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Heft 204, Dezember 2003  

 


Wolfgang Dittmann: Lösungsstrategien im
Verteidigungsrückzüger mit Anticirce-Bedingung
Fritz Hoffmann: Tiro hinter Cicero
Frank Richter: Die virtuelle Welt
Entscheid im Informalturnier 1995, Abteilung Märchenschach
Entscheid im Informalturnier 1996, Abteilung Märchenschach
Entscheid im Informalturnier 1998-2000,
Schachmathematik und Sonstiges
Aktuelle Meldungen
Schwalbe-Treffen 2003 in Düsseldorf
Urdrucke
Lösungen aus Heft 201, Juni 2003
Bemerkungen und Berichtigungen
Löserliste
Turnierberichte
Buchbesprechung


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Die virtuelle Welt
Neues zu Thema A und Lewmann-Verteidigung im Selbstmatt-Zweizüger
von Frank Richter, Trinwillwershagen

In der Schwalbe 196, August 2002, hatten Daniel Papack und ich die selbstmattspezifischen Darstellungsmöglichkeiten der aus den weißen Linienkombinationen bekannten Themen A und Lewman untersucht. Vor allem Daniels Kreativität ist es zu verdanken, dass die damalige, eigentlich vollständig gedachte Systematisierung um einige weitere Varianten erweitert werden kann.

Die diesen Varianten zugrunde liegende neue Idee ist, eine Themalinie bzw. die linienverstellenden Verteidigungen der Themen A und Lewman in den virtuellen Bereich zu verlagern. Daraus ergeben sich gedanklich sehr anspruchsvolle und gattungsspezifische Zugfolgen, deren saubere Umsetzung eine hohe Hürde für den Konstrukteur darstellt und die beim Rezipienten der Aufgabe eine gewisse Bereitschaft voraussetzen, die Gedankengänge des Autors nachzuvollziehen.

Als Einleitung zitieren wir zunächst die im vorigen Artikel gebrachte Definition des Thema A und die systematisierende Tabelle:

Erstzug
1.A
Drohzug
[2.B]
Mattzug
(2.-x#)
Verteidiger
1.-y
Mögliche Themenbeschreibung
~ 1. Verstellung ~ 2. Verstellung Thema A, schwarz, mit w Verstellung
~ ~ 1. Verstellung 2. Verstellung Thema A, schwarz, mit w Verstellung
Ein Feld im Bereich des weißen Königs ist durch zwei schwarze Langschrittler gedeckt. Da bei Ausführung der Drohung eine der Deckungslinien verstellt würde, kann sich Schwarz durch Verstellung der anderen verteidigen.

Wir hatten festgestellt, dass die Verstellung einer schwarzen Linie in der Drohung aber im Gegensatz zum orthodoxen Zweizüger entweder durch Weiß oder durch Schwarz geschehen kann, wodurch sich zwei Darstellungsmöglichkeiten des Thema A im s# ergeben:

In allen bisher publizierten Darstellungen des Thema A waren dabei die Themenlinien bereits in der Diagrammstellung existent. Im s#2 gibt es aber auch die Möglichkeit, eine schwarze Deckungslinie im Verlaufe des Lösungsablaufes erst aufzubauen. Diese Deckungslinie kann in der Drohung durch Weiß im voraus verstellt werden oder Weiß droht - in Erwartung eines kompensierenden Deckungslinienaufbaus im Mattzug - eine schwarze Linie zu verstellen, weshalb Schwarz durch Vorausverstellung der aufzubauenden Linie parieren kann. Das klingt kompliziert und soll deshalb an konkreten Beispielen veranschaulicht werden.

Schema 1 zeigt exemplarisch das Thema A, schwarz mit weißer VORAUS-Verstellung.

