darf da aber nicht dogmatisch sein. Manchmal lässt sich ein Märchenstein nur eliminieren, indem die Position deutlich an Eleganz verliert, oder andere Mängel entstehen. Es ist dann abzuwägen (vielleicht auch eine Frage des persönlichen Stils), welches Übel man dann als das kleinere ansieht.

2 Hubert Gockel
Metzingen
HPR–60–JT Abteilung 2a
1. Preis
#2 (14+8)
Anticirce
= Grashüpfer

1. Preis Nr. 2 von Hubert Gockel
Auch ein "simpler" Reziprokwechsel kann einen Spitzenplatz erreichen, wenn wie hier Anticirce und die Märchensteine derart intensiv zu Mattdifferenzierung eingesetzt sind. Konstruktion, Eleganz und Klarheit (Abwesenheit von Nebenspielen) sind vorbildlich. Der Wechsel ist allein darin begründet, welcher von Bc2/g4 auf dem Brett bleibt. Besonders gefiel mir das s/w-Echo: In der Verführung 1.S:c2 (Sb1) [2.e3#] Te6 2.Tc3# (2.Sb3+? G:g3 (Gg1)), 1.– Kc4 2.Sb3# (2.Tc3+ G:h5 (Gh1)) werden die "falschen" Mattzüge durch Rückstellungsmöglichkeiten der sGG, in der Lösung der wGG (mit zusätzlichen spezifischen Umwandlungen) ausgeschlossen: 1.S:g4 (Sb1)! [2.e3#] Te6 2.Sb3# (2.Tc3+? c:b1D (Dd8)!!), 1.– Kc4 2.Tc3# (2.Sb3+ c:b1L (Lc8)!!). Die Rückstellkonflikte mit Farbwechselecho (auf g1 und h1, bzw. d8 und c8) sind deutlich intensiver als beim 3. Preis. Perfekt auch, dass das Verschwinden von Bc2 für eine Anticirceparade der Verführung sorgt 1.S:c2 (Sb1)? Tc2! (Das sieht man erst auf den zweiten Blick: 2.e3+ d2!!).
Ideale Märchenökonomie wäre erreicht, wenn die (notwendige) zusätzliche Deckung von c5/d5 durch orthodoxe Steine geleistet werden könnte, was vermutlich nicht zu machen ist.

2. Preis: Nr. 45 von Reto Aschwanden
Ein Kolossalgemälde, mit sinnverwirrender , aber bei genauem Betrachten sehr harmonischer Verwendung gewechselter Rückstell-Konfliktfelder, um nach dem Tripelgrimshaw auf e7 zu bewirken, dass die 2./3. Zugpaare zyklisch wechseln. Lösung:
Die Mechanik ist fein ausgetüftelt: Potentielle Mattzüge sind Tc3, Ld2 und Dd2, gegen alle wirkt zunächst noch der Sb3, (Tc3+ Sa1!), der also durch einen der Züge wegzulenken ist, wonach der zweite mattsetzen soll. Aus internen Gründen ist die Reihenfolge nicht umkehrbar, d.h. man will 1.Ld2+ S:d2(c1) 2.Tc3+, 1.Tc3+ Sa1 2.Dd2+ oder 1.Dd2+ S:d2 2.Tc3+ durchsetzen, was

45 Reto Aschwanden
CH–Winterthur
HPR–60–JT Abteilung 2a
2. Preis
#3 (16+13)
Anticirce (Calvet)
= Märchen-Turm
(Wesir-Reiter)
= L-T-Jäger
= Nachtreiter-T-Jäger

