Heft 287, Oktober 2017 voriges Heft nächstes Heft

Todesfälle

Seit 40 Jahren war Jan C. Roosendaal Schwalbe-Mitglied, jetzt ist er am 16. Mai im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Amsterdam verstorben. Schach nahm in seinem Leben einen breiten Raum ein, sowohl als Partiespieler als auch als Problemist. Er komponierte überwiegend Zweizüger, zwischen 1982 und 1994 publizierte er einige Broschüren über Zweizügerthemen wie Sternflucht, Albino oder Pickaninny.

Kalenderblatt

Vor 25 Jahren verstarb Günter Schiller (31.10.1937-4.10.1992), der unermüdliche Motor des Problemschachs in der DDR. Schon früh legte er sich auf das Problemschach fest, leitete ab 1973 die 1958 von Georg Kaiser begründete und ab 1984 von Hans Vetter fortgeführte Schachspalte der Sächsischen Zeitung. Schiller war auch Mitglied der "Kommission für Probleme und Studien" der DDR und de facto über viele Jahre hinweg deren Botschafter in westlichen Ländern; eine teuer erkaufte Vergünstigung, denn seine Reisen waren ihm nur möglich, weil Diabetes ihn zum Frührentner gemacht hatte. (Siehe auch die Kalenderblatt-Notiz in Heft 257.)

Der vor einem halben Jahrhundert verstorbene jugoslawische Komponist Bratoljub Gruber (1925-6.10.1967) war zunächst ein auf Eröffnungstheorie spezialisierter Partiespieler, wandte sich dann aber der Komposition zu, insbesondere Zweizüger vom Typ White to play. Diesem Stil ist er auch nach dem Aufkommen virtueller Thematik treu geblieben und hat sich dabei um eine Renaissance dieser alten Kompositionsrichtung bemüht.

Schon in Heft 200 (April 2003) wurde an den in Odessa geborenen Witali Halberstadt (20.3.1903-25.10.1967) erinnert, der seit 1925 in Frankreich lebte. Er war ein ausgezeichneter Studienkomponist und vertrat Frankreich für einige Jahre in der PCCC.

Johann Hutter

Kurier 1953

wKb7, wDg2, wSb5f6, sKd8, sTh1h8, sLb4c2, sSe7g6, sBa4d5e4f5

#4 (4+11)

In seinen nicht sehr zahlreichen Problemen befasste sich der Österreicher Johann Hutter (25.12.1888-18.10.1967) ausschließlich mit Mehrzügern. Sein hier gezeigter eleganter Vierzüger zeigt eine höchst effektvolle Lösung: Gegen 1.Sd4 kann Schwarz sich noch mit 1.- Sf4! verteidigen. Dies verhindert Weiß durch den Vorplan 1.Dg3! f4, so dass der spektakuläre Hauptplan 2.Sd4 Sf8 3.Dg6!! [3.De8#] 3.- Se:g6/Sf:g6 4.Sc6/Se6# durchschlägt.

Der vor 100 Jahren geborene Hoch- und Tiefbau-Ingenieur Nikolaij Pawlowitsch Selepukin (10.9.1917-23.8.1993) gab 1947 ein Buch über ukrainische Schachkomposition in ukrainischer Sprache heraus. 1969 folgte ein Band über Schach im Donbas und 1982 sein Slowar schachmatnoi komposizi, das auch eine zweite Auflage erlebte (1985) und als Kompositions-Lexikon mit dem 1968 erschienenen Sidler vergleichbar ist.

Vor 125 Jahren haben gleich fünf niederländische Problemkomponisten das Licht der Welt erblickt: Der äußerst zurückhaltende, introvertierte Gerardus Hendrik Goethart (4.9.1892-17.5.1969) und der im Gegensatz dazu sehr kontaktreudige Frederik Willem Nanning (4.9.1892-12.6.1958) wurden am gleichen Tag geboren.

H. Weenink
G. H. Goethart

Göteborgs Schacksellskap
1921

2.-3. Preis ex ae.

wKg3, wDc4, wSe4f2, wBb3f6, sKf5, sTa8, sLc8, sSb1, sBa6c6c7d3g5g6

#3 (6+10)

Goethart komponierte in einem halben Jahrhundert nur etwa 100 Probleme, konzentrierte sich dabei zunächst ganz auf Zweizüger, wobei er das nach ihm benannte Thema (Weiß entfesselt im Mattzug einen schwarzen Stein) entwickelte und mehrfach bearbeitete. Ab 1948 versuchte er sich vermehrt auch an Dreizügern, obwohl er auf diesem Gebiet schon 1921 in Zusammenarbeit mit Hendrik G. M. Weenink (17.10.1892-2.12.1931), den er seit den Jahren des ersten Weltkriegs kannte, einen Erfolg erzielen konnte (s. Diagr.): 1.Sg4 [2.Kg2 nebst 3.Sg3# (auch nach 2.- K:g4)] 1.- Lb7! 2.S:g5 [3.Dc5, Df4#] 2.- K:g5 3.Dc5#; ein ungewöhnliches Chamäleon-Echo mit Modellmatts; Nebenspiele 1.- Sa3 2.D:d3; 1.- Sc3/Sd2 2.S:c3/S:d2; 1.- Le6 2.Sd6+.