1 Frank Richter
Schema (Urdruck)
2 Frank Richter
Urdruck
3 Daniel Papack
harmonie III/2003

s#2 (7+7)

s#2 (11+11)

s#2 (11+13)
1.Th7! [2.se3+ Te4#] g4/g:f4
2.Sh4/S:f4+ Te4#
1.Tgf2! [2.c5+ Tb5#] f3/g2
2.Te3/Tf3+ Se3#
1.T:c6! [2.Td6+ Td7#] Tc4/c4
2.T:a6/T:c4+ Td7#
Das Themafeld e2 wird in der Diagrammstellung nur durch den Lh5 gedeckt. Bei Ausführung der Drohung entsteht eine zweite schwarze Deckungslinie Te4-e2, die aber vom wS im voraus auf e3 verstellt wird. Deshalb kann sich Schwarz durch g5-g4 Therna-A-gerecht verteidigen, worauf aber Weiß ohne Schaden den sL entfesseln kann. Nun spielt die Deckungslinie e4-e2 im Mattzug wieder eine Rolle, was den Thema A-Charakter der Verteidigung nochmals unterstreicht.

So klar und sparsam dieses Schema ist, so kompliziert ist es, eine zweite Variante dazuzufügen. Einen nicht ganz befriedigenden Versuch zeigt die Nr. 2: Die Themalinien sind h1-d5 und b5-d5, wobei letztere in der Drohung auf c5 im voraus verstellt wird. Schwarz kann sich deshalb durch Verstellung der Deckungslinie des Lh1 verteidigen. Formal ist damit das Thema doppeltgesetzt, die virtuelle Themalinie spielt aber im Gegensatz zum ersten Beispiel im weiteren Lösungsablauf keine Rolle mehr und die satzmattlosen Abzüge des Tb2 sind auch nicht unbedingt lobenswert. Diese Mängel können auch die beiden thematischen "Verführungen" 1.Th2? g2! und 1.T:g3+ f3! nicht wettmachen.

Nr. 3 zeigt, dass zumindest eine befriedigende Darstellung zweier Thernavarianten möglich ist. Themafeld ist d5, das durch den La2 gedeckt ist. Die zweite (virtuelle) Themalinie ist d7-d5, diese Linie wird in der Drohung durch die Rückkehr des weißen Schlüsselturms im voraus verstellt. In beiden Abspielen wird deshalb durch Schwarz die Diagonale a2-d5 auf c4 verstellt, was aber der weißen Batterie andere Abzugsmöglichkeiten eröffnet. Im Mattzug muss der sTurm von d7 aus die Kontrolle über d5 gewinnen - die virtuelle Themalinie wird Realität.

Es scheint sehr schwierig, ein solches thematisch befriedigendes Schema auch noch mit Verführungen zu realisieren. Deshalb befassen wir uns zunächst mit der Umfärbung der eben besprochenen Idee, dem
Thema A, schwarz mit schwarzer VORAUS-Verstellung.
Hier verstellt Schwarz in seinen Verteidigungen eine Linie, die erst bei Ausführung der Drohung aufgebaut wird. Dazu können wir nur ein Beispiel anführen: Nr. 4 zeigt das Thema in Bezug auf das Themafeld f6: Weiß verstellt in der Drohung die Diagonale h4-f6, was aber durch die neu aufgebaute Deckungslinie f3-f6 kompensiert wird. Schwarz kann sich zweimal durch Voraus-Verstellung dieser Linie auf f5 verteidigen, die Bahnung f6-f5 wird hier als thematisch vollwertige Verstellung gerechnet.
Die Abläufe in den beiden gezeigten Varianten entsprechen der Zeile 1 unserer Systematisierungstabelle mit der Varianten, ob Weiß (in der Drohung) oder Schwarz (als Verteidigung) die im Drohspiel aufzubauende Linie verstellt:
4 Frank Richter
Urdruck