zunächst an Rückstellkonflikten auf d1, a1 (später auch c1) scheitert: Tc3+? und MT:a7 (MTa1) (oder NTJ:a5 (NTJa1)) hebt das Schach auf,weil für T:Ke3 das Rückstellfeld a1 belegt wurde (eben der Rückstellkonflikt). Ähnlich Dd2+ LTJ:d6(LTJd1) und Ld2+ würde durch eine Rückstellung nach c1 pariert. Als Schlüssel bieten sich zwei Züge zur Wahl an: a) 1.d7? (Rückstellkonfliktzüge LTJ:c5(c1), MT:d7(d1), NTJ:a5(a1). Nach b) 1.c6! sind dieRückstellkonfliktfelder der Märchensteine auf f8,g7,g8 zyklisch vertauscht LTJ:d6(d1), MT:a7(a1), NTJ:c6(c1). Damit ergibt sich automatisch der zyklische Wechsel, denn Weiß muss nach Doppel-Verstellung auf e7 die Spielführung wählen, bei denen die zwei Schachs geschehen, deren Rückstellparaden durch Verstellung unmöglich geworden sind. "Die technischen Schwierigkeiten waren enorm" schreibt der Autor, was ich gerne glaube. Daher waren einige Unebenheiten der Konstruktion der Preis für diesen Riesen-Inhalt. Jäger sind natürlich für das Thema nicht zwingend; sie erbringen, dass die Züge nach e7 die Drohung abwehren. Wenig stört mich, dass die Märchentürme f4, g4 nur für die Drohung erforderlich sind. Gravierender ist der NTJäger auf g6, der in den Themaspielen nicht mitwirkt. Aber er behandelt die technische Schwierigkeit, dass 1.c6 NTJ:c6 nicht widerlegt (2.Tc3+), weil das Ersatzmatt Sc4 bereit ist, das natürlich in den Themaspielen nach 2.Tc3+ nicht funktionieren darf. Noch mehr missfällt Tc8, der anscheinend nur die Paraden 1.– L:c6 (L:d7)?? illegal macht und sonst nirgends mitspielt. Der Autor wird sicher auch wissen, weshalb der Nachtwächter auf e1 nicht vermieden werden konnte. Kurz: Für Märchenökonomie kann keine gute Note vergeben werden.
X
3. Preis Nr. 4 von Juraj Lörinc & Reto Aschwanden
Die drei Schachs 1.TLb1+/LIe1+/FWa5+ werden durch Besetzen des Rückstellfelds mittels S:f4 (Sb8) durch eine Rückstellung(!) des Gegners pariert (Rückstellkonflikt). Zieht Weiß FWf4 weg, so hilft LLd5, weil nun Th8 nach b8 kann. Darum stellt Weiß seinen FW auf die 8. Reihe (fortgesetzter Angriff). Dazu gibt es 3 Möglichkeiten 1.FW:e5 (FWe8)? 1.– FWe3!, 1.FW:f5 (FWf8)? FWd3!, und 1.FW:f5!. Was passiert? Durch den Kamikazeeffekt werden genau 2 Hinterstellerlinien (TLe6-el, LLg6-bl, TLg5-a5) geöffnet, wodurch nur ein Matt als Drohung übrigbleibt. Die verbleibenden FW können entweder ganz wegziehen oder (fortgesetzt) auf der Linie des Hinterstellers bleiben, wodurch jeweils die beiden anderen Maus in zyklischer Weise auftreten.

4 Juraj Lörinc
Reto Aschwanden

SK–Dubicna nad Váhom/
CH–Winterthur
HPR–60–JT – Abteilung 2a
3. Preis
#2 (9+18)
= L-Lion
= Lion
= Fers+Wesir
= T-Lion

Das ist ein schöner Einfall aus einem Guss, der auf den 3 Linien mit je zwei Schittpunkten beruht. Ganz von selbst ergibt sich daraus eine reiche Musterkollektion gängiger, teils als schwierig verschrieener Zweizügerthemen: 3x fortgesetzter Angriff, dreifacher leGrand, auf 3 Phasen verteilter Lacny, Rudenko, Bames, zyklischer Pseudo-le Grand, Suschkow Anti-Tripel, Feldmann I, Feldmann II (Autor). Der Preisrichter ist zu faul, nachzuprüfen, ob alle Definitionen zutreffen, weil die strategischen Vorgänge auch ohne diese Wörter klar sind. Ich möchte aber ein Fragezeichen beim Feldmann anmelden (nach je zwei Primär- und Sekundärverteidigungen sind Primär- und Sekundärmatt vertauscht). Wenn eine Verteidigung (wie hier) dadurch fortgesetzt wird, dass einfach der Primärschaden nicht eintritt (anstatt kompensiert zu werden), fällt die Wertsteigerung der fV etwas dünn aus. Das kann man hier aber nicht kritisieren, denn es ergibt gerade den zyklischen Basismechanismus.

b) Längere Aufgaben

22 Martin Walter
Klaus Wenda
A–Wien
HPR–60–JT – Abteilung 2b
1. Preis
s#6 (11+4)
b) c3 –> d7 Anticirce
= Grashüpfer

1. Preis: Nr. 22 von Martin Walter & Klaus Wenda
An diesem Meisterwerk besticht sowohl der Gleichklang wie auch die Unterschiedlichkeit bei beiden Teilen. Die Nachtreiterschachs erzwingen die spezifische mattsetzende Umwandlung in T/D mittels Rückstellkonflikt. Das geschieht mit Opferwechsel von D und S auf b1 und Wechsel der Schlagfigur auf h7. Einen Hauch von Logik bietet der vorzüglich begründete Damenausflug nach h7 in a) zwecks Vermeidung des Rückstellkonflikts auf h8, und in b) die Notwendigkeit, den sK zur Deckung von e1 herauszutreiben (Versuch 3.Db3+ Ka1!! 4.S:h7 (Sb1) 5.Dc2+ a:b1D (Dd8) 5.K:d8 (Ke1), 3.– Kc1? 4.Db2+ wie Lösung). Ideale Märchenökonomie, weil sich auch die N beim entscheidenden Schlussschach abwechseln. Ich wollte schon ankreiden, in a) sei Se8 überflüssig, aber das stimmt ja gar nicht: ohne Se8 würde die Lösung an 4.Db3+ K:b3 (Ke8) scheitern! – a) 1.Dd7! Ka1 2.D:h7 (Dd1)+ Ka2 3.Ka7! a:b3 (Bb7) 4.Db3+ Ka1 5.Ne1 (Zz) a2 6.Db1+a:b1T (Ta8)#; 1.Ka7? a:b3 (Bb7) ... 4.Db1+ a:b1T (Ta8)+ 5.N:h7 (Nh8)!!; b) 1.Kc8! a:b3 (Bb7) 2.Sf6 b2 3.Da1+ Kc2 4.Db2+ Kd1 5.S:h7 (Sb1) (Zz) a2 6.Nb5+ a:b1D (Dd8)#.

