Heft 265, Februar 2014 voriges Heft nächstes Heft

Todesfall

Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns die bestürzende Nachricht, dass Karlheinz Bachmann aus Bochum am 7. Januar verstorben ist. Kürzlich nahm er, ein ausgewiesener Spezialist für langzügige Selbstmatts, noch am Schwalbetreffen in Sindelfingen teil, und erst im letzten Heft gratulierten wir ihm zum 75. Geburtstag.

Zur Todesmeldung von Mario Matouš im letzten Heft ist eine Berichtigung nötig. Die Quellenangabe zur gezeigten Gewinnstudie war falsch. Wie Ward Stoffelen mitteilt, lautet die Quelle 1. Preis, Shakh-maty Riga. Als Studie des Jahres 2007 wurde eine andere Matouš'sche Komposition ausgezeichnet (wKf4, Tc2, Lf2, Sd2; sKh2, Da7, Bc5d5; W gewinnt; 1.Sf3+ Kh1 2.Ld4 Df7+ 3.Ke3 c:d4+ 4.Kf2 Df4 5.Tc6 De3+ 6.Kg3 d3 7.Ta6 Dc1 8.Ta7 und gewinnt; siehe EG 174, Oktober 2008, S. 250). [GüBü]

Kalenderblatt

Nur kurz erwähnt sei der 25. Todestag von Jac Haring (30.3.1913-25.2.1989), an dessen 100. Geburtstag im letzten April-Heft erinnert wurde. - Vor 50 Jahren starb Cyril Stanley Kipping (10.10.1891-17.2.1964), der einer der produktivsten Komponisten und Schachpublizisten aller Zeiten war. Der Sohn des Chemieprofessors F. S. Kipping (der erstmals Silikone herstellte) und Enkel von W. H. Perkin, der als erster die technische Herstellung von Anilinfarbstoffen durchführte, studierte ebenfalls Chemie, entschied sich dann aber für den Lehrberuf und leitete 32 Jahre lang eine High School. Er war einer der besten Amateur-Billardspieler Englands, ein guter Tennisspieler und gewandter Jongleur - und er komponierte mehr als 7000 Probleme, war Mitarbeiter vieler bedeutender Schachzeitschriften: Chess Amateur, L'Echiquier, Chess und insbesondere The Problemist, dessen Herausgeber er über Jahrzehnte war. Daneben veröffentlichte er noch mehrere Bücher. Der 1932 in der Christmas Serie von A. C. White erschienene Band The Chessmen speak von George Hume enthält eine Auswahl Kipping'scher Kompositionen.

Friedrich v. Wardener

Münchner Neueste
Nachrichten 1904

wKg7, wTd4, wLb1e5, wBa2b4c5f2g6h3h5, sKc3, sLa1, sBb2c6c7h6h7

#5 (11+7)

Der in Wien geborene Friedrich Freiherr von Wardener (25.4.1873-15.1.1964) begann mit 16 Jahren, Schachprobleme zu komponieren, zunächst Zweizüger, die ihn schnell bekannt machten. Als Arthur Gehlert 1903 seine Schrift Über das Wesen des Schachproblems veröffentlichte, sah sich v. Wardener genötigt, die klassisch-altdeutsche Schule, der er sich verpflichtet fühlte, zu verteidigen. In dem folgenden Briefwechsel zwischen ihm und Gehlert, dem sich ein weiterer mit Kohtz anschloss, schwenkte von Wardener mit Begeisterung auf die neudeutsche Linie um. Er wandte sich von Berger und dessen Kunstgesetzen ab und trat vehement für die Freiheit im Kunstschaffen ein. Es ist daher nur konsequent, dass er sich nach einer Phase, in der er bevorzugt Mehrzüger der neudeutschen Schule komponierte, in zunehmendem Maße auch dem Märchenschach öffnete, dem er auch in seinen Schachspalten in der Grazer Tagespost und ab 1924 im Neuen Grazer Tagblatt Raum gab. Im berühmten Jubiläumsbuch des ASCM 1911 sind 18 Aufgaben des korrespondierenden Mitglieds v. Wardener enthalten - noch alles Zweizüger. Der hier wiedergegebene Fünfzüger von 1904 zeigt schon den Einfluss des Indischen Problems. Allerdings ist der Inder im Diagramm noch gut versteckt und deutet sich erst nach dem Auswahlschlüssel 1.Kf8! an. Es folgt 1.- h:g6 2.h:g6 h5 3.Lh8 h4 4.g7 K:d4 5.g8D (L)#.