s#2 (13+12)
1.Lh1 [2.Sg5+ Tf3#] Sf5/f5 2.Sd4/Dc3+ Sf:d4/T:c3#
(1.- D:g3/T:c1 2.S:g3/Sd4+)
Erstzug
1.A
Drohzug
[2.B]
Mattzug
(2.-x#)
Verteidiger
1.-y
Mögliche Themenbeschreibung
~ 1. Vorausverstellung ~ 2. Verstellung einer
reellen Linie
Thema A, schwarz,
mit w Vorausverstellung
~ Verstellung einer
reellen Linie
~ Vorausverstellung Thema A, schwarz,
mit w Vorausverstellung
Soviel zu den virtuellen Linien im reellen Spiel. Eine weitere thematische Steigerung dazu bilden Verstellungen, die im rellen Spiel gar nicht ausgeführt werden. Im Artikel in Heft 196 hatten wir kategorisch zum Thema A formuliert: "Eine Linienverstellung ist die schwarze Verteidigung, hier stehen sowohl Zeitpunkt (erster Halbzug) ... fest." So ist es auch im orthodoxen Bereich, aber nicht im Selbstmatt mit zwei schwarzen Zügen. Daniel hatte bei seinen Arbeiten am Thema A wohl als erster Autor die Idee, die schwarze Thema A-Verteidigung auf den zweiten Halbzug zu verlagern. Hier wird die Verstellung einer reellen Linie in den virtuellen Bereich verlagert und taucht nur als Verteidigungsmotiv auf. Diese Variation möchten wir benennen als
Virtuelles THEMA A (Die schwarze Thema A-Verteidigung im zweiten Zug).
Für das virtuelle Thema A gilt folgendes systhematisierendes Schema:
Erstzug
1.A
Drohzug
[2.B]
Mattzug
(2.-x#)
Verteidiger
1.-y
Mögliche Themenbeschreibung
~ 1. Verstellung ~ 2. Verstellung
(Pseudo-Mattzug)
Virtuelles Thema A, schwarz,
Wie man dies konstruktiv umsetzen kann, zeigt die Nr. 5 sehr instruktiv: Weiß droht nach dem Schlüssel 1.Ta5 durch 2.Df4+ g:f4# das Selbstmatt unter schadloser Verstellung der Vertikalen f7-f3 zu erzwingen. Eine direkte Verteidigung dagegen gibt es nicht, aber mit 1.- S:d2 bzw. 1.- S:f2 bereitet Schwarz die Widerlegung 2.Df4+ Se4+! 3.K:f3 vor, wobei Se4 nur wegen der zweiten Linienverstellung auf der Diagonalen c6-f3 eben nicht Matt gibt! Die dabei aufgebauten Batterien kann Weiß aber nun zum Selbstmatt nach 2.b3+/D:d3+ nutzen. Das Thema A-Motiv taucht hier tatsächlich nur im virtuellen Spiel auf, was es zwar schwerer erkennbar macht, aber dafür gedanklich auf eine Ebene hebt, die im orthodoxen Schachproblem schwer realisierbar erscheint. Noch einmal ganz deutlich gesagt: Die geplanten schwarzen Verteidigungen wären auch Mattzüge, wenn nicht Weiß in der Drohung eine schwarze Linie verstellen würde!
Dass sich das virtuelle Thema A nicht nur mit schwarzem Batterieaufbau darstellen lässt, zeigt Nr. 6: Thernafeld ist d5, das durch den sTd7 und den sLb3 gedeckt ist. In der Drohung verstellt Weiß auf d6 die Turmlinie, weshalb die schwarzen Verteidigungen darauf zielen, auf c4 auch noch die Diagonale zu verstellen. In der Variante 1.- S:e3 baut Schwarz zwar eine direkte Batterie auf, aber Weiß nutzt statt dessen die Linienöffnung f4-f6. Nach 1.- d:e3 wird dagegen zur Verteidigung die Linie einer bereits existierenden Batterie (Lg3-Tf4) geöffnet, was Weiß zur Bahnung für den Batterievorderstein nutzt. In beiden Abspielen wird hier im Gegensatz zur Nr. 5 der ursprüngliche von Schwarz als Widerlegung vorbereitete Zug als Mattzug erzwungen.
Angesichts der Komplexität dieser Linienthematik ist die Darstellung mit thematischen Verführungen in Nr. 7 besonders beeindruckend: Nach Wegzug des wTf3 droht 2.Sf3+ L:d7# unter schadloser Verstellung der Vertikalen f1-f6. Weil das Feld f6 sonst nur noch vom schwarzen Turm c6 gedeckt ist, kann Schwarz mit den Verteidigungen 1.- Sd4/Sf4 die virtuelle Thema A-Parade 2.- Se6+ 3.Kf6! vorbereiten. Da der wBatteriehinterstein gefesselt ist, gilt auch hier: 2.- Se6 wäre Matt ohne die Verstellung der Linie f1-f6 durch Weiß. Der Block 1.- Sd4 ermöglicht die Fortsetzung 2.Sd3+, die Linienöffnung 1.- Sf4 erlaubt dem wS, sich auf g4 zu fesseln. Die Verführungen 1.Tg3/Td3? verunmöglichen jeweils eine dieser Fortsetzungen. Ein Patentschema, das schwer zu toppen sein dürfte!
Analog zum Thema A lässt sich natürlich auch der
Virtuelle LEWMAN (Die schwarze Lewman-Verteidigung im zweiten Zug)
darstellen, bei der eine der beiden Themalinien in der Ausgangsstellung maskiert ist. Wie gewohnt dazu zunächst die Systematisierung und danach zwei erläuternde Beispiele:
5 Daniel Papack
Urdruck
6 Frank Richter
Urdruck
7 Daniel Papack
harmonie XII/2002