24 Marcel Tribowski
Berlin
HPR–60–JT – Abteilung 2b
2. Preis
#8 (8+8)
Anticirce (Cheylan)
= Nachtreiter

2. Preis: Nr. 24 von Marcel Tribowski
Nach dem eher farblosen Schüssel 1.Sf3 (mit Kurzdrohung 2.Kf2+, es droht aber auch lang schon eine der Hauptvarianten) entfaltet sich ein wirklich wunderbares Geschehen. Der sT muss auf der 8. Reihe bleiben. Nach 1 .– T8~ hat man die exzellente Pendelvariante 2.Kh1+ Ke4 3.Nf6+ Te8 4.Kg1+ Kd4 5.Kf1+ Kc4 6.Nd2+ Tc8 (6.– L:d2(Lf8)? 7.Ke1,f2#) 7.Kg1+ Kd4 8.Kh1#. Dagegen scheitert 2.Kf1+? an K:e3 (Ke8)!. 1.– Te8! verteidigt gegen 2.Kh1 (fV), weil Nf6 ohne Schach erfolgt. Der Block des Königsfluchtfelds e8 erlaubt aber gerade 2.Kf1+ Kc4 3.Nb2+ Tc8 4.Kg1+ Kd4 5.Kh1+ Ke4 6.Nd6+ Te8 7.Kg1+ Kd4 8.Kf1#, wobei die beiden Könige ihre Tanzfigur in umgekehrter Richtung durchschreiten (Pas de deux der Könige). Die Pendeleien haben den Zweck, den N ohne Zeitverlust zur Deckung von e4/c4 heranzubringen.
Selbstverständlich ideale Märchenökonomie und mit 16 Steinen ausgezeichnet konstruiert. Der Autor hatte aber Pech. Weil der notwendige Käfig für den wK kaum anders als mit Sc1 geschlossen werden kann, entsteht die Nebenvariante 1.– Sd3 2.N:d3 (Nd8) T:d8 (Th8) 4.g4 f4 5.L:f4 (Le1) Tf8 5.Lb2+ Lc3 6.L:c3 (Lc1) h2+ 7.K~+ T:f3 (Ta8) 8.Lb2#, die besser fehlen würde und bedauerlicherweise auch den in den Hauptspielen nachtwächternden Lh2 erfordert. Das hat der Aufgabe den Spitzenplatz gekostet. Alles in allem aber trotzdem ein weiteres Glanzstück in diesem Turnier.

18 Sven Trommler
Rehefeld
HPR–60–JT – Abteilung 2b
1. Preis
s#5 (15+7)
Anticirce
= Nachtreiter
3. Preis: Nr. 18 von Sven Trommler
Schönes und lebhaftes Spiel mit je 5 Rückstellungen desselben Nachtreiters auf verschiedenen Linien in 3 Varianten. Dabei entsteht ein vollständiger Zyklus weißer und schwarzer Züge im 2.- 4. Zug, wobei der sN wieder auf das Feld zurückkehrt, das er im 1. Zug betrat (Rundläufe). Dreimal dasselbe Matt, gut aber, dass 3 verschiedene D-Züge es herbeiführen. Das Ganze funktioniert ohne Abkürzungsmöglichkeiten, weil alle 3 Steine Tc3, Nd2 und Tg2 verschwinden müssen. Läßt man Tg2 am Leben, so ist Nc1 kein Matt wegen T:h2 (Ta1). Dieser Rückstellkonflikt ist für mich die Glasur am Kuchen. Nh1 ist nicht nur ein Blockierstein,
29 Klaus Wenda
A–Wien
HPR–60–JT – Abteilung 2b
4. Preis
s#9 (8+4)
Anticirce (Cheylan)
= Grashüpfer
= Nachtreiter
sondern deckt auch das Feld f5 nach 1.– N:e7 ... 3.– N:f3. Ähnliches gilt für Na6 und e4. – 1.Dc6! Zz. N:e7 (Ne1) 2.Tg5+ N:g5 (Ng1) 3.Nf3+ N:f3 (Nf1) 4.Te3+ N:e3 (Ne1) 5.Dc5+ N:c5 (Nc1)#, 1.– N:g6 (Ng1) 2.Nf3+ N:f3 (Nf1) 3.Te3+ N:e3 (Ne1) 4.Tg5+ N:g5 (Ng1) 5.Dc3+ N:c3 (Nc1)#, 1.– Nf7 (Nf1) 2.Te3+ N:e3 (Ne1) 3.Tg5+ N:g5 (Ng1) 4.Nf3+ N:f3 (Nf1) 5.Dc7+ N:c7 (Nc1)#.