John Frederick Keeble (27.8.1855-19.2.1939) leitete von 1902 bis 1912 die bedeutende Schachspalte im Norwich Mercury. Dort schrieb er 1909 ein Kompositionsturnier für Selbstmatts aus; Aufgaben aus diesem Turnier wurden in dem 1910 publizierten Band The Caduceus publiziert. 1935 schrieb Keeble für die White'sche Christmas-Serie den Band An English Bohemian, der dem Schaffen B. G. Laws' gewidmet war.

Hans Johner

Neue Zürcher Zeitung
11.8.1946

wKg3, wTc1, wLe6f2, wSc8f5, wBa3a4g5h6, sKc5, sDd3, sTd4, sLg2, sSa1h8, sBa2c3c4c6f3g4

#3 (10+12)

Mit seinem Bruder Paul (siehe zu beiden auch S. 236 im Heft 263) hatte Hans Johner (7.1.1889-2.12.1975) sowohl viele berufliche wie auch schachliche Gemeinsamkeiten. Allerdings sind dem vor 125 Jahren geborenen Hans Johner die bedeutenderen kompositorischen Leistungen geglückt. Odette Vollenweider hat (unter dem Pseudonym Gabriel Baumgartner) ihrem großen Vorbild und Förderer mit der etwa 1967 erschienenen Biographie Kostbarkeiten der Problemkunst ein schönes Denkmal gesetzt. Darin ist auch die hier gezeigte virtuose Aufgabe enthalten: Der Schlüssel 1.Sfd6 droht 2.Sb7#. Um die Felder e4 und b7 unter Kontrolle zu behalten, stehen der sD zwei Züge zur Verfügung: Nach 1.- Db1 folgt 2.Td1! mit der Drohung 3.L:d4# (nicht 2.Tc2 wegen Db8) und weiter 2.- Sb3/Sc2 3.Sb7/Se4#. Auf die Alternative 1.- Dh7 darf W nicht mit 2.g6 Dc7! fortsetzen, sondern mit 2.Te1 (droht 3.T:e5#), und wieder kann S durch 2.- Sf7/Sg6 die Matts 3.Sb7/Se4 nur noch differenzieren. In beiden Varianten zwingt eine Sekundärdrohung die sSS, die Schenkel des Brennpunktwinkels zu verstellen.

Erst im Oktoberheft wurde des 50. Todestags von Leon Loewenton (6.1.1889-23.9.1963) gedacht, jetzt jährt sich sein Geburtstag zum 125. Mal. Auch hier ist eine Berichtigung angesagt, denn die auf Seite 236 gezeigte Studie wurde im Zeitalter der Tablebases als nicht korrekt befunden. Martin Minski wies darauf hin, dass seit einigen Jahren bekannt ist, dass das Endspiel T und zwei Leichtfiguren gegen T und eine Leichtfigur im Allgemeinen gewonnen ist, und die 7-Steiner-Datenbank zeigt für die konkrete Studie, dass z. B. 1.Lh4 oder 1.Lg3 mit Matt in 36 bzw. 31 Zügen auch zum Ziel führen. Schade um das schöne Stück.

Der italienische Mathematikprofessor Vittorio Paparella (4.1.1889-6.7.1968) komponierte Zwei-, Drei- und Mehrzüger mit meist leichten Stellungen, schrieb eine Reihe von Problemschach-Artikeln, unter anderem über reziproken Funktionswechsel im Zweizüger, und erforschte insbesondere die in Italien erschienenen Problemrubriken seit 1800, von denen er mehr als 200 nachweisen konnte.