s#2 (11+12)

s#2 (10+15)

s#2 (13+11)
1.Ta5! [2.Df4+ g:f4#] S:d2/S:f2
2.b3/D:d3+ S:b3/S:d3#
1.Da3! [2.Ld6+ S:c6#] d:e3/S:e3
2.L:e3/L:e7+ Tc4/Sc4#
1.Tc3! [2.Sf3+ L:d7#] Sd4/Sf4 2.Sf3/S:g4+ Se6#
1.Tg3/Td3? Sf4/Sd4!
Erstzug
1.A
Drohzug
[2.B]
Mattzug
(2.-x#)
Verteidiger
1.-y
Mögliche Themenbeschreibung
~ thematische Linien-verstellung und -öffnung ~ verteidigende Linienverstellung
(Pseudo-Mattzug)
Virtueller Lewmann, schwarz
In Nr. 8 ist dies die Diagonale e3-c5, die nach 1.Tc4! in der Drohung 2.d5+ b:c4# geöffnet wird, um die Verstellung der schwarzen Turmlinie f5-c5 zu kompensieren. Schwarz kann sich gegen die Drohung mit 1.-S7:e6/S5:e6 verteidigen, um nach 2.d5+ mit Sd4+ dem wK ein Fluchtfeld zu verschaffen. Weiß kann den schwarzen Batterieaufbau mit 2.Dh4+/Sc5+ nutzen.
Zwei virtuelle Lewman-Paraden eines schwarzen Steines zeigt zum Abschluß die Nr. 9, deren Schema stark an die Nr. 6 angelehnt ist. Wie an den "steinreichen" Diagrammen in diesem Artikel unschwer zu sehen ist, ist der besprochene neue Themenkomplex der "virtuellen" Linienkombinationen nicht gerade einfach zu realisieren. Aber die sehr feinsinnigen und ausgesprochen selbstmattspezifischen Dreh- und Abspiele entschädigen für den Aufwand und vielleicht lassen sich die hier aufgezeigten Verstell- und Verteidigungsideen auch als neuartige Elemente drei- und längerzügiger Aufgaben nutzen. Die virtuelle Welt wartet auf weitere Erforscher.

Daniel möchte ich noch einmal ausdrücklich für seine kritische Durchsicht des Manuskriptes und wertvolle Korrekturanmerkungen danken.