4. Preis: Nr. 29 von Klaus Wenda
Sehr feines Pendel, um den N ohne Patt von a7 nach b5 zu bekommen. Stellung und Spiel sind äußerst elegant. Fast alle Steine und Züge arbeiten mit Anticircewirkungen. Ausnahmen davon sind gerade die Märchensteine, deren Rückstellmöglichkeiten nicht vorkommen. Das ist der Grund dafür, dass drei andere Stücke an dieser beeindruckenden Aufgabe vorbeiziehen konnten. 1.Tf1! Kh1,g2 2.Tc1+! Kh2 3.Nd1 Kg1 4.Nb5+ Kh2 5.Tf1 Kh1,g2 6.Te1! Kh2 7.Kf8 h:g3 (Bg7) 8.Lh1+! S:b5 (Sg8)9.Lg3+ K:g3 (Ke8)#.

Buchbesprechungen

Heft 208, August 2004
Thomas Brand, Chris Feather & Hans Gruber György Páros – Ein Begründer des modernen Hilfsmatts Aachen 2004 (Editions feenschach-phénix, FEE-NIX-Serie Band 10, Text deutsch und englisch, 322 Seiten, geb., 35 Euro, zu bestellen beim Herausgeber bernd ellinghoven) –
Als György Páros (1910-1975) Ende der Zwanziger Jahre, selbst noch keine 20 Jahre alt, seine ersten Hilfsmatts komponierte, steckte diese Gattung noch in den Kinderschuhen und musste noch um Anerkennung in der Problemisten-Gemeinschaft kämpfen; für einen kreativen Geist wie Páros bot sich hier also ein ideales Betätigungsfeld, um durch künstlerisch überzeugende Leistungen zur allgemeinen Akzeptanz beizutragen. Ein interessantes Beispiel für die Entwicklung grundlegender Ansichten liefert Páros selbst: 1941 vergleicht er in einem Zeitschriftenartikel zwei Aufgaben mit weißer AUW, einen Vierspänner und einen Vierling und schreibt dazu: "In der ersten gibt es vier Lösungen, doch – obgleich in einem Hilfsmatt nur eine Lösung existieren dürfte – sind dies keine Nebenlösungen, denn alle vier Zugfolgen schildern dieselbe Idee; somit kann man nicht entscheiden, welche Lösung die intendierte ist und welche drei als Nebenlösungen gelten rnüssten." Hier war ihm noch spürbar unwohl bei dem Gedanken, mehrere Lösungen zu akzeptieren, doch schon bald lassen seine Kompositionen erkennen, dass er sich diesem frühen Urteil nicht mehr unterwirft. Aus heutiger Sicht geradezu kurios ist ein Artikel, den er noch zehn Jahre später, 1951, in Probleemblad über die Entwicklung des Hilfsmatts publiziert und in dem er die Existenzberechtigung des Genres in einer fast selbstverleugnenden Art gegenüber ihm "feindlich" gesinnten Problemisten und Redakteuren verteidigt. Er argumentiert, dass das Hilfsmatt eigentlich gar kein "Hilfsmatt", sondern nur ein dem Partieschach entstammendes "Zufallsmatt' sei – wir mögen heute darüber den Kopf schütteln, sollten aber doch erstaunt bemerken, dass die Zeit, in der es noch nötig war, diesem heute so überaus populären Kompositionszweig überhaupt eine Daseinsberechtigung zu erkämpfen, gerade erst ein halbes Jahrhundert zurückliegt.