Uns Problemisten ist der vor 150 Jahren geborene Augusto Guglielmetti (1864-18.5.1936) in erster Linie - und fast ausschließlich!? - bekannt als Widmungsträger im Ur-Römer von Kohtz und Kockelkorn, ja sogar die Bezeichnung "Römer" geht auf Guglielmettis in der Widmung genannten Wohnort zurück. Er gehörte um die vorletzte Jahrhundertwende zu den wichtigsten italienischen Partiespielern und Schachorganisatoren. 1898 war er maßgeblich an der Gründung des ersten italienischen Schachverbands beteiligt, daneben betätigte er sich auch publizistisch: Nachdem er zwei Jahre lang Mitarbeiter der spanischen Zeitschrift Ruy-Lopez war, gab er von 1900 bis 1913 die Rivista Scacchistica Italiana heraus.

Ernest Halliwell (1864-??) war ein Komponist der altenglischen Schule. Er hielt die Schwierigkeit der Lösung, insbesondere des Schlüsselzugs, und die Schönheit der Konstruktion und der Idee für die wesentlichen Aspekte eines Problems, die in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen sollten, denn der eine dieser Aspekte führe ohne den anderen zu einer Enttäuschung beim Löser. Sollte dennoch einer geopfert werden müssen, dann soll dies - überraschend für uns heute - die Schönheit sein. Die banale Begründung dafür: Bei einem schwachen Schlüsselzug höre die Komposition auf, ein Problem zu sein und es bliebe "nur noch" ein Stück von künstlerischer Schönheit übrig. Das war damals offenbar zu wenig.

Ferdinand Schindler

Münchner Neueste
Nachrichten 1889

1. Preis im 1. TT

wKf7, wDa2, wLd6, wSd3h5, wBa5g2h4, sKe3, sBc4e2g4

#4 (8+4)

Ferdinand Schindler (15.2.1864-24.4.1940) wurde in Schlesien geboren, ging in Brünn ins Gymnasium und wurde dort von seinem Onkel, dem Naturforscher Gregor Mendel (Erbgesetze) ins Problemschach eingeführt. Sein erstes Problem schickte er an Brentano's Chess Monthly, es wurde in dessen erstem Turnier (1882) gleich mit einem 4. Preis ausgezeichnet, dem bald weitere Auszeichnungen folgten, unter anderem der 1. Preis (s. Diagr.) in der 4#-Abteilung der Münchner Neuesten Nachrichten, dem legendären, von Kohtz und Kockelkorn gerichterten Turnier mit 344 Einsendungen, dem wohl ersten Thematurnier der Problemgeschichte. Lösung: 1.Sg3! K:d3 2.Db1+ Kd4 3.Sf5+ etc.; 2.- Ke3/Kc3/Kd2 3.Lc5/Lb4/Lf4+ etc.; Nebenspiel 1.- Kd4 2.Le5+ Kd5 3.Da4 etc.; 1.- e1=D 2.S:e1 etc.; 1.- c:d3 2.Lc5+ Kf4 3.Sh5+. Nachdem Schindler Mitte der 1890er Jahre als Landarzt tätig war, gab er das Schach zeitweise auf, übernahm aber später den Problemteil im Sudetendeutschen Schachecho.

Der Rechtsanwalt Emilio Orsini (13.1.1839-27.2.1898) gründete 1875 mit der Nuova Rivista degli Scacchi die wohl bedeutendste italienische Schachzeitschrift des 19. Jahrhunderts, die zunächst bis 1881 und dann noch einmal von 1885 bis 1893 erschien. Orsini gab daneben einige Problemsammlungen heraus, darunter die 1895 publizierten Cento problemi di Scacchi, in der 100 von ihm komponierte Aufgaben enthalten sind.

Johan Gustaf Schultz (23.2.1839-28.11.1869) wurde nur 30 Jahre alt, aber dennoch fiel ihm die Bezeichnung "Vater der schwedischen Problemkomposition" zu. Schultz war Redakteur der Problemspalte einer Stockholmer Zeitung, und er besaß die bedeutendste Schachbibliothek Schwedens. Seine 1862 publizierte Sammlung von 100 Schachaufgaben war das erste schwedische Problemschachbuch. [GüBü]

 


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