8 Daniel Papack
Urdruck

s#2 (11+12)
1.Tc4! [2.d5+ b:c4#] S5:e6/S7:e6
2.Sc5/Dh4+ S:c5/Sf4#
9 Frank Richter
Urdruck

s#2 (10+14)
1.Ta3! [2.Sd6+ S:c6#] d3/d:e3 2.Sd2/S:e3+ Tc4#

Entscheid im Informalturnier 1995 der Schwalbe
Abteilung: Märchenschach Preisrichter: bernd ellinghoven/Aachen
(als Auszug im Internet)
m
1. Preis: 9056 Juraj Brabec
L'udovit Lehen
2. Preis: 8936
Hans Peter Rehm
3. Preis: 8938
Holger Helledie

#2vvv (15+15)

#11 (6+15)

r#48 (5+2)
= Grashüpfer
= Nachtreiter
= Leo = Zebra
= Grashüpfer
= Lion
= Turm-Lion
1. Preis: Nr. 9056 von Juraj Brabec & L'udovit Lehen
Vollständiges Karussell-Thema. Das Schema ist sehr harmonisch: Von den drei G-Linien a6-d3, d7-d3, g6-d3 wird eine durch die Verführungsschlüssel 1.LEb5/LE6/LEf5? [2.Zh4-e6#] gesperrt, die zweite durch den Wegzug eines der Böcke Ge4, Gd4, Ge4 in den Thema-Paraden 1.- G:c8/Gh8 (fesselt Zh4)/G:e8 aufgehoben und die dritte durch den Abzug des Vordersteins Gd3-b5/-d5/-f5 versperrt (Abzugsmatt durch Nf2). Das ergibt die Karussell-Varianten 1.LEb5? Gh8/G:e8 2.Gf5/Gd5#, 1.LEd6? G:c8/G:e8 2.Gf5/Gb5# und 1.LE5? G:c8/Gh8 2.Gd5/Gb5#. In älteren Karussell-Aufgaben ist oft der "restliche" Verteidigungszug die Widerlegung; hier aber sind drei Neumatts vorgesehen: 1.LEb5? G:c8? 2.Z:e2# (Ga6 verstellt), aber 1.- Nf4!; 1.LEd6? Gh8? 2.Dd2# (Gd7 verstellt), aber 1.- Gd5!; 1.LEf5? G:e8? 2.S:c2# (Gg6 verstellt), aber 1.- Gg4! Besonders hübsch ist, daß hier wieder die ThemaSteine Ga6, Gd7, Gg6 in Richtung über das Zentralfeld d3 wirken.

Die Lösung verzichtet auf eine Verstellung im Schlüssel, stellt dafür aber die Halbfesselung der Steine Gc4, Gd4, Ge4 auf. Nach Wegzug eines dieser Grashüpfer bleiben die beiden anderen gefesselt, wodurch eigentlich zwei der obigen Neumatts erfolgen könnten. Durch clevere Dualvermeidungseffekte wird aber immer eines ausgeschaltet. 1.LEf4! [2.Ze6#] G:c8 2.Dd2# (nicht 2.S:c2+? K:a5!); 1.- Gh8 2.S:c2# (nicht 2.Z:e2#?, da Zh4 gefesselt); 1.- G:e8 2.Z:e2# (nicht 2.Dd2+? Kc5!).

Dieses äußerst eindrucksvolle und reichhaltige Geschehen rechtfertigt den großen Aufwand an (Märchen-)Steinen. Das unthematische Abspiel 1.- Ge2~ 2.Db2# scheint technisch erforderlich. Leider gibt es aber auch unthematische Verteidigungszüge wie 1.- Gh7, nach denen sich Themamatts Gb5#/Gd5# wiederholen. Sie würden (trotz der Mattwechsel) besser fehlen, was aber das 8 x 8-Brett nicht hergibt. (Spätere Generationen werden vielleicht ein 9 x 9-Brett und Gg6 auf i8 vorziehen.) Auch Tb8 / Nb6 sieht etwas unglücklich aus, um die Widerlegung 1.- Nf4! bereitzustellen, denn 1.- Nd5 verwässert den Zyklus. Alle diese Einwände sind aber angesichts der Harmonie und des Inhaltsreichtums der Idee beckmesserisch, und das Stück erhält trotzdem den Spitzenplatz. Übrigens spielte das Buchstabenschema (in der Lösungsbesprechung fehlerhaft) bei dieser Entscheidung keine Rolle; es geht nur um den schachlichen und taktischen Inhalt. - 1.LEe5-b5? [2.Zh4-e6#] Ge4:e8 a/ Gd4-h8 b/ Gc4:c8 c 2.Gd3-d5 A/Gd3-f5 B/Zh4:e2 X#; aber 1.- Nb6-f4!; 1.LEe5-d6? [2.Zh4-e6#] a/b/c 2.Gd3-b5 C/Dc1-d2 Y/Gd3-f5 B#; aber 1.- Gd7-d5!; 1.LEe5-f5? [2.Zh4-e6#] a/b/c 2.Sa3:c2 Z/Gd3-b5 C/Gd3-d5 A#; aber 1.- Gg6-g4!; 1.LEe5-f4! [2.Zh4-e6#] a/b/c 2.Zh4:e2 X/Sa3:c2 Z/Dc1-d2 Y#.