Heutzutage ist uns Páros zu Recht als herausragender Komponist der berühmten ungarischen Hilfsmattschule aus der Mitte des letzten Jahrhunderts im Bewusstsein verankert. Daher sind dies nur interessante anekdotenhafte Episoden, auf die der Leser des Buchs nebenbei stößt, während 200 seiner Hilfsmatt-Kompositionen den Schwerpunkt bilden – seine ebenfalls bedeutenden Aktivitäten auf dem Zweizügersektor wurden hier nicht berücksichtigt, sind nur kurz am Rande erwähnt. Das Autorenteam hat die Kompositionen in vier Gruppen unterteilt: a) Hilfsmatt-Zweier aus dem Zeitraum 1928-1964; b) Hilfsmatt-Zweier von 1965-1975; c) Hilfsmatt-Dreier und d) längere Hilfsmatts. Der erste Teil (71 Kompositionen, kommentiert von Hans Gruber) sowie die Teile c) und d) (36 bzw. 12 Aufgaben, kommentiert von Thomas Brand) sind chronologisch geordnet und in einer schon aus anderen Bänden der Serie bekannten großzügigen Weise präsentiert und jeweils zweisprachig kommentiert. Der Teil b) ist nicht nur von der Zahl der Aufgaben der umfangreichste, sondern auch inhaltlich gleich in doppelter Hinsicht hervorzuheben. Die in Páros' letztem Lebensjahrzehnt entstandenen Zweizüger bilden sicher den Höhepunkt seines Schaffens, und sie werden hier dem Leser präsentiert in einer tiefgehenden Kommentierung von einem der bedeutendsten Vertreter des modernen Hilfsmatt-Zweizügers, den man durchaus in Páros'scher Tradition und Nachfolge stehend sehen darf (in einem der 1976 ausgeschriebenen und im Buch dokumentierten Gedenkturniere errang er den 1. und den 3. Preis, in einem anderen den 2. Preis – beides Resultate, die zu seinen frühen Erfolgen zählen). Chris Feather zitiert gleich zu Beginn seines Kapitels seine eigene Aussage aus Black to Play, dass seriöse Arbeit seriöser Kritik bedarf. Wer CJF's scharfen analytischen Blick kennt – Schwalbe-Leser kamen in seinen Vexierspiegel-Beiträgen in den Genuß –, weiß, dass er sich im folgenden auf eine anspruchsvolle kritische Durchsicht der Páros'schen Kompositionskunst freuen darf; sowohl eine Hervorhebung von Stärken als auch Kritik von Schwächen findet statt, sollte aber keinesfalls als Lobhudelei bzw. Geringschätzung missverstanden werden, ermahnt CJF den Leser. In diesem attraktivsten Teil des Buches wird der thematische Zusammenhang der Aufgaben vor die chronologische Reihung gestellt, und die Analysen nehmen zu viel Raum ein, um die zweisprachigen Texte direkt miteinander zu koppeln; dieser Teil ist daher in beiden Sprachversionen separat abgedruckt.
Eine Einführung zur Person, geschrieben von Árpád Földeák, Aufsätze und Briefe von Páros (an A. Karpati), Reaktionen auf seinen unerwarteten, zu frühen Tod und die Ergebnisse von Gedenkturmeren runden den Band ab, der sicher für lange Zeit ein Highlight des langsam wachsenden Bestands an Hilfsmatt-Literatur bleiben wird.

1 György Páros
Nach W. Rybakow
Die Schwalbe 1943
2 György Páros
Magyar Sakkélet 1973
Tipográfia
2. Preis
3 György Páros
Magyar Sakkélet 1958
4 György Páros
Magyar Sakkélet 1947
h#2 (5+6) h#2 (5+9) h#3 2.1.1... (6+10) h#5 (6+14)
b/c/d a6 –> g6/a2/g2 b) 90°-Drehung
(a1 –> h1)
Zum Schluss sei aus jedem Kapiel noch eine Aufgabe herausgegriffen: In 1 – es ist die Aufgabe, die Páros für den oben zitierten Vergleich zwischen Vierspänner und Vierling heranzog – sehen wir eine recht frühe und sehr gelungene Darstellung der Themenverbindung AUW und Königsstem: a) 1.Kc6 e8T 2.d5 Te6#; b) 1.Ke6 e8S 2.Td5 Sg7#; c) 1.L:d3 e8D 2.Kc4 Dc6#; d) 1.Ke4 e8L 2.d5 Lg6#. 2 ist eine Darstellung eines Themas, für das Feather in Anlehnung an das ähnlich definierte gleichnamige #2-Thema die Bezeichnung Peiros-Thema vorschlägt: Zwei schwarze Linienfiguren sind in der Ausgangsstellung durch zwei andere schwarze Steine von bestimmten Feldern abgesperrt. Im Verlauf der Lösung tauschen die beiden Versperr-Steine ihre Linien, so dass sie am Ende die jeweils andere Linienfigur absperren. In 2 ist dies dargestellt, ohne dass die thematischen sFiguren auch als Blocks im Mattbild genutzt werden: a) 1.Lf5 d7 2.Sd3 d8S#; b) 1.Ld7 Lb4 2.Se5 c5#. 3 zeigt totale Harmonie im Dreizüger und bietet drei reziproke Grimshaw-Verstellungen auf g2, e6 und c5: a) 1.Tg2 Te6 2.Kc4 c3 3.Lc5 Te3#; b) 1.Lg2 Le6 2.K:c6 c4 3.Tc5 Lc8#. Zu 4 weist TB im Buch auf den verzögerten Inder hin, doch ich sehe sogar zwei Inder: 1.d1L Le3 (erster Kritikus) 2.d2 (erste Verstellung) Kf5 3.Kc1 Nutzung der Verstellung; hier haben wir schon den ersten, gemischtfarbigen Inder, dem noch ein weißer folgt: 3.– Lh6 (zweiter Kritikus) 4.Lc2+ Kg5 (Verstellung) 5.d1L (Nutzung) Kh4#. (GüBü)
Peter Kniest (†), Hans Gruber, Frank Müller & Rainer Staudte Selbstmatt-Miniaturen, Reflexmatt-Miniaturen (Aachen 2003, Editions feenschach-phénix, FEE-NIX-Serie Band 8, 400 Seiten, geb., 35 Euro, zu bestellen beim Herausgeber bemd ellinghoven) –
Ein Buchprojekt ist nach mehr als einem halben Jahrhundert Vorbereitungszeit Realität geworden – gerade noch rechtzeitig, bevor die mittlerweile vorliegende Materialfülle es endgültig zum Scheitern gebracht hätte, möchte man erleichtert aufatmen und Hans Peter Rehm zustimmen, der in seinem französisch abgedruckten Vorwort meint, dass es nicht mehr lange gedauert hätte, bis das Material nicht mehr zwischen zwei Buchdeckel gepasst hätte.