H. G. M. Weenink
F. W. Nanning
W. Nanning

Tijdschrift N.S.B. 1930

wKc7, wDb8, wTa7, wLe1e2, wSb2c8, wBa3a6b7e7f2f5, sKa5, sDd1, sTd2h3, sLd5, sBb3b5c5e6g2

#3 (13+10)

F. W. Nanning entstammte einer schachbegeisterten Familie. Sein Vater und vier Brüder spielten Schach und lösten auch Probleme, drei seiner erheblich älteren Brüder komponierten auch selbst; am bekanntesten war der älteste Bruder Willem (1870-1932), der schon Probleme publiziert hatte, bevor Frederik Willem geboren wurde und der ihm auch die ersten Kompositionsregeln vermittelte. Um 1925 begann F. W. Nanning intensiv zu komponieren, bald danach wurde er Mitarbeiter verschiedener Schachspalten. Aus dieser Zeit stammt auch die Gemeinschaftsaufgabe mit seinem Bruder und mit Weenink (s. Diagr.): 1.Kd6! [2.Dc7#] 1.- L:b7+ 2.Kc7; 1.- Lc6+ 2.K:c6; 1.- Le4+ 2.Ke5; 1.- Lf3+ 2.Ld3; 1.- Lc4+ 2.K:c5; fünf Abzugschachs mit fünf verschiedenen Antworten des weißen Königs.

Weenink hatte schon 1921 sein grundlegendes Werk Het Schaakprobleem - Ideeën en Scholen vorgelegt, das A. C. White 1926 in englischer Übersetzung unter dem Titel The Chess Problem in seine Christmas-Serie aufnahm. Weenink gründete 1931 zusammen mit Niemeijer und Feenstra Kuiper den Nederlandse Bond van Probleemvrienden und wurde dessen Sekretär, starb dann aber viel zu früh. Sein Nachfolger als Sekretär wurde Nanning, der sich in den folgenden 25 Jahren mit großer Energie um den Aufbau der Vereinigung bemühte und 1933 auch die Problemspalte in der Tijdschrift van de Nederlandse Schaakbond übernahm, die damals das Organ der Problemisten war (Probleemblad erschien erst ab September 1943). Die niederländischen Problemisten widmeten Nanning 1958 den 7. Band ihrer Reihe "Probleemcomponisten", nicht ahnend, dass dies fast schon ein Nachruf war. - Erst im letzten Jahr erschien zum 50. Todestag von Joseph J. L. M. Opdenoordt (16.9.1892-4.4.1966) eine Kalenderblatt-Notiz; jetzt gehört er ins niederländische Gruppenbild der 125-jährigen, ebenso wie Johannes H. B. Feldbrugge (23.9.1892-30.4.1966), der hauptsächlich Zwei- und Dreizüger komponierte.

F. W. Nanning
Poul Rasch Nielsen

Magasinet 1953

1. Preis

wKa1, wDf1, wTc8d1, wLg8h6, wSd2d4, wBa3b4c2e5f2f4, sKc3, sDc7, sTa5c6, sLd8f3, sSd5e2, sBa2b5b7

#3 (14+11)

Der dänische Komponist Poul Rasch Nielsen (17.9.1892-20.3.1965) veröffentlichte 1927 sein erstes Problem in Skakbladet, der Zeitschrift, deren Problemteil er von 1933 bis 1959 leitete. Er gehörte zu den Delegierten, die am (einzigen) Kongress des International Problem Board 1936 in München teilnahmen (vgl. Heft 286A, Seite xi). Rasch Nielsen, der mit Franz Palatz befreundet war, hatte eine besondere Vorliebe für die logische Schule und komponierte ungefähr 300 Probleme (2#, 3#, n#, s# und Studien). Zufällig fand ich zur rechten Zeit seine gut in dieses Kalenderblatt passende Gemeinschaftsaufgabe mit F. W. Nanning (s. Diagr.): 1.De1 [2.Sf1+ Kc4 3.Se3#]; 1.- T:a3 2.Sb1+ Kc4 3.S:a3#; 1.- Te6 2.S2b3+ Kc4 3.S:a5#; 1.- D:e5 2.S:f3+ Kc4 3.S:e5#; 1.- Df7 2.Se4+ Kc4 3.Sd6#.