2. Preis: Nr. 8936 von Hans Peter Rehm
Hauptplan: 1.LIhI [2.Gf3#] Gg4? 2.Gf3+ LIg2 3.LIh7+ LIg6 4. Gf6 ~ 5.Sg3#, aber 1.- TLb1! 2.Gf3+ TL:h1!. 1. Vorplan (beseitigt b3): 1.Gd5+? LIc6 2.G:b3+ LI~ 3.Gd5+ LIc6 4.Gd3 LIa8!! 5.LIh1 LI:h1!. Darum 2. Vorplan: 1.LIg2! Gg4 2.LIa8! [3.Gd5#] Ge6; nun 1. Vorplan: 3.Gd5+ 4.G:b3 5.Gd5+ 6.Gd3+ LIg6!, und nun der Hauptplan: 7.LIh1 Gg4 8.Gf3+ LIg2 9.LIh7+ LIg6 10.Gf6 ~ 11.Sg3#. - Großräumiges Spiel des Lions mit gestaffelten Vorplänen. Der Hauptplan und vor allem die Vorplaneffekte sind spezifisch: Beseitigung eines schwarzen Sprungsteins und die subtile Entfernung des weißen Sprungsteins. Der Autor hätte gern die Rückkehr des Lions von a8 nach b7 dargestellt (#13 mit zusätzlich 7.LIg2 Gg4 8.Lib7 & dann ein anderer Hauptplan), aber es gelang ihm nicht, das zu begründen. Auch wenn der weiträumige Hauptplan etwas zu lang und das Schlußspiel trotz Fesselungsmatt etwas zu dünn geraten ist (keine Parade im letzten Zug), so haben wir hier dennoch einen herausragenden logischen Märchen-Mehrzüger - & davon gibt es ja leider viel zu wenige!

3. Preis: Nr. 8938 von HoIger Helledie
1.Lc6+! Kh2 2.Dh4+ Sh3 3.Kh5 Kg1 4.De1+ Kh2 5.Dh1+ Kg3 6.Dg2+ Kf4 7.De4+ Kg3 8.Dh4+ Kh2 9.a4 Kg1 10.De1+ Kh2 11.Dh1+ Kg3 12.Dg2+ Kf4 13.De4+ Kg3 14.Dh4+ Kh2 15.a5 Kg1 ... 21.a6 Kg1 ... 27.a7 Kg1 ... 33.a8=S Kg1 ... 39.Sc7 Kg1 .. . 45.Se6 Kg1 46.De1+ Kh2 47.Dg3+! K:g3 48.Sg5 Sf4#. - Damaliger & heutiger Längenrekord für Reflexmatt-Miniaturen (vgl. Gruber, Müller, Staudte: Selbstmatt-Miniaturen, Reflexmatt-Miniaturen, EDITIONS feenschach-phénix, Aachen 2003). Als Sahnehäubchen muß Weiß von der Routine 47.Dh1+? Kg3 nebst 48.Sg5 Sf4# wegen Reflexzwang 48.Dg2# abweichen, weswegen das Opfer 47.Dg3+ erforderlich ist. Auch das 7-mal nacheinander gespielte 5-zügige Tempoduell der wD mit dem sK gefällt.