Wer den 1993 verstorbenen Peter Kniest noch kennenlernen konnte, dem wird er auch irgendwann von seiner schon in den 30er Jahren begonnenen Selbstmatt-Miniaturensammlung erzählt haben, deren Veröffentlichung ihm eine (wegen anderer Prioritäten immer wieder hinausgeschobene) Herzensangelegenheit war. Der Rezensent erinnert sich daran, dass PK-t ihm Anfang der 80er Jahre von der damals etwa 500 Aufgaben umfassenden Sammlung berichtete. Das erste Kapitel des jetzt vorliegenden Buchs enthält einen Abriss der langwierigen Entstehungsgeschichte und beginnt 1941 bei einem Stand von 70 Aufgaben und der Ausschreibung eines Schwalbe-Thernaturniers, nach dessen Abschluss die Zahl sich fast verdreifacht hatte. In seiner letzten Äußerung zum Buchprojekt erwähnt Kniest dann 1993 einen Bestand von ca. 900 Aufgaben. Nun wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn die Angelegenheit nach Kniests Tod am 15.12.1993 endgültig im Sande verlaufen wäre. Doch glückliche Umstände, in diesem Fall die überraschende Bereitschaft des Studienexperten Rainer Staudte, die vorhandene Datei in eine Datenbank zu überführen, sowie die Mitarbeit von Frank Müller, der inzwischen selbst eine Selbstmatt-Miniaturensammlung angelegt hatte, und des unermüdlichen Hans Gruber gaben dem Projekt neuen Auftrieb. Die bekannt gemachten Recherchen und das zum 50jährigen Jubiläum von feenschach 1999 organisierte Informalturnier für Selbstmatt-Miniaturen führten zu beträchtlichen
Kompositionsaktivitäten auf diesem Gebiet, die, soweit zeitlich möglich, noch für das auf Vollständigkeit angelegte Buch berücksichtigt wurden (Redaktionsschluss war der 31.12.2001).
Der Materialfluss ist auf fast 3000 Aufgaben angeschwollen und wurde in 9 Gruppen gegliedert, die einem einleitenden Beitrag vonHanspeter Suwe über mittelalterliche Aufgaben folgen (Fünfsteiner; Zweizüger; Seeschlangen; Zugwechsel; Drohprobleme; Mehrphasige Zugzwangaufgaben; Einphasige Zugzwangaufgaben (unterteilt in zwei Kapitel) und Reflexmatts) und die Suche nach Vorgängern leicht machen. Neben etwa 2200 im Diagramm gezeigten Aufgaben wurden auch etwa 700 defekte und vorweggenommene in Anhängen zu den jeweiligen Kapiteln aufgelistet und betonen den dokumentarischen Charakter des Werks. Erstaunlich ist übrigens die geringe Zahl von nur 13 Drohproblemen unter den Aufgaben mit mehr als zwei Zügen; hier könnte wohl noch am erfolgversprechendsten Neues geschaffen werden!? Ein Beispiel aus dieser Sektion zeigt 1:

1 Helmut Zajic
Sakkélet 1997
4. ehrende Erwähnung
2 Peter Kniest
Die Schwalbe 1968
4. Preis
s#4 (4+3) r#5 (4+2)

Nach 1.De5! droht 2.Tf4+ Kg3 3.Tg4+ Kf2 4.Tg2+ h:g2#; auf die Verstellung der wD durch 1.– Se4 folgt 2.D:e4+ Kg3 3.Te5 Kf2 4.Dg2+ h:g2# mit Opfer- und Deckungswechsel zwischen T und D. Dieses Werk ist natürlich kein "Lesebuch", und eine Dokumentation kann auch nicht nur Meisterwerke enthalten. Wer selbst einschlägig komponiert, kommt an dem Werk einerseits für die Originalitätsprüfung nicht vorbei, kann sich dort andererseits viele Anregungen holen. Und der "gewöhnliche" Leser hat eine fast unerschöpfliche Quelle zur Hand, aus der er blätternd und stöbernd immere neue Anregungen schöpfen kann. Aus dem Reflexmatt-Kapitel sei hier noch das Stück gezeigt, das HPR in seinem Vorwort als eines der Wunder dieses Buchs bezeichnet: Man sieht in 2 sofort das Matt durch f:g1D mit der wD auf e2. Nach dem Versuch 1.Da6? f5 2.Dc4 f4 3.Da6 f3 fehlt nur noch ein Tempozug, den man scheinbar irgendwo auf der Diagonalen machen könnte, aber alles scheitert an der Reflexbedingung. Die Lösung birgt in jedem Zug eine Überraschung: 1.Db1! f5 2.Db4! (Db6?) f4 3.Db6! f3 und erst jetzt betritt die wD die Diagonale a6–e2: 4.Da6 f2 5.De2 f:g1D#. Es bleibt abzuwarten, ob das Erscheinen des Buches eine Flut neuer Kompositionen auslöst, wie es seinerzeit nach Erscheinen der von Peter Kniest herausgegebenen Bände zur Wenigsteiner-Dokumentation der Fall war. Im Nachwort des Herausgebers warnt -be- aus eigener Erfahrung schon, dass die Sache ansteckend sei, und er schließt mit dem Wunsch:
Möge bei den Lesern ein ähnliches Krankheitsbild ausbrechen! (GüBü)
X