William H. Reilly

Good Companions
Feb. 1915

2. Preis

wKd1, wDb8, wTg3, wLa2a7, wSe8h5, wBd5e2f2, sKe4, sTg8, sLc3h1, sSg6h6

#2 (10+6)

Der am 5.10.1892 geborene englische Komponist und Löser William Henry Reilly begann um 1915 als Good Companion-Zweizügerkomponist, verlegte sich dann aber schon bald überwiegend aufs Märchenschach. In Dawsons legendärer Fairy Chess Review veröffentlichte er etwa 380 Probleme, und er löste dort über deren gesamte Erscheinungsdauer von mehr als 27 Jahren ohne Unterbrechung. Über Reillys Lebensende ist mir nichts bekannt. Mitte der 1970er Jahre erschienen noch eine ganze Reihe von Urdrucken in feenschach und im Januar 1983 brachte der Problemist noch ein Märchenschach-Original. Kehren wir zurück zu Reillys Anfängen mit einem Zweizüger, der dadurch Furore machte, dass er den Lösekünsten Capablancas 15 Minuten widerstand - weit länger als die elf übrigen Zweizüger zusammen. Alle diese Aufgaben wurden am 22.2.1915 beim ersten "International Two-Move Solving Tourney" zur Lösung gestellt, einer damals gestarteten Reihe von ISC-Vorläufern, über die erst in Heft 286A, Seite viii berichtet wurde. Haben Sie mittlerweile die Lösung gefunden? (1.Tg2!)

Dem schwedischen Komponisten Karl Alfred Stål (4.6.1864-9.9.1892) war nur eine kurze Lebensspanne beschieden. Nach seinem Tod schrieb die damals den Bergerschen Kunstgesetzen unterworfene DSZ: Stål war ein sehr talentvoller Problemkomponist, der allerdings die modernen Kunstgesetze, wie sie in Deutschland im Problemgebiet herrschend geworden sind, bei seinem Schaffen sich nicht hinreichend als Richtschnur dienen ließ. Seine vielfachen Erfolge hat K. Stål deshalb vor allem in ausländischen Turnieren erzielt, in welchen bei der Kritik von Aufgaben ein anderer Maßstab zu Grunde gelegt wird. Zweifellos wäre es dem aufstrebenden Talent ein leichtes gewesen, die Ecken und Kanten, welche seine Aufgaben jetzt für den deutschen Geschmack weniger genießbar machen, abzuschleifen. - Abgeschliffen wurde etwa 10 Jahre später, und es waren glücklicherweise die Kunstgesetze, die diesen Prozess nicht überstanden.

Karl Behting

Gazetta Litteraria 1887

Preis

wKa1, wDd6, wLa5e4, wSc3f8, wBb2g5h2h6, sKf4, sLa8, sSe5, sBc4d4f3f7g4h5

#3 (10+9)

Vor 150 Jahren wurde Karl Behting (27.10.1867-28.3.1943) geboren, der zu einem führenden Theoretiker und einem der besten Schachschriftsteller Lettlands werden sollte. Eine Auswahl seiner Werke ist in dem Büchlein Studien und Probleme, das er gemeinsam mit seinem Bruder Johann 1930 herausgab, enthalten. Zusammen mit seinem Bruder Johann (1856-1945), Troitzky und den Platow-Brüdern gehört er zu den typischen Vertretern der sogenannten "klassischen Studienschule". Er war auch als Spieler erfolgreich, und er leitete zusammen mit Kerkovius mehrere Jahre die Baltischen Schachblätter. Hier sei ein Dreizüger aus 1887 mit vierfachem Damen-Hineinziehungsopfer und Mattechos gezeigt: 1.Lh7 d:c3 2.Dd2+ c:d2 3.L:d2#, 1.- K:g5 2.Df6+ K:f6 3.Ld8#, 1.- h4 2.D:e5+ K:e5 3.Lc7#, 1.- Ke3 2.D:d4+ K:d4 3.Lb6#, dazu noch ein S-Opfer nach 1.- d3 2.Sd5+ L:d5 3.Ld2#.

Johannes H. Zukertort

Preti: L'ABC des Echecs
Nr. XVII 1895

wKg5, wTf7, wSg6, wBg7, sKh7

#1 (4+1)

Vor 175 Jahren wurde Johannes Hermann Zukertort geboren (7.9.1842-20.6.1888). Seit 1855 lebte er in Breslau, lernte dort im Akademischen Schachclub Anderssen kennen, der sein Lehrmeister wurde. Zukertort redigierte gemeinsam mit Anderssen von August 1867 bis Dezember 1871 die Neue Berliner Schachzeitung. 1868 erschien seine Sammlung der auserlesensten Aufgaben, Studien und Endspiele, soweit erkennbar, seine einzige intensive Auseinandersetzung mit der Schachkomposition. Ab 1872 lebte er in England, wurde 1873 Redakteur der Westminster Papers (bis 1876), in denen er immerhin mindestens zwei eigene Probleme veröffentlichte. Dass er auch Humor hatte, zeigt sein hier wiedergegebener Einzüger, der in Numa Pretis ABC des Echecs von 1895 nachgedruckt wurde (die Originalquelle ist mir unbekannt). Mit der Lösung nimmt Zukertort vermutlich eine nicht präzise formulierte Umwandlungsregel auf die Schippe: Der wBg7 wandelt in einen schwarzen Sg8 um! Im September 1879 gründete er sein eigenes Journal, The Chess Monthly, das sehr erfolgreich war und zum Zeitpunkt seines Todes allein mehr Abonnenten hatte als alle anderen in englischer Sprache erscheinenden Schachblätter zusammen. Sein Leben endete in Simpson's Divan, dem berühmten Treffpunkt der Londoner Schachspieler, wo ihn ein Schlaganfall ereilte, dem er am folgenden Tag erlag.

(GüBü)


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