Entscheid im Informalturnier 1996 der Schwalbe
Abteilung: Märchenschach Preisrichter: Hans Peter Rehm/Pfinztal
(als Auszug im Internet)
m

Das Turnier war sehr gehaltvoll, die Qualität sogar noch etwas besser als im Vorjahr: die meisten ehrenden Erwähnungen hätten in anderen Turnieren Preise bekommen. Wieder haben uns die direkten Spiele am meisten überzeugt. Von den meisten Andernachschach-Aufgaben waren wir eher enttäuscht, gab es doch schon in den Schnelltumieren in Andemach (1995 & 1996) wesentlich komplexere Sachen zu sehen. Das s#9 von Hans Moser (9428v) wurde nicht berücksichtigt, da es offensichtlich in Kenntnis des 1. Preises (9428) gebaut wurde. Ohne dieses Vorbild wäre es sicher eine ehrende Erwähnung geworden.

1. Preis: 9361 Klaus Wenda
Heinrich Bernleitner
2. Preis: 9179v
Petko A. Petkov

-be- & H.P. Rehm gewidmet
3. Preis: 9367
Markus Manhart
Franz Pachl

s#7 (9+4)

s#5 (10+13)

ser-s=21 (5+8)
Circe = Leo = Pao
= Vao
1. Preis: Nr. 9361 von Klaus Wenda & Heinrich Bernleitner
1.Tc1! d6 2.T:c5(Sb8)+ d:c5(Ta1) 3.Tc1! S~ 4.T:c5(c7)+ S:c5(Ta1) 5.0-0-0! c:b6(b2) 6.Se6+ K:e6(Sb1) 7.Db3+ S:b3#. - Die Autoren hatten Pech, daß im Probespiel 1.- 0-0-0? d6 2.S:e6(Sb1)+ Ke6 der sB "zufällig" nach d5 kann (nach 3.Db3+ geht leider außer S:b3! auch d5!). Also ist die Überführung des sB nach b6 doppelzweckig. So etwas stört neudeutsch=Puristen. Die Aufgabe erhält dennoch den 1. Preis: Eine wunderbar ökonomische Stellung mit eindrucksvollen, feinen Zügen. Dreimal steht der wT auf a1, bevor rochiert werden darf. Der Stein auf c5 verwandelt sich circensisch von S in B und wieder zurück in S.

2. Preis: Nr. 9179 von Petko A. Petkow
1.c8=LE+? ... 4.LE:a2+ LEb3!; 1.c8=PA+? ... 4.PAe4??; 1.VAg4! [2.c8=VA+ K:e8 3.VAb7+ Kd7 4. VA:e4+ Ke6 5. VAef5+ VA:g4#] 1.- LEe2 2.c8=LE+! K:e8 3.LEc7+ Kd7 4.LEa5+ Ke6 5.LE:a2+ VAb3#, 1.- e3 2.c8=PA+! K:e8 3.PAc7+ Kd7 4.PAc4+ Ke6 5.PAe4+ VA:e4# - Petkos typischer s#-Stil (mehrere Batterien - hier drei - werden unter ständigem Schachbieten in mindestens drei Abspielen auf- & umgebaut) ist hier mit Umwandlungen in chinesische Steine verbunden. Die Unterverwandlungen in Vao & Pao sind darin begründet, daß ein Leo auf c4 oder e4 dem sK das Feld e6 nimmt. Leider sind die Verteidigungen ungleichgewichtig: 1.- e4-e3 ist chinesen=spezifisch (sowohl Verteidigungs- als auch Nutz-Effekt); 1.- b2-e2 aber eher wie orthodox, weil b3 aufgegeben wird.
Bei der technischen Analyse stellten wir fest, daß der Schlüssel-Vao schöner auf h3 stehen kann (nicht mehr en prise durch den sS - das ergibt auch astreine Probespiele!). Auch schien es uns wünschenswert, der nur als T verwendeten wD eine adäquate Rolle zu verleihen. Dazu schien wDa8 geeignet (deckt in der Lösung zudem c6,d5 & spart also den wSb4), es macht aber einen Dual, der durch sBg5 beseitigt werden kann (sSf8 wird überflüssig). Mit 10 sBB wäre es möglich, nur den wBc7 als einzigen wThema-B auf dem Brett zu haben wie in der Turnierfassung. Petko hat unseren Verbesserungsvorschlägen zugestimmt und widmet uns das Stück für freundliche Unterstützung.