John Rice Chess Problem Spectrum (Aachen 2003, Editions feenschach-phénix, FEE-NIX-Serie Band 9, 372 Seiten, geb., Text englisch; 35 Euro, zu bestellen beim Herausgeber bernd ellinghoven) –
Eine Sammlung eigener Aufgaben, eingeteilt nach dem in den FIDE-Alben verwendeten Schema, können wohl nicht allzuviele Problemisten zusammenstellen. Dass dies einem bekannten ZweizügerSpezialisten, als der John Rice wohl von vielen noch gesehen wird, unter Verwendung eines kleinen Tricks gelingt (die Studien- hat er durch eine Serienzüger-Abteilung ersetzt und Retros ausgeblendet), mag viele überraschen. Wie JR in der Einleitung mitteilt, hat er nach vierzigjähriger Konzentration auf den Zweizüger, in die lediglich eine Phase der Beschäftigung mit Serienzügern fiel, erst Anfang der neunziger Jahre begonnen, auch in anderen Disziplinen zu komponieren und ist dort mittlerweile produktiver als in seinem Stammgebiet. Auch wenn JR jetzt fast die gesamte Palette bespielt, ist vielen seiner Aufgaben die Verwurzelung des Autors im Zwelzüger anzumerken, was er selbst in der Einleitung zum Dreizüger-Kapitel auch als wohl unvermeidlich ansieht. So sind dann auch der überwiegende Teil der Hilfs-, Selbst- & Reflexmatts sowie der Märchenschachaufgaben zweizügig.
Die für dieses Buch zusammengestellte Auswahl umfasst etwa 300 Probleme, davon knapp die Hälfte Zweizüger und jeweils etwa 50 Dreizüger und Märchenschach-Aufgaben; die restlichen Kapitel fallen kleiner aus. In der Kommentierung geht der Autor oft über die bloße Beschreibung des Inhalts hinaus, verweist auf Stärken oder Schwächen der Aufgaben aus der Sicht des Komponisten, oder gibt gelegentlich auch die Kommentare Dritter und ggf. seine davon abweichende Meinung wieder.
Auch seine vielfältigen anderen problemschachlichen Tätigkeiten - vom Leiter des Problemteils des British Chess Magazine bis zum Schriftleiter des Problemist, vom Autor mehrerer Bücher über den Preisrichter bis zum PCCC-Präsidenten – werden in einleitenden Beiträgen von Michael Lipton und Barry Barnes sowie vom Autor selbst skizziert; eingestreute Photos runden den hervorragenden Gesamteindruck ab. Insgesamt ergibt sich so ein flüssig geschriebenes Buch, das einen umfassenden Eindruck vom Komponisten und Menschen JR vermittelt und das sich sehr gut in die hochqualitative FEE-NIX-Serie einfügt. – Sehen wir uns zum Schluss einige Aufgaben an:

1 John Rice
SSZ 1971
1. Preis
2 John Rice
The Problemist 1996
2. Preis
3 John Rice
The Problemist 1995
Preis
4 John Rice
Europa-Rochade 1999
#2 (9+6) #3 (10+4) r#2 (9+8) #2 (9+6)
Transmutierender Kd4
Halbbatterien gehören zu den häufig von JR im #2 eingesetzten Motiven. In 1 wird eine mit Nowotnys gekoppelt, wobei beide wSteine aus der Halbbatterie den Nowotny-Schnittpunkt f4 verstellen können: 1.Sf4? [2.Tc8/Sd6#] L:f4/T:f4/K:e8/D:e7 2.Tc8/Sd6/Tc8/Tc7#, aber 1.– S:f6! pariert. Daher 1.Tf4! [2.Sdc7/Sd6#] L:f4/T:f4/K:e8/D:e7/S:f6 2.Sdc7/Sd6/f7/S:e7/T:f8#. – In 2 liegt in der Diagrammstellung eine Drittelfesselung der sFiguren vor. Nach 1.Lg1! pariert jede der in der Fesselungslinie stehenden sFiguren durch Abzug die Drohung 2.Tc5+ d:c5 3.D:e5#, wonach Weiß einen weiteren thematischen Stein ablenkt, um dann ein Fesselungsmatt zu geben. Das Ganze erfolgt zyklisch nach dem Schema AB-BC-CA: 1.– Lf6 2.Dd4+ S:d4 3.Lc4#, 1.– Se3 2.Lc4+ S5:c4 3.S:f4# (2.– S3:d4 3.Dd4#), 1.– Sd3 2.S:f4+ L:f4 3.S:f4# (2.– S:f4 3.Lc4#). Nebenspiel 1.– S:f3 2.Lc4+, 1.– Sc6 2.T:c6, 1.– b2 2.D:a2. Diese Aufgabe wurde übrigens mit dem Brian Harley Award 1994-96 ausgezeichnet. – Im Reflexmatt 3 zeigt der Autor das Loschinski-Therna. Nach beliebigem Rückzug des wLe6 entlang der Fesselungslinie droht 2.Se6 Dh7#. 1.Ld5? scheitert an 1.– De6!, versucht Weiß 1.Lc4? um nach De6 mit 2.Td5 De3# zum Erfolg zu kommen, kontert Schwarz mit 2.– Dd5! Nach 1.Lb3? könnte Weiß diesen Zug zu 2.Ld1 Dh1# nutzen, aber Schwarz hat wieder den Nachrücker 1.– Dc4! Erst 1.La2! führt zum Erfolg: 1.– De6 2.Td5 De3#, 1.– Dd5 2.Tb3 Dh1#, 1.– Dc4 2.Sb3 Df4#, 1.– Db3 2.c4 Dh3# und 1.– D:a2 2.e4 Dd2#; ferner 1.– K:f8 2.Lg7+ D:g7#. – Auf Schachgebote reagiert ein transmutierenden sK mit erhöhtem Fluchtreflex, kann er doch wie der schachbietende Stein ziehen. In 4 gibt es das Satzspiel 1.– e2/c5 2.Td3/Td5#, da alle T-Fluchten des sK gedeckt sind. Nach 1.Kf6? (Zugzwang) folgt auf e2/c5/g:f5 mit 2.Sb3/Sb5/S:f5# ein Wechsel auf Springermatts, doch Schwarz hat noch die Parade 1.– g5! In der Lösung 1.K:g6! kommt nach 1.– e2/c5 2.Lf2/Lf6# schließlich noch der Läufer zum Einsatz. Es ist erstaunlich, mit welch sparsamen Mitteln der sTransmutant in diesem Sagoruiko beherrscht wird. Dem Preisrichter störte der Schlagschlüssel aber so sehr, dass die Aufgabe keine Auszeichnung
erhielt. (GüBü)

Giorgio Guidelli
The Good Companion
C.P.C. IV/1915
4. Preis
#2 (7+10)
Oscar Bonivento La genialitá compositiva di Giorgio Guidelli (Venedig 2004, Scacchi e Scienze Applicate, 157 S. im DIN-A4-Format, kart., 18,50 Euro incl. Versand, zu bestellen beim Autor: Prof. Oscar Bonivento, via Luigi Silvagni 6, I-40137 Bologna) –
Der Autor, seit fast 40 Jahren Leiter der Problemspalte in L'Italia Scacchistica, setzt die Folge der Monografien bedeutender italienischer Komponisten fort und präsentiert, fast zeitgleich mit der Ankündigung eines ihm zum 90. Geburtstag gewidmeten Kompositionstumiers für h#2er, nach früheren Bänden zu Stocchi (1995), Mari (1999), und der Sammlung eigener Aufgaben nebst einem Anhang zu Mari (2001) jetzt mit der kompletten Sammlung der von Guidelli komponierten Aufgaben das Werk eines weiteren Zweizüger-Klassikers. Guidelli, dem nur eine kurze Schaffensperiode vergönnt war (er fiel, noch nicht einmal 27 Jahre alt, einer Lungenentzündung zum Opfer), gehörte zu den herausragenden Komponisten der Good-Companion-Periode und landete Anfang 1917 einen besonderen Coup, als er in deren Turnier gleich die ersten sechs Preise erringen konnte.
Den 330 in diesem Band zusammengefassten Kompositionen Guidellis sind Texte zur Person und seinen Kompositionen von ihm selbst und anderen, u.a. von A. Mari, A. Ellerman, G. Hume & A.C. White vorangestellt.
Auch wer sich hier an etwa 20 Seiten italienischem Text etwas schwertun mag, kann anschließend die jeweils kurz kommentierten Aufgaben unbeschwert genießen. Nachdem Ende 1914 erste Kompositionen Guidellis im Good Companion erschienen waren, erzielte er im April 1915 mit dem hier reproduzierten Kreuzschach-Stück einen ersten "Club-internen" Preis: Nach 1.Lb4! [2.Tc1#] folgt auf 1.– T6~/T:b4/Tb5+ 2.Tc5/Sd4/Sc5#, ferner 1.– Td1/Sf3+ 2.De3/S:f3#. (GÜBÜ)

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