3. Preis: Nr. 9367 von Markus Manhart & Franz Pachl
2.d:e7 3.e8=S 4.Sc7 5.Sd5! 8.e8=T 9.Te5! 10.Kd4 14.c8=L 16.Lc4! 20.b8=D 21.Db4+ & D:b4=. - Die AUW mit Rückkehr der umgewandelten wBB auf ihre Startfelder ist hier wohl erstmalig im Ser.s= zu sehen. Die eindeutige Zugreihenfolge wird harmonisch durch 2 Halbfesselungen erzielt, und nicht - wie üblich - durch Wegschlagen von Blockbauern. Perfekte Materialausnützung auch der schwarzen Steine wäre erreicht mit einer 2. sDf5 (ohne sLc2) - auch die sDame hätte dann im Pattbild eine Funktion. Leider wird diese Verschönerung durch die herrschende Konvention verhindert - & die Preisrichter können ihren Vorschlag auch nicht Co=geprüft machen: beide Fassungen sind (noch) nicht prüfbar.

4. Preis: Nr. 9120 von Geoff Foster
1.Th1 2.g1=S 3.Lg2 4.Sf3 5.Thg1 6.h1=L 7.h2 8.Lh3 9.Tg2 10.Kg1 11.Tgf2 12.L1g2 13.h1=T 14.Kh2 15.Tfg1 16.Lf1 17.Lhg2 18.Kh3 19.Th2 20.Lh1 21.g2 & T:g5=!; 1.h1=T 2.Th2 3.Tgh1 4.g1=S 5.Tg2 6h2 7.Sh3 8.Thg1 9.h1=L 10.Th2 11.Lhg2 12.Tgh1 13.Kg1 14.Tf2 15.Lf1 16.Thg2 17.Kh2 18.Sg1 19.Kh3 20.Tgh2 21.g2 & K:g5=!. - Lange Serienzüger mit zwei Lösungen sind dünn gesät. Die beiden Spiele sind hinreichend unterschiedlich & doch verwandt durch den Reziprokwechsel der sUW auf ein und demselben Feld h1 - wohl auch eine Rarität im Serienzüger! Es überzeugt zudem die Dualvermeidung im Schlußzug aufgrund des Wechsels der auf f3 gefesselten wFigur. Der wSe1 dient nicht nur zum Stoppen des sBe2, sondern reguliert NL-verhindemd die sK-Bewegungen!
Leider hat der Autor dieses feine Stück nicht zum FIDE-Album eingesandt. Stattdessen findet sich im Album 92-94 eine scheinbar ähnliche Aufgabe von Ian Shanahan (G21), die aber weit weniger aufregend ist - übrigens Geoff Foster gewidmet (der anscheinend ein spezielles Computerprogramm zur Prüfung solcher Serienzüger auf engstem Raum geschrieben hat).

5. Preis: Nr. 9247 von Manfred Rittirsch
1.La4! L:d2 2.L:b3(sBe1=L) Lf4(wSd5!) 3.L:b4 Lh6(wSd6)#; 1.Lc4! L:b2 2.L:b3(sBa1=L) Le5(wSe6) 3.L:e5 Sd5!(wLg6)#. - Zwei wunderbar konstruierte parrain=spezifische Mattbilder-Aufbauten zum Modellmatt mit der Zusatzpointe, daß einmal der wSb2 & einmal der wSb3 nach d5 gelangt. Der ästhetische Gesamteindruck wird durch den Gleichklang der Bewegungen des sL & des wL verstärkt mit sL-parrain-Umwandlungen auf verschiedenen Feldern.

4. Preis: 9120 Geoff Foster

ser-h=21 (4+11)
2;1;1...
5. Preis: 9247 Manfred Rittirsch

h#3 2.1.1... (5+9)
Circe Parrain

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